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JV 147

Samstag, de» 1. Juli 1893.

20. Jahrgang

WdaerMZeitiing

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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprecheicker Rabatt.

Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen^ in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Nachdem Lrc'an seine Zeichnungen im !

Tages d>m Besteller überbracht hatte, begab er sich auf die Suche nach Georg Darier, d ffen Adresse er im Justizgebäude, wo er sich an einen Advokaten

Arbeit überhäuft." . ,, . ,

Um so besser, ich bm Ihnen deshalb kuneSwegS böse," und zum Beweise hierfür bitte ick Sie hiermit, mit mir sp .isen zu kommen, wenn dres Sie nicht stört.

„Stören! Ach nein, nicht im Geringsten, dies wissen Sie ja! Uebrigens könnten Sie ja auch hier speisen, Sie wissen, meine alte Madelaine ist in den kulinarischen Genüssen nicht unerfahren und macht sogar

Georg eilte dem Maler, welcher früher sein Vor­mund gewesen und auch jetzt noch sein bester Freund war, entgegen.

der Londoner Ausstellung in South Kensington erzielt, wo sie 511 öfteren Malen in der Albert Hall vor

gehälter nach den Beschlüsien des Abgeordnetenhauses an; Freitag: Kommunalsteuer.Gesetz..

* Dar Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst Rechnungssachen. Die EtatSüberschreitungen von 1891/92 wurden genehmigt; zugleich aber die Regierung zu einer eingehenden Aenderung deS Gesetzes vom 27. März 1882 aufgefordert, daß der Staatshaushalt und die Staatsfinanzen bester als seither gegen die störenden Wirkungen der schwankenden Ueberfchüste der Staats- eisenbahnverwaltung geschützt und bett letzteren nicht die Lösung ihrer wirthschaftlichen Ausgaben erschwert wird. Eisenbahnminister Thielen theilte hierbei mit, daß im EtatSjahr 1892/93 der Urberschuß der Staatr­eisenbahnverwaltung 30,8 Millionen weniger betrug alr veranschlagt war, trotzdem an den Ausgaben gegen bett Voranschlag 14,5 Millionen gespart wurden. Bisher würbe der Ausfall übrigens noch erheblich höher geschätzt. Gleichzeitig sprach der Minister die Hoffnung aus, dem Hause in nächster Session ein Eisenbahn-Garantiegesetz vorlegen zu können. Dann wurde über die Anträge betr. die Staffeltarife berathen. Abg. Dr. Eckels (all.) beantragte deren schleunigste Aufhebung, während ein Antrag des Abg. Schöller (frk.) die Regierung ersucht, Ermittelungen über die Wirkungen der Staffeltarife anzustellen und eine Fracht­ermäßigung auch auf kürzeren Entfernungen in Er­wägung zu ziehen. Minister Thiele sprach sich für Beibehaltung der Staffeltarife im Jntereste der in­ländischen Produktion auS. Weiterberathung Freitag.

* Abg. Schulz-Lupitz hat in im Abgeordneten­hause eine Interpellation betreffs der gegen die Futternoth zu ergreifenden Maßregeln eingebracht.

* Die Verordnung betreffend das Ausfuhrverbot von Futter - Mittel« und Streu würbe in der heutigen Sitzung beS BundeSrathS an bett Ausschuß verwiesen.

* Der Laudes-Eiseubahnrath hält eine Sitzung am 7. Juli ab; aus bet Tagesordnung stehen u. A.: AuSnahme-Tarif für Eichen - Grubenholz von Papen­burg nach dem Ruhrkohlen-Gebiete unb für Esten und Stahl zur Ausfuhr von mitteldeutschen Stationen über die belgischen und niederländischen Häfen und Anträge auf Anwendung der Durchfuhr-Tarife für russisches Getreide auf Mehl zur Ausfuhr und Ausdehnung der Ausnahme-Tarife für Kohlen nach den Oderumschlag­stellen bei Breslau.

* Köln, 29. Juni. Herr Weihbischof Dr. Bau­dri ist. 90 Jahre alt, gestorben.

* Lohr, 28. Juni. Keßler (Centrum) erhielt 10,360 Weißenberger (D. VolkSp.) 8976 Stimmen. Sieben Orte fehlen noch, werden aber an dem Ergeb-

wandte, erfuhr.

Es war gegen 5 Uhr Nachmittags.

„Ich toerce ihn j tzt jedenfalls antreffen," dachte Lucian, „und bis zur rue Bonaparte ist es nicht weit. Sucie hat allerdings Recht; ich habe nicht richtig ge- handelt, daß ich nicht zu ihm ging, da er mir doch stets ein wahrer Freund war. Vielleicht ist er nicht wie die Andern und hat sich nicht wie sie g-ändert."

Unter diesen Gedanken schritt er auf die Wohnung Darier's zu.

Derselbe saß in seinem Zimmer und war mit dem Studium eines großen Aktenstoßes beschäftigt, als es klingelte und die Magd ihm sogleich den Maler Castel ankündigte.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(52. Fortsetzung.)

„Ah, ausgezeichnet, vortrefflich!" rief Frau Augustine ein über das andere Mal aus, die fertige Arbeit be­trachtend. „Ich kann Ihnen stets nur Komplimente machen — sehen Sie, deshalb habe ich Ihnen auch die Robe für Fräulein Harmant übergeben, sie ist etwas schwer zu befriedigen. Haben Sie Fräulein Harmant schon bter gesehen?"

„Nein."

„Es ist eine Amerikanerin. Ihr Vater, ein großer Industrieller und vielfacher Millionär, ist von New- Jork hierhin übergefiedelt. Miß Mny ist achtzehn Jahre alt, es ist eine meiner besten Kunden, etwas original, fast phantastisch. Freilich, das a me Kind ist nicht daran schuld, ihre Krankheit thut's."

„Ist fie krank?"

„Sie hat die Lungenschwindsucht . . . Man sieht eS so oft, diese rolhen Flecken auf den Wangen, dieser kurze trockene Husten verrathen daS Uebel zu deutlich. So jung, so reich und so hübsch, vielleicht auch glück­lich, unv dann sterben zu müsim — wirklich traurig!"

„Freilich!"

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auf die ,Fuldaer Zeitung" für das 3.Quartal 1893 wer» 'WJlUlUWiJMI bett fortwährend von allen Post­anstalten, bett Boten unb in ber Expeditton angenommen.

—* Hofballmufik-Direktor Eduard Strauß wirb, wie schon früher in unserem Blatte bekannt gegeben, Montag ben 10. Juli b. I., Abends 71/a Uhr, im ©arten ber „Harmonie" mit feiner ganzen Kapelle konzertiren und bringt an biefem Konzert acht Novi­täten, ernsten wie heiteren Genres zur Aufführung. Die Kapelle Strauß hat unter allen ähnlichen Unter­nehmungen bie größten Reisen gemacht unb überall glänzenbe Erfolge errungen. Sie hat ben größten Theil Europas unb 61 Städte von Amerika berührt. Die Kapelle besteht jetzt feit ber Gründung durch Johann Strauß' Vater siebzig Jahre. Unter der Leitung ihres gegenwärtigen Chefs steht sie feit 31 Jahren. Die Stellung am österreichischen Hofe hat Eduard Sttauß seit 22 Jahren inne. Seine Original-Kompositionen zählen 300, die seiner Orchester-Arrangements von

„Sie machen also die gewünschte Robe so bald wie ! möglich, nicht Wahr? Hier sind zwei Golbstücke als ; Lohn, ich bin durchaus mit Ihnen zufrieden."

Nachdem Sucie sich noch die Adresie Mary'S halte geben lassen, kehrte fie wiederum zu ihrer bescheidenen Wohnung am Quai Bourbon zurück.

niß nichts ändern. Keßler gewählt.

* In Rothenburg (Mcktelsranken) hat ber Bauern« bündler Hilpert über ben Nationalliberalen Keller, ben seitherigen Vertreter des Kreises, gesiegt.

* Leipzig, 28. Juni. DaS Reichsgericht verwarf ? .... ,

bie von 16 Gesellschaften eingelegte Revision gegen Opern- unb Konzertpirsm 200. Die Kapelle Strauß baS Urtheil bes OrerlandeSgerichtS Hamburg, woburch \ spielte unter Leitung ihres gegenwärtigen Chefs bei biese zur Zahlung ber BerficherungSsumme von 230,000 ■ acht Ausstellungen. Den größten Erfolg hatte sie bei Mark für baS verloren gegangene Schiff Johann j ' OrthS verurtheilt Worben. — DaS Reichsgericht \

Stephan War nicht mehr wie damals ein junger Mann, sondern ging bereits auf die Fünfzig zu und fein Haar ergraute allmählich, obwohl sein frisches Ge- ! sicht, sein freies Auge und seine flinken Bewegungen Laufe deS < dieselben geblieben waren.

lab er sich »Sie machen sich in ber That selten!" rief ihm Georg entgegen. „Seit vollen vierzehn Tagen habe ich Sie nicht mehr gesehen!"

„Freilich," antwortete ber Künstler, „ich mußte ein Gemälde vollenden; aber ich meine, die Enchrnung zwischen hier und der rue d'Assar ist ziemlich kurz, Sie hätten mich wohl einmal besuchen können.

„Gern hätte ich es gethan, aber ich war selbst mit

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Juni.

• Der Kaiser tritt, wie verlautet, seine diesjäh­rige Nordlandreise an. Die Kaiserin begleitet diesmal ihren hohen Gemahl.

* Der russische Thronfolger wurde bei feiner Ankunft in Berlin vom russischen Botschafter Grafen Schuwalow empfangen und nach ber russischen Bot­schaft geleitet, wo ber Thronfolger daS Diner einnahm. Nach etwa 3stünbigem Aufenthalt setzte ber Großfürst- Thronfolger seine Weiterreise nach Lonbon fort.

* Es find alle 397 Wahlen bekannt. Davon sinb 96 Centrum, 75 Konservative, 23 ReichSpartei (freikonservattv), 53 Nattonalliberale, 14 freisinnige Bereinigung, 24 fteistnnige BolkSpartei, ll sübbeutsche BolkSparttt, 3 bayerischer Bauernbunb, 7 Deutsch- Hannoveraner, 19 Polen, 1 Däne, 10 Elsässer, 17 Antisemiten, 44 Sozialdemokraten. DaS Centrum, welches im vorigen Reichstage 105 Mandate zählte, hat demnach einen Verlust von 9 Mandaten erlitten, ber jedoch, unter ben gegebenen Umständen, wie wir schon im vorigen Blatte ausführten, nicht viel bedeuten will. Wir können im Gegentheil mit dem Gesammt- ergebniR der Wahl zufrieden fein.

* Biele neue Männer — daS wird eine Sig­natur deS neuen Reichstages fein. Möchten eS auch viele neue tüchtige Kräfte unb gewissenhafte Charaktere -fern! «ach baS durch Ahlwardtereien u. dgl. gesunkene gesellschaftliche Niveau der Hauses bedürfte der Hebung! Stellt man, ohne Vollständigkeit zu erstreben, nur so auf ben ersten Griff scheidende Männer zusammen, so zeigt sich, wie viele ber bekannteren Namen beS Parlaments barunter stab. ES werden u. A. fehlen im Centrum: Graf Adelmann, Graf Ballestrem, Biehl, Dr. Brüel, Graf Chamars, Freiherr von Franckenstein, Fritzen II., Freiherr von Gagern, v. Huene, v. Pfetten, Dr. Porfch, bie beiben Grafen Preysing, RarkowSki, von Schalfcha, Schuler, Stötzel; bei ben Confervativen bie Herren Ackermann, von ^riefen, Hahn, Prinz Handjery, Hartmann, v. Hellborff, Graf Udo Stolberg, v. Henk, Stöcker; bei ber Reichs« portei bie Herren v. Keubell, Graf Behr, Fürst Hatzfelbt; bei ben Nationalliberalen bie Herren Büsing, Buhl, Enbemann, Scipio, Holtzmann, von Hülst, Müllensiefen, Oechelhänfer, Pfähler, Schneiber, Petri; bei ben Freisinnigen bie Herren Bamberger, v. Bar, Baumvach, Brömel, Dohrn, Eberly, Golb- schmibt, Gutfleisch, Hänel, Hnrmening, Hinze, Hirsch, Hörwitz, Knörcke, Schenck, Schmibt-Etberfelb, Schraber Seelig, Siemens, v. ©tauffenberg, Virchow, Witte, Wöllmer.

♦ Das Herrenhaus nahm bas ErgänzungS« (Vermögens-) Steuergesetz und bie Vorlage betr. bie VerbesserungbeS Volksschulwesens und ber Lehrer-

verurtheilte ben Gastwirth Emil Fohrer aus BieS- heim wegen versuchten LanbeSverrahtS zu sieben Jahren Zuchthaus unb zehn Jahren Ehrenverlust unb erkannte auf Vernichtung bes Notizbuches beS Ange­klagten, worin bie Skizze eines Forts in Neubreisach enthalten ist.

Änsland.

* In Zürich tritt am 6. August ein international« sozialrevolutionärer Kongreß zusammen, besten Tages­ordnung umfassen soll: Maßregeln zur internattonalen Durchführung deS AchtstunbentageS, gemeinsame Be­stimmungen über bie Maifeier, politische Taktik, Stel­lung der Sozialbemokratie im Kriegsfälle, Schutz ber Arbeiterinnen, nationale unb internationale Ausgestal­tung ber Gewerkschaften unb internationale Organisation.

* Ber«, 29. Juni. Feldmarschall Blumen­thal ist mit Gefolge im Hotel Beaurivage in Inter­laken abgestiegen. Ts hieß, eine Kiste mit Dynamit wäre am Bahnhof gefunden worden; daS Gerücht ist jedoch falsch. ES wurde nur eine Kiste mit in Genf gestohlenen Gegenständen in Beschlag genommen. May vermuthet die Kiste gehöre einem Genfer Sozialisten.

* Die Neuwahlen zur franzöfischeu Deputtrten- lammet sind nunmehr auf den 20. August festgesetzt; bie nolhwendig werdenden Stichwahlen 14 Tage darauf, am 3. September.

* Die griechische Anleihe ist jetzt, wie daS griechische Amtsblatt in Athen verkündet, perfett geworden. Wir warnen unfere deutschen Mitbürger nochmals vor dieser Anleihe. Haltet bie Taschen zu!

* Wie schleppenb ber Gang in ber Homerule- Frage sich bewegt, beweist ber Umstand, daß dar eng­lische Unterhaus erst beim 5. Artikel der Gesetzent­wurfes angelangt ist; hierzu sind nur (!!) 89 Aende- ruvgS» und Zufatz-Anttäge eingebracht.

Stadt, Pronin; und Aachbargebikt.

Fulda, 30. Juni.