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Mittwoch, beit 19. Juli 1893.
Deutsches Reich.
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mttgethellt, daß Sie bereit seien, meine Bewerbung zu unterstützen und mich Ihrem Vater vorzustellen, für welche« ich ein Empfehlungsschreiben von meinem Freunde Georg überbringe."
Lucian sprach in ehrerbietigem, jedoch nicht kriechendem oder unterwürfigem Tone; er bat um eine Vergünstigung als ein Mann der weiß, daß er Fähig- leiten besitzt und sich deshalb auch für würdig hält, dieselbe zu erlangen.
Mary schloß halb die Augen — unter dem Einfluß der sanften wohlklingenden Stimme ihres Besuchers.
„Setzen Sie sich, mein Herr," sagte sie dann, auf einen Stuhl deutend, „wir wollen mit einander plaudern."
Der Verlobte Lucie's ließ sich nieder.
Fräulein Harmant fuhr fort:
„Herr Darier hat mir mitgetheilt, daß Sie viel Talent und große Energie besitzen — daß er Ihnen bisher an Gelegenheit gefehlt hat, Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu verwerthen, und daß Sie lebhaft wünschen, eine Stelle in dem großen Etablissement zu finden, welcher mein Vater demnächst zu eröffnen gedenkt."
„Wenn ich diese Stelle erhalten könnte, so wäre meine Zukunft gesichert," sagte Lucian.
Mary fuhr fort:
„Ich habe Herrn Darier geantwortet, daß die Be- Werbungen um die Stelle als Direktor des Ltabliffe-
Der Kammerdiener verschwand nun und Lucian trat ein.
Das junge Mädchen hatte eine gute Nacht gehabt und so Mienen ihre GefichtSzüge weniger ermüdet und ihr Allgemeinbefinden weit bester als gewöhnlich
Ein reich verzierter Morgenrock verbarg die krankhafte Abmagerung chreS Körper«.
Beim Eintritte Lucians erhob sie sich und ging । Km zwei Schritte entgegen, worauf Lucian sie ehrer- bietrg grüßte.
Mit einem einzigen raschen Blicke hatte sie Lucian von Kopf bis zu Füßen gemustert und hatte sogleich gefunden, daß er intelligente, einnehmende G.sichtSzüae und ein freies Wesen besaß. Kurz, der junge Mann gefiel ihr sogleich ausnehmend gut, und sie meinte, j daß sie bis heute noch keinen so hüb chen jungen Mann kennen gelernt habe . . .
, „Herr Darier", hob sie jetzt lächelnd an, „hat Sie bei meinem Vater, welcher ihn sehr hoch schätzt, warm empfohlen."
„Georg Darier ist mein bester Freund, Fräulein, erwiderte Lucian, „außerdem mein Schulkamerad."
„Ich habe Ihren Besuch erwartet."
„Die Ehre, welche Sie mir gewährten, indem Sie mich empfingen, hat mich sehr gerührt. Georg hat mir I
Emmerungen vorgebracht, die nach dem Gewichte der- Men und der Mehrheit derer, die fie vertraten, ge- wissenhaft berücksichtigt worden find, und danach ohne I-de Kundgebung von Widerstreben unterzeichnet, was Alles ebenfalls durch Vorlegung der Unterschriften be- wiese« werden kann.
1 * Die .Bossische Zeitung- hört, die Reform deS
Alters- m»d JnvalidttätS-GesetzeS habe bereits begonnen. Die Novelle, die in den Grundzügen bereits vorliegt, ist bestimmt, den Hauptmängeln dieses Gesetzes, d!? sich herausgestellt haben, abzuhelfen. Es find z. B. Maßnahmen in Aussicht genommen, um in den Fällen, m denen die Rente abgeändert oder entzogen wurde, des Empfängers mehr als bisher zu be- rücksichtigen. Auch einer Verzögerung von Entschädi- gungsansprüchen, die vielfach dadurch herbeigeführt wurde, daß die zuerst angerufene Berufsgenossenschaft den Anspruch abwieS, aber dem Geschädigten nicht die I zuständige Berufsgenossenschaft angab, soll vorgebeugt werden. ES wird beabsichtigt, der angerufene» Genossen- schaft die Verpflichtung aufzuerlegen, der zuständigen Genossenschaft tote dem Geschädigten die geeigneten Mittheilungen zu machen. Lehnt auch die zweite Be- rufSgeuostenschast ab, so soll die erste Genossenschaft die Sache zur Entscheidung bringen. Wahrscheinlich wird man sich auch für eine Vereinfachung deS Schieds- gerichtSwefenS entschließen.
* ®ie aus 90 Freiwilligen der deutschen Armee bestehende Verstärkung der südwestafrikauifchen Schutztruppe wurde heute hier eingekleidet. Die Einschiffung erfolgt am Mittwoch in Hamburg. _. * J®0«1 Rhein wird der ,Germania- berichtet: Die Freude unserer Handwerker an den bisherigen Innungen, die lediglich Pflichten und Kosten auferlegen, ohne nennmSwerthe Rechte und Bortheile zu gewähren, hat, wie kundige Leute voraussahen, nicht ! lange gedauert. Wenn die Aufsichtsbehörde nicht all chren Einfluß aufbirteu würde, um die JnnungS- Mitglieder bei der Fahne zu behalten, so hätte die ab- lehnende Haltung deS BundeSratheS dem Befähigung?- nachwelS gegenüber eine allgemeine JnnungSflucht veranlaßt. Nichtsdestoweniger gehen die bestehenden Inn- ungen nach und nach aus dem Seim. So hat sich die k t ®$>x&mo$er.9nnttn9 aufgelöst, und des hiesigen JnnungsauSschuffeS Tage scheinen ebenfalls gezählt zu fein. Seme Auflösung wird be- stimmt erwartet Man beklagt sich in Koblenz beson- ^rr über die Thatsache, daß die städtische Verwaltung ihre Arbeiten am liebsten an Großunternehmer vergibt, I anstatt die einzelnen Fachgewerbe zu berücksichtigen — E alte und berechtigte Klage. - Der „Verein selbstständiger Handwerker," der sich vor einigen Jahren hier gebildet hatte, um ohne Staats- i aufficht und sonstige zwingende Verpflichtungen, denen kerne Rechte gegenüberstehen, die Interessen des Hand-
J« vertreten, hat in Folge der geringen Prak- I Irschen Handwerkerfreundlichkeit der Behörden nun eben- falls bte Flmte ins Korn geworfen und sich aufgelöst. Das geringe Vermögen wurde dem katholischen Lehr- i lmgsverein zu Koblenz überwiesen. Wie in Koblenz, i
Der stenographische Bericht bezeichnet an dieser Stelle „Heiterkeit und Bravo im Centrum". In Folge dieser i Bitte unterbrach der Abgeordnete Kropatschek seine Rede ! nut dem Herrn Minister und der Abgeordnete Dasbach W fort: „Ich möchte deshalb fragen, ob dem nachgewiesen sei, daß alle jene katholischen Geistlichen, denen nicht die Lokal-Schul- Inspektion übertragen ist, „„in hellem Streite mit vielen Leutm leben ; daß sie wirklich ungeeignet sind." Der Herr Minister hatte nicht verstanden, daß der Abgeordnete Dasbach sich an dm Abgeordneten Kropat- scheck gewandt hatte und es wurde ihm in unrichtiger Weise gesagt, daß er ihn selbst, dm Herrn Minister, angeredet habe; dadurch ward dieser zu folgender Bemerkung veranlaßt: „Das Urtheil darüber, ob ich einem Abgeordnetm, der hier an mich herantritt, zu- hören will, steht mir ganz allein zu. Meine Herrm Kommissanen sind dahrn instruirt, mich zu informirm, wenn ich einmal nicht in derLage bin, zuzuhören, aber ich beanspruche das Recht, über diese Frage allein zu entscheiden. Der Abgeordnete DaSbach hätte auf einen
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Berlin, 17. Juli.
a» .^^gmtlich der Anwesenheit des Kaisers im RerchstagSgebaude am Sonnabmd erhielt Abg. Frhr. v. Stumm dar Komthurkreuz des Hohenzollem- schm HauSordmS und Abg. v. KoScielSki (Pole) den Kronmorden 2. Klaffe. 1
* Der Reichskanzler Graf v. Caprivi beabsichtigt noch einige Zeit hier zu bleiben, bis die Venen - Ent- zündung, die ihn letzter Zeit betroffm, sich etwas ge- ttgt hat; dann gedenkt er auf einige Wochen nach Karlsbad zur Kur zu gehm.
* Gehende und kommende Männer!? Dem Mlmster-Prästdenten Grafen zu Eulenburg ist der Schwarze Adterorden verliehen worden. Der Kaiser überreichte chm deuselbm am Donnerstag persönlich bei dem Frühstück, zu dem er sich beim Grafen Eulen- bürg emgeladen hatte. Diese Auszeichnung, die an euren bestimmten äußerm Anlaß anknüpft, wird verschiedentlich gedeutet, u. a. dahin, daß — Caprivi amtsmüde ist unb nach Erledigung ber Militärvorlage bald einer anberen Kraft Platz machm will. Natürlich ftttb das nur Bermuthungm. Aber diese find gerade jetzt lebhaft im Schwange. Ueber eine bloße Vermuthung hmauSgehmd erscheint nur das Gerücht, der Reichsschatzsekretär Freiherr von Maltzahn werde demnächst seine Entlastung einreichen. DaS Gleiche I haben wir nun schon recht ost gehört, ohne daß er fich bewahrheitet hat. Aber diesmal liegt doch die Sache etwas anders. Die Steuerreform in Preußen ffi fertig, dagegen ist im Reiche, zur Deckung der Mckitarvorlaae, em schwieriges Stück Arbeit zu er- ledigen, zu der es einer größeren Geschicklichkeit und Gewandtheit bedarf, als die ist, die dem Frhr. von Maltzahn zur Verfügung steht. Auch haben die nähe- rm Parteifreunde desselben ihm bei der erste» Lesung der Milrtärvorlage einen klemm Wink gegeben, daß eS nun Zett für ihn sei, fierrn Miquel Platz zu machen. Herr v. Manteuffel sprach eS offen aus, daß Miquel die umm Steuergesetze machen und Frhr. v. Maltzahn chm dabei „helfm" solle. Zu diesem Ge- hülfendimst wird sich Frhr. v. Maltzahn bei aller seiner Bescheidmhett denn doch wohl nicht besonder« hmgezogen fühlen.
* Der Borsitzmde der CentrumSfraktion im Reichstage, Graf Hompesch, hat nunmehr die Auftage des Herrn v. Schalscha über das Zustandekommen des Wahlaufrufs deS Centrums beantwortet. ES geht daraus hervor, daß Dr. Lieber den PastuS Über die Mckitärvorlage nicht eigenmächttg geändert, sondern nm sinngemäße AuSführungm hinzugefügt hat, welche, an die früheren Wahlaufrufe der Partei sich lehnend und von den Resoluttonen Windthorst ausgehend, die Stetigkeit der Haltung der Partei und unter Bor- führnng der wesentliche» Ziffern die Bedeutung der Vorlage feststellten. Endlich haben die übrigen Mit- glieder des Vorstandes nicht mit mehr ober weniger I Widerstreben eine unbefugte Abänderung unterzeichnet, sondern gegm den Entwurf des Herm Dr. Lieber ihre I
S bei der Abneigung deS „neum Kurses," für Handwerk und Landwirthschaft ernsthafte Reformm emzuführen,fast überall und die Pessimisten haben wieder einmal Recht behalten, als fie bei der vielver- sprechendm Jnnnngsgesetzgebmig vor einem Jahrzehnt | prophezeit hatten. Mit Halbheiten kommt man nie zu einem gedeihlichen Ziele!
. * Eaarbrücke«, 13 Juli. Gestern wurde vor dem hiesige« Schöffengerichte verhandelt eine Klage des Herm Dasbach gegm H. Vogel, Redattmr der ,Saarbrücker Zeitung- wegen Beleidigung; Letzterer ! wurde zu enter Geldstrafe von 30 Mk. evmt. 6 Tage I Hast und Tragung der Kostm verurcheilt. In der ' Schung des Abgeordnetenhauses vom23.Februar i d- 3. hatte der Abgeordnete DaSbach erklärt, er sei auffallend, daß viele katholische Geistliche nicht zu Lokal- Schulinspektorm ernannt seien, obgleich doch der Herr Oberprastdent, als sie zu Pfarrern emannt »erben füOteib, fernen Grund gehabt habe, gegen ihre Emev- n«ng Einspruch zu erheben; wer dieses rigorose Examm bestanden habe, sei wohl auch zum Lokal-Schulinspettor geeignet. Darauf antwortete der Herr Kultusminister: „ES kamt Jemand ein ganz korrekter Geistlicher fein und doch m hellem Streit leben mit Persönlichkeiten, mü denen er amtlich als Schnl-Aufsichts-Beamter zu thun hat; das find Berhältuiffe, die wir berücksichtigm muffen. Gegen diese Bemerkung wandte sich der Abgeordnete DaSbach, um vom Herrn Minister den Nachweis zu verlangm, daß die nicht zu Lokal-Schul-Jn- spektorm ernannten Pfarrer wirklich in Hellem Streit mit den höherm Schulbehörden lebten; als er aber in feiner Rede auf diesen Puutt kam, unterhielt sich bet Abgeordnete Dr. Kropatscheck mit bem Herm Minister, «ud darum machte ber Abgeordnete eine kleine Pause unb sagte darauf dem genannten Abgeordnetm:
«Wem» Sie vielleicht die Güte hätten, nachher das dem Herrn Minister vorzutragm; ich möchte gern die Aufmerksamkeit deS Herm Ministers für mich haben."
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(67. Fortsetzung.)
Während Lucian auf die Stufen vor dem Ein- Snge des Hotels zuschritt, zog der Portter eine mgel.
Eine in Schwarz gekleidete Persönlichkeit mit weißer Ä ^. untadelhaft vom Kopf bis zur Zehe, kam jetzt aus dem Borhofe heraus.
Diese Persönlichkeit war Herr Theodor-der Kammer- vielter»
Wie ein stummer Fragezeichen pflanzte er sich jttjengerabe vor Lucian auf, welcher nunmehr schüchtem
„Ich wünsche Fräulein Harmant zu sprechen, ich dm von Herrn Georg Darier hierhin geschickt. " , „ -Bitte kommm Sie mit mir, Fräulein Harmant, befindet sich im kleinen Salon."
Lucian folgte dem Kammerdiener.
Beide durchschritte» alsdann zwei ober drei prunk- «oB ausmöblirte Zimmer, dann schob der Kammer- mmer eine Portiere bei Seite und sagte:
„Fräulein, hier ist die Person, welche der Anwalt des Herrn BaterS zu Ihnen schickt."
„Lassen Sie ihn eintreten", antwortete Maiy. •