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JW 181

8-t. Ein rühmeuswerlhes Ketfpiel christliche sozialen Wirkens.

gar nichts so Erschreckendes hat. Mary, mein thenrer Lucian, weiß Ihre vorzüglichen Eigenschaften wohl zu schätzen, sie hat eS mir heute Morgen offen ringe« standen, und ich konnte natürlich nicht anders, als chr beipflichten und ihre Wahl nur billigen, denn ich schätze und liebe Sie, und eS würde mich sehr freue«, Sie meinen Schwiegersohn nenne« zu können."

„Mein Herr", gab Lucian lebhaft zur Antwort, „das Anerbieten, welches Sie mir mad&en; beweist mir Ihre Hochachtung und Ihre Zuneigung — eS freut mich dies sehr, und ich darf stolz darauf sein; aber noch ein Mal, ich kann dasselbe nicht an- uehmen."

„Noch ein Mal: weshalb denn nicht?" frug jetzt Jakob Garant) erstaunt und etwas unruhig zugleich.

„Die Ehre ist wirklich zu groß für mich."

„DaS ist kein Grund."

„Ich sehe es als genügendm Grund an."

„Vielleicht haben Sie mich nicht richtig verstanden'" sagte Harmant fast verzweifelnd. „Mary hat Sie aus­gezeichnet: ich hätte sagen müssm, daß sie Sie liebt. Ja, das arme Kind liebt Sie aus innerster Seele, au- vollem Herzen, sie liebt Sie sterblich."

„Herr Harmant", sagte Lucian bewegt, „Sie sprechen frei und offen zu mir — ich bin Ihnen sehr dankbar dafür — ich will ebenfalls frei und offen sprechen Ich würde sehr ungezogen handeln, we«n ich nicht

„Dann kann ich nicht annehmey."

„Und weshalb nicht?"

„Weil ich nichts gethan habe, um ein solches Wohl­wollen zu verdienen.

„Wissen Sie, wie ich mein Glück gemacht habe, Herr Labrone? Wiffen Sie, wie ich, der einfache Ar­beiter, der nur ein wenig Muth und etwas Gefchicklich- keit in meinem Handwerke besaß, der Theilhaber James Mortimer'S geworden bin?"

„Durch Fleiß und Arbeit . . ."

„Freilich, nicht jedoch, wie Sie es zu meinen scheinen. Dieser große amerikanische Industrielle, welcher in mir einen tüchtigen, mit guten Kenntnissen ausge­rüsteten Arbeiter erblickte, hat mir die Hand seiner Tochter gegeben, und zugleich wurde ich sein Theil- Haber."

Lucian zitterte.

Jakob Garant) fuhr fort:

„Weshalb soll ich nicht da- Beispiel James Mor- timer'S nachahmen? Weshalb soll ich mich weniger hochherzig zeigen als er? Der Theil meines Vermögens, welchen ich Ihnen anbiete, würde die Mitgift meint!, Tochter fein."

„Und Mary soll also meine Gattin werden," er­gänzte Lucian stammelnd.

„Allerdings", bestätigte der Millionär, etwas er­zwungen lächelnd, „es däucht mir, daß diese Aussicht

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(86. Fortsetzung.)

„Ich! . . ." rief der junge Mann wie betäubt aus, Ihr TH^S?" M v-rhört habe, „Ich -

.3a!"

„Aber meine Plätze haben bei Weitem nicht den Werth, welchen Ihre Gebäulichkeiten und Ihr Material besitzen."

„Ich weiß ei, aber dies macht mir keine Sorge. Hören Sie, was ich Ihnen Vorschläge, Herr Labrone. Auf dem Platze, welchen Sie in Alfortville besitzen, werde ich auf meine Kosten eine Fabrik von demselben Umfange wie diese hier erbauen und Ihnen durch regel- achten Akt dar EigenthumSrecht derselben übertragen. Dies wird also Ihre Einlage in die Verbindung dar­stellen — unsere beiden Fabriken werden parallel neben emander arbeiten, und jedes Jahr werden wir den Nettogewinn theilen. Sie sehen, daß dies die einfachste VorschlägeEriken Sie von meinem

„ „Einstweilen noch nichts weiter, als daß ich zu träumen glaube."

„Nein, Sie ttäumen nicht — das Anerbieten ist mrr durchaus ernst gemeint."

Deutsches Reich.

Berlin, 8. August.

* Der „praktisch-soziale Kurs«»" für Süd- deutschland findet in dm Tagm des 21. bis 26. d. M. in Bamberg statt. Bis jetzt sind neun Do- zenten angemeldet, sämmtlich bekannte und erprobte I Herren, so daß also die „Fakultät für christliche Sozial­politik", wie man wohl den Kursus nennen mag, eine ganz ausgezeichnete Besetzung mit tüchtigen Lehrkräften aufweist (?. Cyprian, O. Cap., Altötting, Benefifiat Hauser-AugSburg, Professor Abgeordneter Dr. Hitze- M.-Gladbach, Redatteur und Abgeordneter Dr. Jäger- Speyer, Anstaltspfarrer Kaiser-Kaisheim, Präses Mehler- Regensburg, Profeffor Abgeordneter H. Pesch-Exaeten 8. J., Generalsekretär Dr. Pieper-M -Gladbach, Pro- feffor Dr. Schädler-Landau). Die Tagesordnung ist folgende: Sonntag, den 20. August, findet Abends 8 Uhr Begrüßung der Gäste im Gesellenhaursaale (Kaul- berg) statt. Montag, den 21., wird der Kursus Vor­mittags 8 Uhr mit feierlichem Hochamt im hohen Dom eröffnet, um 9 Uhr nehmen die Vorträge in den Cm- ttalsälen (Promenade) ihren Anfang. Die Botträge beginnm täglich um 9 Uhr in dm gmanntm Lokali- täten. Nachmittags 3 Uhr werden gleichfalls in den Centralsälm Referate über verschiedene Themata abge­halten, an welche sich Debatten anschließen. Mittwoch, dm 23. August, Nachmittags ist „frei"; es ist mt Spaziergang zur Altmburg und AbmdS 7 Uhr ein Kellerfest im MaySgartm vorgesehen. Donnerstag, dm 24. August, AbmdS 8 Uhr ist große Versammlung der „BolkSvereinS für dar katholische Dmtschland" in den Cmttalsälen. Freitag, den 25. August, Abends 8 Uhr Abschieds-Versammlung. Am SamStag, den 26. August, Vormittags 11 Uhr endigt der Kursus, so daß die Theilnehmer noch rechtzeitig die Züge nach den verschiedenen Richtungm benützen tonnen. — Für die HH. Theilnehmer fei bemerkt, daß am 20., 21. (und theilweise 22. August) im Bahnhofe vom Lokalkomitee ein Bureau geöffnet ist, in welchem die

Bor kurzem ist hingewiesen wordm auf die zahl­reich stattfindenden ZwaugSverkäufe, durch welche die wirthfchastliche Existenz mancher Gewerbetteibendm, Handwerker und kleiner Landwirthe vemichtet wird, und was speziell die kleineren Landwitthe anbelangt, so wurde gesagt, daß eS häufig sogenannte „gute Freunde", meist mit orientalischem Typus, seien, welche durch Geld Darlehen auf „Wechselcher", durch Lieh- Wucher und andere Machinattonen deren Rui« be­wirkten, ja, vielleicht von vomherein diesen Ruin be­absichtigen, um sich selbst vermittelst der gesetzlich zu- lässigen Zwangsvollstreckung in dm Besitz des HabeS und Gutes der betteffmdm Landwirthe zu bringen. Aus landwirthschastlichen Kreism ist uns diese That- fache voll und ganz bestätigt wordm mit dem Hinzu- fügen, daß man eS durchaus nicht wunderbar finden kann, daß die Erbitterung gegen gewisse Handels- und Geldjuden auf dem Lande immer größer werde, wenn man sich vergegenwärtige, in welcher Weise von dieser Sorte „GeschäfiSleute" die allerdings mitunter etwas leichtgläubigen und leichtsinnigm Landwirthe auSge- bmtet würdm. Man schilderte uns dabei, wie die er- wähntm GeschäftSlmte sich an diejenigen Landwirthe, bei denen „etwas zu Holm", heraudrängtm, ihnen Geld- vorschüffe geradezu aufnöthigten, die darüber auSge- stellten Schuldscheine und Wechsel prolongirten und die fälligen ZinSzahlungm ftunbeten, um die einmal auf dm Leim gegaugmm Landwirthe — vielfach auch deren heranwachsmde Söhne, benen Gelb zu BergnügungS- rc. Zwecken gegen „übliche" Zinsen geliehen worben — unmer mehr unb mehr in ein auf bie Dauer unerträg­lich werbmbeS AbhängigkeitSverhältniß zu bringen. Die schlauen Geschäftsleute gingen sehr berechnen!) vor unb verstäuben eS, sich auf bie mannigfachste Art einen hübschen Gewinn zu sichern. Wäre ber durch allerlei Kniffe und Pfiffe eingefongene Landwirth einmal so weit, daß er bei dm Geschäftsleuten tief „in der Kreide sitze", dann wüßten die Letzteren bei jeder sich bieten- dm Gelegenheit einen „Profit" sich zu verschaffm. Komme z. B. der Landwirth mit Roggen, Weizen, Hafer, Gerste ober anderen landwirthschastlichen Er­zeugnissen zu Martte, dann seien auch alsbald seine -fluten Freunde" zur Stelle und erklärtm, die bett. Produkte kaufen zu wollm. Der Preis, der non ihnen geboten werde, entspreche in der Regel nicht dem fest- gesetzten Tagespreise, ober der Landwirth werde von dm „guten Freunden", die ihm stets gerne „ans der Verlegenheit" geholfen, daran erinnert, daß er „aus alter Freundschaft" ein UebrigeS thuu könne, und sei er nicht sofort willig, dann werde ihm mit Einklagung de- Guthabens, vor allem der rückständigen Zinsen, gedroht, und der Landwirth verstände sich schließlich dazu, dm „guten Freunden" seine Staate zu dem ge­botenen Preise abzulasim. Staates Geld erhalte er indessen in den meisten Fällen nicht, benn bie Summe werbe ihm von den „guten Freunben" auf bie ver-

Donnerstag, den 10. August 1893, 20. Jahrgang

FllldakrWZeitiiiig

fallmm Zinsen „gutgeschrieben" unb ber Landwirth könne ohne Staate unb ohne Gelb heimwärts ziehen. Daß durch solches anscheinmd ganz korrekte Verfahren die finanzielle Sage des betreffenden Landwirthe« sich nicht tierbeffere, liege klar zu Tage, ober eS fei den „guten Freunden" ja auch nicht darum zu thun, dm- selben „in die Höhe" zu bringen, sondern „immer tiefer m die Tinte zu reiten." Sehe eS mit dem Land- wirthen mehr und mehr bergab, dann erschienen die „fluten Freunde", um ihm von Zeit zu Zeit ein Stück Ackerland abzukaufm, natürlich zu einem Preise, wie A stch «unter Freunden" gezieme und zum Zwecke der Tilgung eine- TheileS der Zinsen oder auch des von den „guten Freunden" erhaltenen Darlehens. Sei endlich der Landwirth bei dem völligen Ruine ange­langt, bann würben ihm bie Hypotheken gekündigt, unb da er sie nicht löschen könne, komme eS zur Zwangsvollstreckung, und die „guten Freunde" kauften — selbstredend nur, um zu ihrem (Selbe zu kommen — das Anwesen des Lanbwirthen, ber nun seinerseits als Abgehauster über ben Werth ber Freundschaft seiner „freundlichen Helfer" nachdmken könne.

Dieser durchaus nicht zu drastischen Schilderung von Vorkommnissm, wie man sie leider oft genug in dm Kreisen kleiner Landwirthe beobachten kann, wurde einerseits die Bitte hinzugefügt, daß Alle, welche eS mit den kleinen Lanbwirthen wohlmeinm und if jre wirth- fchastliche Existenz vor einer frivol betriebenen Vernich­tung geschützt sehen wollm, nach bestem Können dahin wirken möchten, daß den „guten Frmndm" der «einen Landwirthe so viel wie thunlich daS Handwerk gelegt werde; andererseits wurde auf ein rühmmSwertheS Bei­spiel christlich-sozialm Wirkens zum Wohle kleiner Land- wirthe hingewiesm und in folgender Weise zur Beher­zigung unb Nachahmung geschildert:

Der Een tr umS-Fr aktion beS deutschen Reichs­tages gehört u. A. ein Mann an, der sich in seinem WirkungStteise in der Eigenschaft eines Amtsrich­ters große Verdienste um das Wohl der kleinenLand­wirthe erworben hat. Der Betteffende ist ein ge- fchwormer Feind jener Geschäfts-Praktiken, wie sie oben angebeutet worben. Kam zu ihm auf das Amtsbureau ein Meiner Landwirth feines Amtsbezirks in Begleitung eines jener „guten Freunde", wie sie vorhin getatn- zeichnet wurden und wollte eine „Eintragung" besorgen lassen, d. h. dem „guten Freunde" eine Hypothek auf sein Besitzthum geben, bann sah sich ber Herr Amts­richter ben sich in Gelbverlegenheit befindlichen Bauern und den „guten Freund" genau an, erkundigte sich, wie hoch die „Eintragung" sein solle und erklärte daraus kurz und bündig: „Hier wird nichts eingetragen!" Anfangs gab ei bann wohl verdutzte Gesichter unb ber „gute Freunb" wollte Einwendungen machen, aber der wackere Amtsrichter blieb dabei: quod dixi, dixi! Zu dem Landwirthe jedoch wandte er sich alsbald mit ben Worten: „Kommt her, ich tarne Eure Verhältnisse, hier habtJhr von mir einen BürgschastS-Schein, geht zur Sparkasse, holt Euch baS erforderliche Gelb unb sorgt für pünktliche Zinszahlung unb bie Ab-

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I tragung des Kapitals." In dieser Weise hat der edle Menschenfreund manchm Meinm Landwirch vorder

I zum Ruin führenden abschüssigen Bahn bewahrt, in echt christlich - sozialem Sinne gewirft und manche seiner Wähler wissen chrn Dank dafür.

Wenn solch' schönem, in Wahrheit rühmenSwerthm Beispiele von recht Dielen gutsituirtm Katholiken unb ebelbmkenbm Andersgläubigen gefolgt unb andererseits für entsprechende gesetzliche Bestirnmnngm znrn Schutze der Existenz kleiner Gewerbetreibenden, Handwerker und Landwirthe gesorgt würde, dann würde gewiß manches Mitglied der gmanntm Stände vor dem wirthschast- lichm Ruin bewahrt bleiben und sich trotz momentaner Geldverlegenheit allmählich wieder in dieHöhe arbeiten. Tin echt christlich-soziales Wirkm aller Derjmigm, die es vermögen, thut uns noth; möge es allüberall nicht nur frommer Wunsch bleiben, sondern Thatsache werden zum Wohle des Volkes und des Vaterlandes!