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20. Jahrgang

Samstag, den 3. Juni 1893

FüldaerMZtitllvg

Muth gehabt, welcher den Herren Ballestrem und Huene gefehlt hat. Er hat entschlossen die Fiktion von dem einen und untheilbaren Centrum durchbrochen." Und die,Köln. Ztg.' überschreibt ihren dem Grafen Matnschka gewidmeten Artikel: „Graf Matuschka gegen dar Cen» ttnrn." Sieverrathen also deutlich, zu deutlich, wie sie die Aktion derjenigen Adeligen ansehe», welche beat Beispiel de- Frhrn. v. Schorlemer-Alst folgen. Dieser ermunternde Zureden von Seiten einer Presse, die gerade auch den katholischen Adel so ost beschimpft imb alr vaterlandSloS hingestellt, weil er an der katholische« Kirche und deren Oberhaupt festhält, wird am bestm dafür sorgen, daß der Nachfolger bei der von Frhrn. v. Schorlemer-Alst geführten Sezession nicht allzu viele werden. Die trotzdem folgen, wird man im Cen­trum nicht vermissen.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(29 Fortsetzung.)

30

Jakob Garand hatte ft« unter dem Namen Paul Harmant auf einem Dampfboot, welches von Havre nach Southhampton fuhr, eingeschifft.

Bon dort war er noch London gereist, um mit dem ersten Schiff: nach Amerika zu gehen.

Den Articket, welchen die Zeitungen über den Brand der Fabrik in Also tville brachten und in wel­chem sein helvenmüthiger Tod besonder- heivorgehoben war. halte er gelesen. .

Nicht wenig freute e» ihn, daß diese Angelegenheit einen derartigen Gang nahm; ging ja doch Alle- in der That ganz nach seinem Wunsche, und blieb ihm ja sitzt nur mehr übrig, in jenem Lande anzukommen, wo er vermöge der gestohlenen Geldsummen rasch sich emporzuschwingen hl fite.

Während er also wohlgemuth auf dem „Lord- Marie" Nrw'Aork zusegelte, hatte Herr Delauney, der mit der Angelegenheit Johanna Portter'S betraute Unter­suchungsrichter, die Verhaftung derselben und ihre An- Wesenheit in Paris erfahren. Sofort ließ er sie sich vorführen. , , „ ,

Die junge Frau hatte inzwischen ihren Muth, ihre Energie und Entschloffenheit wiedergewonnen, und so

♦ Graf Matuschka gegen das Geukrnn.

(Aus der,Kölu. BolkSztg.')

Sehnsüchtig schaute die .Köln. Zeitung' in bett letzten Tagen nach früheren Mitgliedern der CentrumS- Fraktion aus, welche sich bereit finden lasten möchten, dem Beispiel der Frhrn. v. Schorlemer - Alst zu folgen. Eindringlich redete fie den Herren Graf Balle- strem, Frhrn. v. Huene und Dr. Porsch zu, nicht „feige" zu sein und im Wahlkampfe die Fahne wider daS Centrum zu erheben. Heute ist das national­liberale Kölner Blatt so glücklich, Einen gefunden zu haben, der sich widersprechend anläßt. Einen Artikel, welcher die obige Ueberschrift trägt, leitet die ,Köln. Ztg.' mit folgenden Worten ein: „Die Ansicht, daß vaS entschiedene Vorgehen deS Frhrn. v. Schorlemer- Alst allenthalben befreiend und ermuthigend wirken werde, scheint sich zu erfüllen. All' der Unmuth, der sich in den patriotischen Herzen der Adeligen ange­sammelt hat, die bisher der CenttumSfahne folgten, kommt mehr und mehr zum Ausdruck. Und dann bringt die .Köln. Ztg.' nachfolgende in der .Kreuzzeitung' veröffentliche Erklärung zum Abgruck.

In Nr. 240 der Kreuzzeitung heißt eS am Schluß deS Artikels „Der Bruch im Centrnm": „Alles kommt letzt darauf an daß alle gläubigen Katholiken, welche ihrer Ueberzeugung nach zu Fchr». v. Schorlemer-Alst stehen, daS auch offen be­kennen." Dies entspricht vollkommen meiner Ansicht, und ich dars Ew. Hochwohlgeboren bitten, die Erklärung in die Kreuz- Leitung aufnehmen zu wollen, daß ich, einer der zwölf Centrums- männer, welche am 6. Mai für den Antrag Huene stimmten, voll und ganz den Standpunkt v. Schorlemer's theile und nach wie vor die Existenz und Sicherheit des Baterlandes für uner- meßlich wichtiger halte, als den Fortbestand und die Interessen irgend einer polittschen Partei. Parteien kommen und gehen, daS Vaterland aber bleibt, und der Thron der Hohenzollern ist der rocher de bronze, auf dem wir uns zu fammeln haben und der unS Einigkeit und Kraft verbürgt. Ich beklage es tief, daß in der Centrumspattei diefer kleinliche, partikularistlsche, eng­herzige Patteistandpunkt über die große, weit auSfchauende, patriotische Auffaffung vorläufig obgesiegt hat, baß di-Germania, die „Zeitung für das deutsche Volk", die Stirne hat, m ihrem Leitartikel vom 7. Mai die Verwerfung deS Antrages Huene „eine bef«i«ck»-That_oicht. mir für Deutschland, sondern sür das gesammte Mitteleuropa" (auch für Frankreich?)Tn nennen und an den beherzigenswetthen und tiefbewegenden kaiserlichen Worten aus dem Tempelhofer Felde eme höchst un­gebührliche und ungezogene Kritik zu üben, und daß der endlich erschienene Wahlaufruf des dezimirten früheren Centrums- Borstandes in kurzsichtiger Verblendung die Lage Deutschlands besser zu beurteilen glaubt, als der Kaiser und seine hohen Verbündeten. Die Schwenkung deS CenttumS zu einer demokratisch-oppositionellen Pattei mag mitmachen, wer will: sür mich als grundkonservativer Mann ist ein ferneres Verbleiben in diefer Fraktion ausgeschlofsen! Möchte auch das katholische Volk sich drei Mal besinnen, bevor eS sich rück- Saltlos einer Führung preis gibt, die unter vielen schönen chrasen schließlich dock nur die Geltendmachung der eigenen Personzund kleinlicher HerrschastSgelüste bezweckt und die Sache, der sie zu bienen vorgibt, mitsammt dem Vaterlande zu Grunde richtet! Es nur mir Bedürfniß, Ew. Hochwohlgeboren ein Mal mein Herz auszuschütten, und bitte ich, von diesen Erklärungen nach Ermeffen in der Kreuzzeitung Gebrauch machen zn wollen. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung bm ich Ew. Hochwohlgeboren sehr ergebener Dr. Franz Graf Matuschka, v. Doppolczan und Spaetgen. Langenschwalbach, 27. Mai

i Die .Köln. Ztg.' nennt bie Kundgebung bei Grafen Matuschka „eine geharnischte Erklärung gegen bo8 radikal-partikularistische Treiben ber Centrumsleitung" unb fügt hinzu: „Hier fallm Worte, wie sie schärfer kein nationaler Blatt gebraucht, hier wirb eine Charak- teristik entworfen, bie um so überzeugender wirkt, alS der Mann, ber bie Lieber unb Genosten als ettele, streberhafte Persönlichkeiten hinstellt, bie sich um jebm Preis in bett Vordergrund drängen, eine Diktatur aus- üben wollen, sich in langjährigem verttautem Verkehr eine genaue Kenntniß der Personen und Berhältniste erworben hat. Wir möchten denn doch sehen, welcher deutsche Edelmann den traurigen Muth hat, sich zum Schleppträger einer Gesellschaft zu machen, die von ultramontanen Aristokraten in dieser Weise an bett Pranger gestellt wirb."

DaS Lob ber ,Köln. Ztg.' überhebt unS bet Roth- wenbigkeit, an ber Kundgebung deS Grafen Matuschka unserseits Krittk zu üben. Diese Erklärung verdient dar Lob, welcher da« verbissen anttkatholische und centtumSfeindliche Blatt ihr spendet; man braucht sie nur in ihrer ganzen Ursprünglichkeit auf bte Wähler ber CentrumSpartei wirken zu lassen. Wir ftnb über­zeugt, bte Gesinnungsgenossen, welche Graf Matuschka bezüglich seiner Stellung zur Militär-Vorlage in katho­lischen Kreisen besitzt, werden angesichts dieses Schrift­stücks ausrufen: Gott schütze mich vor meinen Freunden!

Graf Franz Matuschka ist einer der jüngstm Mitglieder der CentrumS-Fraktion; die Verdienste, welche er sich alS Mitglied dieser Frattion hat erwerben können, sind noch nicht derart, daß man dieserhalb in der Kennzeichnung seines AufttetenS sich besondere Zurückhaltung aüfzuerlegen brauchte. Wir können nur sagen, die Art und Weise, wie dieser junge Mann über daS Centrnm, ben CentrumS-Borstand unb die Führer deS CentrumS sich äußert, verräth den Geist über­hebenden JunkerthumS, welcher mit echt adeliger Gesinnung nichts gemein hat. Graf Franz Matuschka hat mit dieser Erklärung den Beweis erbracht, daß er ins Gentium nicht achöct Ohne j'&t Spur von Be­dauern, «ber nicht ohne daS Sesühl' der Erleichterung sehen wir ihn scheiden. Möge dieser „grundkonservattve" Politiker, welcher der .Kceuzzeitung' sein Herz aus- schüttet, an der Seite derjenigen „Konservativen" Platz nehmen, welche die Mititärvorlage zuerst auf dar schärfste bekämpft unb sich ihr dann anbequemt haben, als die maßgebenden Kreise darauf bestanden. Für die­jenige Art von Konservatismus, welcher die Beurtheilung der am tiefsten inr Volksleben eingreifenden Fragen einfach dem Kaiser und seinen hohen Verbündeten über­läßt, wird hoffentlich dem Centrnm stets daS Ber- ständniß fehlen. , u ,

Die .Köln. Ztg.' appellirt letzt an den katho- l i f ch e n A d e l; auch die .National-Zeitung', die,Rhein.- Westfälische Zeitung' und die .Magdeburgische Zeitung' thun eS. DaS letztgenannte Blatt kleidet seine Aner­kennung sür Frhrn. v. Schorlemer in die beleidigenden Worte: „Der Frhr. v Schorlemer-Alst hat also den sah sie mit großer Ruhe und Kaltblütigkeit den kom­menden Dingen entgegen.

Nach den einleitenden Fragen über Namen, Stand und Alter der Angeklagten sagte der Richter zu Johanna:

„Sie wiffen, wesien Sie beschuldigt sind: war haben Sie "darauf zu antworten?"

„Nur drei Worte: ich bin unschuldig!

Wenn Sie unschuldig wären," erwiderte der Rich- ter achselzuckend und Johanna fest anblickend, „wes­halb haben Sie denn die Fabrik verlaffm und haben mit Ihrem Kinde die Flucht ergriffen, anstatt um Hülfe zu rufen, als die Feuersbrunst sich zeigte?"

Johanna schien nachzusinnen.

Antworten Sie!" befahl ber Richter ungeduldig.

"Wozu soll ich antworten?" sagte Johanna, „Sie werden mir ja doch nicht glauben."

„Sie wollen also wohl lügen?"

Nein, die Wahrheit klingt in meinem Falle durch­aus unwahrscheinlich. Aller spricht gegen mich - tote sollen Sie meiner Aussage Glauben schenken, für welche ich keinen Beweis erbringen kann? Sie müssen mich ■ für schuldig halten, und gleichwohl bin ich unschuldig!

„Sie stellen also in Abrede, Herrn Labrone er- mordet zu haben?"

i „Ja, durchaus!" . .

„Sie behaupten, daß Sie keinerlei Haß gegen ihn ! gehegt haben?" , , „ , „„

> „Haß? Weshalb soll ich ihn gehaßt haben?

Deutsches Ncich.

Berlin, 1. Juni.

* Eine Abendsitzung hatte gestern Präsident v. Köller zur Bewältigung des noch zu erledigenden ArbeitSstoffer in Aussicht gestellt. DaS war nicht nöthig, denn dir Fraktionen hatten sich noch Dimstag Abend über bte Abstimmung geeinigt und so gelangten denn am Mitt- woch int Abgeordtteteuhause folgende Gesetzentwürfe zur Erledigung: Die Wahlgesetz-Novelle nach den Be- schlüssen der Herrenhauses, daS Gesetz, bett, die Auf­hebung der direkten Steuern gegen die Stimmen des CentrumS, der Polen und der Freisinnigen und für daS Gesetz, bett, die Verbesserung deS BolkSschulwesenS und deS DiensteinkommenS der Lehrer wurden 2 Millionen bewilligt. Schließlich wurde das Gesetz über die Rhei­nischen Pfandschaften und dar Grundvuchwesen ange­nommen. Nunmehr tritt eine längere PtrlamentS- Pause ein. DaSAbgeordnetenhaus wirb wahrschein­lich seine Tagung erst wieber mit ber beS neuen Reichs­tages aufnehmen. „

♦ Gegenüber dem v. Schorlemer'fchcn Wahl- Aufruf erhält der ,Westf. Merkur folgende Erklärung:

c$n dem von Herrn Dr. v. Schorlemer-Alst veröffentlichten Wahl-Aufruf, welcher von einer Anzahl westfälischer Landwitthe mitunterzeichuet ist, sind auch die Namen der Unterzeichntten mit aufgeführt. Wir erklären hierdurch auf das Bestimmteste, daß Keiner von uns diesen Wahl-Aufruf unterzeichnet hat, noch daß irgend Jemand von uns beauftragt worden ch, unsere Namen unter den Wahl - Aufruf zu bringen. Wir find allerdings der Einladung des Herrn v. Schorlemer zu einer v-o- ttaulichen Berathung im Hotel Moormann auf Morgens 9 Uhr gefolgt und haben während dieser Versammlung allerdings unsere Namen ohne iebe Verbindlichkeit in die Präsenzliste eingetragen. Nachdem nun um 11 Uhr in der Versammlung der Vertrauen«- männer der Centrumspartei Herr v. Schorlemer sich vom Ceu- trum quasi losgesagt, fühlten wir unS im Gewissen verpflichtet, Herrn o. Schorlemer auf diesem Wege nicht zu solgenund sind deshalb von der Versammlung, die derselbe auf 3 Uhr Nach­mittags zur Festsetzung eines Wahl-Auftufe- anberaumt hatte, fern aeblreben. Wir bedauern dieses Vorgehen des Herrn v. Schorlemer auf das Schmerzlichste und erklären öffentlich, daß wir demselben aus diesem Gebiete mcht folgen können. Wir er­blicken nach wie vor in der Centrums-Fraktion dieienige parlamentarifche Vertretung, welche bisher sür bte Interessen

„Er hatte Sie fortgejagt."

Rein .... Er hatte mir nur einfach mttgetheut, daß "ich meinen Posten als Fabrikschließerin nicht be­halten könne ... Er War zu dieser Maßregel berechtigt, und obgleich mir dieselbe unangenehm war, begriff ich, daß er ein Recht hatte, diese Entscheidung zu treffen.

„Sie nährten einen stillen Haß gegen Labrone, Wegen deS TodeS Ihres Gatten." .

Wte sollte ich Herrn Labrone bofe sein wegen einer UnglückSfalleS, für Welchen er keineswegs ver­antwortlich, war? ES wäre dies meinerseits Unsinn ge­wesen um so mehr, als Herr Labrone Alles gethan ha!, was er konnte, um mir zu helfen."

„Sie stellen in Abrede, die Fabrik angezündet zu läugne dies ebenso sehr, als daß ich Herrn Labrone ermordet haben soll."

■ „Beweisen Sie eS!"

Wie soll ich dieS thun?"

Indem Sie die B-rdachtSgründe widerlegen, welche : gegen Sie vorlegen und die doch ta ihrer Gefammtheit geradezu vernichlend sind. Sie haben zweimal Petro- i leum gekauft?"

Allerdings." __ , „ ,,

' Einen Theil davon haben Sie m Flaschen ge- ! füllt"?"

Auch wahr."

I Diese Flaschen hat man leer nn Hofe ber Fabrik