Beilage zu Nr. 131 der „Fuldaer Zeitung".
Sonntag, den 11. Juni 1893. __________________________
Karl Joseph von Hefele, Kischof von Kottenbnrg
Die Katholiken Württemberg- haben ihren Oberhirten, da- katholische Deutschland hat einen seiner besten und edelsten Kirchenfürsten verloren. Al- am Samstag die Kunde kam, daß Bischof Hefele von Rottenburg einen Schlaganfall erlitten habe, mußte man bei dem hohen Alter des 84jährigen Bischof- da- Schlimmste befürchten, da- nun eingetroffen ist.
Der nunmehr verewigte Kirchenfürst war schon lange vor seiner Erhebung auf den bischöflichen Thron der Diözese Rottenburg, die durch einstimmige Wahl de- Domkapitels am 17. Juni 1869 erfolgte, eine Zierde der katholischen Wissenschaft in Deutschland, namentlich auf dem Gebiete der Kirch eng es chichte. Ostern 1836 wurde er an Stelle und wohl auch auf Befürworten Möhler'-, der einen Lehrstuhl in München angenommen hatte, dazu berufen, da- Lehrfach der Kirchengeschichte und ihrer Hülf-wissenschaften an der Universität Tübingen zu übernehmen; im Jahre 1837 wurde er außerordentlicher Professor, im Jahre 1838 erhielt er die theologische Doktorwürde und wurde 1840 ordentlicher Professor. Eine lange Reihe von gelehrte» Schriften und Werken hat Hefele während seiner langen akademischen Lehrthätigkeit herauSgegeben; da- bekannteste und berühmteste Werk, sein Hauptwerk ist dre große Konziliengeschichte, von welcher Hefele in den Jahren 1855 bi- 1876 sieben Bände vollendete, die bi- zu den Konzilien von Konstanz, Basel und Florenz reichen. Und waS hat er während seiner 34jährigen segensreichen Wirksamkeit al- Lehrer geleistet, wie hat er durch seine wissenschaftlichen Anregungen nicht nur, sondern auch durch sein priesterliches Wesen und Wirken aus den katholischen KleruS in Württemberg den heilsamsten Einfluß auSgeübt! Mit Schmerz nahm Hefele am 23. Dezember 1869 Abschied von seinem Men Studirzimmer, von dem ihm liebgewordenen Lehrstuhl, von seinen Freunden, aber als am 29. Dezember die Konsekration und In- thronisation erfolgte, fand er fast die Hälfte der württembergischen KleruS, einst seine Studiengenossen und seine Schüler um sich versammelt. Im Jahre 1870 reiste er in der strengen Januar-Kälte nach Rom ab, zur Theilnahme an dem Vatikanischen Konzil. Daß er auf demselben in Betreff der Unfehlbarkeitsfrage ein „non placet“ abgegeben hat, ist bekannt, aber Bischof Hefele war dabei nnr von Offenheit und Freimüthig- keit befeelt, nicht von einseitigem Professoren-Dünkel, der leider seinen Freund Döllinger der katholischen Kirche abwendig gemacht hat. Als katholischer Christ und als Priester wußte er, waS er nach Verkündigung der UnfehlbarkeitS-Dogma'S zu thim hatte. Die Hoffnungen, die man von Seiten der Gegner der katholischen Kirche auf die Opposition Hefele'S setzte, wur- den getäuscht. In seinem Pastoralschreiben vom 10. April 1871 hat er seiner Diözese über seine Haltung auf dem Vatikanischen Konzil offen und freimüthrg Aufschluß gegeben und als dann im Jahre 1872 durch eine schmähliche Indiskretion einer seiner früheren Privatbriefe veröffentlicht wurde, hat er am 15. Oktober 1872 in einer offenen Erklärung sein Verhältniß zur Unfehlbarkeitsfrage dargelegt. In dieser Erklärung sagt er offen, daß der fragliche Brief zu einer Zeit eigenen inneren Kampfes geschrieben sei, daß bei ihm aber schon festgestanden habe, daß ein Schisma daS größte Unglück fei und daß er sich an einem solchen nie betheiligen werde. ES sei ihm aber gelungen, in aufrichtiger Unterordnung seiner Subjektivität unter die höchste kirchliche Autorität sich mit dem Vatikanischen Dekret zu versöhnen. „ES hat mir — so schreibt er — dieser Schritt viele Verfolgung zugezogen, aber er hat mir dafür die innere Rahe wieder gebracht. Wesentlich befördert und erleichtert wurde meine Unterwerfung durch die Wahrnehmung, daß die Partei, (Döllinger- Schulte u. s. w.), der ich am 11. November 1870 antwortete,immer deutlicher und unaufhaltsam einem Schisma entgegensteuere in verderblichem Bund mit zahlreichen, ihr innerlich betrogenen Ele- mentm. Als Bischof Hefele damals feine Subjektivität der höchsten kirchlichen Autorität unterordnete, ist er tatsächlich in schmählichster Weise angegriffen und verhöhnt worden. Das „landabiliter se subjecit“ ist noch ein liberaler Schlagwort, das aus jenen Tagen herrührt. DaS Opfer aber, welches Bischof Hefele als katholischer Bischof zu bringen sich verpflichtet hielt, hat ihm deS Himmels reichsten Segen eingetragen. Ihm ist eS vergönnt worden, durch die lange LebenS- zett, feine Voraussagung erfüllt zu sehen, daß der Alt- katholiziSmuS thatsächlich nicht nur immer deutlicher und unaufhaltsam einem Schisma entgegensteuert, sondern zum SchiSma übergegangen und untergegangen, oder wenigstens nahe daran ist unterzugehen. Bischof Hefele hat es ferner noch erlebt, daß die katholische Kirche nicht nur von den Altkatholiken, sondern auch von der Macht der Staatsgewalt den schwersten
Kämpfen unterworfen wurde, aus denen sie unbesiegt hervorgegangen ist. Man erwartete beim Beginn de- Kulturkampfes in Preußen von dem „friedlichen" Bischof von Rottenburg, daß er die Maigesetze billigen müßte, aber er erklärte sofort, daß er diesen Gesetzen ebenso wie preußischen Bischöfen den schärfsten Widerstand entgegensetzen würde.
Zahlreiche Geistliche auS Preußen, die in den Kulturkampfjahren in der Diözese Rottenburg und im Priesterseminar Rottenburg gastliche Aufnahme gefunden haben, fühlen sich zu besonderem Danke dem nunmehr verblichenen Kirchenfürsten verpflichtet und mit ihnen daS ganze katholische Volk. Seine Werke folgen ihm nach. Er hat daS „et portae inferi non praevalebunt“ in seinem langen Leden und auch in seinen Kämpfen geglaubt und verkündet, mögen nun die Thore deS Himmels sich ihm erschließen! Er ruhe in Frieden!
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(36. Fortietzung.)
37.
„Ein großer Gewinn! ..." wiederholte Garand lächelnd, „ich glaube, daß Sie übertreiben; aber auch angenommen, eS verhielte sich so, so halte ich dennoch die Verpflichtung, die ich soeben übernommen habe."
„Wirklich, ein galanter Mensch, der sein Schäfchen schon im Trocknen zu haben scheint!" dachte Mortimer bei sich. „Es wäre ein prächtiger Associe für mich und unsere Firma würde alle auS dem Felde schlagen."
Der falsche Paul Harmant beobachtete verstohlen den Amerikaner und er errieth in etwa seine Gedanken.
„Ich will denn Ihr Anerbieten annehmen," hob Mortimer wieder an, „indeß unter einer Bedingung: daß wir diese Maschine gemeinsam auSbeuten."
„Ich danke Ihnen für diesen Vorschlag," erwiderte Garand kopfschüttelnd, „aber ich habe andere Ideen."
„Sie lehnen also ab."
Ja."
„Weshalb?" , . .
„Wozu eine Association für eine solche Kleinigkeit. Uebrigens weiß ich nicht, ob ich in Amerika bleiben werde."
„Haben Sie dmn Ihre ursprüngliche Absicht geändert?" frug Noemi. „Sie sagten ja vorhin, daß Sie lange dort zu bleiben gedachten!"
„Gewiß, aber eS hängt dies von gewissen Umständen ab, die von meinem Willen nicht abhängig sind. Ich bin mit einer großen Arbeit beschäftigt, welche mir große Erfolge verspricht. Sobald ich mein Studium der amerikanischen Mechanik vollendet habe, werde ich sehen, ob ich mich in Nmhork niederlasse oder ob ich nach Frankreich zurückkehre."
„Gedenken Sie denn vielleicht Werkstätten in Ame- rika einzurichten?" frug Mortimer, welcher bereits ins- geheim in ihm einen nicht zu unterschätzenden Konkurrenten fürchtete.
„Weshalb eventuell nicht?"
„Dann handelt eS sich wohl um die Ausbeutung irgend einer neuen Erfindung?"
„Ja, kS ist eine Erfindung, welche mit den Näh- maschine« in gar keiner Verbindung steht: eS ist eine Guillochir-Maschine."
Jakob, welcher durch seine Unterredung mit Ovide hinlänglich unterrichtet war, hatte einen entscheidenden Schlag geführt.
Mortimer zitterte sichtlich, als er von dieser Maschine reden hörte. Harmant hoffte, daß er sich deS Weiteren darüber auSlaffen werde, aber er war nicht der Fall. Er hielt sich zurück.
„Ich habe mich auch damit beschäftigt," fuhr er in gleichgiltigem Tone fort. „Aber besser als die Genfer können wir'S nichtmachen, ihreArbeitensind vollkommen."
„Freilich, um ebene Flächen zu guillochiren," versetzte Jakob. „Aber eS ist ja schließlich nicht unmöglich, daß man auch ..."
Dem Amerikaner trat der kalte Schweiß auf die Stirne. „Sollte er die nämliche Idee habm wie ich?" dachte er. Dann unterbrach er Jakob mit lauter Stimme:
„Halten Sie er dmn für möglich, eine Maschine herzustellen, mit der man z. B. Krümmungen guillochiren könnte?"
„Ich bin dessen gewiß."
„Sie haben dies etwa schon ersunden?" fuhr Mortimer erbleichend fort.
„Ich habe eS allerdings bereits erfunden", antwortete Garand, jedes Wort betonmd. „Meine Pläne sind schon fertig, ebenso die Zeichnungen sür den Guß und die Schmiede, und wie ich bereits eben sagte, werde ich eS mir überlegen, ob ich mich in New-Iork niederlaffm werde, um dort diese, sowie andere Maschinen zu bauen."
„Jedenfalls also ein Konkurrent" dachte Morttme^ erbleichend, „und dazu ein solcher, mit welchem ich
rechnen muß, diesen Schlag muß ich sofort parirm- sonst ist alles für mich verlorm."
Ec sagte also in so sanftem Tone als möglich:
„Gestatten Sie mir ganz frei und offen, mit Ihn« zu sprechen, Herr Kollege?"
„Gewiß, ich bitte Sie sogar darum."
„Wenn Sie sich keiner Täuschung bingeben, waS, wie ich glaube, allerdings nicht der Fall ist, so habm Sie in der Thal eine Erfindung gemacht, welche einm koloffalm Gewinn bringen wird. Sie kommen indeß nach Ntw-Iork, ohne auch nur einen einzigm Mm- schm zu kennen, und müssen sich dort zuerst mit unsere» Gewohnheiten bekannt machen, sowie insbesondere mit den Arbeiter Verhältnissen ... Sie müssen eine Fabrik etabliren, Werkstätten einrichtm, dies wird Ihnen viel Zeit und Geld kostm ..."
„Freilich, aber anders geht'S nun einmal nicht."
„Ich glaube wohl; ich will eS Ihnen sagen. Wer- den Sre mein Associe, übernehmen Sie die Leitung meiner Werkstätten, Sie könnm alsdann sich bei mir unverzüglich an'S Werk machen und die „©dencinife", sowie die Guillochirmaschine Herstellen. . . Sobald wir in New-York eintreffen, unterzeichnen wir unsern Ber- trag, welcher Ihnen die Hälfte des Reingewinnes gibt, und ich werde Ihnen außerdem einen Check von acht Taufend Pfund Sterling (160,000 Mark) auLstellm, zahlbar nach Sicht bei meinem Freunde und Banquier Davidson." _, c „
„Aber ....," wollte Garand, der sich dm Anschein gab, daß er allzu rasch nachgebe, beginnen.
„Nun, ich denke, Sie können diesen Vertrag gewrß eingehen," drängte jetzt auch Noemi mit bittendem Blicke, „er ist gewiß eine sehr vortheilhafte Verbindung, die Ihnen mein Vater da anbietet, und Sre werden eS gewiß nicht ablehnm, unser Freund zu werdm."
„Sie sehen, daß meine Tochter ihre Sitten mit mir vereinigt", sagte Mortimer etwas erzwungm lächelnd: „Sie verhehlt Ihnen ihre Sympathie gar nicht — wir erziehen nun einmal die jungm Mädchm fo/Sßenn Sie nicht sofort Noemi für fid) eingenommen hätten, so würde sie Sie mir nicht vorgestellt haben, nicht wahr, meine Theure?"
„So ist'-, Vater."
„Nun, so schlagm Sie ein, Kollege."
„Nun, die Sympathie Ihrer Fräulein Tochter ist für mich noch mehr maßgebend als alle finanziellm Erwägungen", warf Garand nachlässig hin, „ich nehme also an."
„Also die Hand darauf — unsere Verbindung ist geschloffen. NppropoS, sind Sie verheirathet?"
Noemi errötheie tief bei diesen Worten.
„Nein", antwortete Garand lächelnd, „ich bin noch Junggeselle." .
„Dann biete ich Ihnen eine Wohnung t» meinem Hause au; Sie werden mir dies gewiß nicht ablehnen."
„Ich bin Ihnen durchaus dankbar für Ihr Anerbieten." , _, . ,,
„Binnen drei Monaten bin ich der Schwiegersohn Mortimer'-," dachte Garand bei sich; „die Sachm machen sich wirklich vortrefflich." .
Der Rest des heutigen Tage- verfloß in der angenehmsten Weise.
Als Garand sich in feiner Kabine allem befand, hatte er Zeit und Muße genug, die Ereignisse de- TageS zu überdenken.
Alles ging nach Wunsch, ja er sah ferne kühnste» Erwartungen übertroffen.
Sine glänzende Zukunft lag vor ihm.
Bei seiner Ankunft in New-York sollte er nicht allein eine große Summe Geldes erhalten, sondern auch am ganzen Gewinn der Fabrik Mortimer'- theilnehmm, außerdem hatte er gegründete Aussicht, sein Schwiegersohn zu »erben.
Nur ein einziger dunkler Punkt tauchte vor ihm auf.
Wenn auch nicht zur Unterzeichnung de- Vertrage-, so doch um Noomi zu heirathm, bedurfte er ordnungsmäßiger Papiere, die er nicht besaß und auch nicht beschaffen konnte, da man ihm auf eine etwaige Bitte um dieselben antworten mußte, daß Paul Harmont tobt sei. , , . . , .
Bei längerem Nachdenken sagte er sich indeß, daß eS genügen würde, die Geburtsurkunde Paul Harmant- und die Bescheinigung über den Tod seiner Eltern zu
er diese Papiere brauchte, kümmerte sonst Niemande». Dan» dachte a Sottveau.
Er ist immerhin gefährlich , dachte er weiter, sein Zweifel über meine Persönlichkeit, wenn er Zweifel hegt, kann stärker werden. Jedenfalls wird er mtr gegenüber stets als Vetter anstreten, was immerhm für mich sehr unangenehm ist. Ich müßte sehen, tote ich ihn mir dienstbar mache — aber wie? Nun, kommt Zeit, kommt Rath." (Forts. folgt.).