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log folgende DitPosition zu Grunde: Die Familie deS Lehrers sei für die übrigen Familien ein Muster: a) in Einfachheit iowohl in Wohnung als auch in Klei» düng, Sitten und Sprache, b) in Reinlichkeit und Ord­nung, c) im familiären Wesen und in Frömmigkeit, d) in einer musterhaften Kindererziehung. Da der Vor­trag ein äußerst belchrender genannt zu werden ver- dient, so wird Herr ThöwmeS, auf einen von Herrn Bernmger gestellten Antrag hm, die Arbeit in den be­kannten zwei Schulblättern veröffentlichen.

Vermischtes.

* Der Einsturz des Fordschen Opernhauses ix Washin- tox erfolgte nach einem Telegramm des Reuter'schen BureauS plötzlich, ohne daß ein Krachen oder Bersten vorhergegangen wäre. Im Hause befindet sich das Kriegsdepartement, in dem zur Zeit des Einsturzes sich nicht weniger als b00 Beamte befanden. Kaum einer von ihnen entging dem bösen Geschick. Die Scene, welche dem Einbruch der drei obersten Etagen folgte war unbeschreiblich. Die Verwundeten wurden auf Tragbahren gelegt und nach den Hospitälern oder in ihre Wohnungen ge­schafft, während die Tobten nach der Leichenkammer gebracht wurden. Einige Leichname waren so verstümmelt, daß man sie nicht wiedererkennen konnte. Als die im dritten Stockwerk de- fchäftigten Beamten, etwa 80 an Zahl, das erste Krachen und Knistern vermahmen, stürzten sie an die Fenster und auf das Dach eines kleinen anstoßenden Gebäudes. So retteten sich die meisten dieser Leute. Einer sidoch glitt aus und stürzte in die Straße hinab; er war sofort tobt. Bisher sind 80 Leichen gesunden.

* Ein Geistlicher über dex Jouroalisteuberus. In Glo- gau ist vor einiger Zeit der Redakteur Michaelis gestorben. Am Grabe desselben hielt ihm der amtirende Geistliche einen Nachruf, in welchem er folgende beherzigenSwerthe Worte sprach: „ES ist ein harter und mühseliger Beruf, dem sich dieser Mann, den wir jetzt zur ewigen Ruhe bestatten, mit Treue und Hin­gebung bis zu seiner letzten Stunde gewidmet hat. Wenn uns an jedem Tage um einen geringen Preis das Blatt inS Haus gebracht wird, in welchem wir die Nachrichten von Nah und Fern wohlgeordnet zusammengestellt finden, wenn wir, wie es wohl lei vielen geschieht, es gespannt erwarten und mit Hast danach greifen, dann denken wir bei dem Vergnügen, welches uns die Lektüre bereitet, nur selten an die Mühsal der Herstellung, und noch weniger empfinden wir daS Gefühl deS Dankes für die Männer, die in anstrengender, die Nerven erregender Arbeit, all den Stoff zusammentragen und in fliegender Eile sichten und ordnen. Wie viel Klugheit, wie viel Ausdauer und Emsigkeit ge­hört nicht dazu, um hier und dort NeueS zu erfahren, wie an­stellig, gesellig, wie vorsichtig und besonnen muß der nicht sein, der einen verschlossenen Menschen dazu Bringen will, den Mund zu öffnen und ihm Interessantes mitzutheilen; wie viel Geist und Laune braucht man nur, um den einfachen Stoff zn würzen und ihn dem Geschmack des Lesers angenehm zu machen; und da gilt es, so viele Klippen zu vermeiden! Die Hüter deS Ge­setze- Ingen mit scharfem Auge, ob nicht irgend eine Notiz das Maß deS Erlaubten überschreitet, oder sie gehen den Spuren nach, auf welchem Wege diese Nachricht in die Spalten des Blatte- gedrungen ist, und vollends, wenn irgend einer ans der Masse durch eine Meldung verletzt ist oder sich verletzt glaubt, wenn in der Hast der Geschäfte eine Redewendung zu scharf ge­worden ist, wie viele wetzen da die Zähne, um an dem Rufe des Mannes zu nagen, dem sie doch so viele angenehme Stun­den zu verdanken haben! Die Preffe ist, wie man sagt, die sechste Großmacht, aber ihre Vertreter, so sehr sie auch das öffentliche Urtheil bestimmen, haben mit dem öffentlichen Borur- theil schwer zu kämpfen und entgehen zudem auch bei dem red- lichsten Willen, Recht und Gesetz in Ehren zu halten, nicht der Gefahr, das Maß zu überschreiten und harte, bitter empfundene Strafen an ihrem Gute ober gar an ihrer Freiheit zu crbutten." — (Das ist burchgehenbs so war unb zntreffenb, baß man glauben möchte, der Herr Pfarrer sei selber einmal Rebakteur gewesen unb habe bie Leiden eines solchen gekostet)

* DaS tiroliche Schützenwesen, für welches bas Interesse ein ziemlich allgemeines ist, theilS auS romantischen, theils auS geschichtlichen Grünben, wirb Heuer bei ber LandeS-AuSstellung in Jnsbruck zum ersten Male vereinigt in einer großen Reihe von historisch hochintereffanten Trophäen, Waffen unb verschie­denartigen Pruuktstücken zur Schau gestellt werben. Bon ben Schießständen Tirols sind bereits an 30 Fahnen eingesendet wor­ben, welche sämmllich vergilbt, zerfranst unb zerschossen, bie Kriege beS vorigen unb unseres Jahrhunderts in ehrenvoller Weise mitgemacht haben; darunter befindet sich auch die Andreas

Hofer-Fahne und die nicht minder berühmte Tiroler Sturm- fahue von der blutigen Spingeser Schlacht. Weiter zeigt die Sammlung eine Ar zahl interessanter Standscheiben theils mit launigen Schütz nspruchen, lHells aber auch (besonders aus dem vorigen Jahrhundert) mit ernsten Inschriften und Malereien, welche auf polnische und Kriegsereignisse im Lande Bezug ha­ben. Alte Säbel, Pistolen unb Gewehre mit Radschloß und viel­fach kunstvoller EiMegearbeit, von ben Franzosen erbeutete Ad­ler, Fadnen, Trommeln usw., sowie die in ihren Anfängen bis in daS XVI. Jahrhundert zurückreichenden schwersilbernen Schützen­ketten der Schießstände von Kufstein, Innsbruck und Bozen wer­den ber Abtheilung zu besonderer Zierde gereichen. Weiter ge­hören dazu SchießstandS-Urkunden unb Schützen-Ordnungen aus f' ühereu Jahrhunberten, darunter besonders demerkenswerth ein Schützenbrief auS dem Jahre 1461. Daß eS in ber Sammlung auch an alten Best- unb Ehren-Mebaillen, sowie an Bechern nicht fehlt, braucht wohl nicht erst speciell hervorgehoben zu wer­ben jedoch handelt es ficv dabei nicht etwa um gewöhnliche Schützen­becher und dergleichen, sondern es wurde vom Landeshauptmann Graf Brandis, als oberstem Schützenmeister Tirols, das größte Gewicht darauf gelegt, vor allem bie für besonders tapfere Ber- theidigung (z. B. 1703 gegen die Franzosen) verliehenen, kunst­voll gearbeiteten Prunktbecher zur Ausstellung zu bringen; des­halb befinden sich dabei auch nur wahre Prachtpocale von Kai­ser Leopold I, Maria Theresia, Franz j. usw. bis hinauf zu dem vielgerühmten Ehrenbecher aus Steinbock-Horn mit Silber­fuß, welchen Erzherzog Johann von Oestereich dem Schießstände der alten Hauptstadt Meran gewidmet hat. Mit der ganzen Sammlung erhält die Landes-Ausstellung in Innsbruck ein bunt- wechselndeS Bild tirolischen Schützenwesens auS den letzten fünf Jahrhunderten.

lKxarrexdes Schuhwerk.) Eine Schwäche vieler Leute le- steht in der Liebhaberei, am Knarren ihrer Schuhe Gefallen zu finden, ja sogar einen gewissen Stolz zu setzen auf diese meist mir an neuem Schuhwerk sich zeigende Eigenschaft. Der Schu­ster kommt mitunter in die Lage, nach dieser Richtung hin dem Willen des Bestellers Rechnung tragen zu müssen; durch Einlage von Schweinsborsten in den Boden soll man z. B. leicht einen knarrenden Stiefel Herstellen können. Glücklicherweise findet diese GeschmackS-Verirmng keinen allgemeinen Anklang; knarrendes Schuhwerk wird von feinfühligeren Menschen stets mißbilligt, in Gesellschaften verpönt werden. Ja ber Volkswitz bezeichnet sogar knarrende Stiefel boshaft als — unbezahlte. Man ist daher mehr bestrebt, das liebel zu beseitigen, als dasselbe absichtlich herbeizuführen. Die Uffache des im Schuhwerk erzeugten Ge­räusches ist der gegenseitigen Reibung harter, trockener Lederstücke zuzuschreiben, dasselbe kann an verschiedenen Stellen seinen Sitz haben: meist wird es in dem Boden, seltener im Absätze des Schuhes hervorgebracht. Hiernach richten sich die Mittel, welche angewendet werden, um dem Schuhwerk bereits bei seiner Her­stellung die unanzerehme Eigenschaft des Knarrens zu benehmen. Eines der wirksamsten Mittel dürste wohl sein, als Ballen-Ein­lagen weiches Material, wie Filz, Kork, Tuch und berg! zu Der« toenben; Stücke von Oberleder, welche zu dem nämlichen Zwecke dienen sollen, dürfen nicht zu klein, vor Allem jedoch nicht auS- getrodnet und hart sein. Wie jedoch die ,Neue Wiener Schnh- macher-Ztg.' berichtet, haben sich ferner besonders mit Tbeer ge­tränkte Filze, welche von Dresden auS in den Handel gebracht werden, als Ballen-Einlagen bewährt. Endlich kann man auch das Knarren von Schuhen durch Einstreuen von Specksteinpulver zwischen die Bodenstücke ob.r durch Eiisichmieren derselben mit Unschlitt beseitigen, durch welche Mittel die Reibung der Leder- theile und damit die Ursache deS Geräusches gleichzeitig aufge­hoben wird. Andere Wege, welche zur Erreichung desselben Zweckes verfolgt werden, wie das Einschlagen von Holznägelu in die Ballengegend, Einspritzen von Oel, Eintauchen in Wasser, haben keinen dauernden Erfolg.

* Der Micex. „Herr Kommerzienrath, unser Zoologischer Garten müßte einen Chimpanse haben; eS ist dies du großes Zugstück" — „Meinen Sie wirklich?" — „Ganz gewiß!" — „Was kann so ein Ding kosten?" — „Seine 4—5000 Mark allerdings." — „Nu, lassen Se Einen machen!"

* Ans ber Jnstrxktiousstunde. Unteroffizier: „Rekrut Leh­mann, warum soll ein ordentlicher Mensch nicht Karten spielen?" — Lehmann (freundlich): „Ja, ja, Herr Unteroffizier, warum auch nicht."

* Stoßseufzer eixeS Studenten. „Mein Leben war eine Reihe von Prüfungen, von denen ich keine bestand."

* Verzeihlicher Jrrthum. Fremder (der das Zuchthaus besichtigen will, zum Droschkenkutscher): „Sie können mich später wieder abholen, hören Sie!" — „Ja, wie lang haben Sie benn?„ (Fortschritt.) Sprachlehrer (zum Schüler): „Und dann er­zählst Du dem Papa, Fritz, heute hätten wir uns schon in fran­zösischer Sprache über bas rückständige Stundengeld unterhalten!"

(Er merkt bie Absicht.) Gattin: „O John, du glaubst gar nickt, wie ich dich liebe." — Gatte, (nach seinem Portemonnaie greifend): „Wie viel soll ei diesmal sein?"

Eingesandt.

ES ist wahr und richtig: „„Mouche Leute wollen nicht verstehen, waS ihnen nicht in den Kram paßt."" Unb ebenso wahr ist das Andere: Biele können nicht verstehen, was nicht ganz trivial und gewöhnlich ist. Aber waS soll man dazu sagen, wenn einer nicht versteht, was in einer poetischen Klage über den unseligen Bruderzwist, in einer Mahnung zur Ser« ftänbigu ng und zum innern Frieden der Hinweis auf die äußeren Feinde im Osten und Westen für einen Sinn hat?! — ES wäre verlorene Liebesmühe darüber noch Worte zu ver­schwenden ; denn gegen gewisse Dinge „„kämpfen Götter selbst vergebens."" — Des Dichters Worte: „„Heischt Ihr, was recht, und leistet Ihr, was billig!"" sind für jeden, ber sehen kann und will, deutlich genug, unb eS wirb „„allen ober- patriotischen Zeitungen"" nicht gelingen, ben Dichter von „Drei­zehnlinden" zu einem Freunde der Militärvorlage zu stempeln.

Neueste Kost.

Berlin, 16. Juni. Nach einer Aufstellung, die Wir heute um 8 Uhr AgBchltss n haben, sird bis jetzt definitiv gewählt: 33 Korservatwe, die Reichspartnler eingerechnet, 24 Sozialdemokraten, 12 Rationalliberkle, 30 Centrum, darunter 3. für d e Militärvorlage und 2 schwankende, 4 von der „Freis. Bereinigung" näm­lich Barth, Thvmien, Frese und Pvhlmann, 5 süd­deutsche BolkSparteiler, 2 Antisemiten, Ahlwardt und Liebermann, 4 katholische Elsaß-Lothringer. Verloren bat die „Freis. Bereinigung" dir jetzt definitiv 8 Wahl- sitze, die „Freis. Bolksvartei" 13, die Konservat ven 8, die Sozialdemokraten 2, die Nationolliberalen 2, die Antisemiten 2 und b-e süddeutsche Volkspartei einen.

(Franks. Zig.)

Gottesdtenst-Lrduung in Fulda.

Sonntag, den 18. Juni. 4. Sonntag nach Pfingsten.

Dom. Um 5, 6, 6»/« und 7l,i Uhr hl. Messen, um 9 Uhr Umgang Hochamt mit Predigt. Um 2 Uhr Vesper, 4 Uhr Pforr- Brüderschaft, um 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle — Stabt» Pfarrkirche. Um 6 Uhr hl. Messe mit Predigt, 7 U. hl. Messe, 8 U. hl Messe mit Predigt, 9l/i Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, 11 unb l1/* Uhr Christenlehre, um 3 Uhr Bruderschaft vom Hochwürdigen Gute. — Michaelskieche. 10 Uhr Gottes­dienst. — HofpitalSttrche zum heil, »eiste. Um 8 Uhr Hoch­amt mit Predigt, um 5 Uhr Abendandacht. - Frauenberg. Um b Uhr Herz-Jesu-Andacht, «'/. Uhr hl. Messe, 8 U6r Hochamt. Um 2 Uhr Bruderschaft mit Predigt. — Sodalibät. ‘MO Uhr. — Dieustmäbchex-Kongregatiox. 3'/, Uhr Andacht und feierliche Aufnahme in der Kapelle der Mutterhauses.

Der Postdampfer „Switzerland" der ,Red Star Linie' in Antwerpen ist laut Telegramm am 13. Juni wohlbehalten in Philadelphia angekommen.

Die Post-Dampfer „WaeSland" der ,Red Star Linie' in Antwerpen ist laut Telegramm am 14. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.

Wasterwärme der Fulda.

Gestern Abend 7 Uhr 21l/j o c. Heute Morgen 7 Uhr 20«C.

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