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Dienstag, den 1. August 1893.

i

* Die deutsche Regierung hat, wie die Köln. Ztg.'

verständigen zur weiteren Berathung des deutsch-rusfi

der Zusammenkunft den 1. Oktober, als Ort Berlin

als Rußland Deutschland gegenüber den Mrximaltarif zur Anwendung bringt.

* Als künftiger Staatssekretär des Reichsschatz« amtS war Anfangs der reichSlöndrfche Ur.terstaatS« sekret är v. Sch raut genannt worden. Dagegen wurde angeführt, daß gegen Herrn Schrout Bedenken aus seiner boy wischen Abstammung hergeleitet würden. Osfi« ziös wird nun geschrieben: Bedenken der gedachten Art haben zu keiner Zeit an irgend einer maßgebenden Stelle des Reiches oder Preußens bestanden; wieder­holt sind Süddiutsche und speziell Baywn zu höchsten

denn die Aufhebung der Klausel Frankenstein ist ein tüchtiger Schritt vorwärts auf der Bahn der ein­heitsstaatlichen Entwickelung.

Ob der biedere Wähler, der in harmlosem Ver­trauen für den Bund der Landwirthe, dir Polen, die

Es gibt nur eine Steuerreform, die uns noth thut: Stillstand in den Ausgaben. Die maßlose AuSgabesteigerung ist die Wurzel des Uebels; dagegen muß stch die Kur richten, wenn der Arzt wirklich heilen will.

* Ein Zollzuschlag von 50 pCt. wird für den Fall der E-nführung veS russischen Maximal- tarifs gegenüber Deutschland nach der gestern mit» getheilten Verordnung vom 1. August ab auf folgende ? aus Rußland kommende Wearen erhoben weiden: ' Weizen, Rogg-n, Hafer, Buchweizen, Hülsenftüchte, Hirse, Gerste, Raps und Rübsamen, Mais und Dari, Holz und Maaren daraus, Kautschukwaaren, Butter, ausge schlachtete? Fleisch, Caviar, Petroleum, minera­lische Schmieröle, Erer von Geflügel, Pferde und

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Juli.

Und der Reichstag? Vor dem scheint Herr

Miq.rel verzweifelt wenig Respekt zu haben, was nach .... „ u „„„

ben jüngsten Erfahrungen ja etwas begreiflich ist. Er » Reichsömtern berufen worden; der jüngst verstorbene traut sich wohl zu, die Polen, die Rickert'sch en - Staatssekretär deS ReichSjustizomts war bayerischer Ab- und dre Antrsemit en ebenso gut, wie Caprivi, kirre . stammung, der gegenwärtige Staatssekretär des Aus- machen zu können. ' ; wärtigen Amtes ist Badener.

Wrr hrffm, daß er sich diesmal verrechnet. Er i ZI. I W1V W1V übersieht, daß seine Reichssteuer-Reform des großen meldet, das Petersburger Kabinet davon verständigt, Zagmrtteis entbehrt, das die preußische Regierungs- ; daß sie den Vorschlag auf Zusammentreten von Sach- Reform herauSgenssen hat. Die Beseitigung der Real- i verständigen zur weiteren Berathung deS deutsch-rusfi- steuern — das war eine große Errungenschaft, die i scheu Handelsvertrags annimmt. Sie hat als Tag auch sonst nüchterne Leute begeistern konnte. Im Reiche j s»« a „<» n.4.

aber kann er den Volksvertretern nichts Achnliches - Siete». Nur neue Lasten für das Volk, nichts weiter, j Daß die Tobakfabrikatsteuer an sich etwas - Reizendes hätte, will uns noch nicht einleuchten. Zu-

„Ein Verbrechen!" tief sie aus. „Er hat mir da­von nichts gesagt. Hat er mit Dir davon g-sprochen, Vater?"

„Ich glaube ja," murmelte der Millionär, „ober ich habe eS für unnöthig geholten, Dir diese traurige Geschichte noch einmal zu erzählen."

„Aber weshalb denn? Herr Lucian ist auch mein persönlicher Schützling, und eS wäre mir angenehm, seine Schicksale zu erfahren, damit ich ebenso wie Du daS Meinige dazu beitragen kann, daß er seine Prüf­ungen vergißt."

„Ein braves Kind," dachte der Maler bei sich, in- dem er abwechselnd Vater und Tochter ansah.

Mmy fuhr fort:

„Sie fegten also, Herr Darier, daß Lucian durch ein Verbrechen Waise geworden sei?"

„Ja, Fräulein, eS ?st dies ein schreckliches Drama, durch welches er seinen Vater verloren hat, denn seine Mutter war bereits geraume Zeit tobt."

„Wollen Sie es mir nicht erzählen?"

„Gewiß, ich kann dies in wenigen Worten thun. Julius Labrone kehrte von einer kmzen Reise zurück. Bei seiner Ankunft in Alfortville, mitten in der Nacht, wurde er, als er die Schwelle seiner brennenden Fabrik überschritt, ermordet."

„Aber daS ist ja entschlich!" stammelte Mmy zitternd, „nicht wahr, Vater?"

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(78, Fortsetzung.)

76.

„Der Verzweiflung?" wiederholte Mary erschrocken. „Allerdings, Fräulein," antwortete Georg.

„Aber inwiefern?" meinte Harmant.

„Nun, insofern, als Lucian Labrone so weit ge­kommen war, daß er an sich und an seiner Zukunft völlig verzweifelte. Bis zur gänzlichen Muthlosigkeit ist eS nicht weit in einer solchen Lage, und die Muth- lostgkeit führt leicht zur Verzweiflung. Lucian hat viel gelitten, ohne eS je verdient zu haben. Es war Zeit, daß ein besseres Loos die Wunden heilte, welche eine schmerzliche Vergangenheit ihm geschlagen hatte."

Jakob Gwand fühlte sich durch die Worte deS Advokaten selbstredend durchaus nicht angenehm berührt.

Schon wollte er sich erheben und aufbrechen, als Mmy, für welche Alles, was sich auf den geliebten jungen Mann bezog, das größte Interesse hatte, das Wort ergriff und frug:

„Herr Lucian steht allein auf der Welt, nicht wahr?"

„Ja, Fräulein, ein Verbrechen hat ihn zur Waise gemacht," versetzte Georg.

Das junge Mädchen schauderte zusammen.

--20. Jahrgang

»IdllkrWZeitiilig

der Tasche der Emzelstaaten kommen sollen!" DaS war bekanntlich die Blüche der Weisheit und Tapf.r- kcit der Bundesstaaten, als im vorigen Herbst über die kolossale Steigerung der Militär last en berathm j wurde. Welche verbündete Regierung wird denn so f Vv» ^u..M ulK Poren ore

verwegen stm, erne Militärforderung zu kritisiren oder ; Antisemiten oder dir R'ckertschen gestimmt hat. nickt gar zu bekanpfen? Das könnte ja übel vermerkt wer- I bald mit Schrecken erkennt, auf welche abschüssige den und dem Schuldrgm gelegentlich sauer aufstoßen. Bahn er in seinem Unverstand das Reich hat schieben Mögen sie m Berlin so viel neue Rekruten einziehm ; helfen? Noch ist es Z fit, den Fehler wenigstens theil- und so viel mdrrekte Steuern machen, wie sie wollen, i weise gut zu machen.

wenn nur unser Staatshaushalt ung-stört bleibt, schreien ? ~

wir Ja und Hurrah!

Solche „verbündete Regierungen" sind reif für i Miqm'sche „Reformen." Was sie in diesem Einzel- ; fall sich ausgemacht hatten, tretet ihnen Herr Miqiel ! für alle Zukunftsfälle. Es soll Grund- und Rkchtssotz ; werden, daß das R-ich alle seine Bedürfnisse aus dem \ »hm Vorbehalten?» Steuersortiment dcck-, ohne einen i H ller aus BundeSk rssen zu beanspruchen. Ist das i nicht verlockend für den StaatSkasfir-Patriotismus der i verbündeten Regierungen? Und wird es nicht noch s verlockender, wenn man ihnen sogar eine Rente in i Aussicht stellt, die mehr beträgt, als ihnen augenblicklich vom Reich zufließt! w

vorgeschlagen. >

* Der neue deutsch-serbische Handelsvertrag sowie das Uebereinkommen über den gegenseitigen Muster- und Markenschutz werden jetzt veröffentlicht.

Der falsche Harmant suchte, so gut als er ver­mochte, seine Fassung zu bewahren und antwortete also mit unsicherer Stimme:

„Ja, in der That schrecklich ..."

„Und wer war der Mörder und der Brandstifter?" fragte Mary weiter.

„Ein uno dieselbe Person, wenigstens nach Ansicht der Justiz, . . . eine Frau."

„Eine Frau!"

„Ja, die Schließerin der Fabrik. Sie ist vom Assisenhofe zu lebenslänglicher Haft verurtheilt wordm."

„Wirklich ein Ungeheuer, diese Frau!" bemerkte Mary mit einer Geberde des Abscheues.

„Wofernsie nicht etwa eine Märtyrin ist, Fräulein!" meinte der Advokat.

„Wie verstehen Sie dos, Herr Darier? Bitte wollen Sie mir das nicht erklären?"

„Sehr einfach: in Folge bestimmter Mittheilungen, welche Lucian von der Schwester seines Vaters erhalten hat — einer Person, die durchaus achtungSwerth ist und von welcher er erzogen worden ist —, hat mein Freund Zweifel bekommen über die Schuld der Frau."

„Hat denn derGer'chtshof diesen Zweifel nicht gehabt ?"

„Gewiß nicht, wenigstens sprach damals der Schein gegen die Angeklagte."

„Wie aber ist denn gleichwohl Herr Lrcian zu seinem Zweifel gekommen?"

* Der Deichs-Wunderdoktor.

Die M q rel'schm Steuer-Reformen haben den Schelm im Nacken. S-ftenS kommt immer ein Plus für den FiskuS heraus und zweitens eine Schmälerung der politischen R chte des Volkes.

Die erste Steuer'Reform in Preußen bescheerte uns eine Einkommersteuer-Schraube, die gleich 40 SDfcöionen Mark mehr ergab. Vielmehr, als'man amtlicherseits erwartet haben wollte. Vertrauensselige dachten schon, -ks werde nun die Ermäßigung des Enckommenstemr- Tarifs für da? Ar beit seinkommen einlreten kön­nen. Aber diese Rechnung war ohne den Wirth ge­macht, Hern: M'q rel wußte cs so zu drehen, daß im zweiten Theile der Reform das Arbeitseinkommen feine ganze Belastung behielt und ihm noch die hübsche V r- rrögmSstener bcscheert wurde. Freilich hat er dafür bie Hebung der Staats-, Grund-, Gebäude« und Gewerbesteuer eingestellt; aber er hat für einen sehr reichlich bemessenen Ersatz gesorgt, sodaß die Staats­kasse auch jetzt schon ein feines Geschäft macht — ab­gesehen von bett schönen Z ckunfts-Äussichten, die ihr die handliche Schraube der Vermögenssteuer bietet. Um die zugehör ge Wahlrechts-Form fhb wir gebracht worden. Herr Mqrel gehörte freilich nicht zu den Konservativen, die das Abkommen mit dem Centrum schnöde rechnen mußten. Aber es hat auch kein Mensch etwas davon vernommen, daß er zur Vertheidigung der von den Nrtionalliberalen angegriffenen, von den Kon« servat'ven verratheu-n und vom Ministerpräsidenten mit Grazie p eisgegebene Regierungsvorlage die Hand gerührt hätte. Er Halts seins Steuerpläne durchgÄracht, das Uebrige war ihm „Wurst".

J-tzt kündigt er seine „Steuer - R form" für das Reich an. Was ist fein Ziel? Nicht die Entlastung oder die möglichste Beschränkung der Belastung, sondern die Schaffung von Einnahmen auf Borrath — eine riesige Plusmacherei für die Rttchskcss.'. 60 Millionen brauchen wir zur Zeit. Schön, sagt Herr Mqnel, machen wir eine „Reform" daraus, die uns das Doppelte ober noch mehr einbringt. Die grundstürzende „ Reform" legt mehr Lasten auf, als uöch'g ist; sie vernichtet nebenbei eine wichtige Garantie für die Gerechtsame der Eirzttstaaterr und das wichtigste Stück vom Budgetrecht der Volksvertretung. Diese Bedenken stören aber Herrn M quel's Reform- Eifer nicht. Mit Speck fangt man Mäuse und eivzel- staatliche Finanzminister gewinnt man mit der Aussicht auf Gewinn-Antheil.

Die Offiziösen des Herrn M quel — er hat deren mehr und bessere als Graf Caprivi — fitzen mit rüh­render Brredtfi mkeit den Finanzleitern der Bundes­staaten auseinander, was fie j tzt für ein jämmerliches Dasein führen beiden stets schwankendenÜeberweisun- gen und den stets wachsenden Matrikular-Beiträgen und wie gut sie es haben könnten, wenn man die Abrech­nung mit dem Reiche „fixire", so daß sie jedes Jahr vergnügt ihrs Reichsrente einstreichen könnten und sich um die künftigen Mehrausgaben deS Reiches gar keine

Sorgen zu machen brauchten. Werden die Bundes- s dem ist es mit Händen zu greifen, daß durch Steu-r rcgterungen auf den Köder anbeißen? Wir fürch- ! auf Borrath gemacht schon fitzt die Deckung für künftig ten Schlimmste. neue Militärforderungen vorgesorgt werden soll. Ver-

. stwlweu zu, wenn nur die Kosten nicht aus lockend ist die Sache nur für die Centra liste«'

Die Kehrseite der Resorm-MedMe ist freilich die: । Wer nicht mehr mstzchlt, hat nichts zu sägen, i Wenn nun neue Militär- und Marine - Forderungen - aus der Erde schießen, und es dämmert einmal dem einen oder andern Bundesrathsmitgliede die Erkenntniß, ; daß es so doch nicht weiter gehen könne — dann wird - man ihm schnell den Mund schließen mit der Be- ' merkung: „Was geht es euch an? Ihr braucht ja ? nichts zu leisten. Verzehrt in Ruhe eure Reichkpn sion i und mischt euch nicht in Dinge, die nur die „Reichs- ? regier ung" und den Reichstag angehen. Der Bundes- \ rath wird thatsächlich zum fünften Rad an dem \ Reichswagen, wenn man seine Mitglieder durch Be- i seitigung der Matrikularbeiträge aus der Geschäfts- l betheilizung entläßt.