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Mittwoch, den 9. August 1893.
20. Jahrgang
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. August.
* Der Kaiser hat CoiveS heute Bormittag verlas» len und gedenkt morgen Vormittag 9 Uhr in Helgoland einzutreffen. An der Landungsbrücke daselbst findet Empfang statt und dann folgt die Fahrt durch den Tunnel nach dem Oberland: Besichtigung vom Panzerthurm 1 und Probkschießen vom Panzerthurm 4.
* Nach amtlicher Mittheilung der Kaiserl. rusischen Botschaft in Berlin beabsichtigt die russische Regierung auch den fiuländische« Zolltarif Deutschland gegenüber um fünfzig Prozent zu erhöhen.
* Ein thüringischer Staatsminister theilte dem Weimarischen Korrespondenten der ,Post' auf der Durchreife mit, tue in Frankfurt a. M. fiattfindenden Konferenzen würden 4 Tage dauern. DaS Hauptbe- lastungSodj'ktf ei zweifellos der Tabak. Nebenbei werde eine Zündholzsteuer vorgefchlagm.
* Bezüglich der morgen beginnenden Frankfurter Konferenzen bemerkt die offizielle,Nocdd. Allg. Ztg.' : WaS in Frankfurt erwogen und beschlossen werden wird, kann nicht allzulange geheim bleiben, und gesteht auch wohl kaum die Absicht, es zu verheimlichen. Für eine ernsthafte Erörterung Seitens der politischen Kreise und der Jntereffenten ist die Zeit doch aber erst dann gekommen, wenn in beglaubigter Form bekannt wird, welches Resultat die Konferenzen gereift haben, bis dahin können die glänzendsten Widerlegungen ebensowenig etwas nützen, wie die bestgemeinten und eingehendsten Bertheldigungen.
* Der .Reichsanzeiger' bestätigt, daß die Einfuhr lebender Schweine nach Preußen aus den Kontumaz- Anstalten Steindruch und Bielitz-Biala zur sofortigen Abschlachtung unter den gleichen Bedingungen, wie die Einfuhr aus Wiener Neustadt vom 7. August ab gestattet ist.
• Eine nette Finanzwirthschaft ist Seitens des Autifklaverei-Komitee s getrieben worden. Die durch die Lotterie aufgebrachten 2 Millionen sind fast ganz uutzloS verpulvert worden. Im,Hamb. Korr.' wird als Beispiet der famosen Wirthschaft die Borchert'fche Viktoria» Nyanza-Borexpedition beleuchtet. Diese hat nicht weniger als 269 752 Mk. gekostet, eine Summe, die man erst richtig würdigen kann, wenn man weiß, daß die Pogge»Wßmann'i'che Durchquerung Afrika'S nur 28,000 Mark, die erste Expedition von Dr. Peters, die mit der Erwerbung von Deutsch-Ost- aftika endigte, 18,000 Mark gekostet hat. — Herr Borchert hat sich freilich auch ein — eigenes Trompeter - Korps mitgenommen, das an die Spitze feines Zuges trat, sobald er sich einem Orte näherte. Unter Pauken- und Trompetenschall ritt dann Herr Borchert hoch zu Roß oder Esel in daS Dorf ein. Auch soll er in seinem Zelt« auf erhöhtem Sitze von silbernem Geschirr gespeist haben, während seine Untergebenen von Porz-llan-Tellern auf niedrigeren Sitzen in angemessener Entfernung von ihm aßen. Herr Borchert ist
Endlich entlarvt!
Roma» von R. von Wollersheim.
(85. Fortsetzung.)
Dann nahm er Mary auf seine Arme und trug sie bis zu ihrem Bette, auf welches er sie dann nie» verlegte.
Einige Tropfen Blut netzten in demselben Augenblick« die L ppen des jungen Mädchens.
Jakob Garand erbebte an allen Gliedern.
Mmy schlug die Augen auf, dickte langsam um fich und schien ihren Vater wiederzuerkennen.
,.Lucian? . . . Lucian? . ." murmelte sie mit außeiordcN'lrch schwacher Stimme in fragendem Tone.
„Ja," antwortete der Millionär, indem er sich zu ihr niederbeugte, „Du wirst leben, um ihn zu lieben!"
Diese Worte schienen die Kranke wie neu zu beleben.
Sie nahm das Haupt ihres BaterS in ihre Hände, küßte ihn auf die beiden Wangen und sagte ihm ganz leise in'S Ohr:
„Du wirst ihn mir also geben?"
„Ich werde ihn Dir geben, ja . . ."
„Ist eS Dir ernst gemeint?"
„Gewiß, ich schwöre eS Dir."
„Oh, j tzt bin ich glücklich! Die Freude verleiht mir neue Kräfte und wird mir bald Die Gesundheit wiederbringen. Geh«, Vater, Du brauchst j-tzt nicht zu fürchten, ... ich will nicht sterben!"
bekanntlich nur biS Mpwagwa gekommen und von dort als angeblich krank wieder an die Küste zurückgekehrt. DaS Unternehmen des PeterS-DampferS, der heute in Bagamoyo verrostet, hat nicht weniger als 250.000 Mart verschlungen, während Dr. Peters einen Plan ausgestellt hatte, der noch nicht 100,000 Mark erfordert hätte. DaS Antifklavrrei-Komitee wird nicht umhin können, auf diese schweren Anklagen Antwort zu geben. Leider wird auch die geschickteste Antwort und „Erklärung" daS einmal verpulverte Geld nicht wieder zurückschaffen.
* Die meisten Mitglieder des Reichstages sind evangelisch; als Katholiken sind bezeichnet 95 Mitglieder deS CentrumS, 4 Konservative, 1 Antisemit (Zimmermann), 19 Polen, 3 Nationalliberale, 1 süddeutscher BolkSparteiler, 4 Sozialdemokraten, 8 Elsässer, 4 Wilde — 139. Als jüdisch sind bezeichnet die Sozialisten Stadthagen, Singer, Wurm; altkatholisch ist der sozialdemokratische Speisenwirth Birk (München). Interessant ist die Bezeichnung der Glaubens bei den Sozialdemokraten. Wie gesagt, bezeichnet sich Birk als „altkatholisch"; als katholisch getauft: Auer, Fischer, Weiß und v. Bollmar; Dissidenten sind: Bock, Fcohme, Geyer, Harm, Hofmann, Kühn, ReißhauS, Schmidt (Berlin), Schmidt (Sachsen), Schuhmacher, Seifert, Zubeil; religionslos: Bebel, Schultze, Möller; konfessionslos: BloS, Joest, Legten, Liebknecht, Metzger, Schmidt (Frankfurt), Tutzauer,Boigtherr; freireligiös: Herbert,Grillenberger, Klees, Ulrich, Stolle; evangelisch: Brühne, Bueb, Dietz, Schöulank, Schippe!; evangelischlutherisch: Förster; lutherisch: Meister. Bon den deutschen Bolksparteilern bezeichnet sich Kröber als konfessionslos.
* Oberpfarrer Schmitz i« Krefeld ist an Stelle des kürzlich gestorbenen Bischofs Baudri zum Weihbischof in Köln ernannt. Hermann Joseph Schmitz ist am 16. Mai 1841 in Köln geboren und wirtte nach Beendigung seiner theologischen und k.rchenrecht- l'.chen Studie«, die er in Rom machte, längere Zeit überaus segensreich als Kaplan in D Ü f s e l d o r f. Bon dort wurde er vor einigen Jahren als Oberpfarrer nach Krefeld berufen. Mit reichem, gediegenen Wissen aus» gestattet, ist Herr Oberpfarrer Schmitz durch seine überaus rege rhatkräftige Wirksamkeit auf allen Gebieten katholischen Lebens und Schaffens im ganzen Deutschland bekannt und hoch eschätzt. Auch die katholische Presse erblickt in ihm einen eifrigen Gönner und Förderer. Er ist u. o. Mitbegründer des August nus Vereins und wohnte noch im April d. I. der Audienz der Vertreter der katholischen Presse Deutschlands beim h. Vater bei.
• Frankfurt a. M., 7. Ang. Auf der morgen hier beginnenden Ministerkonferenz werden vertreten sein daS deutsche Reich durch Staatssekretär Frhr. v. Maltzahn, Geheimen Ober-Regierungsrath Rausching, Wirkl'chen Geheimen Rath Aschenborn; Preußen durch Excellenz Dr. Miquel und zwei Sek-
Panl Harmant verließ jetzt, nachdem et dem unglücklichen Kinde einen Kuß auf die brennende Stirne gedrückt hatte, dar Zimmer.
In dem Augenblick-, als er fich bereits an der Thüre befand, wendete er sich nochmals um und warf einen letzten Blick auf das bleiche Antlitz, welches der Finger deS Todes bereits berührt zu haben schien.
„Bis heute Abend, mein theureS Kind, bis heute Abend!" sagte er bann, indem er sich bemühte, zu lächeln.
In dem Hofe des HaufeS wartete der Wagen auf ihn.
Der Millionär stieg ein und gab Weisung nach Courbevoie zu fahren.
Sein Kopf war glühend.
Ein heftiger Kampf tobte in seinem Innern — freilich war der SuSgang deSfelben jetzt nicht mehr zweifelhaft, da eS sich darum handelte, Mary zu retten, wenigstens den Versuch dazu zu machen! UebrigenS hatte er sich ja auch durch ein ausdrückliches Ber» prechen gebunden, daS er nicht mehr zurück-rehmen konnte.
„Run, mag da kommen, waS will!" sagte er schließlich zu sich selbst, um seiner Unentschlossenheit ein Ende zu machen. „Diese Heirath muß zu Stande kommen. DaS Leben meiner Tochter ist eS, um was eS sich
retäre; Bayern durch Dr. Frecherr v. Riedel und zwei Sekretäre; Sachsen durch Staatsminister von Thümmel und einen Sekretär; Sachsen-Meiningen durch Geheimen StaatSrath Ziller; Sachsen-Altenburg durch Geheimrath Th. Göpel; Sachsen-Weimar durch Wirklichen Geheimrath Heerwart; Württemberg durch Staatsminister Dr. v. Riecke, Ministerialrath Zeller; Baden durch den Präsidenten des Finanzministeriums Buchenberger; Hessen durch den Finanzminister Weber; Mecklenburg-Strelitz durch Staatsminister v. Dewitz; Gera-Reuß durch den Geheimen StaatSrath Engelhardt; Elsaß-Lothringen durch den Unterstaatssekretär v. Schraut; Schwarzburg-Rudolstadt durch Staatsminister v. Stark; Schwarzburg-SonderShansm durch Staatsminister Petersen. Mecklenburg- Schwerin durch StaatSrath v. Bülow, Oldenburg durch den Minister Heumann, Braunschweig durch den Staatsminister Otto, Koburg-Gotha durch den Minister Strenge, Anhalt durch den Minister v. Koseritz, Reuß ältere Linie durch den Reg.-Rath von Meding, Reuß j. L. durch den StaatSrath Engelhardt, Lippe durch den Geheimrath v. Frsse, Bremen durch Senator Dr. Gröning, Lübeck durch Senator Dr. Klug und Hamburg durch bett Präsidenten des Senats Dr. BerSmann.
* München, 5. Ang. Der Prinzregent hat dm Prinzen Ludwig mit seiner Stellvertretung bei bett Kaiser - Manövern in Elsaß-Lothringen oetraut. — Prinz Rupprecht soll an den Flotten-Ma övern theil- nehmen.
* Mainz, 3. Aug. In ber Zeit vom 12,-20 August tagt hier ber CenttalverbandStag des 23,000 Mitglieder zählende« deutschen Bäck er Verbands Germania. Derselbe wird aus alle« Gauen Deutschlands zahlreich besucht; auch aus Oesterreich, Holland, England, Rußland, ber Schweiz usw. sind Vertreter angemeldet. Gleichzeitig findet unter dem Protektorat des Großherzogs von Hessen in sämmtlichen Räumen bet Stadthalle im Hallegarten und auf dem anstoßmdm Brückenplatze eine internationale Ausstellung für Bäckerei, Konditorei und verwandte Gewerbe statt. Dieselbe wird aus In- und Ausland reich beschickt, sie wird für den Fachmann, wie den Laim eine Fülle lehrreichen Materiales bieten und insbesondere darthun, einen wie hohen Grad der Vervollkommnung die Technik in den letzten Jahren erreicht hat. Es wird sich zeigen, in welch' ausgedehntem Maße ber Maschinenbetrieb neuerbingS in ben verschiedenen Zweigen der Bäckerei Eingang gefunden hat und wie er nützlich angewandt wird. Sin Besuch der Ausstellung wird fich also sich« »«lohnen. Die Hessische Ludwigsbahn gewährt von ihren Hessischen Stationen und Aschaffenburg aus tm Sonn- und Feiertagen sowie am 12., 14., 17. Aug. auf einfache Fahrkarten nach Mainz freie Rückfahrt am Tage d« Ausgabe.
* Hamburg, 4. Aug. Hi« besteht die Absicht, im nächsten Jahre eine deutsche Molkerei-Ausstellung Hierselbst zu veranstaltm, und zwar inB«- bindung mit ber staatlich beabsichtigten Mastvieh- handelt, und damit sie lebe, bin ich bereit, mich selbst zu opfern!"
Dann setzte er nach einigem Besinnen hinzu:
„Würde die- übrigen- nicht ein treffliches Mittel sein, um die Rache Lucian Labrone's von mir abzu- roenben, falls ein unglücklicher Zufall ihm die ganze Vergangenheit offenbart? Darf «, wenn er meine Tochter heirathet, dem Manne, dessen Tocht« seine Gattin ist, Skandal machen? Gewiß nicht! Mary ist mein guter Schutzgeist . . . Diese Verbindung, vor welch« ich anfangs so sehr erschrak, ist vielleicht für mich die Rettung!"
Als er in ber Fabrik ankam, setzte er einstweilen alle trüben Gedanken bei Seite, befaßte sich mit dm laufenden Geschäften, ließ sich die eingegangenen Briefschaften vorlegen, besichtigte mit dem jungen Arbeitsdirektor die Werkstätten und bat dann dm Letzt««, mit ihm in sein Kabinet zu kommm.
Trotz seiner gewöhnlichen festen Haltung war e» dem falschen Harmant dennoch keineswegs angenehm, diese heikle Frage auf'S Tapet zu bringen — und eine heikle Frage war es gewiß, da eS sich darum handelte, Jemandem seine Tochter anzubieten, d« sie nicht verlangt hatte.
Schließlich erinnerte er sich, tote James Mortimer auf dem Schiffe, mit welchem er nach Amerika gereist war, verfahren hatte, und er dachte:
„Die Umstände haben viele Aehnlichkeit mit einem»