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Dienstag^denl3. Juni 1893.
20. Jahrgang
MdaerMZeitiiiig
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Deutsches Reich.
Berlin, 10. Juni.
* Dem Anfang Juli, voraussichtlich am 4., zu- fammentrctmden neuen Reichstag wird, vielleicht mit Ausnahme des Choleragchtzes, eine Vorlage von erheblicherer Bedeutung neben der Militär-Borlage nicht zugehen. Diese letztere wird sich, wie offiziös gemeldet wird, in allen wesentlichen Punkten dem Antrag des Abg. v. $ nette anschließen. Man nähme an, daß nach den vorangegangenen gründlichen Erörterungen und Untersuchungen eine neue KommissionS- Berathung nicht beschlossen, sondern rasch auf die Entscheidung loSgeschritten werden würde. Man glaube, die Session noch im Juli schließen zu können.
* Was der Militarismus ist, haben wir vor einigen Tagen in kurzen, treffenden Sätzen eines schlesischen Blattes gezeigt. Die Hessischen Blätter be- antworten die Frage unter einem andern, nicht minder interessanten Gesichtspunkt folgendermaßen: Der Herr Reichskanzler möge sich einmal im Spiegel beschauen, er werde dann gewahr werden, daß an oberster Stelle der bürgerlichen Obrigkeit des Deutschen Reiches ein preußischer General stehe. Ein Pendant hierzu sei Herr v. Levetzow, der als Präsident des deutschen Reichstages in der Uniform des Land- wehrmajorS einherstolzire; der Dritte im Bunde fei der vorige Finanzminister v. Scholz, Excellenz, der seine Ernennung zum Sekondelieutenant ohne jede Verwahrung gegen diese wunderbarste aller Standes- erhöhungen entgegengenommen. Man wolle ferner jener Staatsanwaltes gedenken, der anläßlich einer dienstlichen Differenz einen Landgerichtsdirektor auf Pistolen forderte — weil der Staatsanwalt gleichzeitig Reservelieutenant war. Die Bifit- und BerlobungSkarten Derer, denen es beschieden ist, zu ihrer bürgerlichen Berufsstellung die erhabene Würde einer preußischen ReservelieutenantS Hinzuzuge- Winnen, bedürfen keiner Kommentars. Man erwäge ferner den Druck, den das Einjährigfreiwilligen- Jnstitut nicht nur auf die Vermögenslage der Eltern, sondern auf daS gesummte Kulturleben der Nation durch die Abhängigkeit der öffentlichen Bildung?« Anstalten von der unvermeidlichen Rücksichtnahme auf dm Freiwilligendienst auSübt; man gedenke der zu- sehmds gehäuften jährlichm „Ueb ungen", durch die eine Menge von Menschen noch nach Erfüllung ihrer ordentlichen Dienstpflicht der ernsten Hingabe an ihrm eigentlichm Lebensberuf entfremdet und in die soldatische Denkweise zurückgedrängt »erben; man erinnere sich der zwangsweisen Ueberweisung der sogenannten Versorgungsberechtigten zur Unterbringung in städtische und Kommunaldienste u.s.w. DaS Fortschreitm auf dieser Bahn bedeute dm g ei sti g e n und sittlichen Niedergang der Volkslebens und sühre schließlich unrettbar zur Barbarei.
* Wie'S gemacht wird, zeigt ei« vom .Vorwärts' veröffentlichtes geheimer Rundschreiben des Direktors der Grube Ilse, N.-L., Hauptmann a. D. Strack, in geradezu klassischer Weise. In diesem Schreiben an die
Endlich entlarvt!
Roma« von R. von Wollersheim.
(37. Fortsetzung.)
Pfeilschnell wandte sich Letzterer alsdann um und sah sich zu seinem größten Schrecken Paul Harmant gegenüber, welcher unbeweglich mit emporgezogenen Augmbrauen und strmger Miene dastand und seine Hand auf die Schulter der Mechanikers legte.
Zu gleicher Zen raunte er ihm mit halbunterdrückter Stimme zu:
„War hast Du da gethan, Dieb?"
Ovide erbleichte und wankte einen Augenblick, verlor indeß nicht die Faffung und sagte:
„WaS meinst Du benn eigentlich, Vetter? Ich weiß nicht. ..." Jakob nahm ihn beim «rote unb zog ihn mit sich fort an eine einsame Stelle.
„War ich meine?" sagte er bann leise zu ihm, „ich meine, baß ich Aller gesehm habe, baß Du ein Schurke bist unb baß Du mir sofort bm Sack heraus gibst, welchen Du bem Herrn gestohlen hast!"
Ovibe fühlte, baß er gefangen war.
„Gnade, Gnabe!" stammelte er also, „ich bitte Dich, Vetter, zeige mich nicht an. Ja, ich bin ein Schurke, er ist wahr, ich habe gestohlen . . . Aber ich bin nicht Schulb baran ... Der heiße Wunsch, reich
KriegervereinS-Borstänbe beS Kakau-Luckauer Wahlkreises wirb mit rückhaltlosester Offenheit ber Plan entwickelt, bte Krieger-Vereinler für bie confer- vativen Kanbibaten zu „fangen". Es wirb darin vor- geschlagen, eine allgemeine Versammlung der Krieger- Vereine nach Senftenberg einzuberufen, unter dem Vorwand der Berathung allgemeiner Angelegenheiten. „Darauf", so heißt es dann wörtlich, „wird die offizielle Versammlung geschlossen und ziehen wir mit Fahnen und Musik und einigem andern Klim-Bim durch die Stadt nach dem Schützenhause. Dort findet ein kameradschaftliches Beisammensein mit obligatem, von der conservativm Parteikasse zu bezahlendem Frei- Bier statt. Sind die Köpfe durch das braune Naß, die Musik und bett Gesang von patriotischen Solbaten- lieber« erst tüchtig erwärmt, so gehen wir zur Wahl- propaganba über unb ziehen schließlich, nachdem Man- teuffil ein Hoch gebracht unb sich Jeber verpslich- tete, für ihn zu stimmen, nach bem Markte, wo wir bte Liberalen durch den Gesang einiger patriotischer Lieber ärgern werben, baß sie grün unb blau werben. Ich wette 10 zu 1, baß brei Viertel bet Stadt unS nachläuft unb mitsingt." In bem Tone geht es weiter. Trotz feiner bringenben Mahnung, ben Zweck ja absolut geheim zu halten unb nur bie verständigsten und absolut zuverlässigsten Leute „in baS Spiel hineinsehen" zu lassen, ist ihm burch bie Veröffentlichung beS Briefes boch baS ganze Coneept verborben worben. Zweifellos wirb nach bem gleichen Rezept aber noch an vielen anbern Stellen gearbeitet werben.
* „AnS absolut sicherer Quelle" will ber .Vorwärts' erfahren haben, baß baS Berliner Polizeiptäsi- bium, ob „amtlich" oder nur „unter bet Hand", könne er nicht sagen, aufgefordert worden sei, über die Wirkung sich zu äußern, die eine Abänderung oder Aenderrmg deS allgemeine« Wahlrechts haben würde. Daß man sich in RegierungSkreisen bereits direkt oder indirekt mit einer Aenderung des Wahlrechts beschäftigt, will uns nicht wahrscheinlich erscheinen, wohl aber kann darüber kein Zweifel bestehen, daß man in gewissen Kreisen den Tag mit Freuden begrüßen würde, wo man daS jetzt bestehende Reichstagswahlrecht abzuschaffen vermöchte. DaS Volk hat es in der Hand, durch seine Wahl die Dnrchführong solcher Pläne zu vereiteln.
• Kaiserin Friedrich ist in Athen eingetroffen. Die Kaiserin Friedrich wird der Hochzeit deS Herzogs von York mit der Prinzessin von Teck nicht beiwohnen, sondern den Monat Juli noch in Griechenland verleben. Nach der Rückkehr von dort soll ein Seebad besucht unb bie Reise nach England erst im Herbst angetreten werben.
* In welchem Maße bei unS im Gegensatz zu England mtb Nordamerika die Eisenbahnen an Sonntage« z« Reife« benutzt werden, ergibt sich anS einem von den preußischen StaatSeisenbahnm aufgenommenen Statistik, nach welcher im gesammten Staatsbahnbetrieb nach der im letzten Jahre und bis in die neuere Zeit für verschiedene Zeitabschnitte gemachten Feststellungen an Sonntagm burchschmttlich
। etwa 60 Prozent mehr Fahrkarten verkauft worden ! sind, als an Wochentagen. Der Stadt- und der Bor- ortverkehr von Berlin und Hamburg-Altona sind dabei außer Berücksichtigung geblieben.
* Breslau, 8. Juni. Freiherr v. Huene, ber sich in Neisse als Gegenkanbidat gegen bmCmtromS- Kanbibaten StistSrath Horo, ber biesen Wahlkreis seit 20 Jahren im Reichstage vertreten hat, aufstellen ließ, hat wegen dieses seines Verhaltens in einer CentrurnL- wähler - Versammlung ein sehr beutlicheS unb scharfes Mißtrauensvotum erhalten. ES heißt nämlich in bem Beschlüsse ber betreffenden Versammlung: „Dieses Verhalten beS Frhrn. v. Huene ermuthigt unsere Gegner, verwirrt unsere Wähler, eS schäbigt unsere Interessen unb hat bereits zu schlechten Nachahmungen geführt, mit einem Wort, eS unterwühlt ben Hauptpfeiler beS CentrumS: bie Einigkeit. Die heute in Neiffe versammelten Centrumswähler verurtheil« bieseS Vorgehen auf baS Schärfste unb erwarten vor ihren Gesinnungsgenossen, baß sie für Frhrn. v. Huew keine Stimme abgeben werben." Bravo!
Ausland.
* Rom, 9. Juni. Karbinal Galimberti toutbi am Tage nach seiner Ankunft vom Papste in Aubimz empfangen. Der Papst bereitete beut Kardinal bie wohlwollenbste Aufnahme unb sprach ihm seine lebhafte Befriedigung über die seitens des Kardinals während der letzten sechs Jahre der Kirche und dem Papstthw« geleisteten ausgezeichneten Dienste aus. Die Audienz wat von sehr langer Dauer. Kardinal Galimberti erhält aus allen Kreisen der tömischm Gesellschaft Sympathiebeweise.
* Ueber die Freimaurerei i« Italien bringt ein italienisches sozialistisches Blatt recht intereffante Enthüllungen. Dasselbe versichert, daß von ben zehn gegenwärtigen Ministern beS Königreichs Italien nur zwei, ber Präsident Giolitti und der Minister ber öffentlichen Arbeiten Genala, unb von ben Unterstaats- ftttetttren nur biet nicht ßnorahrfihw seien. Daaeam seien ber Minister des Aeußeren »rin, ber Unterrichts- Minister Martini, ber Kriegsminister Pelloux unb bet neue Justiz- unb Kultusminister Eula ebenso wie drei Unterstaatssekretäre „schlafmbe" Maurer, bie übrig« aber, nämlich ber HanbelS- unb Ackerbauministet La Cava, ber Post- unb Telegraphenminister Finocchiaro, ber Schatzministet Stimalbi unb ber neue Finanzministet Gagliatbo (Jube) nebst brei anbern Unterstaatssekretär« aktive Mitglieber unb einige von ihnen höhere Würbm- träger ber Loge. Diese Aufzählung ist interessant, weil sie einen neuen Beweis für bie Thatsache liefert, baß bas moberne Italien eine Domäne ber Freimaurer- löge ist.
Stadt, provim und Rachbargebiet.
Fulba, 12. Juni.
* Sestern Abend gegen 7,8 Uhr geriethen mehrere Burschen anS Pilgerzell und EngelhelmS in derSwck- schen Wirthschaft zu AdolphSeck in Streit, wobei das
zu werd«, hat meine Sinne verwirrt, ich wußte nicht, was ich that." , _
„Schweige!" donnerte der falsche Harmant, „Du hast eine Verbrech« begangen, das nicht zu entschuldig« ist. Wenn ich nicht bedächte, daß Du mit mit der- wandt bist und also derart meine Familie entehrst, so fühlte ich große Lust, Dir eine Kugel durch dm Kopf zu jagen ober wenigstens Dich zum Kapitän zu bring«, um ihm Deine schmachvolle That mitzucheilm."
Die Zähne Ovibe'S klappert«.
„Nein . . . nein . . stammelte er, „daS wirst Du nicht thun, mich unglücklich mach«. ES war nur eine Schwäche."
„Eine Schwäche!" nef Garanb lachmb auS, „eS scheint, baß biese Schwäche bei Dir häufiger votge- kommen ist, bmn Du hast bei ber That eine Geschicklichkeit unb Kaltblütigkeit gezeigt, bie ich benmnbert habe!"
„Rem, eS ist baS erste Mal, ich versichere eS Dvc . . . ich schwöre eS."
„Schwöre nicht! Hältst Du mich wirklich für so naiv, baß ich bem Schwur eines Diebes Glaub« schenke« soll?"
„Unb benuoch . . ."
„Schweige unb grb d« Sack her.
Ovibe ließ sich «blich bewegen unb gab ihn heraus.
„Weißt Du, was batin ist?" frog bann Garanb.
„Ja, Golb und Bavknot«.
„Wie viel?"
„Etwa sechSzigtaus«d Frank«."
„Gut, warte ein wenig."
Erstaunt blickte Ovide seinen augeblrchm Bettet cm.
„WaS willst Du beginnen?" ftng er mH zittern- der Stimme.
„Erräthst Du eS nicht?"
„New!" .
„Ich will dieses Vermög« fernem rechtmäßig« Eigmthümer zurückgeb«."
„Aber ..." stotterte Ovide.
„Kein Wort mehr!"
Damit schritt Gatand auf den Herrn mit grauen Haaren zu und sagte zu ihm, indem er ihm den Sack überrnchte^ uldig^, @a(f gehört wohl Ihn«?"
Der Rasende fuhr unwillkürlich mit der Hand unter seinen Uebetziehet.
Gestohlen!" ries er erschrocken.
Nw^ Sie bekomm« ja Ihre Sache zmück," et- widerte Jakob lachend. „Seh« Sie nach, ob noch dsffs» darin ist."
Rasch öffnete der Reismde dm Sack, welchm Jakob chm überreicht hatte und sah nach.