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ö Der Kampf gegen die S-Mdem-kratte

Deatsches Reich.

nach dem Neuen Palais, wo um 9 Uhr zu Ehren des

Freitag, den 14. Juli 1893.

. Berlin, 12. Juli.

Der Kaiser empfing gestern Abmd 8 Uhr 35 Mm. auf der Station Wildpark den Großfürsten-

ÄÄ-Nden Sozialreform. Die gesetzgebendm Mächte können sich noch zu ihrem Heile wie überall so hrer auf das Centrum und die christlich.patrio. tischen Volksmassen m seinem Gefolge stützen, — Wen sie aber zehnmal sich bedenken, ehe sie ihre hülfreiche Hand zurückstoßen und das heute einzig sieg, reiche Bollwerk, an dem allein der revolutionäre An« sturm sich brach, im Stiche lassen. Mögen sie das sozialreformerische Centrum nicht wie bisher so oft zu Erfolglosigkeit verurtheilen, mögen sie nicht auch seine Wähler noch um dir letzte Hoffnung auf einen fried­lichen Weg zur wlrthschaftlichen Besserstellung bringen und dadurch auf die Bahn deS Umsturzes treiben

„Bei Lebret, meinem Meister, geht'S noch bester. In zwölf Tagm sind wir schon bei der Fünften an­gelangt — die Kundm beklagen sich natürlich aus'S Bitterste, drohen und dieS reizt Meister und Meisterin auf'S Aeußerste. Morgen früh wird ihre Magd bog j Gepäck zu dm Kunden tragm, und diese Schnecke wird I sicherlich nicht vor vier Uhr fertig sein! Wer jetzt käme - und sich anböte, würde gewiß wie ein Engel vom ; Himmel empfangen werden, und man würde sicherlich

* Die Kaiserreise nach Norwegen ist für dieses S “s Wr Dagegen ist für die zweite

Hälfte des 3«It eine Reise m der Ostsee beabsichtigt, genommen ift ^edischm Schären in Aussicht . * ?,ie Zerfahrenheit der antisemitische» Par- teiverhaltniffe kam in einer Versammlung zum er­baulichen Ausdruck, die am Freitag in Berlin abge- halten wurde. Böckelianer, Ahlwardtianer und Stöcke- rianer geriethen heftig aneinander, nicht nur mit Wor- ten, sondern auch mit Fäusten. Böckel, der den Vortrag des Abends übernommen hatte, wandte sich sofort aeam Ahlwardt als auch gegen Stöcker. Gegen den ersterm richtete sich der Theil seiner Ausführungen, der in dem Satze gipfelte, die antisemitische Bewegung sei nicht dazu da, um Skandal zu machen, und dem Abg. Stöcker hielt er vor, daß er sich während der 99 Tage feige berfrodjen habe. Die Anhänger der Angegriffenm machten ihrer Entrüstung in Toben, Lärmen und Prü- geln Lust. Auf eine Beantwortung der Frage, ob Böckel Ahlwardt m die deutsche Reformpartei aufnehmen werde, ließ sich Böckel nicht em. Im Uebrigen ist aus seinm Ausführungen nur noch hervorzuheben, daß er mit großem Selbstbewußtsem konstatirte, das Schicksal der Militar-Vorlage hänge von den Antisemiten ab, über deren Stellungnahme sich aber augenblicklich noch nichts Bestimmtes sagen lasse. Dr. Sigl wurde von Böckel als „alter Antisemit" rellamirt, jedoch mit dem vor- sichtlgm Bemerkm, man werde sich hüten, ihn m die Fraktion aufzunehmen.

* Eine etwas unklare Meldung bringt die,Mil. P^„Korr.", indem sie schreibt, Finanzminister Miquel beschäftige sich seit Längerem eingehend mit einer Re­form des preußische» Agrarrechts; er halte die Lösung einer Reihe von Forderungen, die in dieses Gebiet fallen, für unbedingt nothwendig, wenn unsere Landwirthschaft nicht weiter zurückgehen solle. Wir haben zu Herrn Miquel sehr wohl das Vertrauen, daß er die Schäden, welche die gegenwärtige Gestaltung un­serer den Grund und Boden betreffenden Gesetze der Landwirthschaft zufügt, erkennt. Das RentengutL-Gesetz »st ja Beweis dafür, daß er keineswegs in der liberalen römisch-rechtlichen Zwangsjacke steckt. Vielleicht hat die Berathung des Antrages Loe ihm den Anstoß gegeben, den agrarrechtlichen Fragen näher zu treten. Herr MiquÄ ist ein kluger Mann und weiß die Zeichen der Zeit zu deuten und da wird ihm wohl manche bei den letz­ten Reichstagswahlen hervorgetretene Erscheinung zu denken gegeben haben.

* Keine Vernachlässigung der Kulturaufgaben tritt in Deutschland in Folge der gesteigerten Aus­gabe für Heer und Marine ein, versicherte Finanz­minister Miquel Ende Mai zu Frankfurt. Dem gegen­über ist der Bericht Virchows über die Angelegenheit eines Neubaues des pathologischen Instituts in Berlin besonders interessant. Rudolf Virchow, der Direktor der pathologischen Instituts, hebt hervor, daß die Frage des Neubaues noch immer nicht zum Ab­schluß gekommen sei. Inzwischen habe sich toenigftmg die Aufmerksamkeit auf einen geeigneten Bauplatz ge-

hier seine kleineren Erlebnisse und seine Leiden und Freuden.

Johanna betrat den großen Saal, welcher noch zur Hälfte mit Gästen gefüllt war.

. ?ls si- alle die Speisenden gewahrte, welche in der fröhlichsten Unterhaltung begriffen waren, schien sie einen Augenblick unschlüssig zu sein.

Sie blieb also auf der Thürschwelle stehen.

Eine Magd, welche an ihr vorbei ging, sah ihr Zögern und sagte, ohne die Veranlassung zu errathen, zu ihr:

auch des Gegners Stärke. Hier müssen wir noü wachsen, immer kräftiger werdm.

Das zu unserer Genugthuung und Bestärkung. Von den anderen der Sozialdemokratie gegnerischen Parteien aber tote auch von der Regierung darf das Centrum nun wohl die Erwartung hegen, daß sie seine Arbeiten und Erfolge gegenüber der Umsturzpartei besser schätzen werden als bisher, und dann auch williger, uneigennütziger und voruriheilsloser Mitwirken zu der

Kaiser demselben das Geleite bis nach Berlin, wo auf Bahnhof Friedrichstraße die Verabschiedung erfolgte.

„Sie können eintreten, Madame, es ist noch Platz." „Gewiß, gewiß", bestätigte ein Bäckergeselle, welcher neben der Thüre saß und das Zögern Johannas ebenso wie die Magd bemerkt hatte. „Wir sind Alle hier m der Bäckerei, und wenn sie auch vielleicht nicht dazu gehören, so verschlägt es nichts. Wir werden Sie doch freundlich hier aufnehmen."

Johanna lachte und ließ sich neben dem Bäckerge­sellen nieder, welcher etwas fortrückte, um ihr Platz zu machen.

„Was wünschen Sie zu essen?" frag die Magd indem sie die Gerichte rasch aufzählte.

Johanna bestellte ein bescheidenes Mahl.

Plötzlich fragte der freundliche Bäckergeselle, neben welchkm Johanna Platz genommen hatte, einen andern

jungen Mann, welcher in einiger Entfernung vo» ihm saß.

„Sag' doch, Torongean," rief er ihm zu, kennst Du nicht ein Mittel, das meine Meisterin von ihren Nervenzufällen befreit und meinen Meister hindert, daß er nicht mehr so grimmig ist, daß man ihm gar nicht mehr nahe kommen darf?"

„Was Ms denn mit den Beiden?" antwortete der Gefragte. „WaS für ein Mittel muß man denn eigentlich hier anwenden?"

„Nun, sehe einfach, eine gute Trägerin."

„Sonst nichts?" gab der Angeredete lachend zurück. „Man findet sie heutzutage nicht mehr auf der Sttaße, bei diesem Schnee und Eis . . . Die Eine nach der Andern wird krank und gibt das Handwerk d'ran. Seit vierzehn Tagen haben wir bei uns vier Mal ge­wechselt."

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(63. Fortsetzung.)

Das Haus des Weinwirthen. dessen Schild die Worte trug: „Au rendez-vous des boulangers“ und welches Johanna betteten hatte, um sich etwas zu essen geben zu lassen, war sehr bekannt.

ES war eine Wirthschast, wo vornehmlich nur Bäckerrungen, Bäckergesellen, Brodträgerinnen ihr Stell- dlchetn hatten.

Die meisten Leute dieses Handwerkes pflegen hier auch ihre Mahlzeiten einzunehmen.

Das WirthShaus bestand aus vier Räumen. Eine Art Saal, m welchem sich das Komptoir befand, ein Rabrnet, wo etwa zehn Personen um einen von zwei Gasflammen erleuchteten runden Tisch Platz fanbeit bann ein großer Saal, wo an ben Wänden ringsum

Tischchen standen, welche zur Zeit der Mahles stets besetzt waren, und endlich die Küche, wo die Haus- srau mitten unter dem glänzenden Küchengeschirr und unteMutzt von drei flinken jungen Mädchen thronte. . Wie hier, so befindet sich in Paris in jedem Viertel ein derartiges Haus, wo dar Personal von dem ehr- samen Bäckergewerbe seine Zusammenkünfte hat.

Hier kennen Alle sich untereinander, jeder erzählt

aber als Erfolg der unablässigen Thätig- kett des Volksvereins für daS katholische Deutsch, land zuschretben, der m den 2 Jahren seines Wirkens ?ber fast das ganze deutsche Reich hin in mehr denn 1000 Versammlungen und mit über 4 Millionen Schriften: Broschüren und Flugblättern das Vorder- treffen gegen den Umsturz und für eine christliche Sozialreform Woche um Woche geführt hat.

Vielerorts ist, besonders am Rhein, dann in ein­zelnen Theilen Württembergs und Bayerns, die Sozial­demokratie an Stimmenzahl zurückgegangen oder hat nur unerhebliche Fortschritte gemacht. Es ist also ein großer Theil unseres Volkes noch zu retten, aber nur - bei unablässiger Thättgkeit. Und diese muß der wachsen- : den Krisis immer um das Doppelte und Dreifache

Wissen es jetzt nach der jüngsten ! Wahlprobe, wo wir etnzusetzen haben. Nicht zwar \ erst spater, unmittelbar vor einer kommenden Neuwahl, ; nein, heute schon, da wir das Errungene vertheidigen. neue Angriffe abschlagen müssen. Während der Jahre vorher wird die Entscheidung der großen Wahlschlacht vorbereitet. Die Presse in ihrer vielfachen Gestalt, die engere und weitere Vereinsthätigkeit, welche beide die persönliche Agitationsarbeit in Werk- statte Fabrik, in der Wohnung selbst des Einzrlnm,

, , -----------— 20. Jahrgang

illdäerWZeitllng

'st beim längsten Wahlgange von keiner anderen Partei mit so viel Nachdruck und Umsicht, aber auch gleichem Erfolge geführt worden, als wie von der des C e n- trumS. Es trat mit der vollen Kraft seiner christ­lichen Ueberzeugungstteue dem Gegner entgegen und machte die grundsätzliche tödtliche Feindschaft zwischen Christenthum und GotteSleugnung hüben und drüben geltend. Der heuchlerischen „Privatsache Religion" riß es die Maske herab und legte offen, wie viele und große sittliche Güter der gesammten Volkes durch den stztalen Umsturz dem Untergänge geweiht sein würden. Eine scharfe Scheidung der Geister, eine Rückkehr der noch gesunden, wenn auch schon angestecktm Glieder zur christlichen Partei war in weiten BolkSkreisen die Folge. Aber auch auf w ir th sch a f tli ch em Gebiete ttat daS Centrum mit offenem Visir auf, und es konnte Mit um so größerer Berechtigung der Sozialdemokratie die entscheidenden Fragen vorlegen: waS habt Ihr bisher für das Volk g et Han?, was versprecht Ihr und könnt Jyr fürder nachweislich bieten?, als seine eigenen jahrzehntelangen sozialen Bestrebungen und mancherlei Errungenschaften, kräftiger als die ver-

dhrase eines sozialistischen Agitators sprachen, i u—•» -u>vt-nung jeioji oes Einzelnen iMfi Jen. Centrumsleuten auch leicht, darzulegen, heranbilden und unterstützen müssen, bilden unsere wie daß die Sorlaldemokratle bis heute gegen alle Beller- 1 "»* s»a — -------- ' wie

MigSvorschläge zu Gunsten der Arbeiter, Handwerker, Bauern gestimmt und gewühlt hat, daß sie auch nicht das Klmiste verwirklicht hat von den Völkerbesteienden Versprechungen, die mit großen Worten bis heute bei ,eder Wahl ausposaunt wurden. Für die Zukunft ge­nügte es dann, auf ihre Wahlreden und Flugblätter hmzuwetsen, m denen die Roth der Zeit recht grausam

fafon übrjgen Parteien Böswilligkeit । •— “*•»>-«- *»»>« uumnyrneiujet Mitwirken zu der toelcfiJXfr0 iS® Rwurde, in letzthin doch einzig rettenden That einer alle Stände welchen aber nichts Greifbares zu fiuden war von dem, ...... -

was sie denn zur wirthschaftlichen Besserstellung thun wollenund önnen. Da ist manchem Manne aus Dem Volke fühlbar klar geworben, daß ein Centtums- stimmzettel doch wie Silber wiegt neben dem rothen papierenen Wechsel auf den „Zukunftrstaat", den ihr Führer Bebel längst in Karlsruhe vom Jahre 1896 auf daS Jahr 1910 verlängern mußte, da er bei noch immer leerer Kaffe zu früh fällig wurde.

Auch bei den früheren Wahlen hat daS Cmtrum gut gerüstet auftreten können, aber diesmal sah eS Kampfgenossen in seinen Reihen thälig, die seitdem bis zur vollen Wehrhaftigkeit geschult waren. Auf der ganzen Schlachtlinie bis zum entlegensten Dorfe hat unsere Presse die Sozialdemokratie mit Kenntniß und Geschick bekämpft. Aus den katholischen Arbeiter- vereinen traten Agitatoren und Redner in die

CmtrumSlager erwies man sich rühriger geübter sw von Rußland und geleitete denselben

ESSS! S-MNSMS E guten Stücke zu danken wissen. Zum großen Theile