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Beilage zu Nr. 148 der „Fuldüer Zeitung".

___________________ - Sonntag, den 2. Juli 1893. " ' "

- „Aber, wie soll ich Dir meine Dankbarkeit be

bemerkte zu welcher, wie meine Tante mir einmal gesagt hat'

mein Vater auch einmal eine Idee gehabt hat.

u

Wer kennt nicht diesen Namen? Einem Paul Har- mant verdankt ja die Industrie die geräuschlosen Näh. Maschinen, sowie die verbesserte Guillochirmaschine,

„Nun, Du wirst die rechte Hand eine- tüchtigen Manner werden."

und von meinem Versprechen verlauten. Die Bewerbungen werden jedeufallr zahlreich einlaufen, ich werde sorgen, daß meine Bewerbung zuerst eintrifft. Ueberlasse mir also das Weitere und verlasse Dich auf mich. D« speist st natürlich mit uns."

„ES ist so, obgleich mir der Muth keineswegs sehlt!" „Hast Du denn schon Schritte gethan, um irgend- wie eine feste Stellung zu bekommen?"

„Natürlich, an allen Ecken und Enden, aber überall vergeblich — eben deshalb habe ich Dich heute auf- gesucht."

„Hättest Du dies nur früher gethan! Ein Mann wie Du muß in die Flügel schlagen und seinen Flug nehmen, nicht vegetiren. Du hattest eine Tante?"

„Ja, die Schwester meiner Vaters, eine gute, wackere Frau, die kurze Zeit, nachdem ich Dich zum letzten Male gesehen, gestorben ist."

„Hat sie Dir nichts hinterlassen?"

„Einige Tausend Franken, die eben hingereicht haben meine Studien zu vollenden."

„Ich bedauere nur Eines, lieber Lucian, daß Du so lange gewartet hast, ehe Du mich aufsuchtest. Von morgen ab werde ich mich Deiner annchmen — ich denke, daß ich etwas für Dich thun kann."

„Hast Du vielleicht irgend etwas im Auge?"

Ja."

„Und was denn?"

I »Was meinst Du zu dem Posten einer Direktors e,ner großen Fabrik, in welcher Maschinen und Sachen für Eisenbahnen angefertigt werden?"

„Dies würde meine kühnsten Erwartungen über­treffen."

„Run, ich glaube, daß ich Dir diese Stelle ver- schaffen kann."

„Ist er in Frankreich?"

„Sogar ganz nah- bei Paris. Höre: Em fran- zöstfcher Ingenieur und Mechaniker, welcher in Newyor! ein großes Vermögm erworben hat, ist in seine Hei- math zurückgekehrt und beabsichtigt, hier eine ähnliche Fabrik einzurichten wie vordem in Newyork. Dieser Herr ist mein Klient, ich habe ihm einen großen Dienst erwiesen, habe also das unbestreitbare Recht, ihn um eine Gunst zu bitten, welche für ihn ein ausgezeichnetes Geschäft sein wird. Augenblicklich ist er mit dem Bau großer Werkstätten an dem Seine-Ufer, in Courbeovie I beschäftigt und er bedarf jedenfalls in nächster Zeit eines großen Personals, um demnächst die Fabrik zu eröffnen. Ich glaube Dir zusichern zu können, daß der große Erfinder, welcher Paul Harmant heißt, Dich mit Freuden aufnehmen wird."

„Paul Harmant!" wiederholte Lucian. „Ist es der Theilhaber von James Mortimer in Newyork?"

„Ja, Du kennst also wohl seinen Namen?"

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(53. Fortsetzung.)

55.

„Sie find wirklich zu gütig," sagte Georg, dem Maler herzlich die Hand drückend, „ich danke Ihnen im Voraus bestens. Aber sagen Sie mir einmal, was hatte denn diese Frau, welche auf Ihrem Bilde die Hauptperfon darstellt, und die im Pfarrhause von Cheory verhaftet wurde, eigentlich verbrochen?"

„Sie war einer dreifachen Verbrechens angeklagt, des Mordes, des Diebstahls und der Brandstiftung .."

„Die Unglückliche! Und sie ist verurtheilt worden?"

„Natürlich, zu lebenslänglicher Haft."

„Offenbar war sie also schuldig."

„Ohne Zweifel, denn die Richter haben Beweise genug gefunden, um sie zu verurtheilen."

„Wissen Sie ihren Namen?"

„Ich hab- ihn früher gewußt, habe ihn aber ver- geffen."

Ja diesem Augenblicke klingelte eS.

„Wenn es eilt Klient ist, der um Rath fragen will," sagte der Maler, „dann will ich so lange im Zimmer eine Cigarre rauchen."

„Gut, warten Sie gütigst ein wmig. Ich will Nachsehen, wer eS ist."

Die Magd trat ein.

„Wer ist da?" frag Georg.

„Ein H-rr, welcher Sie zu sprechen wünscht."

„Ja Geschäfts-Angelegenheiten?"

„Rein, er will Sie einfach sprechen."

„Hat er seine Karte abgegeben?"

„Er hat keine."

„Dann hat er wenigstens seinen Namen angegeben ?" I „Ja, er heißt Lucian Labrone."

„Lucian Labrone!" wiederholte Georg und der Maler erstaunt wie aus eine« Munde.

„ES ist ein Studienfreund vom Kollege her," sagte dann Georg, „ich habe ihn seit Jahrm nicht mehr ge­sehen. Kennen Sie ihn, lieber Freund?"

„Ich meine wenigstens, mich seines Namens zu erinnern."

„Sie gestatten mir also, ihn in Ihrer Gegenwart zu empfangen?"

„Recht gern, ich bitte sogar darum."

„Bitten Sie den Herrn, einzutreten," sagte Georg zu der Magd.

Die Magd entfernte sich und eine Minute später erschien Lucian auf der Thürschwelle des KabinetS.

„Lucian! . . . Mein theurer Lucian!" rief Georg auS, ihm die Hände entgegenstreckend.

Herzlich drückten die beiden jungen Leute einander die Hand.

„Nun, eS ist recht, daßDu Dich einmal hast sehen lassen, hob Georg an, und es freut mich wirklich, Dich einmal zu sehen."

„Ebenso wie ich mich," erwiderte Lucian, sich vor dem Maler verbeugend.

„Mein Freund, Herr Castel," stellte Georg den Maler vor. I

„Ah, der Maler Castel, nicht wahr?" bemerkte Lucian, sich abermals verbeugend. „Ich habe diesen Namen bereits rühmend nennen hören ..."

„Nun, so arg ist's doch wohl nicht," Castel lachend, „man übertreibt häufig."

„Du wohnst in Paris?" fuhr Georg fort.

„Seit zwei Jahren."

„Du hattest immer große «orliebe für die Mechanik, , - IUI meine nanrvaneit m»

eim Fabnk Ä dnalÄm?"^^ to°^ ir8enb mein lieber Freund, wenn Du mir diese Stelle eine tfabrit oder dergleichen? verschaffst?" sagte Lucian.

Mi-6 , •„ „„ . -Ich glaube, daß wir die Sache als fest betrachten

"J» ®cl .®emen Kenntnissen ? können; indeß laß kein Wort von unserer Unterredung

„ Meine Kenntnisse, wenn ich welche habe, haben und von meinem Versprechen verlauten. Die Bewerbungen mir bis heute leider wenig geholfen. Ich vegetire so ‘ ’ -

herum — ich bin genöthigt, um leben zu können, Maschinen und AehnlicheS zu zeichnen." „Unmöglich!"

„Aber . . ."

„Keine Entschuldigung", unterbrach ihn Georg, „ich nehme keine an, auch nicht, wenn Du sagst, daß Du etwa eine eilige Arbeit hast. Morgen magst Du die verlorene Zeit einholen. Ich habe Dich hier in meiner Gewalt."

„Gut denn, ich nehme also recht gern an."

„Schön — wir werden dann einen vergnügten Abend miteinander verbringen."

Georg klingelte, worauf die Magd erschien.

„Ein Kouvert mehr", sagte Georg, „und natürlich auch eine etwas stärkere Auflage, dazu noch zwei Flaschen Champagner."

„Sie sagtest soeben," fuhr Castel fort, nachdem die Magd sich entfernt hatte, „daß Ihr Vater Erfinder war."

„Ja, mein Herr-"

„Sollten Sie der Sohn der Herrn Julius Labrone sein, dessen Fabrik vor zwanzig Jahren in Brand ge­steckt worden ist?"

„Ja, mein Vater fand damals mitten in den Flammen von Mörderhavd seinen Tod."

„Dein Vater wurde ermordet!" bemerkte Georg erstaunt.

„Du hast mir niemals von diesem schrecklichen Drama erzählt."

„Ich wußte es selbst nicht, lieber Georg. So lange ich Kind war, hat man mir dies Alles sorg­fältigverheimlicht, jedenfalls aus Schonung gegen mich. Die entsetzliche Wahrheit habe ich erst nach dem Tode meiner Tante erfahren."

„Sie kannten meinen Vater?" setzte Lucian als­dann, sich zu dem Maler wendend, hinzu.

„Ich habe ihn niemals gesehen, aber ich hörte, wie sonst Jedermann von dem schrecklichen Drama von Alfortville sprechen, und ich habe dm sehr geachtete« Namen Labrone behalten."

Ganz leise für sich fügte der Künstler bei.

„Ein sonderbares Spiel d-S Zufalles, welcher auS dem Sohne des Opfers den intimsten Freund deS Sohnes des Mörders macht!"

„Hat der Verbrecher seine Strafe erhalten?" frug Georg.

„Eme Frau, welche des Mordes und der Brand­stiftung schuldig befunden wurde, ist zu lebensläng­licher Zuchthausstrafe verurtheilt worden, antwortete Lucian.

„Eine Frau!" rief Georg erstaunt aus.

„Ja, sie hatte nach Verübung ihrer Verbrechen die Flucht ergriffen und wurde in dem Pfarrhause einer in der Nähe von Paris belegenen Dorfe verhaftet."

Gwrg warf dem Maler einen forschenden Blick zu.

(Fort), folgt.)

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