Samstag, bett 20. Mai 1893.
chisten verhaftet wegen Anfertigung von ExplofionS-
vorstehend genannten Herren mit ihren übrigen Fraktion^
angetreten hatten. Dank dem Entgegenkommen der Bahnverwaltung war für diese Fahrt einige Erleichterung gewährt worden im Anschluß an das Rundreise-
Zu welchen Zwecken der ,Orevdotonik' derartige Unwahrheiten verbreitet, ist wohl ersichtlich; nicht aber, weshalb für die Militärvorlage eintretende Blätter, wie z. B. die .Schlesische Zeitung', sie ihm nachdrucken." Nun, das ist wieder einmal trop de zele seitens der »Nordd. Allg. Ztg/ Was der.Orendownik' berichtet, ist wahr, es bezieht sich aber auf die Abstimmung m der Fraktions-Sitzung der Polen über die Militärvorlage l Im Reichstag stimmten die oben genannten Herren des Frakionszwanges wegen mtt 3 a!!
* Vor dem Berliner Landgericht I kam Mittwoch der Prozeß Paasch, welcher mehrmals behufs Heranziehung von Zeugen vertagt werden mußte, zur Erledigung. Paasch war bekanntlich wegen Beleidigung des Reichskanzlers, des Justizministers und mehrerer hoher Beamten des Auswärtigen Amtes verklagt; der ' Endtermin endigte mit der Verurtheilung des Ange- - klagten zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängniß. Paasch t wurde sofort in Haft behalten, nachdem der Antrag - seines Anwaltes Hertwig auf Haftentlassung abgelehnt worden war.
* Der Kaiser hat bestimmt, daß behufs Kenntlichmachung der im Feuergefecht unterlegene« Truppe« bei den Gefechtsübungen Flaggen eingeführt werden. Dasselbe hat für jede Kompagnie und Batterie zu bestehen aus einem gelben Rahmen mit schwarzem Kreuz, welcher an einer Stange in ähnlicher Weise — jedoch nicht über Eck — zu befestigen ist, wie der Rahm« zum Zielmarkiren der Artillerie.
* Straßburg, 17. Mai. Son Seiten der Sozialisten sind folgende Kandidaturen aufgestellt worden: Straßburg-Stadt Bebel, Straßburg-Land Schneidermeister Spingler, Metz Liebknecht, Mülhausen Bueb; außerdem wurden für Thann, Gebweiler, RappoltS- weiler, Molsheim, Hagenau und Saargemünd Kandidaturen empfohlen.
Ausland.
* Paris, 16. Mai. Heute Vormittag wurden in LevalloiS, Perret und Courbevoie bei Paris 5 An ar-
Endlich enttarnt!
Roman von R. von Wollersheim.
(19. Fortsetzung.)
Die Kunde von den Ereignissen der letzten Nacht hatte sich rasch überall hin verbreitet
Bald wußte man üb-rall von dem Brande der Fabrik, dem Verschwinden Johanna Portier'-, dem schrecklichen Schicksale des unglücklichen Besitzers der Fabrik, sowie endlich von dem heroischen Ende, welches Jakob Gararid als Opfer seines MutheS gefunden hatte. All' diese Ereignisse bildeten natürlich am folgenden Tage daS Gespräch aller umliegenden Dörfer.
Frau Francois, die Krämerin von Maisons-Alfort, zu deren Kunden auch Johanna gezählt hatte, erzählte Jedem, der es hören wollte, wie Johanna, die Fabrik- schließerin, bei ihr daS Petroleum gekauft habe, mit welchem jedenfalls die Fabrik in Brand gesteckt worden sei.
Eine Frau von Alfortville, der sie ebenfalls dies Alles erzählt hatte, sagte zu ihr:
„Wissen Sie es noch nicht?"
„Und was denn?"
„Der Staatsanwalt ist soeben auf dem Schauplatze deS Verbrechens angelangt."
„Und weiter?"
„Nun, Sie sollten hingehen und auch Ihre Aussagen machen, denn dieselben sind von der größten Bedeutung."
* Für oder gegeu die MMärvorlage bejw. den Antrag Huene!
Das sind die beiden Wahlparolen, welche im Vordergründe stehen müssen. Und beide Parolen haben ihren tieferen Hintergrund! Die Parole: „Gegen Vorlage und Hueneschen Antrag!" hat den Sinn: eS muß endlich und gründlich Halt geboten werden gegenüber den unaufhörlichen, furchtbaren Steigerungen der persönlichen und finanziellen Militärlasten. Die Parole: „Für Vorlage und Antrag Huene!" eröffnet den Weg zu noch ärgeren Steigerungen, ist direkt der erste Schritt auf die schiefe Ebene zur höchsten Ausbildung de» Militarismus!
Man vergesse nicht, daß uns die Regierungen offen gesagt haben, das Ziel sei die volle Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht. Und man vergesse nicht, daß in zahlreichen Reden bei den Debatten gesagt worden ist, wir müßten unS so stark machen, als wir nur irgend könnten. Nun aber fordert die Regier- ung jetzt — nur 60,000 Rekruten jährlich mehr (Antrag Huene 53,500), und wir haben angeblich — so behauptete wenigstens der Kciegsminister am 3. Mai auf Grund der beim diesjährigen Ersatzgeschäft ange- wendeten neuen (!) Bestimmungen und der damit gemachten Erfahrungen — über 200,000 jährlich mehr einstellungsfähige Leute! Nicht einmal ein Drittel wird jetzt gefordert, aber dar Andere — kommt noch, muß nach den proklamirten Grundsätzen kommen, wenn erst der Weg durch den jetzigen Schritt gebahnt ist. Man fleht also, was noch möglich ist, und was demnach die Regierung und ihr Kartellanhang nach ihren Grundsätzen allmählich fordern müssen. Für und gegen die Anträge Cap rivi-Hneue muß also die klare Wahlparole bleiben, wer als Wähler darauf nicht hält, hat sich nicht zu beklagen, wenn bald noch neue furchtbare Steigerungen der Präsenzziffern in Sicht kommen und zur Geldbeschaffung dafür — Monopole, da eS andere Mitte! für solche ungeheuere Summen nicht gibt! Auf dieses Für und Gegen muß also bei der Wahl das größte Gewicht gelegt werden. — Es ist selbstverständlich, daß die Wähler dem Abgeordneten kein sogenanntes impera- tives Mandat mitgeben, und ihn auf nicht eine bestimmte Ziffer verpflichten. Aber der allgemeine Standpunkt muß gewahrt werden, und der ist in diesem Falle klar genug umschrieben. Und die Abgeordneten würden daS Gegentheil von Ehrenmännern sein, wenn sie zur Entscheidung über eine greifbare Sache gewählt, ohne Weiteres die Erwartung verleugnen wollten, welche sie in ihren Wählern erregt haben. Und darum finden wir es sehr erklärlich und höchst achtungSwerth, wenn bisherige Abgeordnete nicht mehr kaudidiren, welche sich auf einen festen Standpunkt nicht verpflichten wollen. So hat im Wahlkreise Kronach-Lichtenfels der Frhr. von Gagern (Cm- trum) keine Kandidatur angenommen, da er sich be-
«o- ^glich, Sonn» und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen enttvrecbender Rabatt
Biertchahrlicher Abonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fuld/und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
_______________ 20. Jahrgang
Md aerM Zeitung
züglich der dem neuen Reichstage vorzulegmden Militärvorlage in keiner Weise binden wollte. So ungern wir auf die Mitarbeit bisher erprobter wackerer Centrumsleute verzichten, so können wir ihr Ausscheiden zwar bedauern, aber nur billigen. Neue Zeiten und neue Lagen erfordern bisweilen auch neue Männer. DaS Volk verlangt Schutz gegen den erdrückenden Militarismus. Wenn es den Schutz nicht bei uns findet, wird es ihn anderswo suchen. Und wir würden es als ein Unglück für das Gentrum nicht nur, sondern für Monarchie und Vaterland betrachten müssm, wenn das Centrum sich nicht fest erwiese. Vielleicht schon nach den Wahlen vom 15. Juni wird man erkennen, daß die einsichtsvollen Freunds von Kaiser und Reich nicht auf den Bänken der Jasage- Parteien sitzen.
Deutsches Neich.
Berlin, 18. Mai.
* Der Umstand, daß der Wahlaufruf des Centrums bis jetzt noch nicht veröffentlicht worben ist, hat in der gegnerischen Presse mehrfach zu der Ber- dächrigung Anlaß gegeben, daß über die Abfassung des Wahlaufrufs, namentlich hinsichtlich der Militärfrage, im Centrum Uneinigkeit herrsche. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Der wichtigste Theil des Wahlaufrufs, welcher die Militärfrage betrifft, ist selbst im Einzelnen in den Fraktionssitzungen der CentrumS vom 5. und 6. Mai berathen und enbgiltig festgestellt, ber ganze Wortlaut am 7. Mai rebigirt unb festgesetzt. Am 6. Mai waren aber bie Abgg. Graf Ballstrem. Frhr. v. Huene unb Dr. Porsch wegen bes PassuS beS Wahlaufrufs, welcher bie Militärvorlage behandelt, aus beut Vorstände der Fraktion ausgeschieden und am 7. Mai waren bereits einige Vorstandsmitglieder von Berlin abgereist, so daß deren Unterschriften erst brieflich eingeholt werden mußten. Daraus erklärt sich die Ber- zözerung in der Veröffentlichung de^ Wahlaufrufs des Centrums, die wohl auch in der Centrumspartei bedauert wird, aber den Verdächtigungen der gegnerischen
genossen für den Antrag Huene gestimmt, und hat von den Polen nur der Abg. Dr. v. DziembowSki, weil krank, bei der Abstimmung gefehlt, dieser aber erklärt, daß er für den Antrag gestimmt haben würde.
„Aber wer soll inzwischen meinen Laden verwahren?"
„O, ich will's thun, wenn's Ihnen recht ist; übrigens muß man sich auch schon etwas gefallen lassen, wenn eS sich darum handelt, solche Schurkereien zu bestrafen."
„Wenn man meiner bedarf, so wird man mich schon finden!"
Die Frau verließ hierauf dm Laden.
Es war die Frau eines Mechanikers, der mit bei den Ersten gewesen war, die auf der Brandstelle zur Hilfeleistung erschienen waren.
Sie wollte Alles, war sie selbst erfahren hatte, ihrem Gatten erzählen, damit er es hinwiederum dem Staatsanwalt mittheile.
Letzterer hatte alsbald nachdem er die Mittheilung des Kommissars erhalten hatte, die nöthigen Anordnungen getroffen und hatte sich alsdann sogleich in Begleitung einer Untersuchungsrichters, des Chefs der Sicherheitspolizei, eines Arztes und zweier Agenten nach Alfortville begeben.
Bei seinem Eintreffen hatte der Kommissar ihm kurz den Sachverhalt, soweit er ihn bereits ermittelt hatte, berichtet.
Der Kassirer, der Büreaudimer, der Kutscher sowie einige Arbeiter waren verhört worben.
AuS biesem vorläufigen Verhör hatte sich, wenn nicht ber völlige Beweis, so doch die hohe Wahrschein-
und von Wolsz'egier gegen den Antrag Huene gestimmt, während sich die Abgg. von Moszczewski und Dr. Rzcepnikowski der Abstimmung enthalten und „ „ . . ,
der Abg. vonRoScycki gefehlt hätte. Ausweislich des bittet von Chiaffo bezw. von Ala aus. Die betreffende stenographischen Berichtes haben die sämmtlichen Fahrkarte zu ermäßigtem Preise mit längerer Giltig- - --------*— Ä----------»‘J-- ~ -y kett lautete bis Balle di Pompeji, ein Gnadenort,
Blätter keine Grundlage bietet. i, , , _ . _ ...
* Zur Haltung der Poleu gegenüber der i körpern. Die Polizei fand bei den Verhafteten 3 ge« Militärvorlage enthält bie ,Nordd. Allg. Zeitung' . labene Bomben.
FolgenbeS: „Der Orenbownik verbreitet bie unwahre \ * Rom, 13. Mai, Gestern ist eine größere An-
Angabe, von ben Polen hätten bie Abgeordneten von \ zahl Pilger nach Neapel gereift, damit dem Bei- JazdzewSki, von Kalkstein, von Polc.chnski, von SlaSki spiele Anderer folgend, welche diese Fahrt schon früher
etwa eine Viertelstunde von dem alten Pompeji entfernt. Die Kirche, bereit Kuppel man weithin in ber i Ebene südlich des Vesuv sieht, besitzt ein viel verehrtes Marienbild. — Die Pilger, die heute Mittag in lichkett ergeben, daß Johanna Portier die einzige Schuldige sei.
Die Thatsachen, welche gegen sie vorgebracht wurden, machten ihre Schuld so zu sagen unbestreitbar, unb ihre Flucht konnte biesen Verbucht nur noch bestärken.
Der Kassirer hatte sich, nachdem er von beut Staatsanwalt verhört worben war, in aller Eile nach Cha- renton begeben, wo er ein Telegramm an Frau Bersin, bie Schwester Labrone'S, aufgab.
Hierauf war er dann nach Hause gegangen, hatte hier seine Kleider gewechselt und war Wetter ohne Verzug nach Alfortville zurückgekehrt, wo nach Angabe ber Gerichtsbeamten seine Anwesenheit erforderlich war.
Der Kassirer war ein etwa» eigenthümlicher, mißtrauisch angelegter Mensch, mit dem so recht Niemand gern verkehren mochte, so daß er schließlich auch ganz allein du stand und so zu sagen Jedermann haßte. Insbesondere flößte ihm die arme Schlteßerm eme ganz besondere Abneigung ei«.
Seine Aussagen konnten demnach für Johanna mm ungünstig sein, obwohl er sie freilich nach beste« Wissen machte. Sobald er wieder bet der Fabrik em- getroffen War, stellte er sich dem Untersuchungsrichter Wieder zur Verfügung. Derselbe sagte zu ihm:
„Ich werbe sogleich eine Reihe von Fragen an Sie richten"
Dann wanbte er sich zu einem ber umstehende« Polizeiagenten und frug: