Einzelbild herunterladen
 

gerichtsrath Bezzenberqer inHanau, der GerichiS- vollzieher Unger in Kass l.

* Die Wucherer werden wenig erbaut sein von einer Entscheidung deS Reichsgerichts, die auch weitere Kreise interessiren und mit Befriedigung erfüllen dürfte. Diese Entscheidung l rittet: Ein über ein wucherischer DarlehnSgeschäft ausgestellter Wechsel kann vom Wuche­rer überhaupt nicht, auch nicht in Höhe der von ihm chatsächlich gewährten DarlehnSsumae eingeklagt werden. Der Wucherer kann nur die von ihm hingegebene DarlehnSsumme auf Grund deS chatsächlichen Sachver­haltes zurückfordern.

x-j-y Dipperz, 29. Juni. (M o r d a n f a l l.) Bestem Mittag gegen 2 Uhr kam ein junger Mensch, der durch sein unheimliches Aussehen schon verschiedenen Leuten, die ihm im Dorfe begegneten, aufgefallen war, in daS am Ende unseres OrteS an der Straste nach Langen­bieber gelegene Wohnhaus der Geschwister Hillen­brand, schloß hinter sich die HauSthüre, schaute durch die etwas offenstehende Stubenthüre das Wohnzimmer aus und verlangte von der ledigen 40jährigen Schwester Monika, die allein zu Haufe war, Trinkwasser. Während ihm diese auS der sogenannten „Luppe" im HauSgang auf feinen besonderen Wunsch hin Wasser in eine Kaffeetasse goß, versetzte er ihr mit einem Tisch mess er, das er mit sich führte, einen so heftigen Stich in den Kopf, daß sie auS einem 8 cm langen Wunde, die bis auf den Schädelknochen ging, blutete. Alsbald wollte der junge Mordgeselle roch einen zweiten Stich auf sein Opfer ausführen, aber die Verwundete fing in der Todesangst ihm den Arm ab, schob ihn, mit der einen Hand die HauSthüre öffnend, hinaus und rief blut­überströmt um Hilfe. Bis NachbarSleute herbeikamen, war der Unhold durch die Felder nach dem Thier­garten zu entwichen. Der hiesige Bildschnitzer Ludwig Atz er t legte den ersten Nothverband an. Es wurde sofort an den Gensdarm in Hofbieber telegraphirt und sollte die Gemeinde Kleinsaffen auf telegraphischem Wege ersucht werden, mit der Feuerwehr gegen Dipperz zu streifen. ES mußte leider von Letzterem Abstand ge­nommen werden, da wegen eines Gewitters die Post- anstatt Kleinsassen bis nach 4 Uhr die Telegraphen­leitung abgefteckt hatte. Der sofort bmachrichtigte be­rittene GenSdarm unseres Bezirkes, Herr Heinlin zu Fulda, war heute morgen in aller Frühe schon hier und forschte eifrigst nach dem Thäter. Gegen 10 Uhr hatte er daS Glück, denselben oberhalb Dietershausen nach WtyherS zu einzuhvlen und festzunehmen. Hier an den Thatort gebracht, wurde er von der Ange­fallenen sowohl, als von mehreren Einwohnern als der Attentäter erkannt. Ec selbst leugnete aller, wollte gar nicht hier gewesen sein. Herr Heinlin verbrachte ihn alsbald geschlossen inS Gesängniß nach Fulda. Ein unumstößlicher Beweis ist der, daß seine Stieseln ganz genau in die Spuren auf dem Felde passen, durch das er entflohen ist. Nach den Papieren, die der Unmensch bei sich führte, heißt er Karl Graul, geboren zu Erfurt am 11. Februar 1870, ist Metalldrucker und vor 4 Tagen aus der Besserungs-Anstalt Reppdorf bei Eichstädt in Bayern entlassen worden. Da die Geschwister Hillenbrand fich dahier deS besten Rufes erfreuen, so ift die Teilnahme an dem Unglück, daS die Schwester getieften, bereit Wunden übrigens gut zu heilen scheinen, eine allgemeine. Dieser Fall, bei dem sehr leicht die Anzegriff-ne daS Leben hätte ver­lieren können, wenn sie nicht so beherzt gewesen wäre,

„Aber wozu?"

„Zu meinem Bilde."

„Zu Ihrem Bilde?" wiederholte der junge Advokat erstaunt.

„Was stellt denn dieses Bild dar?"

„Eine rührende und dramatische Scene. Gens« darmen kommen und schleppen eine arme Frau, die wegen irgend eines Verbrechens angektagt ist, auS dem Hause, in welches sie sich geflüchtet hat. Die Grupprr- ung ist wahrhaft packend, und die Personen sind zahl­reich: außer der verhafteten Frau habe ich die GenS» barmett, den Bürgermeister, den Feldhüter, Ihre Mutter, Ihren On?el und Sie felbst endlich auf dem Bilde an­gebracht."

„^ech!" wiederholte der junge Advokat.

Ja Sie, Sie scheinen auf dem Bilde die Poli­zisten um Gnade für die Unglückliche anzuflehen."

„Und das Alles ist Wirklichkeit — wirklich ge- fchehen?"

„Natürlich!"

„Und ich war dabei?"

„Gewiß!" .

.Stephan Erste! hatte, während er dreS fügte, fernen Blick fest auf Darier gerichtet gehalten, um den Ein­druck feiner Worte zu beobachten und inSbefondere, ob diefe flüchtige Erzählung in dem jungen Manne nicht irgend eine Jugenderinnerung wachrufen werde.

ES fchien dies irdeß nicht der Fall zu fein.

„Sdnderbcr," dachte Georg bei sich, „man fügt fonst, daß gerade die Jugenderinnerungen fehr fest haften bleiben. Und doch weiß ich nichts mehr. Wie I alt war ich um diefe Zeit?"

‘ „Drei und ein halbes Jahr."

10,000 Personen konzertirte, im Garten K ost aber vor 30,000 und 40,000 Personen.

* Eine Abth ilung des in Kassel garnisonirenden Hessischen Fußartillerie-Regiments Nr. 11 rückte heute Vormittag gegen 10 Uhr auf dem Rückmärsche vom Griesheimer Schießplätze nach Kassel in hiesiger Stadt «in, um auf einen Tag Quartier zu bez-ehen.

(•) Der Petersberger Gesangverein „Con­cordia" beging gestern unter Mitwirkung aller Männer- grsangvereiue Fulda's und deS Gesangvereins Kün­zell die Feier seines 1. Stiftungsfestes. Um 3 Uhr wurden die mitwirkenden Vereine mit Musik zum Fest­platze geleitet. Derselbe befand sich auf der zur Werth» müller'schen Wirthschaft gehörigen großen Wiese. Die Feier wurde eröffnet mit dem Mozart'scheu Liede „Brüder reicht die Hand zum Bunde", gesungen von 9 Gesangvereinen unter Leitung des Herrn Lehrers Agricola zu Künzell. Darauf folgte eine Begrüßungs- ansprache Seitens des Präsidenten des festgebenden Vereins. Die von den einzelnen Vereinen vorgetrage- neu Lieder waren folgende: „Cor.cordia" Petersberg (Dirigent: Lehrer Agr'cola) „In dem hohen Reich", Arbeiter-Fortbildungsverein (Dir.: LehrerWeber) „Lied hoch", Evang. Arbeiterverein (Dir.: Lehrer Rosenstock) „Deutsches Heimweh", „Concordia" Petersberg „DaS reimt sich prächtig", „Buchonia" (Dir.: Instrumenten- schleifet Kümpel) „Vaterlandslied", Gesangchor deS Geskllenvereins (Dir.: Lehrer Weber) „JägerSlust", Gesangverein Künzell (Dir.: Lehrer Agricola) „Wan­dern im Mat", „Liederkranz" (Dir.: Werkmeister Hei- lig) „FrühlingSgruß", „Sängerbund" (stellv. Dir.: Werkm. Heilig) „Der Tag des Herrn , „Winfrtdta (stellver. Dir.: Lehrer Gentzler) „Auf den Bergen", „Concordia" Petersberg „O singt mir ein Lied". Die Lieder wurden durchfchnittlich recht gut vorgetragen und auch beifällig ausgenommen. Die W yherser Ka­pelle füllte die P.usen mit ihren besten Weisen auS. Kein Mißton trübte daS Fest, und befriedigt verließen bei eintretender Dunkelheit die Gäste den P.tersberg.

(Personal-Chronik.) Ernannt: dec Focstassessor Sinter in Bromberg zum Oberförster in Giesel, der Referendar Waldschmidt zum GerichtSassessor, die Rechtskandidaten Brüggenwerth, Heldmann und Mogk zu Referendaren, der Kataster-Landmesser Karl Beumelburg in Münster zum Kataster- Assistenten bei der König!. Regierung in Kassel, der GerichtSschreiber-Gehülfe, Assistent Luckhardt in Brotterode zum GerichtSschreiber bei dem Amtsgericht in Neukirchen, der Forstaufseher MalkmuS zum Förster in GitterSdorf und Keller zum Förster in Bracht (Süd), der Stellenanwärter Enkemeier zum GerichtSdienec bei dem Amtsgericht in Hünfeld. Heber» tragen: dem praktischen Arzt Dr. med Richard Schulz die Assiisteuzarztstelle am Landkrankenhause in Falda. Versetzt: die Gerichtsschreiber, Sekretaire Hartmann von Homberg an daS Amtsgericht in Bergen und Reccius von Neukirchen an daS Amts» gericht in Homberg, der Gerichtsdiener Rüppel in Rauschenberg an das Amtsgericht in Oberkaufungen, der Oekonomie - Kommissar S chimbke von Treysa nach Leobschütz und der Oekonomie-Kommissac Kloster- manu von da zur Spezial-Kommission in Treysa. Verliehen: dem Landrath, Geheimen RegierungSrath von Gehren in Homberg der Rothe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und der Zahl 50, den Land­richtern Dr. Kleinmann und Dr. Brandt in Hanau der Charakter als Landgerichtsrath. Pensionirt: der AmtsgerichtSrath Amelung in Abterode. Ec- einzelne Gerichte, wie man sie nicht befter im ersten Gasthof findet."

„Einverstanden!" rief der Maler aus, „nächstens bei mir. Sie haben mir gesagt, daß Sie Arbeit genug haben — ich habe jetzt auch die eiligen Sachen etwas erledigt und wollte nunmehr ein Bild rctouchiren, das ich vor mehr als zwei und zwanzig Jahren einmal gemalt habe, dessen Skizze ich bet meinem alten Freunde, Deinem wackeren Onkel, dem Pfarrer von Cheoty an­gefertigt habe!"

„Ah, das Bild in Ihr?? Werkstätte, das mit einem grauen Tuche bedeckt ist?"

■ «

,"Aber weshalb haben Sie daS Bild denn eigentlich immer so verhängt?"

wollte eK nicht verb-rgen, idb wollte es nur nicht zeigen. Es ist eine Jugendzeit, also immerhin in gewisser Beziehung nicht ganz vollendet: jetzt will ich eS nochmals vornehmen und bann mag gebermann e8 in Augenschein nehmen. Apropos, in biefer Hin­sicht könnten Sie mir einen kleinen Dienst erweisen.

„Recht gerne."

„So viel ich weiß, haben Sie noch eine Jugend- erinnetung sorgfältig aufbewahrt, ein kleines hölzernes Pferd."

„Ja, es rührt von meiner guten Mutter her," bestätigte Georg Darier, „sie hat eS mir geschenkt, als ich ganz klein war; eS ist so lange her, daß ich mich besten nicht erinnere, und ich bewahre es als eine kost­bare Rel-qaie. Da steht eS auf der kleinen Säule, mit dem Schleier darüber."

„Sie müssen mir diesen Gegenstand leihen." „Sie brauchen eS?"

»3a."

loofung, Konzert.

* Zur Abhilfe des Streumaugels erhalten wir folgende Zuschrift: Die Oberförsterei Batten hat sich bereit erklärt, ben Leuten in der Gemeinde Sie» Hards Waldstreu abzulassen unter folgenden Bedingungen: Rur die Streu auf den Wegen darf abgehcckt werden; der Raummeter Streu muß selbst gehackt zusammenge^ setzt und bann mit 60 P g. bezahlt werben. Bor zwei Jahren kostete der Raummeter nur 40 Pfg. die einzige Vergüiistigung scheint die zu sein, daß die Streu nicht öffentlich v-rstrichen wird, und auch da würde bet Preis von 60 Pfg. kaum geboten werden. Diese Art und Weise, wie man der Noch abzuhelfen sucht, hat eher Mißstimmung als Befriedigung erregt.

* Hünfeld, 28. Juni. Endgültiges Wchlergebmß im 6. Wahlkreise Hersfeld-Hünfeld-Rotenburg: Werner 7259, v. Schleinitz 4385, ungültig 28 Stimmen. Re» datteur Werner in Kass-1 ist somit mit 2874 Stim­men Mehrheit gewählt. Da derselbe nun auch in dem Wahlkreise Rinteln-HofgeiSmar schon gewählt und eS bis j tzt noch unentschieden ist, welches Mandat der­selbe annehmen wird, so steht uns vielleicht noch eine N rchwahl bevor. .

△ Motten, 27. Juni. Am 5. d. M. zog ein Ge- Witter über unsere Gegend. Dasselbe brachte ergiebigen Regen, leider auch großen Schaden für die altehrwür­dige vielbesuchte Wallfahrtskirche MariaEhrenberg. Der Blitz schlug nämlich in dieselbe, um arge Ver­wüstungen aruurichten. DaS nicht versicherte Mauer­werk ist im Ganzen arg erschüttert, hat an einigen Stellen Riste und Löcher; auch Fenster wurden zer­trümmert. Sehr mitgenommen wurde der Hochaltar, der ganz neu gefaßt werden muß. Auch der Thurm nebst dem Dache bedarf umfassender, gründlicher Aus- besteiung. Da bei der exponirten Lage der Kirche die R paratur-Arbeiten sehr kostspielig fich erweisen wer- den, zur Verhütung ferneren Unglücks auch ein Blitz» ableiter angebracht werden soll, was bislang Mangels der nöthigen Geldmittel unterbleiben mußte, die Kirchen­stiftung aber nur sehr wenig Vermögen besitzt, so wer-

„EL sind also seit jener Zeit ein und zwanzig Jahre verflofsen."

„Richtig."

„Ich erinnere mich an gar nichts mehr an dieser Zeit."

„Denken Sie einmal gründlich nach.'

„Ich mag Nachdenken, wie ich will, vollständiger Dunkel, vollständig Nacht."

„Ei," fuhr Caste! fort, „Sie hatten ja damals in dem Garten, wo diese Scene sich ereignete, das kleine hölzerne Pferd bei sich, welcher Ihre Mutter Ihnen geschenkt hatte, und da ich alle Einzelheiten auf die Leinwand bringen möchte, so bedarf ich des fraglichen Gegenstandes, um ihn naturgetreu zu malen, denn einstweilen habe ich eS nur nach dem Grdächtniß ge- thaN:"

„Ich werde eS Ihnen bringen lasten, oder viel mehr selbst bringen."

„Im Voraus meinen Dank.

Also auch ein Portrait meiner Mutter, meines OnkelS und Ihres Onkels befinden sich auf dem Bilde, sagten Sie?" .

„Gewiß, aber auch daS Ihrige.

„Beabsichtigen Sie das fragliche Bild zu ver- kaufen?" „

„Aber weshalb fragen Sie mich daS?"

„Nun, weil ich von Ihrer Hand roch nichts be- sitze, und weil ich alsdann dieses Bild, welches für nuch größeren Werth als ein Kunstwerk Haden würde, laufen würde."

„Sie wollen mir also meine Kleckserei abkaufen, sagte der Maler lach-nd.

„Gewiß, weshalb nichr?"

worben: von dem Apotheker Otto Meyer käuflich . dürfte für die Lmdleute, zumal für solche, welche ver- die Enael-Apotheke in Hanau. Gestorben: der Amts- ! einzelt wohnen, eine ernste Mahnung fein, sobald nur

4 - ' - ~ - «- eine Person im Hause ist, die Thüre zu verfchließen

und mit Fremden nur vom Fenster ans zu beriet) ten.

* DaS Programm für die 41. Wanderveisammlung des landwirthschaftlichen Centralvereins für den Regierungsbezirk Kassel, welche vom 7.—9. Juli d- I. in Rinteln abqehalten werden soll, lautet wie folgt: Freitag, den 7. Juli, Vo-mittags 9 Uhr: Eröffnung der Ausstellungen von Garten» und Feld-Erzeugnissen, deS Geflügel»Zuchtvereins, deS Jmker-VereinS, sowie von landwirthschastlichen Maschinen und Gerüchen. Konzert um 9 Uhr. — Vormittags 11 Uhr: General­versammlung deS Centralvereins im RuthhauSsaale. Programm wird später veröfsentlicht. — Nachmittags 3 Uhr: SemeinschastlicheS Festessen. Fahrt nach Stein- bergen und Luhdener Klippen 5 Uhr. Konzert auf dem Festplatz. — Sonnabend ben 8. Juli, Vormittags 8 Uhr: Eröffnung brr Vieh-AuSstellung. Prämiirung. Bon 11—1 Mr Konzert bei bet Prämien-Bertheilung. — Mittags 12 Uhr: Vertheilung der Preise und Vor- führung bet preisgekrönten Thiere. — Nachmittags 4-6 Uhr: Konzert auf bent Festplatz. Spaziergang nach bet Doktor weide. — Abends 7 Uh': Ball im Festzett. — Sonntag den 9. Juli, Vormittags von 11 bis 1 Uhr: Konzert auf dem Festplatz. Nachmittag? von 4 Uhr ab: Tanz im Festzelt. Abends: Feuerwerk. — Montag ben 10. Juli, Nachmittags 2 Uhr: V:t-