günstigere Tarife bestehen, so erklärt sich die Noth- wendigkeit für die Staatseisenbahnverwaltnna, vor i weiteren Schritten die sorgsamste Prüfung in jeder Richtung eintreten zu lassen. Es wird unter diesen Umständen bei dem diesjährigen Herbstbezuge von Düngemitteln auf eine weitere Frachtermäßigung nicht gerechnet werden können." — Also auch hier wegen ! Geldmangels keine Erleichterung. Kulturaufgaben leiden nicht! —
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(82. Fortsetzung.)
„Sine Stelle für Dich . . . bier in der Fabrik!" unterbrach der Millionär seinen Wortschwall, zugleich am ganzen Leibe zitternd, „unmöglich, sage ich Dir!"
„Aber weshalb denn?" frug Ovide iu herausforderndem Tone.
Der falsche Paul Harmant schien mit seiner Antwort zu zögern.
Er tonnte und wollte nicht antworten:
„Weil sich der Sohn des von mir ermordeten Mannes in meinem Geschäfte befindet und weil, wenn Du ebenfalls hier angestellt wärest und stets mit ihm in Berührung kämest, es nur einer Unvorsichtigkeit Deiner- I^tr, eines unüberlegten Wortes bedürfte, um Alles zu offenbaren."
Er schwieg also.
Ooide fuhr fort:
„Aber weshalb geht es denn eigentlich nicht?"
. „Weshalb? Weil ich nicht will," gab Harmant zur Antwort. „Uebrigens schulde ich Dir nichts ?" m Amerika habe ich Derne Anmaßungen ertragen, dort habe ich ein Vermögen in Deine Hände gelegt; mn ich es vielleicht schuld, daß Du es nicht verstanden U.' eS zusammen zu halten? Du bist ruinirt — sehr ichlrmm für Dich!"
Deutsches Reich.
Berlin, 3. August.
* Der .Reichsanzeiger' theilt anläßlich der zahl- reichen Gesuche um Befreiung von dem Zollzuschlag für russische Provenrenzen, welche auf Grund früher abgeschloffener Verträge im Laufe nächster Zeit einge- füyrt werden, mit: Der BundeSrath habe die Frage, ob über die in der Verordnung vom 29. Juli vorgesehenen noch hinausgehende Ausnahmen zu gewähren seien, sorgfältig erwogen, aber aus zwingenden Gründen verneint. Bei dieser Rechtslage fei es nicht möglich, dem Zeitpunkte des Abschlusses der betreffenden Kaufverträge eine emscheideude Bedeutung für bie Bemessung deS Zollsatzes beizulegen. An der Befugniß des Bus-deSrarhs, aus Biüigkeitrrückfichten in einzelnen dazu geeigneten Fällen einen Zollerlaß zu gewähren, werde durch die Verordnung vom 29. Juli nichts geändert.
* lieber Auszeichnungen polnischer Abgeord- «eter berichten verschiedene Blätter, denen man die Verantwortung für die Richtigkeit ihrer Meldungen überlassen muß. So berichtet die ,Pos. Ztg.' nach dem Gonirc, dem ReichstagSabgrordneten Cegielski werde voraussichtlich der Adel verliehen werden. Es heißt in der Korrespondenz, es werde ernstlich an die Nobili- tiruug des H-rrn Cegielski gedacht, alS Belohnung da- für, daß derselbe für die Mrlitärvorlage gestimmt und dahin gewirkt habe, daß die polnische Fraktion gleich- falls dafür eintrat. Ferner wird mehreren Berliner Abendblättern telegraphisch auS Posen berichtet: Das »Posener Tageblatt' erwähnt eines hier kurfirenden Gerüchts, nach welchem dem Abgeordneten v. KoscielS kr der Grafentitel verliehen werden solle. Er habe jedoch abgelehnt.
* In der letzten SltzungLperiode des Abgeordneten- Hauses war durch den Antrag Schultz-Lupitz eine weitere Frachtermäßigung für Düngemittel auf den preußi- schen Staatsbahnen angestcebt worden. In der jüngsten Zeit ist das gleiche Verlangen von verschiedenen Seilen mit Rücksicht auf die in Folge Futtermangels befürchtete Verminderung der Viehhaltung wiederholt worden, und der Bund der Landwirthe hatte eine solche als in Aussicht genommen erklärt. Offiziös wird jetzt dazu de- merkt: „lieber die wirthschaftlichen und finanziellen Folgen einer solchen Tarifherabsetzung sind von der Staatsregierung eingehende Ermittelungen ange- fiellt worden. W-ungleich dieselben noch nicht abge- fchloffen sind, so lassen sie doch schon jetzt erkennen, daß eine erheblichere Frachtermäßigung nicht ohne be- deutende Opfer für die Staatskasse durchführbar ist. Wenn man bedenkt, daß für die wichtigsten gering- werthigeren Düngemittel — namentlich für Kalisalze, ThomaSschlacke und andere Phosphate — bereits Ausnahmefrachtsätze bestehen, welche gegenüber der billigsten regelmäßigen Tarifklasse auf weitere Entfernungen Ermäßigungen von 25 pCt. gewähren, und daß für Masiendüngemittel, wie Mergel und Kalkasche, noch
* Der ,Staatsanteiger' veröffentlicht die Gesetze betr. Beihülfe zu Volksschulbauteu (es sind dazu 2 Millionen Mark bereit gestellt), betr. die Deckung von Ausgaben des Rechnungsjahres 1891/92 (Defizit von 42,8 Millionen durch Anleihe zu decken) und betr. Ruhegehaltsklassen für Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen.
* Die Wirkungen des neuen Wahlgesetzes z« Gunsten des Kapitals machen sich, wre vom Rhern geschrieben wird, nicht bloß in den größeren, sondern auch in den kleineren Städten geltend. So wurde neulich der »Köln. BolkSztg.' aus einer mittleren rheinischen Stadt gemeldet; „In der dritten Klasse befinden sich mindestens hundert akademisch gebildete Männer in Aemtern und Würden: Landrath, Bürgermeister, Richter, Anwälte, Geistliche, Gymnasiallehrer, Aerzte, Apotheker u s. w." Dazu bemerkt die »Niederrhein. Volksztg.': „Auch in Crefeld wählt bei den Stadt- rathsway!« der Landrath des Landkreises C-eftld. Herr Dr. Limbourg, in der dritten Klasse." Betreffs der Stadt Bonn ist die,Reichszeitung' in der Lage, Folgendes konstatireu zu können. Es wählen in der dritten Klasse u. A. der Landrath des Kreises Bonn, Herr v. Saofet, ferner Geh. R-g.-Räthe, Professoren, Oeko- nomieräthe 61, Privatgelehrte 5, General-Aerzte, Sani- : täts-Aerzte 31, höhere Geistliche 27, LandgerichtSräthe, ; Rechtsanwälte, KreisgerichtSräthe rc. 32, Justizräihe, ‘ Geh. Bergrathe 2, Gymnasial-Direktvren rc. 27, König!. ! Bauräthe 9, König!. Rentmeister, Forstmeister, Post- < birefioren 5, Genera! - Lieutenants, Genera! - Majors, \ Hauptleute rc. 12, Bankdirektoren rc. 2, Gutsbesitzer rc. 4, Rentner 214. BemerkenSwelth ist auch, daß der altkatholische „Bischof" ReinkenS, der bisher in der ersten Klaffe wählte, mit einem Gehalt von 35,000 . Mark j tzt in feer zweiten Klaffe wählt. Achnlich ■ ist die Sachlage allerwärts. Bewiesen ist dadurch zweier- z lei: erstens, daß es mit der nationalliberalen Phrase ■ von „Bildung und Besitz" nichts ist, daß vielmehr gegen ' feen Besitz die Bildung bedenklich zurücksteht; zweitens, | daß das herrschende Wahl-System eine Karrikatur i ist, feie nicht entschieden genug bekämpft werden kann.
* Der deutsche Reichskommissar Dr. PeterS ist - zum ethnologischen Afrikakongreß nach Chicago abgereist. -
* Das »Deutsche Kolonialblatt' entnimmt einem Privatbriefe deS Majors Wißmann. daß ouS Njidgi kommende Leute erzählen, Emi» Pascha sei westlich i vom Nyanza auf den Araber Said bin Abad getroffen , und feer Araber habe, weil Emin am Viktoriasee an- ;
S
„Keine unnützen Worte", sagte Ovide gleichgültig. - „Was Du gethan hast, mußtest Du thun — das weißt - Du ebenso gut als ich. Wenn Du Dich meinen Forde- i ringen gefügt hast, so hast Du es einfach gethan, weil ; Du nicht anders konntest, weil Du kein Mittel be- ' saßest, denselben auszuweichen. Was ich mit meinem ' Gelbe angefangen habe, sind nicht Deine Sachen — ; jetzt habe ich keinen Sou mehr, dies geht Dich wohl • an! Du wirst es nicht wagen, einen so nahm SB er- wandte» dem Elende preiszugeben, welcher mit Dir so innig verknüpft ist . . . und so Manches weiß . ." :
„Mit anderen Worten", verfitzte Harmant bitter ' lachmd, „Du rückst mir einfach vor, daß ich Dir mehr denn je auf Gnade und Ungnade ergeben bin! Du fitzest mir das Messer an die Kehle, wie in New- i Aork!"
„Sachte, sachte!" beschwichtigte Ooide lachend, i „Ich gedenke nicht, Dich in irgend einer Weise zu - bedrohen. Ich habe Dich nur an gewisse Dinge er- i innert."
„Was Du beabsichtigst, ist mir klar: Du willst ! mich einfach, so lange Du lebst, in Deiner Gewalt be- - halten."
„Oh!"
„Du sagst es ja; ich habe fein Geheimniß, er , wird stets vor mir erzittern, und die Furcht wird - ihn schon betoegen, alle meine Forderungen zu be« f willigen. I
* Born Rhein wird feer »Bonner Reichsztg.' ge« i schrieben: Durch die freiwillige Niederlegung des Ehren- Präsidiums durch Herrn Freiherrn v. Schorlemer-Alst fehlt feem Verbände kalh. kaufm. Vereinigunge» : zur Zeit die Spitze. Bei dieser Gelegenheit erlaub« wir uns die verehrt. Verbandsleitung auf den wackerm Kämpen für Wahrheit, Freiheit und Recht, den in jüngster Zeit vielgenannten Herrn Grafen von feer Schulenburg auf Haus Oeft hinzuweisen. Wir sind überzeugt, daß der Herr Graf bie Interessen bei Verbandes nach jeder Richtung hin wahrnehmen und auch kräftig fördern wird.
* München, 2. August. Die Bauernbündler haben nunmehr doch einen Sieg errungen in Deggendorf. Dort war bekanntlich eine Nachwahl für den doppelt in den Landtag gewähtten Dr. Ratzinger. CentrumS- Kandidat war Stadtpfarrer Leonhard. Leider unterlag er und siegte Oekonom und Bürgermeister Kurz von Winzer mit 59 gegen 58 Stimmen. Der Bauernbund zählt fomit 8, mit dem sich als liberal bezeichnend« Frmdl in Oberfranken 9 Sitze in der Kammer.
* Mannheim, 2. Aug. Fürst BiSrnarck gab auf die Einladung einer Heidelberger Deputation, Heidelberg auf der Rückreife von Kissing« zu besuche«, eine ausweichende Antwort. Leipzig, Stuttgart und Köln hätten in Folge früherer Zusicherungen feie Priorität.
„Frettich, ich will nicht leugnen, Vetter, eS könnte an all feem etwas Wahres sein! Solltest Du wirklich glauben, daß ich nicht Recht hätte?"
„Ich glaube, daß Dein Benehmen niederträchtig ist!" sagte Harmant zornig.
„Keine Thorheitm!" bemerkte Soliveau ruhig. „Die Lust Deiner Heimath scheint Dich etwas mürrisch gemacht zu haben. Du warst brühen in Amerika liebenswürdiger, meine ich. Und Deine Familienbeziehung« scheinst Du gänzlich vergessen zu haben."
„Höre mir auf mit diesen dummen Spässen!" brauste Harmant auf, während sich fein Gesicht vor Zorn kirjchroih färbte. „UebrigenL bin ich keineswegs so sehr in Deiner Gewalt, als Du wohl glaubst!"
„Wie so? Ich bin wirklich neugierig."
„Ja, Du kannst mich freilich mit einem einzig« Worte zu Grunde richten — aber war würde es Dir nützen? Bei dem geringsten Gerüchte würde ich mir einfach eine Kugel durch den Kopf jagen, und von meinem Vermög« würde Dir nicht ein einziger Sou zufallen, denn alles gehört einzig meiner Tochter. Du hast also alles Interesse, weniger eifrig vorzugehen, und aller was Du gegen mich etwa beginnen wolltest, würde im Grunde genommen ebenso sehr gegen Dich selbst gerichtet fein!"
Ovide begriff mit leichter Mühe, daß sein angeblicher Vetter nur allzu sehr Recht habe.
Wenn er Jakob Garant» zum Aeußerften trieb, so
Mich brei Araber hmrichten ließ, ihn mit ber ganze Karawane niebermachen lassen.
* Kevelar, 31. Juli. Eine herrliche Knnbgebung katholisch« Bewußtseins war es, welches bie Mitglieder der kath. kaufm. Bereinigungen von Rheinland und Westfalen gestern zu gemeinsamer Wallfahrt nach hier zusammmführte, um der hehren Himmelskönigin und Schutzpattonin nuferes Verbandes den feierlichen Tribut der Liebe und Verehrung darzubringen. Der lach, kaufm. Verein Prudentia, Krefeld, welcher die Leitung
i feer Prozession übernommen, hatte einen Extrazug veranlaßt, mit welchem feie Verbandsbrüder gegen 91/» Uhr Hierselbst eintraf«. In feierlicher Prozession zog« ; bie Teilnehmer unter Vorantritt einer Militärkapelle \ zur großen Wallfahrtskirche, woselbst der FestgotteS- ; dienst durch ein feierliches Hochamt mit Festpredigt ftottfonb. Vertreten waren 23 Vereine und Kongre- aationen mit 554 Mitgliedern. Des Nachmittags um 3V2 Uhr wurde an bet Gnabenkapelle eine Betstunbe gehalten unb Abends um 7 Uhr erfolgte die Aufstellung ber Vereine unb Prozession zum Bahnhof, von wo aus ber Sonberzug um 7,53 bie Theilnehmer in ihre Heimath brachte. Die katholischen Kaufleute, welche bie Anregung ber hochwürbigst« Herren Bischöfe bei Gelegenheit ber jüngsten Papstfeier zur Veranstaltung gemeinsamer Wallfahrten ausführten, haben gett« ihre Devise „Ehrlich im Hanbel unb christlich im Wanbel" ein neues Reis ihren Bestrebungen zugeführt unb hoffen wir, baß bie Wallfahrt allen Teilnehmern, insbesondere dem Verbände zum besonderen Segm gereiche.
■'v 177 Samstag, den 5. August 1893. 20. Jahrgang
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