Einzelbild herunterladen
 

JV 183

l'/sstündigen Spaziergang im September reist Graf Caprivi

.Morgen muß Alle- frühzeitig auf der Eisenbahn

Wie weit ist alles?

\U

Mmgen mußte er sich frühzeitig nach „Nur noch einige Kleinigkeiten sind zu erl Um bte ^Packung verschie- j in einer Stunde wild die Verpackung beginnen, dener Maschmentheil? in Kosten zu überwachen. Diese - „Sind die Kisten bereit ?"

Nur noch einige Kleinigkeiten sind zu erledigen,

u

। * Eine große Versammlung vo« Tabakarbei­

ter« «ttb Arbeiterinue« erhob in letzter Nacht ein­stimmig einen engerischen Protest gegen die Einführung der Fabrikatsteuer und stimmte gegen jede Mehr- besteuerung des Tabaks, da die Industrie zu Grunde gerichtet und Tausende existenzloS gemacht würden. Die Versammlung erwartet vom Reichstage, daß er niemals seine Zustimmung zu derartigen Maßregeln geben würde. ES soll noch eine große Versammlung abgehalten werden.

* Schern Abend fand hier eine große Protest- Versammlung gegen de« Züricher Kongreß wegen der Ausweisung der Anarchisten und revolutionären Sozialdemokraten statt. Die sozialdemokratischen Führer wurden von den Rednern Schufte genannt. Einer meinte, Singer sei nur durch die Ausbeutung armer Arbeiterinnen reich geworden und Bebel durch die Arbeitergroschen, die er sich für seine Schriften habe zahlen lassen. Schließlich wurde eine Resolution an­genommen, in welcher dem Züricher Kongreß das Recht bestritten wurde, sich internationaler Sozialisten- oder Arbeiter-Kongreß zu nennen, weil er in schimpflicher Weise Arbeiterorganisationen ausgeschlossen habe, welche die heutige Gesellschaftsordnung nicht allein auf dar Schärfste bekämpfen, sondern auch da« Unglück haben, frei sein zu wollen von dem kapitalistischen Joch wie auch von der Herrschaft eitler Demagogen. Genosse Domela Rienhuis-Holland soll diesen Protest unver­züglich dem Kongreß unterbreiten.

* Zwischen De«tschl<md und Spanien ist end- lich ein neuer HundelSvertrag abgeschlossen worden, dessen Unterzeichnung gestern in Madrid erfolgte. Derselbe bedarf noch der Zustimmung der beiderseitigen gesetzgebenden Körperschaften.

* im ReichSamt des Innern herauSgegebene deutsche „Handelsarchiv" bringt in übersichtlicher Zu- sammenstellung sämmtliche in Deutschland und Ruß-

Der Reichskanzler Graf Caprivi unternahm heute zum ersten Male seit seiner Erkrankung einen l'/sstündigen Spaziergang im Thiergarten. Am 2. September reist Graf Caprivi zu den Manöver« ab und begibt sich dann zur Kur nach Karlsbad.

* Auf eine Anfrage erklärte das kaiserliche Gesund­heitsamt, daß von einem in Berlin vorgekommeney

Maschinen waren nach Bellegarde bestimmt, wo am Ufer der Rhone große Fabriken im Bau begriffen waren.

„Ich habe sie soeben in der Schreinerei in Augen­schein genommen."

arge Kultur-R ückschritte; doch über solche Senti­mentalitäten muß heutzutage ein militärfrommer Patriot erhaben sein. „Mehr Geld!" heißt die allein maß- gebmde Parole.

Die Leute sollten vierzehn Tage oder drei Wochen ausbleiben.

Heute war Samstag. Am nächsten Montag sollte die ganze Sendung der Eisenbahn überg ben werden.

Als der Millionär auf der Fabrik eintraf, fand er Lucian auf seinem Posten.

Warm drückte er ihm die Hand, zu einiger Ber- wunderung des jungen Mannes, welcher nach der Unterredung, die er gestern Morgen mit Harmant ge­habt hatte, eine gewisse Kälte bei Letzterem erwartet hatte.

„Sie beschleunigen ja die Sachen für Bellegarde etwas?" sagte der Chef.

„Gewiß."

deutsches Reich.

Berlin, 10. August.

* Der Kaiser wird am 10. September in Straß­burg i. E. erwartet, wo er 4 Tage verweilen wird. Hier findet zunächst die Kaiserparade über das 14. und 15. Armeekorps statt, darauf manöveriren die beiden Armeekorps gegeneinander bei Straßburg und Kehl. Bei diesen Manövern wird eine Brücke über den Rhein geschlagen.

* Das 50 Meuntg-Packet.

Hat Herr Miquel etwas zu schaffen mit dem Ge- danken, dar einheitliche Porto für die 10 Pfund- Packete abzuschaffen, — oder ist das eine minder halt- bare Eigenleistung der ,Berl. Pol. Nacht/? Ueber diese Frage wird gestritten.

Bon der einen Seite sagt man, dar Verhalten der Herrn Miquel gegenüber den preußischen Plänen zur Eisenbahn-Tarifreform beweise deutlich, daß er von den Verkehrsmitteln weniger die Beförderung der Verkehrs, als die Aufbringung von Ueberschüfsen ver­lange. Wenn er die Eisenbahn als Milchkuh für den StaatSfiSkuS behandele, so sei ihm auch zuzutrauen, daß er die Post zur Füllung der Reichskaffe benutzen

handelten Bau verbunden werden soll, und da ist mir ein Gedanke gekommen: Ihre Anwesenheit dort würde sehr nützlich sein."

„Wenn Sie glauben, so bin ich bereit."

„Ich glaube eS durchaus! Es handelt fich um ein Haus, mit welchem wir arbeiten und Geschäfte von sehr hohem Betrage machen. ES wird durchaus an­gemessen sein, daß Sie mich, weil ich selbst nicht wohl Hinreisen kann, dort vertreten. Meinen Sie nicht auch, lieber Lucian?"

„Gewiß wird dies paffend sein." Wann soll ich abreifen ?"

Ein Ober-Mechaniker und zwei Zurichter standen sein, bereit, um die Sendung zu begleiten, da die Auf- tellung der Maschinen ihre Anwesenheit an Ort und Stelle erheischte.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(88. Fortsetzung.)

DaS Zeichen zum Mahle war schon seit einiger Zeit gegeben worden.

Mary nahm den Arm ihrer Vaters «nd begab sich mit ihm in den Speisesaal.

Mit Schrecken frug sich Paul Harmant, wie er aus der Sackgaffe herauskommen würde, in welche er fich begeben hatte, indem er seiner Tochter Versprechungen gemacht hatte, deren Erfüllung nicht von ihm ab- hängig war.

Plötzlich fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf: die Wolken auf seiner Stirn zertheilten sich.

Währmd der Mahler war Mary so fröhlich wie ftit langer Zeit nicht, ebmso auch während des ganzm Abends, und als sie sich endlich auf ihr Zimmer be­gab, war sie so zu sagen vollständig verklärt und schien gar nicht mehr krank zu fein.

»Diese Heirath würde sie retten .... vielleicht wenigstens," dachte der Millionär bei sich, „also muß sie zu Stande kommm."

„Dies wird der Fall sein."

„Sie haben ben Leuten, welche die Aufstellung be­sorgen sollen, das Nöthige mitgetheilt?"

„Sie werden Montag ftüh abreisen."

„Gut, zugleich gehen dann mit ihnm als Eilgut die Theile, die ihnen gestatten, die Maurerarbeiten aus- führen zu lassen, ehe die schweren ColliS da sind."

„Alles dies ist angeordnet."

„In Bellegarde werden die Leute den Plan eines neuen Baues erhalten, welcher mit dem bereits vor-

Bon der anberen Seite entgegnet man, es würbe eine riesige Unzufriedenheit entstehen, »ernt mau an die beliebte Einrichtung der alle Zonmgrmzen über- springendm „Postpackete" rühren wolle, und Herr Miquel sei zu klug, um seine „Reform" so unpopulär zu machen. Er wisse, daß eS leichter und ungefähr­licher sei, Tarifherabsetzungen zu verhindern, als be- stehende niedrige Tarife zu erhöhe«.

Eine dritte Stimme spricht die Bermuthung auS, Herr Miquel habe freilich die Erörterung des Packet- Thema» angeregt, aber er wolle vorläufig keinen Emst machen mit der Steigerung der Postüberschüsse. Zu- nächst sei der Teufel nur an die Wand gemalt worden, damit der Verzicht auf diese Einnahmequelle einen an­genehmen Eindruck mache.

Wir möchten die Lmte, die sich an der Lösung dieses BexirräthselS abmühen, darauf aufmerksam machm, daß doch zuerst festgestellt werdm muß, ob die Porto-Erhöhung für daS 10 Pfund-Packet wirk­lich zu Mehreinnahmen führm werde. DaS er- scheint unS keineswegs so sicher zu sein, wie man gewöhnlich annimmt.

Die Packete bis zu 10 Pfund einschließlich nehmen bekanntlich eine Ausnahmestellung ein. Während bei dm schwererm Packetm dar Porto nach 6 Zonen mit einem starken Aufschlag für weitere Entfernungen be­rechnet wird, kostet daS 10 Pfund-Packet für ganz Dmtschland und Oesterreich nur 50 Pf. (nach Belgien, Holland und der Schweiz 80 Pf., bis zu 6 Pfund nach Frankreich auch 80 Pf.) Also ein Einheitssatz für alle Entfernungen, wie beim Briefe, obschon die „Selbstkosten" für die Packetbeförderung mit der Länge deS Transports ganz anders wachsm, wie bei ben Briefen, bie nur einen winzigen Raum verlangen. Diese außerorbentliche Vergünstigung für baS 10 Pfunb-Packet hat nun bie Zahl dieser Sendungen ganz ungeheuer gesteigert. ES handelt sich dabei keines- Wegs nur um Gelegenheitssendungen, die auch bei einem mäßigen Portozuschlag fortgesetzt werden tonnten, sondern um einen bedeutenden kaufmännischen Verkehr, der bei feinet genauen Kalkulation einen Zuschlag oder einen Zonentarif größtenteils nicht ver- trägt. Das 50 Pfennig-Packet hat in der That einen beträchtlichen Umschwung im Handel und Wandel

___ - Samstag, beit 12. August 1893, 20. Jahrgang

FiildaerWZkitiilig

. ____täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

iAa«. Ol u . _____In.____• « v An . .

Sfto Wnn..

taöor9erufen. ES gibt zahlreiche große „Versandt- gefchäfte, die geradezu auf dem 50 Pfennig-Packet bastrt find. Hmter ihnm stehm viele Fabrikm, die mu der Beseitigung deS billigen PacketS ihren Absatz ganz oder theilweise einbüßen würden. Butter- und Käseproduzenten, Hühnerzüchter von Ungarn bis nach Friesland, Zeug- und Cigarrensabrikauteu — die mannigfaltigsten Betriebe bmutzen daS 10 Pfund-Packet, um ihr Absatzgebiet auf ganz Deutschland und Oester­reich auSzudehnm. Mancher Schwindler drängt auf diese Weise immer neuen Kunden minderwertige Maate auf; mancher strebsame Geschäftsmann eman- zqnrt fich durch daS Postpacket vom Zwischenhandel; manches örtliche Geschäft wird durch das Versandt- wesen schwer geschädigt oder gar ruinirt. Das zonen- lose Postpacket hat seine Licht- und Schattenseiten. Die Klagen der ansässigen Sewerbetreibendm über die schlimme Konkurrenz der mit vielen Vorteilen arbeiten­den Versandtgeschäfte fallen besonders sehr schwer in die Wagschale. Man kann also immerhin die Frage anfwerfm, ob daS billige Postpacket eine vorwiegend nützlich- und berechtigte Einrichtung ist. Nur muß diese Ntusuuu, VUB VVÖ clIlEni In F/XrhÄ K? U°s"ichen, ** 6Dm Tholerafall amtlich nichts bekannt "ei.

18 gunfrV» »n ® tOc i werde«. | ♦ Eine aroße Versammln»» tm»

Wollte man aus fiskalischer Habgier die Einricht­ung beseitigm, so würde man wirthschaftliche Rninm schaffm, ohne die erhofften Mehreinnahmen zu erreichen. Denn die Erhöhung und Abstufung des PortosatzeS würde die Zahl der kaufmännischen Packetsendungm sehr stark vermindem. Der Waaren-Absatz würde sich größtenteils einen andern Weg suchen. An Stelle der centralen Versendung träte eine Decmtralisation durch Niederlagen oder Zwischenhändler in dm einzelnen LandeSthellm, and zwischm diesm Jnstanzm würde Nicht die Post, sondem der Eismbahnftachtwagm den Vermittler spielm. Die Post müßte ihre Packetwagen »ach wie vor laufen lasten; sie würden aber schlechter gefüllt und deshalb noch kostspieliger sein als bisher. Damit erledigt sich auch die Bemerkung, daß daS 50 Pfennig-Packet bei größeren Entfernungen die Selbst- kosten nicht aufbringe. 1000 Packete zu 50 Pf. bringen immer mehr ein, als 200 Packete zu 1 M. durch- schnittlich, — selbst wenn matt im letzteren Fall Ar- beitstraft sparen sollte.

Die Aufhebung deS zonenlosen PostpacketS würde vielleicht den Eismbahven Vortheil bringen, aber nicht der Post. Also würde dieser „dreizehnte Steuerplan" den StaatSfinanzm, aber nicht bett Reichs- finanzen zu Gute kommen. Das kann Herrn Miquel schwerlich entgangen sein. Freilich ist er bet Plus- wacher für beibe Kasten. Aber er wirb boch wohl einsehen, baß ber Vortheil für bie Staatsbahnen weder groß noch sicher genug ist, um eine solche einschneidende Umwälzung im Post-Bettiebe zu empfehlen.

Sollte er aber durchaus bie Postüberschüsse steigern wollen, so muß er in erster Linie bas Briefporto erhöhen. Geschrieben wirb boch, menn es auch einen Groschen oder bei Karten 5 Pf. mehr kostet. Und zweitens könnte man ja die Telegraphengebühren er- höhen, bezw. nach Entfernungen abstufen. DaS wären