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Dienstag, den 4. Juli 1893.
20. Jahrgang
uldaerMZeitung
! äne M- Konkurrenz nicht schicklich scheinen, i fachen richtig: Die deutsche Regierung hat auf die i “ü“ -Beamte erhalt fane Be- russische Anregung einer handelspolitischen Verstärdig-
< au8 Mitteln, d. h. auS den Steuern ung hin von Anfang an den Standpunkt vertreten
? der Burger. Diese Besoldung muß auskömmlich sein, daß — wie dies auch von dem Staatssekretär des i und wo sie es nicht ist, soll der Staat bezw. die Ge- Auswärtigen Amtes im Reichstage wiederholt darae- I Elnde sich dieAufbesserung angelegen sein lassen, legt wurde - eine Herabsetzung des gegenwärtigen
Frau, von
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„Alles vereinigte sich, sie zu belasten, und der Schuldbeweise waren genug vorhanden."
„Die Beweise tonnten falsch sein. Haben Sie diesen Prozeß verfolgt."
„Ja, sehr aufmerksam, denn ich wollte wissen, ob die Frau uns die Wahrheit gesagt hatte."
„Und welches war Ihre Ansicht nach den Verhandlungen ?"
„Daß die Angeklagte schuldig sein konnte."
„Ja, schuldig sein „konnte", wiederholte Lucian die beiden Worte betonend, Sie wagen also selbst nicht direkt ihre Schuld zu behaupten, und wenn Sie zu den Geschworenen gehört hätten, würden Sie vielleicht auf „Nichtschuldig" erkannt haben."
„Möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich," sagte der Maler nach kurzem Besinnen.
„Ich habe ebenfalls den Prozeß gelesen," fuhr Lucian fort, denn meine Tante hatte die bett.ffenden Zeitungen, in welchen es ausführlich wiedergegeben war, verwahrt. Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Angk klagte unschuldig war: übrigens hat mir meine Tante vor ihrem Tode gesagt, daß auch sie Johanna Portier nie für schuldig gehalten habe, obgleich der Schein gegen sie sprach."
„Ah, diese Frau hieß Johanna Portier?" frag Georg.
„Ja", antwortete Lucian. „Sie erinnern sich ge- '
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim. (54. Fortsetzung.)
* Schutz dem Mittelstände.
In Elberfeld wurde vor einigen Wochen ein Verein zum Schutz von Handel und Gewerbe gegründet. In seinem Rundschreiben an die Kaufmannschaft hieß eS:
Ter kaufmännische, gewerbliche und handwerkliche Mittelstand wird fortwährend immer mehr niedergedrückt. Auf der einen Seite sehen wir Konsum-Vereine, Lieferanten-Berträge mit hoher Rabattbewilligung, auf der andern Hausirer, Detail- Reisende, Veranstalter von Wanderlagern, Aktionen, schwindelhaften Ausverkäufen u. s. w. auftauchen und schädigend wirken. Die Vertrauensstellung, welche der staatliche Beamte gegen uns einnimmt, ist erschüttert, da dieser durch Gründung von Beamten- Konsum-Bereinen mit uns in gewerbliche Konkurrenz getreten ist. Wer bietet uns die Garantie, daß der Postbeamte, dem unsere Offerten zu Gesicht kommen, der unsere telephonischen Unterredungen mit hören kann, der Eisenbahnbeamte, welcher unsere Rechnungen bei Reklamationen einsteht, solche in unserem Konkurrenz-Geschäfte — dem Konsum-Verein — nicht zu ihrem Bortheil und unserm Nachtheil ausnutzen? Großindustrielle sind verbündet, Arbeiter-Organisationen allerorts, die ländwirthschaft- lichen Kreise schließen ihre Reihen — sollen wir nicht Gleiches vermögen? Unser Schutzverein verfolgt weder politische noch konfessionelle, sondern lediglich volkswirthschaftliche Ziele."
ES kann nichts Berechtigterer geben, als die Bewegung zur Wahrung der Interessen des Mittelstandes, so lange sie von aller Einseitigkeit sich fern hält und, wie bisher, der V rsuchung widersteht, eine besondere parlamentarische Juteressen-Gruppe zu bilden. An sich sind die auf Schutz und Förderung deS kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes gerichteten Bestrebungen durchanS am Platze; sie verdienen die nachdrücklichste Unterstützung der Presse wie des Parlaments, wo immer sich eine Gelegenheit bietet.
Das oben mirgetheilte Rundschreiben des neu gegründeten Elberfelder Vereins wendet sich insbesondere gegen die Beamten- Konsum-Vereine. Wir tonnen die in dieser Beziehung erhobene Beschwerde nur für begründet erachten. Durch die Gründung so vieler und lheilweise weit ausgedehnter Konsumvereine für Militär - und Civil - Beamte wird die Erwerbs« thätigkeit deS Mittelstandes ganz bedeutend eingefchräi ki und geschädigt. Wenn man die Umsatz-Zistern einzelner ! dieser Vereine sieht, z. B. deS Offiziers - Vereins, so muß man sagen, hier handelt eS sich um Summen, welche in dem Gesammt-Umsatz deS geschäftlichen Lebens eine sehr merkliche Rolle spielen und namentlich in einzelnen größeren Städten sich empfindlich bemerkbar machen.
ES gibt keine gesetzliche Bestimmung, welche die Militär- und Civil-Beamten hindern könnte, Konsum- Vereine in's Leben zu rufen; ein Verbot derartiger Vereine wäre sogar mit dem Geiste unserer Gewerbe- Ordnung nicht vereinbar. Dennoch sollte unseres Er- achtens die Beamtenschaft eS vermeiden, mit der Kaufmannschaft und dem Gewerbestande in geschäftliche Konkurrenz zu treten. Nach unserem Gefühl will unS
„Ich habe sie gesehen und mit ihr gesprochen." „Und wo?"
„Im Pfarrhause von Cheo y, bei dem würdigen Pfarrer Langier, dem Onkel Georg's."
56.
Bi „Und was für eine Frau war eS?"
M „Sine schöne, kräftig gebaute Person mit einnebmen- den Gesicht?zögen," erwiderte der Maler. „Sie schien viel zu leiden."
„Sie stellte ihre Verbrechen in Abrede?" „Durchaus, sie behauptete völlig unschuldig zu sein." „Vielleicht redete sie die Wahrheit." Georg und der Maler sahen Lucian an.
„Man hat sie verurtheilt," meinte Stephan.
, , „WaS beweist dies? Alle Tage hört man von irrigen Urtheilen der Gerichte."
Deutsches Neich.
Berlin, 1. Juli.
* Während noch jüngst der sogen. Hvfbericht zu melden wußte, daß der Kaiser und die Kaiserin ihre Nordlandreise am 8. d. Mts. antreten würden, wird jetzt offiziös mitgetheilt, daß es zur Zeit noch zweifelhaft fet, ob der Kaiser in diesem Jahre überhaupt eine Nordlandreise unternehmen wird. Keineswegs dürste die Adreise erfolgen, bevor die Entscheidung über die Militär-Vorlage gefallen ist.
* Das preußische Staatsministerium hielt gestern Nachmittag eine Sitzung ab, nachdem der Reichskanzler Graf Caprivi und Ministerpräsident Graf Eulenburg Vormittags vom Kaiser empfangen worden waren.
* Die ,Nordd. Allg.' schreibt offiziös: Gegenüber der Menge von irrigen Meldungen, welche in der Presse über den Stand und Verlauf der Handelspolitischen Berhandlnuge« zwischen Deutschland «nd Rußland im Umlaufe sind, stellen wir folgende That-
wiß," fuhr et dann, sich wieder an den Maler wendend, „was sie zu ihrer Vertheidigung geltend machte?"
„Durchaus. Ein Schurke, Werkmeister in der Fabrik zu Älfortville, verfolgte sie mit seinen Liebeserklärungen und hatte es auf das Vermögen Ihres Vaters abgesehen; er dachte mit dem gestohlenen Gelbe in Begleitung Johanna'S Frankreich zu verlassen. Dieser Mann, NamenS Jakob Garand, halte ihr, wie sie sagte, einen Brief geschrieben, einen Brief, der den unwiderleglichen Beweis deS von ihm geplanten und auch ausgeführten Verbuchens bildet. Aber sie kann diesen Brief nicht auffinden."
„Und dennoch," sagte Sudan, „können Sie überzeugt fein, daß der Brief ixistirte. Der Werkmeister Garand.war der Dieb, der Brandstifter und der Mörder."
„Sie übersehen, daß der Mann seinen Tod in den Flammen gefunden hat."
„Dies ist keineswegs erwiesen! Ich glaube wenig- stens nicht an seinen Tod, ebenso glaubte meine Tante nicht daran."
„Und dennoch muß man sich vor den Thatsachen beugen."
„Im vorliegenden Falle bestreite ich dies. Die Ueberzeugung meiner Tante ist die meinige geworden: ich habe mich entschlossen, früher oder später Aller zu thun, war in meinen Kräften steht, um dem wirklicke.?
„®te täuschen sich nicht, lieber Freund," antwortete der Maler auf diese stumme Frage. „Die Frau, von welcher Herr Labrone spricht, ist in der That die, welche ich Ihnen erwähnte, und welche in meinem Bilde die Hauptperson bildet."
„Sie haben also diese Fran gesehen?" frug Lucian lebhaft.
~ ~ eine Herabsetzung des gegenwärtigen russischen Zolltarifs bezüglich der wichtigen deutschen Exportartikel die nothwendige Voraussetzung für Ge- Währung des deutschen Konventionaltarifs an Rußland bilde; sie hat dem entsprechend der russischen Regierung auf deren Wunsch im März d. I. eine Liste der dies- seits geforderten Zollermäßigungen übermittelt. In der im April d. I. ergangenen russischen Antwort wurden einzelne dieser Forderungen bewilligt, andere abgelehitt und bezüglich einer größeren Reihe von Positionen zwar Aerabs.tzungen deS gegenwärtigen russischen Zoll- tarrfS angeboten, aber in erheblich geringerem Umfange, als diesseits gefordert worden war. Die Mitte Juni übergebene deutsche Antwort hat diese Gegenvorschläge als nicht ausreichend bezeichnet, um ein Aequivalent : für den deutschen Konventionaltarif zu bilden, worauf die russische Regierung vor wenigen Tagen die Fort- sttzung der Verhandlungen im Wege kommissarischer Beratungen in Berlin in Vorschlag gebracht hat." DaS ist der gegenwärtige Stand der Verhandlungen. Alle entgegengesetzte Behauptungen, wie insbesondere die Meldung, daß Rußland Deutschland gegenüber sich prinzipiell geweigert habe, seinen gegenwärtigen Zolltarif herabzufitzen und daß feit April d. I. weitere Gegenvorschläge hier eingegangen seien, entbehren jeder thatsächlichen Begründung.
* Das Herrenhaus nahm heute die sog. Sekundärbahn - Vorlage, die für Herstellung neuer Linien und Geleise und für die Beschaffung von Betriebsmitteln 48,165,000 Mk. fordert, unverändert an und berieth dann Petitionen, wobei sich schließlich Beschlußunfähigkeit des Hauses herausstellte. Dienstag: Rechnungssachen und bergt.
* Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf betr. Ruhegehaltrkcffen für Volksschullehrer an und nahm Kenntniß von den Berichten über die Verhandlungen deS EisenbahnratheS und die Betriebsergebnisse der preuß. Staatsbahnen 1891/92. Aus die Interpellation de« Abg. Schultz-Lupitz über die Futter- noth gab der Minister der Landwirthschaft v. H-yben eine eingehende Darlegung der von der Regierung ergriffenen Maßnahmen. Von einer Aufhebung der Zölle verspricht sich die Regierung keinerlei Nutzen für die Landwirthschaft. Eisenbahnminister Thielen erklärte seine Bereitwilligkeit, den vom Abg. Schultz-Lupitz ausgesprochenen Wünsche thunlichst zu entsprechen. Abg. Rickert (frf.) sprach gegen ein Ausfuhrverbot von Futtermitteln und verlangte Suspension der Zölle. Abg. Frhr. v. Heermann erklärte die Bereitwilligkeit des Centrums, der Regierung für etwa nöchige Ausgaben zur Bekämpfung der Futternoth Jndemität zn ertheilen. Abg. Dasbach (Centr.) verlangte Aufhebung der Mannöver in beit betreffenden LandeStheilen. Abg. Plötz (kons.) vertheidigte dem Abg. Rickert gegenüber
Der Staat soll keine unnöthigen Beamten anstellen; diejenigen, welche er anstellt, haben Anspruch auch auf eine angemessene Materielle Position. Aber die Ergänzung des Gehalts in der Weise, daß die Beamtenschaft dem nicht beamteten Handels- und Gewerbestande Kon- : kurrenz macht und ihm unter Ausnutzung ihrer vielfach pcivilegirten Stellung gewissermaßen die Nahrung weg nimmt, dar scheint uns der Stellung desBeam- tenthums nicht angemtffen, drückt den ohnehin vielfachschwer um seine Existenz ringenden Mittelstand und erregt Unmuth und Verbitterung.
Vor einiger Z'it ging die Nachricht durch die Blätter, in Bayern sei den Offizieren maßgebenden Ortes bedeutet worden, mansche es nicht gern, wenn sie derartigen ElwerbS-Bereinen beiträten; ist eS thatsächlich geschehen, so war daS eine weise Maßregel, die sich zur Nachahmung empfiehlt. In Preußen gibt es eine Richtung, die auf den reinen Militär- und Beamten -Staat loSsteuert und in der Einengung des selbstständigen Bürgerthums ein zu erstrebendes Ziel erblickt. Diese Richtung wird sich früher ober später als dem Gemeinwohl verderblich erweisen; wenn sie so stark hat werden können und oft so rücksichtslos auftritt, so trägt auch der gewerbliche Mittelstand fein Theil Schuld daran. Wenn eS jetzt dieser erftictenben Umarmung sich mehr zu entziehen trachtet, so wünschen wir ihm guten Erfolg. Vom Centrum hoffen wir, laß eS im nächsten Reichstage der berechtigten Be- ’trebungendesMittelstanbes mit befonberem @ifer ich annehmen wird; der Anfang dazu ist ja am Schluffe >er vorigen Legislatur-Periode in anerkennenSwerther Weife gemacht word-n,