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Johanna nahm natürlich freudig die ihr angebotene Vergünstigung an und baute schon sogleich hierauf ine Hoffnung, daß sich ihr jetzt wohl endlich bte lang er- lehnte Gelegenheit zur Flucht darbreten würde.

Die KrankM'Abtheilung stand unter Leitung von Ordensschwestern, welche bald die neue Wärterin wegen ihres Fleißes und ihrer Willigkeit schätzen lernten, so daß Johanna nach Ablauf eines Jahres Oberwärtenn

Sie bekam jetzt eine kleine Wohnung, welche an die Haus-Apotheke stieß, die unter der Verwaltung einer Schwester vom heiligen Vincenz von Paul stand.

Diese Schwester hatte selbst ein kleines Zimmer mne, welches ebenfalls an die Apotheke, nur an oer entgegen­gesetzten Seite, stieß. , „

Die Oberwärterin mußte häufig die Kranken - Ab- theilung verlosten, um sich zur General-Direktion oder zum Oekonomen der Anstalt oder zur Kantine zu br- geben, außerdem konnte sie sich srei in den Höfen herumbewegen und vor ihrer Uniform öff arten fich be­reitwilligsteW innermThürev. DaS Krankenhaus lag an der rechten Seite des Gefängnisses bei dem Eingänge deS großen HofeS. . ,,

Einer schönen Tages nun hätte em aufmerksamer Beobachter dre SeftchtSzüge Johanna'- eigenthümlich verändert gefunden.

gaben für unvorhergesehene Bedürsnisse den Kosten­anschlag um 59,400 Mk. überstiegen.

* München, 19. Ium. DaS Schluß-Ergebmß für Bayern ist folgendes: Endgültig gewählt sind 26 Centrum (darunter Straubing, Deggendorf, Landshut, Pastau), 3 National-Liberale, 1 Konservativer, 2 Sozial-Demokraten, 2 Bauernbund (Pfarrkirchen und Kelheim). 14 Stichwahlen finden statt; daran ist das Centrum mit 7 detheiligt, und zwar gegen die National- Liberalen in Neustadt (Unterfrankev), Germersheim und Zweibrücken, gegen einen Freisinnigen in Forchheim, gegen den Bauernbund in Kronach, gegen einen Demo­kraten in Kitzingen, gegen einen Sozialisten in Würz­burg. An den übrigen Stichwahlen sind betheiligt: die National-Liberalen mit den Sozialisten in Mün­chen I, Speyer und Hof, die Freisinnigen mit den Sozialisten in Erlangen, die Konservativen mit den Demokraten in AuSbach, die Rational-Liberalen mit den Freisinnigen in Rothenburg, die National-Liberalen mit den Demokraten in Kaiserslautern.

* Die ,Augsburger Postzettuug' erläßt heute folgende Erklärung: „ES ist rn neuerer Zeit wieder­holt die Anregung an unS gelangt, die ,Augsb. Post­zeitung' behufs TranSferirung nach München an ein zu bildender Konsortium abzugeben. Nach reiflicher Ueberlegung sind wir zu dem Entschluß gekommen, dieser Anregung keine Folge zu leisten. Die wesent- sichert Gründe hierfür find folgende. Soll die ,AugSb. Postztg.' in München die Stelle des .Fremdenblatt' auSfüllen und einem größeren Leserkreise int Volke zu­gänglich werden, so muß fie ihren bisherigen Charakter als Organ für gebildete katholische Kreise aufgeben. Sie müßte alsdann eine Zeitung für breitere Volksschichten werden, und dann wäre in der bayerischen katholischen Presse eine Lücke vorhanden, die schwerlich auSgesüllt würde. Besteht ein Bedürfniß für München und Oberbayern, ein grundsätzlich katholisches und CentrumSblatt für das Volk zu haben, so wird sich die Befriedigung dieses Bedürfnisses von selbst machen. In den übrigen Kreisen Bayerns ist ein solches Be­dürfniß durch die dort bestehenden katholischen Blätter mehr oder minder schon gedeckt. Dazu kommt ferner, daß wir — wenn auch mit nicht unerheblichen Opfern unserseits — der katholischen Sache einen größern Dienst zu erweisen glauben, wenn wir die ,AugSb. Postztg.'in Augsburg in eigenem Verlag sort- führen, also unter Verhältnissen, welche dem Blatte die vollste Unabhängigkeit von geschäft­licher Spekulation und die Möglichkeit gewähren, katholische Auffassung und prinzipientreue Politik in­mitten der Unklarheiten und Wirren der Gegenwart unbehindert von Rücksichten nach oben und unten zu vertreten." , , ,

* Mainz. 17. Juni. Die Cmtrumspartet hat für die Stichwahl zwischen Braun und Jöst Wahlent­haltung beschlossen.

Ausland.

* In Luxemburg haben die am Dienstag abge­haltenen Kammerwahten zur Erneuerung der Hälfte der Abgeordneten mit einet entschiedenen Niederlage der liberalen Partei und des Ministeriums Eyschen geendet. Die Regierung hatte sich geweigert, die Kammer aufzulösen obwohl die neue Wahlreform die Zahl der Kammerwähler mehr als verdoppelt. Offen­bar erwartete das Ministerium Eyschen nichts Gute« von den bevorstehenden Wahlen, und die üble Vor­ahnung hat sich gar wohl bewahrheitet. Denn von den 17 Kammersitzen, die zur Neuwahl gelangten, haben die Liberalen nur zwei behauptet, während die ver- einigten Katholiken sofort 14 Sitze endgiltig eroberten. Die Liberalen behaupteten von den drei Kammerman­daten der Hauptstadt ein einziger, indem der Bürger­meister von Luxemburg, Brasseur, mit knapper Roth durchdrang. Auf dem Lande wurde ein einziger Liberaler

gegen natlib. Offenburg, gegen natlib. Lahr, gegen natlib. Kehl-Offenburg, gegen natlib. Waldshut, gegen natlib. Würzburg, Neckermann gegen Fülle, Soz. Forchheim-Kulmback, Petzold gegen freisinnige Bolkspartei. Kronach, Stöcker gegen Zmner, bayerischer Bauernbund. Schweinfurth, Burger gegen nationallib. Passau, Pichler gegen Wimmer, bayerischer Bauernbund. — Stichwahlen in andern Wahlkreisen vom Cen­trum neu errungen: Bochum, Fuchs gegen Haar­mann, natlib. 1 Hamm - Soest, Prinz gegen Schulze- Henne, natlib. Duisburg-Mülheim, Euler gegen Ham- macher, natlib. Zweibrücken (Pfalz), Reb gegen Adt, natlib. G-rmerSheim (Pfalz), Baumann gegen Brü- ningS. Billingen (Baden), Wacker gegen v. Hornstew, wfld-konf. Diez-Limburg, Cahensly gegen Fmk, natl. Verloren hat das Centrum den Wahlkreis Achern- Baden, wo der für die Militärvorlage emtretende Dekan Lender wiedergewählt wurde, der also jetzt „Wilder" ist. Bekanntlich stellte der Herr sofort selbst seine Kandidatur wieder auf, und daS badische Landes- komitee erklärte sich zwar dagegen, erklärte aber zu­gleich, daß ein Gegenkandidat der CentrumS nicht aus- gestellt werden solle. Ebenso ist der Wahlkreis Mont- joie-Schleiden - Malmedy verloren gegangen. Der frühere Centrumsabgeordnete Prinz von Aren- berg, der für beit Antrag Huene gestimmt hatte, hielt seine Kanbidatuc aufrecht, unb für seinen Gegen- kanbibaten, beit Landtagsabgeordneten des Centrums, Freiherrn v. Eynatten, wurde die erste Wählerver­sammlung erst am 11. Juni abgehalten. Ebenso ist MörS-Rees verloren gegangen. Graf HoenSbroech, der 1890 mit ganz geringer Mehrheit gewählt war, nahm nicht wieder an, an feine Stelle trat als Cen- tmmSkandidat der Landtagsabgrordnete Amtsgerichts- rath Fritzen, chm wurde als „Auch-Centrums-Mann" der katholische Landrath Gescher gegenübergestellt, der mit geringer Mehrheit gesiegt hat, natürlich aber zur CentrumSfraktion nicht gehören kann. Der Wahlkreis ist zu stark zwei Fünfteln protestantisch, war immer stark umstritten, hat in den 22 Jahren deS Reichstags- centrumS diesem nicht immer, und wenn, meist nur mit geringer Mehrheit angehört.

♦ Dem neuen Reichstag soll neben der Mtlitar- vorlage auch noch der Entwurf einer ReichSseuchen- aesetzes zugehen, dessen Einführung nach dem im Text des Entwurfes auSgefüllten Datum für daS Jahr 1893 seitens der Regierung bestimmt in Aussicht genommen ift

‘ * * Welche Art von Patriotismus eS ist, den die Rationalliberalen meinen, erhellt aus einer Bemerkung der ,Rationalztg.', welche den Vorschlag, die Gegner der Militärvorlage im nächsten Kriege zuerst dem Feinde entgegenzustellen, zwar für logisch, aber praktisch nicht für werthvoll" hält. AlS nur vom praktischen Gesichts­punkte aus ist der Vorschlag nicht werthvoll. Sonst ließe sich darüber reden. Bisher galt eS, so schreibt die »Dtsche. ReichSzeitung', bei jedem patriotischen Manne für eine Ehre, dem Feinde zuerst entgegen- gestellt zu werden, zur Schlacht zu kommen und mit der Fahne in der Hand zu sterben oder zu siegen. Die Nationalliberalen aber scheinen nach dem Gestand« uiß ihrer- Berliner HauptorzanS jene Sorte von Patriotismus zu bevorzugen, der sich, während andere für ihr Vaterland ihr Leben lassen, auf dem Bagage- wagen gütlich thut.

* Die Kosten für Ausschmückung der Bahn­höfe bei de» Kaiserreise» hat die preußische Staats« kaffe zu tragen. Nach einer Mittheilung in dem Kom- missionsbericht deS Abgeordnetenhauses über die Eisen- bahnverwaltung pro 1891/92, haben die Kosten für Ausschmückung der Bahnhöfe, namentlich in den Be- zirken Köln (rechtsrheinisch) und Erfurt in Folge der Anwesenheit deS Kaiser« und der Kaiserin 25,800 M. «ehr erfordert als bei dem Titel JnSgemein für solche und andere Zwecke veranschlagt war, so daß die Sn« sein, aber der glühende Wunsch, zu entfliehen, wurde bei ihr so zu sagen zur fixen Idee.

Aber wie entfliehen? .

Eine doppelte Mauer umgab daS Sefangntß, ;ede an 15 Fuß hoch, zwischen beidmMauern patrouillirten Tag und Ruht Schildwachen, in der Nähe des zum Sesängniß führenden Thoren befand fich weiter ein Posten von 20 Mann.

Sm Uebrigen war ja auch die Lebensweise der Ge­fangenen so eingetheilt, daß an eine Flucht kaum zu denken war, da ja jeder Schritt und Tritt derselben stets unter strengster Aufsicht stand.

Johanna war die» Alles durchaus bewußt und sie verkannte alle diese Schwierigkeiten oder bester gesagt, die Unausführbarkeit keineswegs; aber sie gab gleich­wohl die Hoffnung nicht auf und spähte stets nach einer Gelegenheit. Jndeß ein Monat nach dem andern, ein Jahr nach dem andern vergingen, ohne daß fich die gewünschte Gelegenheit darbot.

Sieben Jahre waren in dieser Weise veiflosten, als «an sie bei der Kranken-Abtheilung deS Gefängnisses als Wärterin anstellte. Dieselben konnten wenigstens reden, was gewiß um so mehr als eine große Ver­günstigung anzusehen war, als auch sonst eine Reihe von Borschristen für diese Wärterinnen nicht bestanden, dazu auch mit diesen Posten eine kleine monatliche Ber-

gewählt, der Großindustrielle Metz in Kapellen. — Es' ist mit Freude zu begrüßen, daß daS katholische "unb beutsche Luxemburg sich enblich aufgerafft hat, um bie Regierung ber liberalen FranzöSlinge abzu­schütteln. ..

* Rom, 18. Juni. Die katholische Liste für bte auSscheidenben Stabträthe unb Provinzialräthe hat glänzenb gesiegt. Die Betheiligmig war mittelmäßig. Stobt, Urouiin unb ltochlmrgebiet.

Fnlba, 21. Juni.

HP Behufs Erneuerung des Abonnements auf die ,Fuldaer Zeitung' für das III. Quartal d. I sind der heu­tigen Nummer für die auswärtigen Abonnenten Postbestellschriue beigelegt. Man wolle ohne Aufschub Gebrauch davon machen, damit Unregelmäßigkeiten in der Zusendung des BlatteS beim Quartalwechsel vermieden werden. Die ReichStagSwahl vom 15. d. M. hat wiederum gezeigt, wie wichtig es ist, daß die Cen- trumsmänner für ihre Presfe sorgen, indem sie die­selbe durch Abonnement, Korrespondenzen und In­serate unterstützen. Der Quartalwechsel fällt diesmal in eine sehr bewegte Zeit. Der Kamps um die Militärvorlage wird im neuen Reichstage von Neuem ausgenommen, und viel­leicht folgt eine nochmalige Auslösung. Auf jeden Fall ist es gut und zweckmäßig, über die p olitisch en Vorgänge der nächsten Zeit wahrheitsgemäß unterrichtet zu werden, weil sie für Jedermann ein außergewöhnliches Interesse bieten. Man versäume darum nicht, den beiliegenden Postbestellschein alsbald zu benützen.

• Die Pfarrei Haimbach veranstaltet übermorgen (Freitag) Vormittag eine Bitt - Prozession nach bem Frauenberge dahier zur Erstehung gebeihlicher Witterung. Die Prozession sollte bereits morgen statt- finbett, mußte jedoch wegen des am 22. b. abzuhalten-' den Biehmarktes auf ben Freitag verschoben werben.

—* Bekanntlich würbe im vergangenen Jahre ber trostlose Zustand ber Kapelle auf der Milseburg im katholischen Kasino (M. N) jur Sprache gebracht. Mehrere Mitglieder nahmen die Restauration der Kapelle in bie Hanb, unb durch bas freunbliche Entgegenkom­men beS Herrn Pfarrer Krapf zu Kleinsassen und bie aufopfembe Tätigkeit be« Herrn Kaplan Hllenbrand zuEcklveisbach ist bieselbe schon so weit vollendet, baß nächsten Montag, ben 26 b. M., 9 Uhr Vormittag«, durch Herrn Pfarrer Krapf, wie wir gestern schon mit» theilten, die Einweihung vorgenommen werden kann. Die Ausmalung wird noch einige Zeit hinaukgeschoben werden. ES ist erfreulich, daß dieser vielbesuchte Ort frommer Andacht für bie umwohnenbe Lanbbevölkerung in würdiger Weise herqestellt ist, so daß auch die zahl­reichen Touristen, welche die „Perle ber Rhö.^ be» steigen, nicht mehr wie früh:r Anlaß haben, mißliebige Kritik zu üben. Morgen Abend wird im Kasino bie offizielle Betheiligung der Gesellschaft an der Einweihung zur Sprache gebracht werben, weshalb zahlreiches Er­scheinen erwünscht ist.

Vom Mai» schreibt man unS: Gegenüber ber großen Zahl von Stichwahlen war eS angezeigt, baß. bie Tagesblätter ber CentrumSpartei ben Wählern eine gewisse Direktive gaben, wie sich bieselben etwa in ben Stichwahlen zu verhalten hätten. DaS ist auck that- sächlich geschehen. Am wichtigsten erscheint bie Beant­wortung bieser Frage überall da, Wo eS sich um bie Wahl zwischen einem Kartellkandidaten und einem So­zialdemokraten handelt. G-wiß soll ein Katholik in diesem Falle, wie überhaupt, bem Sozialdemokraten seine Stimme nicht geben. Soll er sie aber darum dem Kandidaten be« Kartells zuwenden unb so dieses Mken, welches uns im gegenwärtigen Parlamente ver­derblicher werden kann, al« ber eine ober anbere So- «albernoftat mehr? Hier ist nach ber ganz richtigen Parole be« Centrums Wahlenthaltung geboten. Das mu6 daher auch bie Parole sein für ben Wahlkreis Ha»a»-Gel»ha»fe» Orb. Eine Kartellmehrheit

Eigenthümlich blitzte e« fortwährenb aus ihren Augen heraus, al« wenn ein bestiinbigeS Fieber in ihren Adern gearbeitet hätte.

Sie hatte endlich die Lösung deS RäthselS gefunden.

Seitdem sie sich in derKranken-Abtheilung befand, hatte sie bemerkt, daß die Schwestern Sonntags nicht bloß in der HauSkapille bem Gottesdienst: beiwohnten, sondern auch außerdem um 6 Uhr Morgen« sich in die Pfarrkirche begaben, von wo fie gegen 8 Uhr zurück- kehrten. ,, „ ., .

Die Schwester Philomena, welcher die Leitung der Apotheke oblag, ging ebenfalls mit den anderen Schwestern zum Gottesdienst, kehrte indeß etwas früher zurück, nm bei dem Morgenbesuche des ArzteS anwesend sein zu können. „ , „

* t „Sdj muß an ihrer Stelle auS bem Gefängnisse gehen!" hatte sich Johanna gesagt.

Jetzt, wo sie diesen Gedanken einmal aufgegriffen hatte, beschäftigte sie sich auch fortwährend mit Der Ausführung ihres Vorhabens.

Wie einen kostbaren Schatz hütete sie den kleinen Betrag, welchen fie feit ihrem Eintritt bei ber Kranken- Abtheilung oirbient hatte.

Mittelst dieses Selbes gebuchte sie, fobalb sie ihre Freiheit wiebergewonnen haben würde, dar Land zu. verlassen. ,, x

(Fvrtf folgt.)