20. Jahrgang
ia<
Menstag, den 11. Juli 1893. ......„
FuldiikrMZkitMg
nÄ ®°l"anH,Unb^<rtaie ausgenommen. - Suserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 $f„ bei Wiederholungen entsprechend« Rabatt.
’ 1 ’ $et AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld ant der belletristischen Sonntagsbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig
Einladung
zur 40. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.
In den Tagen vom 27. bis 31. August wird, so Gott will, die 40. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in Würzburg stattfinden. Groß und aufrichtig war die Freude nicht bloS bei den Bewohnern der Stadt, sondern in ganz Bayern und Deutschland, über die Kunde, daß die altehrwürdige Bischofsstadt am lieblichen Mainstrom, die Perle des FrankenlandeS, bestimmt fei, die diesjährige Katholiken - Versammlung in ihren Mauern aufzunehmen. Ohne Zögern begannen die Vorbereitungen und mit froher Erregung sehen wir den Tagen entgegen, an welchen die Besten der deutschen Katholiken hierher eilen werden, um zu den Brüdern geschaart neuen Muth zu schöpfen für die Kämpfe deS Tages, um die Anliegen unserer hl. Kirche zu besprechen und auf Beseitigung der Schäden unserer heutigen Gesellschaft zu dringen.
Schon zweimal hat Würzburg in seinen Mauern die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands tagen sehen, zuerst die 16. im Jahre 1864 und dann die 25. im Jahre 1887. Andere Verhältnisse sind seitdem in Deutschland eingetretey; zum großen Theile andere Männer werden kommen, andere sie hier empfangen. Die Kämpfe, welche die Katholiken auf politischem Gebiete zusammengeführt und zusammengehalten haben, werden nicht mehr mit jener Schärfe gegen uns geführt, wie zu jener Zeit, da wir das letzte Mal in Würzburg beisammen warm. Man hat darum gegnerischerseits aus eine Lockerung jenes festen Bandes der Einigkeit gehofft, welches die deutschen Katholiken so eng umschlossen hielt. Dies Band der Einigkeit darf weder gelockert werden, noch wo eS gelockert fein sollte, gelockert bleiben. Die Würzburger Katholiken-Bersammlung wird beweism, daß die Katholiken Deutschlands einig sind und bleiben im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, im Wohlthun und im Streiten. Biele von denjenigen, die vor 16 Jahren hier geweilt, Männer von gutem Klang und Namen m der ganzen katholischen Welt, kommen nicht mehr und werden die Kommenden nicht mehr begrüßen. Sie schauen segnend herab auf unser Thun und Streben, Rathen und Beschließen, Arbeiten und Beten. Frankenstein und Reichensperger, Moufang und Heinrich sind nicht mehr und so viele Andere, die wie vor 16 Jahren auch heute wieder gekommen wären. Kein Professor Hergenröther, kein Hetlinger, kein Stamminger bethei- ligt sich mehr an den Vorbereitungen zum Tage und beim Empfang der lieben Gäste. Neue Männer haben ihre Erbschaft angetreten und halten ihr Andenken heilig, indem sie einig, treu und eifrig in ihrem Geiste wirken.
Die Jahre vergehen und die Geschlechter schwinden. Aber ewig fest bleibt der Fels der katholischen Kirche, fest bleiben ihre Glaubenssätze, fest ihre Vorschriften und Rathschläge, und fest und treu stehen zu ihr die
Katholiken. Das wird die nächste General-Versammlung zu Würzburg wieder vor aller Welt beweisen durch die Zahl der Theilnehmer, durch den Eifer im Berathen, die Einigkeit im Beschließen, die Thatkraft im Ausführen. Und Gott, der Herr, wird seinen Segen dazu geben.
Würzburg, am Feste des hl. Kilian 1893.
Das Lokal-Komitee:
Dr. Ehaler, Rechtsanwalt, 1. Vorsitzender. Dr. Uirschl, Domdekan, 2. Vorsitzender. Sruffert, MagistratSrath, Kassier. Dr.Stahl,!. Pfarrer und Privatdocent, Sekretär. Drand, RechtSrath. Dümler, Privatier. Dr. Göpfert, UniversitätSprofeffor. Dr. Hergenrother, Domkapitular und päpstlicher Äeheimkämmerer. Klemmrrt, Magist- ratSrath. König, Privatier. Münch, Großhändler. Neckermann, Reichstagsabgeordneter. Schuler, Spital- Pfarrer. Schwär;, Magistratsrath. Stahl, Domvikar.
Woerl, k. t. Hofbuchhändler.
Deutsches Keich.
Berlin, 8. Juli.
* Die am Schluß der Landtagssession verlesene Thronrede, welche wir dem vollen Wortlaut nach mitgetheilt haben, erwähnt den Sturz des Schul- gesetzeS mit keinem Worte; wir begreifen, daß Mo- narch und Regierung nicht gern davon reden, aus Gründen, die in der Sache und in den Vorgängen bei Verlauf derselben liegen, und weil man ein neues Schulgesetz, das doch wahrlich nöthig genug wäre, nicht anzukündigen vermag, nachdem man sich einmal vor dem Liberalismus zurückgezogen. Nicht mit Unrecht kann man in diesen Vorgängen eine der Ursachen der Zunahme der Sozialdemokratie sehen, die ja im Kulturkämpfe ihren festen Boden im Volke gewonnen hat und aus jeder Machtäußerung des antichristlichen Geistes Nahrung zieht. WaS aber noch sonst für Folgen, insbesondere für die Stellung der Regierung zu den Parteien und der Parteien unter einander der Sturz des Schulgesetzes, obgleich es nicht einmal entfernt gut war, sondern den Anforderungen von Christen- thum und Kirche nur besser als der bisherige Zustand entsprach, gehabt hat, ist oft genug zu Tage getreten und dann auch erörtert worden. Die markantesten Scheidepunkte für die Perioden in der Regierung König Wilhelms II. sind bisher die Entlassung Bismarcks (Beginn des neuen Kurses) und der Sturz des Schulgesetzes (Beginn des neuesten Kurses.)
* Die Centrums-Fraktion der Reichstags hat, wie schon kurz erwähnt, mit Unterstützung auch der Hospitanten der Fraktion den Antrag auf Auf- Hebung der Jesuitengesetzes sogleich im Reichstage wieder eingebracht. Der Antrag trägt jetzt an der Spitze den Namen des Abg. Graf Hompesch, des der- zeitigen Vorsitzenden der Centrumsfraktion. Ob der Antrag schon am Mittwoch auf die Tagesordnung und zur Verhandlung kommt ist noch ungewiß, da der An- trag der freisinnigen und süddeutschen Volkspartei auf
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(60. Fortsetzung.)
„Kaufen sie schnell, was sie nöthig haben, ich helfe eS Ihnen alsdann heraufschaffen." sagte die Portiersfrau.
„Wohnt in der Nähe vielleicht ein Händler mit gebrauchten Möbeln?",
„Gewiß, ganz in der Nähe, rue Jakob, das vierte Haus links.
Johanna eilte zur angegebenen Adresse und erstand bald gegen eine bescheidene Summe alles, was sie zur nothdürftigen Ausmöblierung ihrer neuen Wohnung bedurfte.
In einer Stunde, so versprach ihr der Trödler, sollte sich alles in ihrer Wohnung befinden.
Auf dem Rückwege zu ihrem neuen Heim kaufte sich Johanna noch etwas Wäsche und Kleidungsstücke nm wenig Geld und kehrte dann nach Hause zurück, wo sie ihre Möbel erwartete.
Pünkilich, wie man ihr versprochen hatte, befand sich das bescheidene Mobilar zur Stelle, und ein guter KoakSfeuer brannte bald in dem kleinen, etwas verrosteten Oefchen.
Johanna dankte Gott von Herzen und flehte zu ihm, daß er sie weiter beschützen, stärken und leiten wolle.
Etwas beruhigt durch das Gebet und in der Absicht, zu wissen, über welche Mittel sie noch verfügen könne, unterwarf sie ihre Börfe einer eingehenden Untersuchung.
Sie war zu ihrem Leidwesen nahezu erschöpft.
„Wenn ich nicht binnen Kurzem Hungers sterben will," dachte sie bei sich, „so muß ich bald Arbeit finden."
Bor Müdigkeit und Mattigkeit wie gebrochen und etwa- erschlafft durch das Hin- und Herreisen und Laufen, sowie durch die verschiedentlich^ Erregungen deS Tages wollte Johanna sich einige Stunden Ruhe gönnen.
Sie ging hinunter, um etwas Nahrung zu sich zu nehmen und wollte bann, sobald sie zurückgekehrt sei, sich zu Bette begeben.
Fünfz'g Schritte von ihrem Hause gewahrte sie die i Schenke eines WeinhändlerS, welche die seltsame Auf- ' schrift trug: „Au rendez-vous des boulangers.“
Sie trat ein.
* ♦ *
Seit jenem Tage, an welchem Lucian Labrone das Schreiben Georg Darier's erhalten hatte, in welchem Letzterer ihm über den Schritt Mittheilung gemacht, welchen er hier in der rue Murillo gethan, und ihm zugleich die Rückkehr Harmant's für den zweiten der kommenden Monats in Aussicht gestellt hatte, hatte der
zeitweise Suspension der Futtermittel-Zölle die Priorität hat.
* Bei der heute im Reichstage fortgesetzten ersten Berathung der Militärvorlage führt Gröber(Centr.) aus, daß das Centrum noch auf demselben Standpunkt stehe wie int vorigen Reichstag und eine Verstärkung der FriedevSpräsenzstärke für unnöthig halte. Er glaube nicht, daß Frankreich auch bei unserer jetzigen HeereS- stärke wagen würde, uns anzugreifen. Aber auch politisch sei Frankreich nicht zu fürchten, denn eine Regierung, die so korrumpirt sei, wie die französische, die sich vor Studentenkravallen fürchte, sei kein gefährlicher Gegner für uns. (Lebhafter Beifall im Centrum und links.) Er begreife nicht, wie Abgeordnete jetzt für die Militär- Vorlage stimmen könnten, wo die Regierung sich gar nicht über die Mittel der Deckung der Ausgaben auS- spreche. Er halte dieses Verfahren der Regierung nicht für offen und ehrlich; das mache den Eindruck, daß die Regierung Mausefalle lege, um die Abgeordneten einzufangen. (Lebhafter Beifall im Centrum und links). DaS Centrum werde keine Kommissionsberathung beantragen, sondern die Vorlage im Plenum ablehnen. Dr. v. Bennigsen (ntl.) erkennt die strategische Autorität deS Vorredners nicht soweit an, um ihm zu glauben, daß Frankreich niemals angriffsweise gegen uns vorgehen würde. Die Korruption der Regierung, der parlamentarischen Vertretung, der höheren Klassen in Paris bestehende allerdings. Wolle der Vorredner aber etwa behaupten, daß diese Korruption auch schon die französische Armee angegriffen habe? Nach dem Urtheil aller Sachverständigen sei dar französische Heer im Gegeutheil so solide und intakt wie je zuvor. Die Gefahr liege mithin jeden Augenblick vor, daß ein Ehrgeiziger, sei eS ein Feldherr, sei es ein Politiker, die schwache Regierung, in Frankreich beseitigen und sich deS vorzüglichen französischen Heeres bedienen könne, um einen volksthümlichen Krieg gegen das deutsche Reich zu eutfeffeln. Der Revanchegedanke bilde in Frankreich immer noch den Mtttelpunkt des Politiken Denkens. Jeder Staatsmann, der eS wagen würde, sich davon loszumachen, wäre in Frankreich verloren, wie das Beispiel Jules FerryS zeige, der nur gefallen sei, weil man ihn im Verdacht hatte, daß er die Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens nicht mehr erstrebe. Deutschland müsse also mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darnach trachten, sowohl Frankreich wie Rußland einzeln gewachsen zu sein. Was die Deckungsfrage anbetreffe, so halte er es für ganz naturgemäß, daß, wenn man von der unbebingten Roth- Wendigkeit der Milltärvorlage überzeugt sei, man sie einstweilen bewilligen müsse, lieber eine gerechte Deckung der Mittel werde man sich dann im Herbst schon einigen. Auch seine Partei wünsche keine kommissarische Berathung. Reichskanzler Graf v. Caprivi findet eS nach den letzten Aeußerungen des Centrums begreiflich, daß eS sich von einer konfessionellen, immer mehr in eine politisch-demokratische Partei umwandle. Sein (Redners) früherer Spott wegen der Beunruhigung durch die russischen Truppenverfchiebungen habe nur den
junge Mann wieder neuen Muth und neue HvffnWg gefaßt. id
Während er emsig arbeitete, harrte er mit Ungeduld des Augenblickes, der Zeit, wo er mit einer Empfehlung Georgs versehen, in eigener Person pei dem Großkäufer und Millionär sich vorstellen könne, welcher dem Anwalt keine Bitte abschlagen konnte.
Georg hatte wenige Tage später Lucian selbst gesprochen und ihm genauer berichtet, was zwischen ihm und Mary verabredet worden war, auf deren Unterstützung er, wie er sagte, mit Recht rechnen zu können glaubte.
Lucian zweifelte nicht im Geringsten an der Erfüllung seines Wunsches.
Wie ihm sein ehemaliger Schulkamerad dringend anempfohlen hatte, hatte er mit Niemanden, außer mit Sucre, über die günstigen Aussichten gesprochen, welche sich ihm boten, und auch dem Mädchen gegenüber hatte er den Namen des Großkaufmannes nicht genannt, bei welchem er eine sichere Stellung za erhalten hoffte.
UebrigenS war auch Sucre nicht so neugierig ge« gewesen, daß sie diesen Namen hätte wissen wollen.
Ihr war es nur darum zu thun, daß die Stelle nicht allzu lange auf sich warten ließe, da hierdurch der Zeitpunkt der beabsichtigten Vermählung hinaus- geschoben würde.
Das junge Mädchen wurde selbst um so fröhlicher