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JV 133

Mittwoch, den 14. Juni 1893.

FilldaerMZeitiiiiß

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Anhänger zu gewinnen suchen, indem sie immer und

sich d»e • Tr«rr.--»-Ka:s«r Ed Mich, wenn das nicht

Wie doch fiib die Militärlasten bis jetzt gestiegen? I überhaupt ein leeres Wort sein soll, um Gimpel für

* E idlich — nach mchreren Wochen — nimmt der

welche wir zu den gleichen Zwecken verwenden. Dozu kommen noch die einmaligen Ausgaben, welche seitdem Jahre 1872 bis heute 2171 Millionen betragen haben. Im Ganzen haben wir in dieser Zeit sür Militärzwecke verwendet 12,402 Millionen!

Damit sind wir noch nicht zu Ende; die außer­ordentlichen Ausgaben sind zumeist durch Anleihen aufgebracht worden und diese Anleihen mussm ver­zinst werden. Nun sind unsere Schulden all­mählich bis auf 2000 Millionen Mark ge­stiegen und diese verlangen zur Verzinsung 65 Millionen Mark. Der größte Thril dieser 65 Millionen gehört in das Kapitel Militärwesen.

Aber auch damit sind wir noch uicht zu Ende. Jetzt kommt, was die einzelnen Staaten und G e- mein den on Militärlasten zu tragen haben. Es wäre sehr interessant zu wissen, was die städtischen und Ge­meindebudgets nur an Kosten der Rekcutirung und Zuschüssen zu der EinquartrrungSlast leisten; das ent­zieht sich vollständig der allgemeinen Kontrolle.

rung.

Da spricht man immer davon, wie überlastet die Landbevölkerung sei, und es hat sich ein eigener Bauern­bund gebildet, der dieser Ueberlastung steuern will. Wir sehen aber mit Staunen, daß dieser Bauernbund mit dem Nationalliberalismus geht und für die Verstärkung des Heeres eintritt. Aber ihr Wähler vom Lande! wollt ihr denn noch mehr Söhne in die Kaserne abgeben? Ihr seid es ja, die die Hauptlast zu tragen haben 1 Ihr schreit nach Entlastung und wählt Leute, die Euch belasten!

Ein Halt muß geboten werden diesem fortwähren­den Anschwellen, das den Wohlstand der ganzen Nation frißt.

Im männlichen Widerstande gegen diese reichsge­fährliche Tendenz, nicht in Schmiegsamkeit gegen die Forderungen angeblich militärischer Autoritäten bewährt

bietet, dann ist man ein Verräther cm deutschen Vater- i lande und bricht die Treue gegen Kaiser und Reich!! ’

Und wer behauptet das? Das behaupten in erster Linie die Nationalliberalen, deren Leithämmel ihr Schäfchen in's Trockene gebracht und von all' den Lasten weiter nichts merken, als daß sie am Fällig­keitstermin bte Coupons von ihren Reichsschuldscheinen abschneiden und die Zinsen der Darlehen einziehen, welche ausgenommen werden, um die Ausgaben zu be­streiten. Ausbringen muß die Last die große Masse des Volkes auf dem Wege indirekter Besteuerung. Den Mehrbedarf an Soldaten stellen nicht sie, deren Söhne Einjährige sind, sondern wiederum die große Masse des Volkes und zwar vorab dieLandbevölke-

* Beim preuß. Eisrnbahnminister ist vor einigen Tagen eine Deputation der oberschlesischen Getreidebörse in Gleiwitz erschienen, um Vor­stellungen zu erheben wegen der die oberschlesflche Mühlen-Jndustrie und dadurch den oberschlesischen Ge­treidehandel ruinirenden Staffeltarife für Getreide.

Im Jahre 1872 waren es 309 Millionen, welche wir sür Marine und MMärpensionen jährlich aas- gabe». Heute sind es jährlich 545 Millionen,

größere Gefahr droht, als irgend eine äußere feindliche Machination.

- den Kompromiß Huene zu fangen.

Zeigt am 15. Juni an den Wahlurnen.

Der Minister hat sorgfältige Prüfung der ihm über­reichten Eingabe, eventuell baldigen günstigen Bescheid - i» Aussicht gestellt. Wenn die Prüfung mit derselben 1 Gründlichkeit und Bedachtsamkeit erfolgt wie die Prü- i fung mancher Eisenbahn - Projekte, dann dürfte der s baldige Bescheid wohl noch eine Weile ausbleiben.

* Die Strecke des NordOstsee-Kanals von Hol­tenau brs Rendsburg ist soweit hergestellt, daß Fahr­zeugen mit einem Tiefgange bis zu 2,68 Meter der Verkehr auf dieser Strecke gestattet werden kann. Hier­durch wird nach Einstellung des Betriebes aus dem schleswig-holsteinischen Kanal die Wasserverbindung zwischen Ost- und Nordsee auf dem Wege Holtenau- Tönning mit einer sür die Uebergangszeit hergestellten Schleuse bei Holtenau und dec bereits fertig gestellten Schleuss zum Abschlüsse des Kanals gegen die Unter- Eider für hie kleine Schiffahrt aufrecht erhalten. Dem Bundesralhe ist nunmehr vom Reichskanzler der Ent­wurf eines Gebühren?arifs sür die Strecke Holtenau- Rendsburg zur Beschlußfassung vorgelegt worden.

* In dem Anarchistenprozeß, der gegen sieben Bergleute und Arbeiter aus dem Rchc-R:vier beim Reichsgericht in Leipzig anhängig gemacht worden ist, weil sie mit dem Londoner Klub „Autonomie" in Verbindung gestanden und beim Bergarbeiter-AuSstand zu Beginn diests Jahres die Ausständigen zur „Pro­paganda der That" aufzureizen gesucht haben, ist, wie schon in Kürze erwähnt wurde, am Freitag das Ur« theil verkündet worden. Es wurden verurthnlt Berg­mann Blasius Grasser aus Scheidling und Tischler Anton Schönberger aus Lerbm wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgrsttz, wegen Aufforderung zur Ausführung des Hochverrachs und der Majestätsbe- letdigung und Vergehens gegen die öffentliche Ordnung Grosser zu 51la und Schönberger zu 8% Jahren Zuchthaus. Bergmann Gerhard Lavins aus Beckerath wegen Vergehens gegen dre öff ntliche Ordnung zu einem Jahre Gefängniß, Bergmann Michael Müller aus Oberpreisig meiert Widerstands gegen die Staats­gewalt zck IV2 Jahren Gesänguiß. Die Angeklagten Handelsmann Schürmann aus Mühlheim, Sieinhauer Johann Müller aus Essen und Bergmann Adalbert Goltz aus Brodin wurden freigesprrchen. Der frei­gesprochene Schürmaun wird von seinen ehemaligen Genoss n, den Sozialdemokraten, als deren Vertrauens­mann er in Duisburg fungirte, beschuldigt, die Anar­chisten verrothen zu haben.

* Rottenburg, 10. Juni. Gestern fand die feier- liche Brstattm-g d-s Hrn. Bischofs Hefelr statt. Nach vorangega"gcnem Requiem und Leichenrede im Dom s tzte sich 1071 Uhr der Leicher.zug. der glänzendste, den Rottendurg wohl je gesehen bat, in Bewegung nach der etwa eine viertel Stunde entfernten Smchen- kstche, wo die Beis Hung stattfaud. Tausende von Lndirog nden waren h-rbetg-.strömt, um ihrem geliebten Oberhirten das letzte Geleite za geben, darunter wohl 300 G iftliche der Diözese. Von allen Testen und aus allen Kreisen waren Abordnungen erschienen, u. a. von den katholischen Studenten-Corporationen Guefifalia

Deutsche« Keich.

Berlin, 12. Juni.

* Der ,Reichsanzeiger' quält sich Tag für Tag ab, die Wähler zu belehren, nachdem die aus den Ge­heimfonds des auswärtigen Amts millionenweise her- gestellten Broschüren und Flugblätter des Mittl-r'jchen Verlages sich als absolut wirkungslos erwiesen Haden. Ein Artikel des .Reichsanz.' vom Freiicg ver­sucht den CentrumSwählern sogar klar zu machen, daß der Antrag Huene nicht im Widerspruch stehe mit den Wir-dthvrft'jchen Resolutionen.

worden.

* Seit Einbringung der Militär - Vorlage hat es nicht an Stimmen ans militärischen Kreisen gefehlt, welche sich sehr entschieden gegen die Noch- wendigkeit, ja auch gegen die Nützbchkeit der ge­planten neuen Organisation unserer Heeres aussprechen. Am schärfsten dürften aber der Opposition gegen die Vorlage folgende Worte aus sehr kompetentem Munde Ausdruck geben: „Ich glaube nickt, daß unter den lebenden Heerführern einer da ist, der im Stande wäre, diese Massen (es war von Armeen von 4,500,000 bezw. 5,400,000 Mann die Red,), mit denen zu rechnen man sich jetzt gewöhnt hat, zu ernähren, zu bewegen und zu gemeinsamem Schlagen zu brinzrn. Das ist bei solchen Zahlen ausgeschlossen". Fast noch schärfer. als gegen die allzugroße Steigerung in der Zahl der Soldaten spricht sich derselbe hohe Militär gegen die Art und Weise aus, wie die An­hänger der Vermehrung deZ Militärs sür ihr P ojekt

J<tzi kommen noch die Leistungen der Familie, deren Mitglieder beim Heere stehen; die Unter­stützungsgelder, die in die Kaserne wandern. Wie viel das ist, läßt sich auch nicht berechnen, aber , , y

Tausende und Tausende thun sih w h, um drrn : Michsanz. "das Wort, um die unglaubliche Meldung Sohn ober Bruder in des Königs Rock etwas zu- j eines süddeutschen Blatte«, daß beim Musterungs- kommen zu lassen! - — - • • — •• •

„An die Gewehre!"

So betitelt ein Berliner Flugblatt „Ein deutsches Wort an die alten Soldaten!" In dem Flugblatt, das auch verschiedenen Kreisbläitern unserer Gegend beigelegt ist, sind im Druck besonders hervorgehoben die Kraftstellen: „aber das Ausland jubelt zu früh", — „dem Vaterlands droht Gefahr" — „Treue gegen Kaiser und Reich" — „allgemeine Dienstpflicht, zwei­jährige Dienstzeit!"

„In Treue fest, im Sturme treu, Mit Gott für Kaiser und Reich!"

Damit hat man aber auch das ganze Flugblatt, nur entnehmen wir noch mit Erstaunen heraus, daß „deutsche Männer im heiligen Kampfe von 1870/71 die deutsche Kaiserkrone aus französischen Bataillonen herausgeholt haben." Bis jetzt ist uns durchaus un­bekannt gewesen, daß sich die deutsche Kaiserkrone zwischen französischen Bataillonen befand; aber das war uns immer klar, daß man sich niemals scheute, dem Volke den dicksten Schwindel vorzumachen, wenn er nur den gewünschten Stimmzettel in die Wahlurne hineinpraktizirte.

„An die Gewehre! rufen auch wir, an die Gewehre, um uns gegen den anbiäugenben Schwindel zu vertheidigen, der uns und dem Vat'erlande

Geschäft in Mannheim ein Einäugiger, der ein Und dabei sagt man, daß das deutsche s Glasauge trägt, ausgehoben sei, a!s unrichtig zmückzu- --------------------------------------- ! weisen. Der mit Namen und in Person ermittelte Militärpflichtig- ist nicht ausgehoben, sondern im Mustermigs - Termin sofort dem Landsturm überwiesen

immer wieder von drohender Kriegsgefahr sprechen. Er sagt: „Wenn ich eine Truppe zu führen hätte und wüßte, sie soll sich morgen schlagen, dann würde ich daS Bestreben haben, sie heute Nacht roch ruhig schlafen . zu lassen. Und ich meine, wenn ein Zeitungsschreiber . wirklich glaubt, wir wären so nah- vor dem Kriege, ’ der thut klüger, er läßt Handel und Wandel ihren : Gang gehen, als er beunruhigt seine L-ser vor der ■ Zeit und schwächt dadurch den nationalen i Wohlstand, auf den wir doch angewiesen sind, wenn i es mal zum Aeußersten kommt." Diese weisen Worte ' mögen sich die Agitatoren, welche im Osten und Westen unseres Vaterlandes mit sensationell aufgebauschten Nachrichten von Truppen - Anhäufungen jenseits der Grenzen und Aehnlichem für die Militär - Vorlage Stimmung zu machen suchen, merken; vielleicht schränken sie ihr Treiben etwas ein, toer.it wir hinzufügen, daß l die oben angeführten Et täte einer Rede entnommen 1 sind, welche der Reichskanzler Graf Caprivi am 27. November 1891 im Reichstage bei der Budget- Debatte gehalten hat.

daß ihr zu den Gewehren geeilt seid.nicht um ministeriellen und liberalen Forde­rungen zugenügen, sondern umEuchEuerer Haut zu wehren, nach welcher man ein recht reges Gelüste zu haben scheint. DaS ist die eigentliche Gefahr, welche dem Baterlande droht.

Und darum an die Gewehre!

Volk nur sehr wenig im Vergleiche zu anderen Ländern mit MilitärauSgaben be- lastet sei! Ein bitterer Spott angesichts dieser unbestreitbaren Zahlen!

Aber dem „Mangel" soll abgeholfen werden. Diese Militärlast soll wieder erhöht werden. Nach dem Antrag Hume beträgt diese Erhöhung an fortdauern­den Ausgaben 55 Millionen jährlich, an ein­maligen Ausgaben 64 Millionen. In diesen 64 Millionen sind aber die nothwendigen Ausgaben für Kasernirung nicht inbegriffen u-d der Soldat will doch sozusagen auch wohnen. Oder sollen die neuen Mannschaften bei den Bürgern eil quartirt werden? Die Kasernenbauten würden sicher einen Betrag von hundert Millionen verschlingen. Das wird nun durch Anlehen gedeckt, und diese Anleben müssen wieder verzinst werden! Mit der Zahl der Truppen vermehrt sich auch die Zahl der Pensionäre und daS fernst auch jährlich dazu und wenn man endlich dem Halt ge-