und Alemannia. Vom katholischen württembergischen Adel bemerkten wir Gras Adelmann von Sigmaringen, Gras Adelmann aus Ellwangen, Fürst Hohenlohe« Bartenstein, Graf Neipperg, Graf Wrlderdorf, Fürst Wolfegg; auch der Nestor der kath. Parlamentarier Württembergs, Bankdirektor Probst aus Stuttgart, war erschienen. Während der Feierlichkeiten herrschte das schönste Wetter, bei dem auf die Bestattung folgen« den Mittagessen saß rechts vom Bischof Wilhelm von Rottenburg der Erzbischof von Freiburg, links Frhr. von Raßler, der Vertreter der Königin, und dem Bischof Wilhelm gegenüber Cultusminister von Sarve y.
* Straßburg int Elsaß, 10. Juli. Am 21. und 22. Juni findet Hierselbst der VereinStag des General« Anwaltschafts«Verbandes ländlicher Genossenschaften sowie die General-Versammlung der Land« wirthschaftlichen Central-Darlehnskasse für Deutschland (Sitz in Neuwied) statt.
Ausland.
* Wien, 10. Juni. Im StephanSdome hat sich heute Nachmittag im Beichtstühle ein junger Mann er» schossen, was großes Aufsehen machte. Die Kirche wurde geschlossen und später vom Erzbischof Angerer mit großer Assistenz von Neuem eingeweiht.
• Nunmehr hat, später als anfänglich erwartet, der Einzug des Fürsten Ferdinand von Bulgarien mit seiner jungen Gemahlin in der bulgarischen Hauptstadt stattgefunden. Sonnabend ist daS Paar gegen Abend mit einem Sonderzuge von Philippspel in Sofia eingetroffen und am Bahnhofe festlich empfangen worden. Unter den Anwesenden befand sich auch der türkische Kommissar Reschid Bey. Vor der Metropolitankirche erwartete der Metropolit mit dem gesummten Klerus das prinzliche Paar, worauf ein feierliches Te Deum celebrirt wurde. Gegen 10 Uhr begaben sich sodann mehrere tausend Bürger unter Führung des Bürgermeisters mit Fackeln und Lampions vor das prinzliche Palais und brachten eine glänzende Ovation dar.
Stadt, Proviry und tlachbargebiet.
Fulda, 13. Juni.
WM- Die Stimmzettel für unsere« Reichstags-Kandidaten Herrn Richard Müller find am Samstag und Montag Bormittag «ach alle« Orte« der Kreise Fulda, Schlüchtern «nd Gersfeld an die Vertrauensmänner der Centrumspartei «nd sonstige Besteller versandt worden. Sollten dieselben irgendwo noch nicht eingetroffen sein, so wolle man sofort fchristlich oder telegraphisch der Fuldaer Attiendruckerei Nachricht geben.
* Wie mau uns soeben mittheilt, machen die Freunde der Herrn Domänenpächters Th al er noch in letzter Stunde den Versuch, die CentrumSwähler durch ein Flugblatt irre zu führen und sie zum Abfall vom Centrum zu verleiten. Darum, CentrumSwähler, habet Acht auf die Versucher, die an Euch herantreten, weist ihre BerführungSkünste energisch zurück, denn Centrmn ist und bleibt die Parole!
Herr Amtsrath Thaler, Domänenpächter zu WeiherShof, dessen beide Söhne Offiziere sind, kann nicht Euer Vertreter sein. Er ist ein abhängiger Mann, der durch seine Zustimmung zur Militärvorlage dazu beitragen wird, daß Euch neue Lasten aufgebücdet werden. Nur ein freier und unabhängiger Mann der nach oben und nach unten keine Rücksicht zu nehmen braucht, kann Euch schützen. Ein solcher Man« aber ist Herr
Richard Mütter aus Fulda.
Darum gebet diesem Manne am 15. Juni Euere Stimme und keinem Anderen!
—* Im .Fuldaer Kreisblatt' lesen wir:
Beim Erlaß des Wahlaufrufs für Herrn Richard Müller scheinen sich die Herren des Wahl-Komitees der ehemaligen Sen« trumSpartei die Sache etwas leicht gemacht zu haben. Ein Abdruck der Namen der Unterzeichner des Wahlaufrufs der Centrumspartei aus dem Jahre 1887 scheint ihnen zu genügen, um den Anschein zu erwecken, als ob die Wahl ihres Kandidaten unter den angeseheneren Landleuten Unterstützung finde. Es ist wenigstens interessant, zu erfahren, daß einige Unterfchriften des Wahlaufrufs für Herrn Müller ohne jede Rückfrage bei den angeblichen Unterzeichnern deSselben — welche für Herrn Thaler stimmen wollen — geschweige denn ohne eine wirklich abge> B' me Unterschrift derselben unter jenen Wahlaufruf gekommen ! Nähere Auskunft hierüber steht zu Diensten und wir richten an alle Gesinnungsgenoffen die Bitte, weitere Fälle einer erdichteten Unterzeichnung jenes Wahlaufrufs zu unserer Kenntniß zu bringen.
Der Wahlausschuß.
W t bitten den Wahlausschuß höflichst um „nähere Auskunft"! DaS Original der hiesigen Liste ftM zu Diensten. Wir beweisen, daß an Jeden der auswärtigen Unterzeichner das bett. Circular zur
Post gegeben wotden ist. Er ist unS bis jetzt von keiner Seite mitgetheilt wotden, daß der beit. Btief nicht angekommen sei; dagegen stehen dem „Wahlausschuß" eine Anzahl Briefe zur Verfügung, worin sich Unterzeichner des im Jahre 1887 erlassmen Wahlaufrufs beschweren, daß ihre Unterschriften nicht unter dem Aufruf stehm. Wie wir schon in diesem Blatte mittheilten, haben wir damals auf eine öffentliche Auf« forderung, den Wahlaufruf zu unterschreiben, viele Hunderte von Unterschriftm erhalten. Wir haben sehr chonend in dem Artikel über die Neuhofer Wahlversammlung die Art und Weise gekennzeichnet, wie die Unterschriften unter den andern Wahlaufruf gekommm sind, und haben auch Gründe vorläufig noch zu chweigen. Also noch einmal: „Heraus mit der näheren Auskunft!"
* Die gestern Abend im GemeindewirthshauS zu Salzschlirf abgehaltene Wahlversammlung der Centrumspartei sollte zwar in Folge der unliebsamen Semen, welche sich vorgestern in der Turnhalle dahier abspielten, von sozialdemokratischer Seite Der» hindert werden, allein über einige Stötungsvetsuche ist man doch nicht hinauSzekommen, weil sich die Centrumswähler in der starken Mehrheit befanden. Da der Saal des GemeindewirthShauseS zur Zeit von einer Theatergesellschaft gemiethet ist, mußte man sich mit der zur ebenen Erde gelegenen Wirthsstube begnügen. AlS Herr Kaufmann Künstler von hier um 7 Uhr nach Eröffnung der Versammlung zur Bureauwahl schritt und Herrn Kaufmann Robert Kircher zum Präsidenten vorschlug, hörte man Gegenrufe wie „Lachmann", „Sprenger" rc. Die Abstimmung ergab jedoch für Herrn Kircher eine Mehrheit von 49 gegen 12 Stimmen, so daß Letzterer dar Präsidium übernehmen konnte. Nachdem sodann noch einige CentrumSmänner aus Salzschlirf und Eichenau inS Büreau gewählt waren, ertheilte der Vorsitzende das Wort zunächst dem Herrn Künstler von hier, welcher an Stelle der durch Unpäßlichkeit verhinderten Kandidaten Herrn Richard Müller dessen politisches Programm entwickelte und zwar in ungefähr derselben Weise, wie es seitens des Herrn Müller selbst in mehreren Vecsammlungen geschehen ist. Al» zum ersten Male das Wort „Religion" fick, hörte man Zwischenrufe wie „Murnpiz, gibt'S nicht" und bergt, mehr. Nach Schluß der Rede des Herrn Künstler erbat „Genosse" Lach mann von hier daS Wort, um über Getreidezoll, Tabaksteuer rc. zu sprechen, wurde jedoch von dem Vorredner sachlich abgeführt. Hierauf sprach Herr Zahntechniker Joseph Kapp von hier über den Atheismus der Sozialdemokraten, wobei ein solcher Tumult entstand, daß Redner in Gefahr gerieth vom Stuhl herunter gerissen zu werden, wenn nicht die Ueberzahl der CentrumSwähler, die noch verstärkt war durch außerhalb der Lokals stehende Gesinnungsfreunde dies verhindert hätte. Auffälliger Weife waren mehr Salzschlirfer al» Fuldaer Sozmlist-n anwesend. Nachdem die Ruhe wieder einigermaßen hergestellt war, ergriff Herr Domkaplan Rübs am daS Wort und erzielte einen durchschlagenden Erfolg mit seinen Ausführungen über die Reichstagsdebatte vom 3. Februar 1893, in welcher Bebel von dem CentrumSabgeordneten Bachem so zu sagen kampfunfähig gemacht worden war. Genoffe Lachmann brachte nun die bekannten Redensarten von der Religion als Privatsache aufS Tapet, wurde jedoch auch in diesem Punkte von dem hochw. Herrn Vorredner einer Besseren belehrt. Nachdem sodann Herr Kap p in W.ederaufnahme seiner unter» brochenen Rede ein Hoch auf Kaiser Wilhelm II. cu£» gebracht hatte, sprach Herr Kaufmann Lederle von hier über die Militärvorlage, empfahl im Gegensätze zu derjenigen der Herrn Thaler die Wahl des Gegners der Militär Vorlage, Herrn Richard Müller, und brachte ein Hoch auf Letzteren aus. Um 1/210 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung, welche nunmehr miter dem Gejohle und Lärm der sozialdemokratischen Elemente dar Lokal verließ. Als sich die Genoffen Lachmann, Sprenger rc. in einem anderen WirthShaus etwas laut auließeu, blieben ihnen einige Männer aus Großenlüder die rechteAnlwo t nicht schuldig, was zur Folge hatte, daß die Genoffen bald darauf verschwunden waren.
D Die am vorgestrigen Sonntag, Nachmittags 5 Uhr, abgehaltene Wahlversammlung der CentrumS» partei in Salmünster war von etwa 150 Personen aus Salmünster und dem Hutten'fchen Grunde besucht, auch 12 Herren aus Fulda waren zugegen. Das Präsidium führte Herr Klingebiel aus Böckels. Herr Pfarrer Huhn aus Ulmbach leitete die Versammlung ein und ersuchte den Kandidaten Herrn Richard Müller seinen Standpunkt darzuthun. Letzterer entwickelte in ausführlicher Weise sein bereits bekanntes Programm, und hob insbesondere noch hervor, daß er voll und ganz den Standpunkt der Centrums theile und dafür eintreten werde, daß die aus dem Kulturkampf noch gebliebenen Unzuträglichkeiten beseitigt werden, insbesondere dar Ausnahmegesetz. Auch seine weiteren Ausführungen über die Militärfrage, die Reichrfinanzwirthschaft und die direkten Steuern, sowie seine Stellungnahme zu dem Handwerk und der Landwirthschaft fanden allseitigen Beifall. Alsdann sprach Herr Klingebie! unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden über die Militärvorlage und deren
Wirkung auf den Bauernstand. Herr Pfarrer Huhn betonte in eindringlichen Worten die Bedeutung der jetzigen Wahlen und die Nothwendigkeit an der be- währten Centrumspartei eiumüthig festzuhalten, damit wir durch unsere Feinde nicht zu Schanden werden- Er schloß mit einem Hoch auf den CentrumSkandidaten Herrn Richard Müller. Ein sozialdemokratischer Herr meldete sich zum Wort und suchte auszuführen, daß daS AlterSversiherungSgesetz mit Hilfe des Centrums eine so wenig befriedigende Fassung erhalten habe, wurde jedoch von Herrn Richard Müller, der schon in seiner ersten Rede auf die Mängel dieses Gesetzes hin- gewiesen und deren Beseitigung gefordert hatte, gründlich widerlegt. Nach einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. schloß diese zu den besten Erwartungen für den Verlauf der Wahl berechtigende Versammlung.
* Samstag, den 10. d. M, haben in der Kapelle des hiesigen Mutterhauses 8 Jungfrauen das Kleid der Barmherzigen Schwester« erhalten, und 10 Novizen ihre Gelübde abgelegt. Der Hochwürdigste Herr Bischof hat die Feier vorgenommen.
* In Anbetracht des herrschenden Futtermangels sind sämmtliche Oberförster von der Regierung angewiesen, Anträgen auf Ueberlassung von GraS und Laub aus Staatswaldungen im laufenden Sommer im weitesten Maße zu entsprechen. In der Oberförsterei Gersfeld sind bereits GraSverstriche ausgeschrieben.
* An Pachtgeldrückständen sind Domäne«- Pächter» nach dem Bericht der Rechnungskommission im Jahre 1891/92 erlassen worden: 11,000 Mark der früherin Pächterin der Domäne Gauleben im Kreise Wedlau, Regierungsbezirk Königsberg, 8000 Mark dem früheren Pächter der Domäne Hallberg im Kreise Obornik, Regierungsbezirk Posen, 7500 Mark dem früheren Pächter der Domäne Oschütz im Kreise Wongro- witz, Regierungsbezirk Bromberg, 4500 dem früheren Pächter der Domäne Blankenau im Kreise Fulda,. Regierungsbezirk Kassel.
* In Preußen ist man gegenwärtig mit einer allgemeinen Revision der Gebäudesteuer beschäftigt. Nach Beendigung der Einschätzungen wird das Material in jedem Regierungsbezirk der Bezirksregierung eingesandt, die es dann nach erfolgter Prüfung zurücksendet. Darauf werden die Gebäudebeschreibungen und für jeden Eigentümer ein Auszug den Gemeindevorständen übermittelt, die die Gebäudebkschreibungen während eines Zeitraumes von 14 Tag-n öffentlich auSlegen und die Auszüge den Eigenthümern zuzustellen haben.
* Das preuß. Landwirthschafts - Ministerium läßt gegenwärtig Erhebungen anstelle« über den Umfang der verschiedenen Biehverficheruuge«. Diese Erhebungen erstrecken sich auf alle Arten von Versicherungen. auf die Zahl der in den letzten Jahren versicherten Thiere und auf die Höhe der gezahlten Entschädigungen.
* Die alljährlich ftrtifinbenben Reisen zur Infor« mirung über ben Stand deS VolksschulwefeuK haben in biesim Jahre mit einer Reise beS DnekrorS im Kultusministerium Kügler in bie Rhein P i ovinz begonnen. Augenbl'cklich hält sich ber Genannte in bet Provinz Schlesien auf.
(*) Poppenhausen, 11. Juni. Seit Wochen sind fleißige Hände früh und spät damit beschäftigt, am östlichen Abhang unserer romantisch gtleger.en Kalvarienberges eine LourdeS-Grotte zu errichten. Ein Gut- thäter hat zu diesem edlen Zwecke eine nm-hafte Summe gespendet und durch dieser hochherzige Beispiel auch Andere veranlaßt, ein Scherflein beizusteuern. Die Anlage wird unter Leitung des Herrn Bildhauers Hillenbrand von Fulda auSgefühck und verspricht eine außerordentlich schöne zu werden. Diese LourdeS-Grotte wird unteren Rhönbergen zur Zierde gereichen und sicherlich auch von vielen frommen Betern auS der näheren und weiteren Umgebung besucht werden.
* Kaffel, 11. Juni. Während am heutigen Morgen der Kandidat dec Freisinnigen, Rechtsanwalt Dc. Eichhoff aus Duisburg, im (Etrhilgebäube Gurre zu einer 1600 Perso -en umfassenden Wähler Versammlung nochmals sprach, wird morgen Abend nun endlich auch der Kandidat der Nalionalliberalen, Herr Sanitätsrath Dr. Endemann, zum ersten Male in diesem Wahlkampfe in einer öffentlichen Versammlung sprechen. Am Dienstag Abend hält die hessische Rechtspartei nochmals eine Wählerversommlung ab, in ber außer dem Kandidaten Herrn Rechtsanwalt Martin noch der vormalige kurfürstliche Kabinetsrath Schimm el- pfeng aus Berlin reden wird. Am gleichen Abend wird H'rr Stöcker-Berlin in einer Versammlung der konservativen und deutich-svzlalen Partei nebst dem Kandidaten Herrn Professor Hüpeden und Major von Alvensleben, dem Kandidaten drr Konservativ :n bei der letzten ReichStagSwahl, sprechen.
-e- Fritzlar, 12. Juni. In letzter Stunde wird von maßgebender Seite in Anbetracht der öertoorrenen Lage den Katholiken beS Wahlkreises Fritzlar bie Wahl ber Herrn Fabrikanten Richard Müller in Fulda als Zählkaudidaten des Centrums dringend empfohlen.
x A«S dem Freigericht, 12. Juni. Gestern fanden in denOrten Bernbach, Neuses und Somborn durch Mitglieder des „ Katholischen Kasino Hanau" unter Leitung des Herrn Keplan Schleifte veranstaltete