Einzelbild herunterladen
 

machen.....Aber war für ein Thor bin ich!" setzte

er dann hinzu, sich vor die Stirne schlagend, 'die Passagiere erster Klasse können ja zu den Passagieren zweiter Klasse gehen, wenn auch nicht umgekehrt. Ich will ihm meinen Namen mittheilen und dann kann er zu mir herüberkommen.'

Die Reisenden hatten inzwischen ihre Plätze eilige- nomen, dar Schiff lichtete die Anker und dampfte bald mit voller Geschwindigkeit seinem Bestimmungsorte zu.

Schon am zweiten Tage sah Ovide Soliveau, daß die Reisenden erster Klasse sehr häufig ihre Promenaden bis auf den Bordertheil des Schiffes ausdehnten; er hoffte, daß auch Paul Harmant dies thun würde, bei welcher Gelegenheit er alsdann leicht mit ihm ein Ge­spräch anknüpfen könnte.

Er fah sich indeß in seinen Erwartungen getäuscht. Jakob Garand kam wenig auf Deck und blieb die meiste Zeit im Salon, wo der Ingenieur Mortimer und die blonde Roemie verweilten.

Er sann auf allerhand Mittel und Wege, um mit dem Vater und der Tochter eine Verbindung anzu­knüpfen, konnte indeß nicht dar Geringste entdecken.

Einige Worte, welche er zufällig aus Mortimer'- Munde, als Letzterer mit einem Pasiagier gesprochen, vernommen batte, hattm ihn belehrt, daß Mortimer sich nach New-Iork, feiner Heimath, begebe.

Da er selbst nach New-Iork reifte, so hätte er um so lieber die Bekanntschaft eins Mannes gemacht, der ihn während der Fahrt mit den Sitten und Gebräuchen eines ihm fremden Landes bekannt gemacht hätte und ihm auch drüben nützlich fein konnte, falls es ihm nämlich gelang, zu ihm in nähere Beziehung zu treten.

Jedoch bot sich ihm keine Gelegenheit dar.

Drei Tage warm fett der Abfahrt des Schiffes verfloffm.

Das prächüge Wetter hatte einen großen Theil der Paffagiere auf das Deck gelockt, und das Schiff fuhr mit großer Schnelligkeit durch die spiegelglatte Fluch dahin. '

Ovide Soliveau spähte unter den Spazrergängem auf dem Vorderdeck umher, ob er jenen Paul Harmant, Der möglicherweise sein Vetter war, nicht entdecken könne. Aber heute war er ebenso wenig sichtbar als die ver­flossenen Tage.

„Sonderbar!" sagte Ovide vor sich hin, er schemt ein einsames Leben zu lieben; vielleicht ist er gar krank! Nun, dies muß ich wissen!','

Er rief also einen Kabrnendrmer, welcher eben ! vorbeiging, herbei und bat ihn gegen ein anständiges > Trinkgeld, einen gewissm Paul Harmant, Paffagier i erster Klasse, seitmS eines gewissen Ovide Soliveau, i von Geburt Franzose, gefroren zu Dijon, zu fritten,

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate koste» die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Bietteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerloh» und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage.Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

Deutsches Keich.

Berlin, 3. Juni. ;

* Tas Centrum hat wieder einmal seinen Dank ! dahin. „Ohne Wahlreform keine Steuerreform!" | so hieß es zu Beginn der Session aus allm Seiten, i Im Vertrauen, daß man dies Versprechm wahr machen ? werde, fretheiligte sich das Centrum mit allem Eifer ; an den Arbeiten der Steuerkommission. Ein Cmtrums« ? Mitglied übernahm den Vorsitz in dieser Kommission, die dann Monate lang angestrengt thätig war. Ein EentrumSmitglied übernahm das Amt eines Bericht­erstatters gerade über den umfangreichsten und schwie­rigsten Gesetzentwurf, das Communaltchgabengesetz, und lieferte einen lichtvollen inhaltreichen, ausführlichen Bericht. So lange man des Centrums für die Steuer­reform noch zu bedürfen glaubte, waren die Confer- s vativen bereit, daS Wahlgesetz einigermaßen nach \ seinen Wünschen zu gestalten. Als sie aber merkten, daß die Abschaffung der Grund und Gebäudesteuer zu haben sei und eine Verschlechterung deS Wahlrechts zu Gunsten der Großgrundbesitzer deS OstenS dazu, wenn man sich mit ben Nationalliberalen verbinde, da ließen sie sofort daS Centrum im Stich. Mit aller Unbefangenheit erklärte am Mittwoch Graf Limburg- Stirum, sie hätten gemerkt, daß in Folge der früheren Beschlüsse manche Wähler im Osten in die zweite Ab- theilung kämen, „die naturgemäß in die dritte gehören." Wie gewöhnlich wurde der „Bruder Bauer" wieder vorgeschoben, beffen Wahlrecht man nicht noch weiter schmälern bürfe. Wie es gemeint ist hat uns aber neulich Graf Klmkowström in ber „Kreuzztg." erzählt: eS soll verhinbert werben, baß sich bem allein in ber ersten Abtheilung wählenden Großgrundbesitzer ber eine ober onbern zugeselle, „ber naturgemäß nicht dahin gehört." Wie soll man sich denn aber eine Wahl­reform zur Ausgleichung ber Verschiebungen des Wahl­rechtes nach ber Seite beS Gelbsacks hin vorstellen, wenn Niemand aus ber zweiten in bie erste unb aus der dritten in bie zweite Abtheilung kommen bars? Vielleicht ist da» bie rechte Kartell-Wahlreform, wenn die Zahl ber Wähler erster und zweiter Abtheilung verringert, bie ber brüten dagegen vermehrt wird? Da die einzige „Reform" in dem neuen Gesetze bie ist, daß jetzt alle Steuern auch die gar nicht bezahlten, angerechnet werden, so ist dies wohl an manchen Orten die ein­zige Wirkung, unb so ist es recht begreiflich, baß sich die Vertreter beS Großkapitals wie die des Großgrund­besitzer bescheiden in die „Zwangslage" fügten und schmunzelnd den HerrenhauSbeschlüsfen zustimmten, „um die Steuerreform und die Wahlreform nicht zu ge­fährden." Die Sache war vorher abgemacht und daher der Versuch deS Centrums, die früheren Beschlüsfe wiederherzustellen ober wenigstens bie Zwölfteluug zu retten, aussichtslos. Die Mehrheit hatte nicht einmal mehr bie Geduld und Güte, bie Ausführungen ber Centrumlrebner ruhig anzuhören.' Die Regierung aber rührte in der Sache auch nicht einen Finger nicht einmal zur Herstellung ihrer Vorlage. An das Cen­trum aber tritt die Frage heran, ob es sich eine ber-

• Frhr. v. Huene hat sich von einem Berliner Blatte (.Deutsche Warte') interviewen lasten und dieser Quelle zufolge Folgendes erklärt: „Ich halte meine Kandidatur in Reisse für ganz aussichtslos. In diesem Kreise wie in ganz Oberschlesim beherrschen die Gegner ber Militär-Vorlage bie Situation. Ich bin eben aus Neisse zurückgekehrt, wo mir Bauern, die sonst auf mein Wort waS geben, gefagt haben: „ES thut uns leib, aber wir werden gegen Sie stimmen." Der Bauer läßt sich nur von dem einen Beweggründe leiten, baß bie Militär-Vorlage neue Lasten mit sich bringt. In Glatz hat man mich aufgestellt unb, wie ich überzeugt bin, ebenso auSfichtSloS. 3nmeinem bisherigen Wahlkreise BreSlau-Neumarkt bin ich zurück- getreten." Auch in Oppeln ist Freiherr v. Huene ÄS Kanbidat aufgestellt worben unb von ben Gouver­nementalm konservativer unb liberaler Schattirung wohl auch hier aussichtslos.

* Gegen Herrn v. Schalfcha ist in bem schlesi­schen Wahlkreise Falkenberg-Grottkau Erfrscholttsei-Bv- sitzer Hu brich, in Neustadt O. S. als CmtrumS- Kandidat Pfarrer CytronowSky in Schmitfch ein­stimmig aufgestellt worben, lieber bie Stimmung in ben katholischen Volkskreisen Schlesiens gibt bie ,Fran- kenstein-Münsterb. Ztg.' folgmbe treffenbe Bemerkung toieber: „Wir haben bisher unsere Abgeorbnetm für da« Centrum nicht ihrer Person wegm gewählt, son- bern weil sie von ber CentrumSpartei aufgestellt wor­den sind, bie nufer volles Verträum besitzt unb wir werben es auch jetzt toieber so machen."

* Hubert Frhr. v. Schorlemer zu Großenhain hat ein Flugblatt „Katholisch ober National" verfaßt, welches die Berliner „Freie Vereinigung für bie Durch­führung ber Militär-Vorlage" ber Ehre ber Verbrei­tung würdigt. Hätte ber Verein baS Zeug erst burch- gelefen, so hätte er bas vermuthlich bleiben lasten. Gleich bei einer flüchtigen Durchsicht fanden wir zwei Perlen vom reinften Wasser. Nach ben statistischen Stubim des Herrn v. Sch. „zahlt für die Lanbesver- theidigung an Steuer pro Kopf ber Bevölkerung 4Mk." Wo mag er das wohl aufgeklaubt haben? Im Gothaer Hoftaimder find allem bie fortbtmemben Ausgaben für die Verwaltung des ReichsheereS auf 427,285,158 Mk. angegeben unb bie Bevölkerung Deutschlanbs beträgt rund 50 Millionen; daS Weitere mag ber Statistiker von Großenhain sich selbst ausrechnm. An anderer Stelle läßt er „den HeldmgreiS auf dem Kaiferthron" (Wilhelm I.) daS „hehre Wort" aussprechm: „Ich will Frieden haben mit meinem Volke." Zufällig rührt der Satz von König Mox von Bayern her. Nach diesm Stichproben wird man den Besähigungs-1 achweis des Herrn Hubert v.Schorlerner wohl als erbracht ansehm.

* Arnsberg, 1. Juni. DaS ,Central-Volksblatt' schreibt: „In einer zu Hagen im Feilhauer'schen Saale stattgehabten Versammlung von Centrumswählerrr der Reichstagswahlkreises AmSberg-Meschede-Olpe wurde Herr Chefredakteur Joh. FuSangel einstimmig zum ReichStagSkandidaten proklarnirt. Herr FuSangel prä- cifirte kurz seinen Standpuntt als Centrumsmann und ertiärte u. A. unter bem lebhaftesten Beifall der Ber«

r artige Behandlung seitens ber Regierung unb ber ! Konservativen noch länger gefallm lassen ober nicht ; seine Macht geltend rnachm will in einer Weise, bie \ ihm mehr Respekt sichert. Seit brei Jahren ist es vor - Allem bas Zentrum, welches bas Schiff beS „neuen \ Kurses" flott erhält. Dies wäre schon in ben ersten ' Monaten auf ben Saud gerathm, und Herr v. Caprivi s wäre über Bord gegangen, wenn nicht das Cmttnm, • von ber Militärvorlage im Jahre 1890 angefangen bis jetzt, ben „neuen Kurs" unterstützt hätte. Unb was ist bet Dank dafür gewesen? Im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetmhause wurde daS Centrum wieder und wieder vor den Kops gestoßen. Die Arbeiter- schutzgesetzgefrung ließ man trotz des Widerspruchs deS Centrums verfrallhornm. Die Centrumsanträge zum Schutze des Handwerks und des kleinen Gewerbes \ i wurden vornehm ignorirt. Das Jesuitengesetz blieb in j \ Kraft. Der bayerische Redemptoristen-Antrag wurde !

im Bundesrath begraben. Das preußische Schulgesetz \ wurde einer Minorität liberaler unb freikonservativer \ Schreier geopfert. Für bie Mitarbeit an ber Steuer- : reform des Herrn Miquel erhielt bar Centrum am 31. Mai bie Quittung. Es scheint uns undenkbar, daß bas Centrum nach ben Neuwahlen im Reichstage unb in Preußen sich in alter Weise dazu hergibt, ben Karren ber jetzigen „Staatsmänner" schieben zu helfm. WaS kann uns benn batan liegen, ob einer biefer „Staats­männer" auf feinem Posten bleibt oder verschwindet? Insbesondere glauben wir nicht, daß die Wähler damit einverstanden seien, daß das Gentrum die bis­herige Behandlung ruhig hinnehme. Man handele danach!

* Der Kaiserliche Kommiffar Dr. Peters ist in Berlin eingetroffen. Sein Aussehen unb Befinden ist gut, doch ist das verletzte Bein noch nicht ganz ge­kräftigt und bedarf noch Der Schonung. Dazu ist in- beffen auch Zeit vorhanden, benn über bie Rückkehr ber englischen Konsuls Smith nach Europa liegt noch keine bestimmte Melbung aus Lonbon vor. Der Beginn ber Unterhanblungen über bie Kilima-Nascharo- Grenze Dürfte sich noch längere Zeit hinziehen. Wie verlautet, sollen die Verhandlungen wieder, wie bei der Kamerun-Grenze, in Berlin geführt toerben.

* Die amtliche «Deutsche Kol.-Ztg.' faßt bie Nach­richten über Emin Pascha wie folgt zusammm: Tippu Tipp hat im April von einem Berwanbtm einen vom 1 2. Dezember 1892 batirtm Brief erhalten, welcher ben ' Tod Emin Pascha's bestätigt. Danach ist ber Pascha \ mit Saib ben Abend el Khudari, bem 24 Jahre alten l Sohne eines verstorbenen Oman • Arabers, in Kampf gerathm und nach einem zweitägigen unglücklichen Ge­fechte auf bem Rückzüge mit allen feinen Begleitern niebergernacht worben. Nur bie im Lager zurückge­bliebenen Leute Emin'S fmb am Leben geblieben. Nach ; mündlichen Berichten Tippu Tipp's heißt ber Ort, wo ber Pascha seinen Tob gefunden hat, Mlimani und liegt eine Tagereise von dew Flüssen 3tun unb Nyoro, etwa 30 Tagereisen von dm-Stanky-Fällen entfernt. Nach ! Dem Schreiben würde das beklagenswerthe Ereigniß in j dm Monat November 1892 zu verlegen sein.

Endlich entlarvt!

Stoma» von R. von Wollersheim.

(31. Fortsetzung.)

Jakob Garand ahnte nicht im Entferntesten, welchen Eindruck der einem verstorbenen Kameraden entlehnte Name in seiner Nähe machte.

„Seltsam, sehr seltsam!" fuhr der Mann fort, „ich habe doch meinen Vetter früher gesehen und erkenne ihn jetzt nicht genau wieder. Allerdings war er etwas jünger, unb mit ben Jahren änbert sich ber Mensch — nun, ich entsinne mich jetzt ein wenig seiner Gesichts­züge, unb es bünkt mir als ofr ich keinen Zug in diesem Gesichte wieder finde. Er ist es jedenfalls nicht. Nun, es gibt jedenfalls mehrere Leute dieses Namens. Auf alle Fälle indeß will ich nähere Bekanntschaft mit diesem merkwürdigen Pasagier anzuknüpfen suchen,"

In diefem Augenblicke wurde er gerufen.

„Ovide Soliveau!„

Der Pariser antwortete mit einem kräftigen:

„Hier!"

„Hm!" dachte er frei sich, „der Monfimr reist erster Klasse wie Herr Mortimer und Tochter. Wohin mag er nur reisen? Nach New-Jock ober wohin? Wenn er bahin reist, so werbe ich ihn schon finben. Wenn er irgendwo unterwegs aussteigt, kann ich nichts