^Jahrgang
Mttwoch, den 28. Juni 1893.
JV 145
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schäft angesehen. So dürfte sich auch die Centralstelle zu Neuwied, deren gute Wirksamkeit alle Vereine bereits empfunden, genügen für Deutschland und mögen alle fest und treu zu derselbe« hallen. — Mittelst Extrazug fuhren sodann gegen 400 Mitglieder nach der „Rheinlust" bei Kehl, wo der MittagStisch eingenommen wurde und man bis gegen Abend unter den Klängen einer Regimentskapelle verblieb.
er seine Studien zur Noth vollenden können.
Alsdann Hatteer sich nach einer Beschäftigung umgesehen, welche chm Brod bringen sollte.
Leider war er gänzlich unbekannt uud Empfehlungen standen ihm nicht zur Seite, die besten Stellen waren mit jungen Leutm besetzt, welche seine Kenntnisie nicht besaßen, dagegen sich mächtigen Schutzes zu erfreuen gehabt hatten.
Inzwischen mußte er leben und die Grundsteuer > das ihm zugehörende Terrain in Alfortville bezah- !
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(50. Fortsetzung.)
Sucte war zweiundzwanzig und ein halbes Jahr alt — ein wunderhübsches Kind mit blondem Haar und blauen sanften Augen, mit feinen rothen Lippen, welche fortwährend ein Lächeln zu umspielen schien und hinter welchen zwei Reihen milchweißer Zähne schimmerten.
Sie besaß eine frische, klare Stimme, so daß ihre Nachbarn, wenn sie bei der Arbeit saß und sang, ihr gerne zuhörten.
Auch sonst war das Mädchen allseitig beliebt, denn sie war in der That sehr gut und gefällig, dazu durchaus geachtet, denn in den vier Jahren, die sie jetzt in dem Hause wohnte, hatte Niemand auch nur dm geringsten Makel in ihrer sittlichen Führung zu entdeckm vermocht.
Man glaubte nicht, daß sie einen Liebhaber habe, sondern war der Ansicht, daß sie bereits verlobt sei.
„Sie wird bald Heimchen," meinten die gut Unter* richteten, oder die, welche eS wmigstmS sein wolltm.
len, welches er weder veräußern noch mit einer Hypothek belasten wollte.
Er entschloß sich also, in eine Werkstatt einzutreten, um sich so sein tägliches Brod verdienen und sich gleich- zeitig auch die äußere Geschicklichkeit in seinem Fache erwerben zu Kimen.
Bald that ihm eS Niemand in der Zurichtung der Maschinen und Kenntniß derselbm gleich, aber er fühlte sich zu etwas Anderem berufen, als Eism ober Stahl zu feilen oder zu hämmern.
Lucian suchte also zu gleicher Zeit Auswärts, fand auch langsam passende Beschäftigung genug, um die Werkstube verlassen zu können, wo chm der Verkehr mit absolut ungebildeten Leuten unangenehm war. ,
Am liebsten arbeitete er zu Hause für sich allem.
Der Zufall führte ihn in daS HauS, m welchem Sucie wohnte, und noch zufälliger lag die einzige freie Wohnung «ebm Lucie'S Zimmer. ,
Häufig begegnete Lucian feiner Nachbarm auf der Treppe. Zuerst hatten sie sich oberflächlich gegrüßt, bann war der Gruß etwas freundlicher gewordm, später blieben sie bisweilen etwas beieinander stehm, dann schon etwas länger, und schließlich wechselten sie auch wohl einige Worte mit einander.
DaS Ende vom Liede war gegenseitige Zuneigung, später wirklich ehrbare Liebe.
zusammmstehm, um durch Hebung der Bauernstandes zur Gesundung dieses und damit des deutschen Volkes beizutragen. Ministerialrath Dr. Hermes erklärte, daß er entsendet sei mit dm besten Wünschen für die Raiff- eisen'schen Darlehenskassen. DaS Wohlwollen der preußischen Regierung bestehe immer noch fort, trotz aller Verdächtigungen, die Regierung freue sich, daß alle Angriffe so siegreich seien zurückgewiesen worden. Die Persönlichkeit, die jetzt an der Spitze stehe, biete alle Garantie für daS fernere Gedeihen der Vereine. Bürgermeister Back von Straßburg begrüßt RammS der Stadt die Männer, die nicht rath- und thatloS am Wege stehm gegenüber dem wirlhschastlichm Sinken weiter BolkStteife, sondern sich als theilnehmende, hilfbereite Freunde erweisen. Die Städter wüßten einen gesunden und thatkräftigen Bauernstand zu schätzm und fühlen mit dm unendlich schweren Druck, der soeben auf »eitet ländlichen Bezirken laste. Möge der Verbandstag ein mächtiger Antrieb sein zu Gründung weiterer ländlicher Gmossenschastm zum Segen und Heil des deutschen Vaterlandes. Rach dem Jahresbericht deS Generalanwaltes gehören dem Verband an 1175 Vereine. Schwere Kämpfe habe daS verfloffme Jahr gebracht. Die Gegner hättm schon gejubelt, aber neu gekräftigt sei der Verband auS dem Kampfe hervorgegangen. ES folgte hierauf ein Vortrag über den Ruhm der gemeinschaftlichen Bezüge vom Refermten Koch, der BerbandSauwalt Frhr. Dael von Köth berichtet aus feinem Verbände neben Erfreuliche« auch daS Betrübende, daß in Hessen die engherzige kurzsichtige Bureaukratie den Vereinen alle Schwierig« leitet bereite, indem sie Eintragungen erschwerm, den Lehrern eS verbiete, die Rechnerstelle zu übernehmen, die Bürgermetsker beauftrage, jede beabsichtigte Gründung einer Kasse sofort zu meldm, um wo möglich mit Gründung einer Ha aS'scheu Kaffe zuvorzukommen. Man suche zwar stets dm Unterschied beider Kaffen zu lmgum, während eS doch klar sei, daß die Raiffeisen* kassm gegründet seien auf der Grundlage der christlichen Nächstenliebe und Uneigennützigkeit, die HaaS'schen Kassm jedoch nur au- reinem Menschmchum oder gar auS Selbstsucht so vor* gehm. Richt daS Geld, sondern die sittliche Hebung deS Volkes durch daS Geld muß Hauptzweck der Vereine sein. Trotz aller Kämpfe hoffe er aber, daß der Sieg unser werde. Wie daS Chrtstmlhum, so werden auch die Raiffeisen-Vereine, weil auf christlicher Grund* läge, alle- Menschenwerk überdauem. Pfarrer Kelba betont, daß auch die bayerischen Vereine, 350 an der Zahl, einer schwerm Zeit der Sichtung mtgeamgeheu, indem man sie von der Cmttalstelle in Neuwied trennen und gegen eine Unterstützung unter staatliche Aufsicht stellen wolle. Aber er hoffe, daß sich Alle treu und mannhaft erweisen würdm. In seinem Schlußwort wmdet sich Abb5 Müller nochmals an die Bayem, der Strömung der PartikulariSmuS nicht nachzugebm. In letzter Zeit sei in Paris, für die 862 Syndikate, die in Frankreich bestehen, eine Centralkasie gegründet wordm und man habe dies sogar in deutschen Blättern als ein höchst wichtiges Ereigniß für die Sandwirlh-
arbeitsamer junger Mann, der von MorgmS bis Abends, oft bis tief in die Nacht hinein über feinm Zeichnungen sitzt. Er ist ja in heirathSfähigem Alter und ich glaube, er hat ein Auge auf die kleine Sucie geworfen. Nun, es wird ein hübsches Paar werden, wenn sie einmal Mann und Frau sind."
Wir brauchen kaum zu erwähnen, daß der vorgenannte Sudan Sabrone der Sohn des Fabrikbesitzers Sabrone war.
Als seine Tante, Frau Berlin, starb — er war damals 20 Jahre alt, sah er sich int Besitze von höchstens einigm Tausmd Franken.
Fran Berlin hatte ihn gründliche Studien machen lassen, durch welche er eS zu einem tüchiigm Mechaniker bringm sollte; übrigms neigte er auch zu diesem Berufe.
Bonder kleinen Hinlerlafsmschaft seiner Tante hatte
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juni.
* Unter Zusammenrechnung der definitivm Resultate Haupt wähl und der bisherigm Ergebnisse der Stichwahlen zählt jetzt daSTentrmu 87 Mandate (abgesehen von Schleideu-Malmedy und Baden-Rastatt). 79 Mandate hatte dasselbe in der Hauplwahl erhallen, in der Stichwahl hat eS behauptet: 80. Kehl- Offenburg: Reichert gegen Ratlib., 81. Sahr: Schällgm gegen Ratlib.. 82. Düsseldorf: Wenders gegen Sozdm., 83. Köln: Greiß gegen Sozdm., 84 Constanz: Hug gegen Ratlib., 85. Bielefeld - Wiedenbrück: Humann gegen Konf., 86. Freiburg i. B.: Marbe gegen Ratlib., 87. Bochum: FuchsgegmRtl. Unterlegen ist das Centrum bei bett Stichwahlen in Reichenbach-Neurobe, Sörrach, Hamm-Soest, Essen, Duisburg - Mülheim, Kreuznach-Simmern,Diez-Simburg,SinShetm-Eppingen, Billingen - Donaueschingen. ES stehm noch ans bie Ergebnisse ber CmlrumS - Stichwahlen aus Allmstein, Dl, Krone, und auS dm bayerischen Wahlkreism Würzburg, Weilheim, Schweinfurt, Sohr, Forchheim, Kronach, Kitziugm, Germersheim und Zweibrücken.
* Die Antisemiten erhielten in der Haupt Wahl 3 Mandate, in der Stichwahl: 4. Dresden rechts der Elbe: Klemm gegen Soz., 5. Dresden links der Elbe: Zimmermann gegm Soz., 6. Meißen: Sieber gegm Soz., 7. Eschwege: Seuß gegen ReichSp., 8. Gießm: Köhler gegen Ratlb., 9. Rinteln-Hofgeismar: Wemer gegm ReichSp., 10. Marburg: Böcke! gegen konserv., 11. Stralsund: v. Sangen gegm ReichSp., 12. Tharandt: Haenichen gegen konserv., 13. Pirna: Lotze gegen Soz.
* Zu Ausschreitungen in Folge der Stichwahlen ist eS in Neustettin, in stärkerem Maße aber in Mannheim und Umgegend gekommm. In Mannheim wurde die Schutzmannschaft durch die durch ihre Niederlage erregten Sozialdemokratrn mit Stemm, Gläsern n. s. w. beworfm. AuS der Menge fietet sogar Schüsse.
* Das preußische Staatsministerium hielt hmte eine Sitzung ab.
♦ Die Heimsuchung weiter Gebiete deS Reiches durch die andauernde Trockenheit dieses Sommers und die damit zusammenhängende Futternoth beschäftigt sehr eingehend die Reichsregierung und die Regierung der Einzelstaatm. Im Reichstage werden bezügliche Maßnahmen, Tariferlasse und andere Erleichlemngen, die durch die Zustäudigkeit der Reichsorgane zu gewähren sind, sofort in Anregung kommen. Dem prmßi* schm Sandtage werden besondere NothstandSvorlagm
Und wen dmn?" so wurde alsbald gefragt. Ei, ihren Nachbarn, dm Zeichner!" Ihr Nachbar? Welcher Nachbar? Sueian Sabrone ? i Natürlich! Er ist ja ein ordmllicher, netter und ! für
SP" An unsere verehelichen M Postabonnenten Utz te« wir die Bitte, das Abonnement aus die ^«tdaer Zeitung', falls es «och nicht geschehe« ist, gefl. unverzüglich zu erneuern. Wir könne« nur da»« den ««unterbrochene» Weiterbezug der »Fuldaer Zeitung' zusage«, wenn dieselbe mindestens zwei Tage vor Beginn des neue» Quartals bestellt worden ist. «ei verspäteter Bestellung liefert die Post nur gegen Nachzahlung von 10 Pfg. die bereits erschienene« Q«artals»«mmer».
♦ Der Dereiustag des General-Anwaltschafts-Verbandes ländl. Genossenschaften (SystemRaiffeisen) wurde, wie schon kurz erwähnt, am 21. und 22. Juni in Straßburg abgehallm. Der Elsässer Verband hatte alles ausgebolm, um dm* selbe« glänzend z« gestalten. Scho» am ersten Tage hatten sich ca. 300 BereinSgmossm im Aubetle-Saale eingefunden. Nach der Begrüßung durch Dr. Kirchark erstattete Herr Cremer, Direktor der Centralkaffe, Bericht über dar GefchäftSjahr 1892. Derselbe weist trotz der Angriffe und Verleumdungen, die im Sause des verflossenen Jahres zmückgeschlagen werden mußten, einen bedeutenden Aufschwung auf. Der Umschlag betrug 16 Millionen, der Gewinn 31,000 Mark bei l1/» pro Mille Verwaltungskosten. Der Reservefond beträgt 130,000 Mk. Jrn Saufe dieser Jahre- wurden bereits 10 Millionen umgeschlagen, ein Zeichen, daß das Verträum der Vereine zur Centtalstelle durch die Anfeindungen nicht erschüttert wurde. An der Centtal* kaffe find betheiligl 958 Vereine. MS Dividmde wird festgesetzt 3 V, pCt. Außer den gewöhnlichen Revifioum durch den Aufsichtsrath wurde die Kasse auch durch eilten gerichtlich vereidigten Revisor revidirt, der in seinem Protokoll die Buchführung al» sehr aewiffm- hast bezeichnete. Rach der Entlastung und der Neuwahl der gemäß der Statuten auSscheidendm AnfsichtSrathS- mitglieber wurde die Versammlung geschloffen mit dem Wunsche, daß die Centtalkasse chrem Ziele, die Saud* wirlhschaft vom Großkapital unabhängig zu machen, immer näher rücken möge. In dm ConladeS war hierauf ein Prommade-Konzert zu Ehren der Genossen* schastSmitglieder veranstaltet. DeS Abends hatten dieselben Gelegmheil, die Slfäffer Weine lernten zu lernen, indem die Elsässer Wmzervereine in der freigebigsten Weife ihrm Wein zur Probe anboleu.
Zur Hauptversammlung am 22. Juni hatten fich wenigstens 800 Mitglieder eingefundm, so daß der große Saal in Reunion des Atts gefüllt war. AuS Berlin war al» Vertreter des Ministers der Saud- wirtschaft anwesend Ministerialrach Dr. HermeS, ferner Abgeordnete der elsässischen Regierung, Bürgermeister Back re. Zum Vorsitzenden wurde Abbö M ü l l e r auS Düttlmheim gewählt. Er führte aus, daß man in Straßburg zusammengekommen, um zu beralhm, wie man als Männer der christlichen Nächstenliebe dm so Ironien Bauernstand in sittlicher und materieller Beziehung heben lönne. Profeffor Mo ms en habe einst gesagt, daS starke römische Reich sei darum zu Grunde gegangen, weil man ruhig zusah, wie der Bauernstand znsarnmenbrach. Mögen dämm alle trm