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Beilage zu NrMtvS der „Fuldaer Zeitung".

Milch entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(14. Fortsetzung.)

Frau Portier schauderte leise zusarnrn«; — je näher sie Jakob heraukommeu sch, desto mehr zog sich ihr Herz krampfhaft zusammen, und ihre Kviee schlot­terten.

Langsam kam Jakob näher, auch er schien schr er­regt und unrchig zu sein.

AlS sie sich gegenüber standen, schm sie einander an, ohne em Wort zu sagen — offenbar war der Tine in «och größerer Berlegmheit als die Andere.

Johanna brach «blich das Schweigm, um über­haupt irgend etwas zu sagm.

„Sie bringm mir da die Arbeiterlistm?" begann fie mit zitternder Stimme.

Zngleich streckte Sie die Hand aus.

„3a,M gab Jakob zur Antwort, „hier smd fie, auch noch etwas Anderes ist dabei!"

„Ein Bries!" sagte Johanna verwundert.

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„Für wen?"

„Für Sie!"

15.

„Für mich!" frug Johanna, bereit Erstaunen immer größer wurde. „Weshalb schreibm Sie mir, da Sie ja mit mir spreche» können?"

„Manches kann man leichter schreiben, als sagm," erwiderte Jakob.

„Wiffm Sie, daß Sie mir mit Ihren ewigen Ge­heimnissen Furcht machen?"

„Nehmen Sie biefen Brief, Johanna, ttnb lesen Sie iHv, wenn ich fort bin. Lesm Sie ihn schnell tmb über­legen Sie noch schneller. Sie haben Ihr Glück, baS Glück Ihrer Kinber tmb das Meinige in Ihren Händen."

„Sagm Sie mir wenigstens, weshalb . . .*

„Kein/ fiel ihr Jakob heftig in'S Wort, „ich kann Ihnen nichts sagm oder erklären. Lesen Sie!"

Darnit war er bereits verschwunden.

„Er wird noch wahnsinnig!" meinte Johanna bei stch, während sie ihm gedankmvoll nachsah, „wirklich, er ist nicht mehr recht bei Tröste."

„WaS mag er nur mit dem Briefe wollen?" frag sie sich bann, in ihre Loge eintretenb und ben Brief von allen ©eiten besehmb. „Ich weiß nicht, weshalb ich so unruhig bin, er ahnt mir, als ob irgenb etwas Schreckliches nahe bevorstände? Es ist mir, als ob dieser Brief die Nachricht irgend eines Unglücks ent­hielte — nein, ich will ihn nicht lesm, ich will nicht wiffen, was er enthält. "

Schon war sie an einen kleinen Ofm herangetreten, welcher in einer Ecke des Zimmers stand, um ben Brief hineinzuwerfen, als sie sich tvieber eines Anberen besann.

„Weshalb soll ich ihn nicht lesen?" buchte sie bei sich. „Vielleicht verhüte ich irgenb ein Unglück, wenn ich chn lese." Heftig mtfaltete fie also ben unver­siegelten Brief unb las mit fieberhafter Schnelligkeit bie folgenden Worte:

„Meine geliebte Johanna!

Gestern habe-ich Jhum eine baldige glückliche Zu­kunft für Sie selbst unb für Ihre Kinder in Aussicht gestellt — heute kann ich Ihnen dieselbe in positiver Weise, unb zwar hier sogleich versprech«.

Morgen werbe ich reich sein, ober wenigstens bie Mittel zu einem großen Glücke werben sich in meinen Händen befinden. Ich werde morgen im Besitze einer Erfindung sein, welche überreichlichm, unermeßlichen Gewinn bringt, und außerdem werde ich zweitausend Franken besitzen, um diese Erfindung auSzubeutm.

Keine falsche Scham, Johanna! Devkm Sie an Ihre Kinder, welche die Meinigm sein werdm — dieser Gedanke wird Jhnm Muth verleihm.

Heute Abmd gegen 11 Uhr werde ich Sie sammt dem kleinen Georg an der Brücke von Charenton er­warten, von dort aus werde ich Sie an einen sicheren Zufluchtsort führen, morgen werden wir uns dann weiter in’8 Ausland begeben, wo wir reich und glück­lich sein werden.

Weshalb sollen Sie Bedenken tragen, ein HauS zu verlassen, auS welchem man Sie verjagt? Komm« Sie zu demjenigen, der Sie liebt unb Sie nie verlassen wirb.

. „®enn Sie nicht erscheinen, Johanna, so weiß ich Ulcht, zu welch' äußerstem Schritte mich bie Verzweif­lung treiben würbe.

Aber Sie toerben kommen, Johanna, ich weiß es .

7- September 18 . . . Jakob Garayb.

„Was mag bies Alles nur zu bebrüten haben?" murmelte Johanna auf's Höchste erstaunt vor sich hin, nachdem sie ben Brief zu Ende gelesen hatte. „Jakob ist wahnsinnig, ich sagte es ja! Er hält seine Träume» ^ren Jftr Wirklichkeiten! WaS mag er nur mit biefer Erfindung wollen, bie nach seiner Angabe so übergroßm Gewinn bringen soll? Woher soll er bie zweitausend

Sonntag, den 14. Mai 1893.

Franken bekomm«? Er erwartet mich hmte an der Brücke von Charenton — lieber sollte er in's Irren­haus gehen, dort wäre er an seinem richtig« Platze. Aber vielleicht ist da- Ganze nur eine Falle, die er mir stellt. Er weiß, daß ich bald auf der Straße steh« werde und glaubt nun, die Roth und die Aus­sicht auf Geld würde mich« seine Arme treib«! Wenn es wirklich eine Falle ist, dann ist fie nicht sehr schlau angelegt. JedmfallS werde ich nicht in dieselbe gehen — ich bin und bleibe eine ehrenhafte Frau. Weshalb erschreckte mich dieser Brief so sehr — er ist ja doch nur werth, daß ich chn mit Verachtung von mir werfe!"

Damit zerknitterte sie das Papier unb war es in baS Zimmer hinein, wo eS in eine Ecke rollte.

Der kleine Gmrg hatte inzwifch« bageftanben und die Handbewegung feiner Mutter, natürlich ohne fie zu begreifen, beobachtet. Ebenso hatte er wahrgenom­men, wie das kleine Kügelchen Papier in eine Ecke ge­rollt war.

Die Nacht war angebroch«.

„Ich will meine Laterne anzünden," sagte Jichanna, indem sie eine Kerze von einer Kommode nahm. Dann setzte sie hinzu:

„Bor all« Ding« rühre daS Licht nicht an, Georg!" „Rein, nein," antwortete der Kleine.

Sobald das Kind sich allein befand, hob eS das Papier, welches feine Mutter weggeworfen hatte, vom Boden auf und steckte eS in d« Bauch des Pferdes.

Johanna hatte inzwischen ihre ßaterne angezündet. Draußen war eS düster, die Atmosphäre drückend und von Zeit durchzuckten geräuschlos einige Blitzstreisen dm tiefschwarz« Himmel.

„Georg," sagte Johanna, „eS wird ein Gewitter geben. Esten wir also rasch zu Nacht und dann gehst Du zu Bette."

„Wemi'S aber draußen Summ! Burma! thut," meinte der Kleine in feiner Einfalt, dann darf ich wieder zu Dir kommen, nicht wahr?"

„Gewiß!

Beide nahmm alsdann rasch ihr bescheidenes Abend­esten ein und der kleine Georg ruhte geg« halb zehn Uhr, umgeben von seinen Spielsachen, welche er stets mitzunehmen pflegte, in feinem Bettch«.

Frau Portier hatte die Gewohnheit, vor dem Schlafmgehen zwischm 10 und halb 11 Uhr noch eine kleine Runde zu halten.

ES war noch etwa eine Stunde bis zu diesem Zeit» punkte; während sie noch einige Hausarbeiten besorgte, war dar Gewitter immer näher gekommen und war seinem vollständigen Ausbruche nahe.

Rascher und häufiger durchzuckten grelle Blitze die Luft, während in rascher Folge dumpf der Donner grollte-

Bald erhob sich auch ein toiitijenber Sturm unb peitschte b« strömenden Regen mit Macht geg« bie Manern ber Fabrik.

Inzwischen dachte Johanna, fast wider Willen, fort» während an Jakob.

Je mehr sie sich die ganze Angelegenheit überlegte, desto mehr befestigte sich in chr die Ueberzmgung, daß Jakob eine gehässige Rolle spiele und daß er sie in eine Falle locken wolle.

Ein dumpfer Zo« bemächtigte sich ihrer.

Elf Uhr schlug eS in diesem Augenblicke.

Sie erhob sich und wollte aus ihrer Loge heraus» treten, um d« gewohnten Rundgang zu beginnen.

In dem Augenblicke, wo sie die Thür öffnete, krachte ein gewaltiger Donnerschlag ganz in der Nähe der Fabrik, und zugleich löschte ein heftiger Windstoß ihr dcltz Licht, welcher sie in der Hand hielt, auS.

„Bei einem solchen Unwetter darf ich mich nicht herauSwagm", murmelte sie, „eS würde mein Tod sein."

Damit kehlte sie um und schloß die Thüre wieder zu. Ein zweiter Donnerschlag, noch heftiger wie der erste, krachte jetzt und schien dar ganze HauS zu er­schüttern.

„Mama, Mama," rief der kleine Georg, mit vor Furcht zitternder Stimme, „ich fürchte mich."

Johanna begab sich eiligst zu dem kleinm, welcher fein Bettch« bereits verlassen hatte.

Fast zu Tode erschrockm eilte daS Kind in die Arme seiner Mutter und schim sich gar nicht be­ruhig« zu lastm, denn draußen wüthete daS Unwetter mit verdoppelter Heftigkeit.

„Kleide mich an", bat der Kleine."

Johanna kleidete ihn an in der Hoffnung ihn da­durch zu beruhigm.

Nach und nach wurden inzwischen die Donner­schläge seltener, und daS Gewitter schien sich zu verzieh«, obgleich der Wind noch immer heulte und der Reg« in Strömen fortwährend Hemieder» prasselte.

„Spiele etwas", sagte Johanna zu dem Klein«, der sich inzwischen etwas beruhigt hatte.

In der That schim er jetzt gänzlich beruhigt zu sein und spielte seelenvergnügt mit feinem Spiüzeug.

Der Regen floß nnterdeß, wie bereits bemerkt, noch immer in Ström«.

Vermischtes.

♦ (Ein Aluminiumschiff.) DaS erst« Aluminiuwschiff wird in Frankreich gebaut werden. Ein eifriger Freund deS Segel­sports, ber Franzose le Comte de Chabannes La Paliee, hat die „Socitts beS Chantiers be la Loire" mit bem Bau einer zehn TonS-Uacht beauftragt, zu ber er bie nöthigen Zeichnungen selbst anfertigte. Wenn bie Yacht, wie die meisten Fahrzeuge ihrer Klaffe, auS Stahlspanten mit Holzbekleidung gebaut wirb, so würbe der Rumpf ein Gewicht von 4500 kg. aufweisen, wäh­rend bie Anwendung von Aluminium dasselbe auf fast die Hälfte, nämlich 2500 kg. rebucirt. Nach ber Fertigstellung des Fahr­zeuges, welche man im Monat Juli erwartet, werben Probe­fahrten veranstaltet werden, zu welchen ber Auftraggeber, ber Graf ChabanneS, Vertreter der größten und bekanntesten Seglet* vereine des europäischen ContinentS, besonders ber engl. unb deutschen, einladen und als Gäste für mehrere Wochen bei sich aufnehmen will; auch Vertreter der französischen Marinebehörden werden zu den Probefahrten eingeladen werden, und man wird auf den Verlauf derselben sehr gespannt sein dürfen.

(Ortssinn ber Störche.) Der ,Königb. Allg. Ztg/ wird auS dem benachbarten Dorfe Steinbeck berichtet: Im vergangenen Spätherbste, als bie Störche bereits abgezogen waren, würbe bas Dach einer Scheune reparirt, unb dabei mußte das Storch­nest nach dem andern Ende der Scheune verlegt werden, wo eS auch blieb. Als in diesem Frühjahre die Besitzer des Nestes wiederkehrten, erkannten sie sofort bie Veränderung. Drei Tage lang besah das Storchpärchen das Nest von allen Seiten, bestieg dasselbe und hielt lange Berathschlagungen; allein da die Wohnung nicht an der richtigen Stelle stand, konnte sie nicht bezogen werden. Schon wollte der Besitzer den Störchen zu Hilfe kommen und bas Nest nach bem andern Dachende zurückverlegen, als man mit Staunen gewahrte, daß diese Arbeit das Storchpärchen bereits selbst unternahm. Bon früh bis spät arbeitete es an bet Zurückverlegung, im Laufschritt ging es auf der Spitze deS Daches dahm, schlechte „Bauhölzer" wurden befestigt und durch neue ersetzt, und am vierten Bautage war die Arbest gethan und die Wohnung bezogen.

* Eine Portion Wien-Berlin, aber ordentlich burchge- braten." Diese mysteriöse Bestellung richtete ein Mann an den Kellner eines SpeisehanseS in Berlin, und der Kellner nickte huldreich und sicherte prompte Bedienung zu. — „Sie, Kell­ner," rief ein zweiter Gast, „mir auch so ’ne Portion Distanz­ritt." — „Mit Zwiebeln?,, — „Ja, etwas Zwiebeln kön­nen sie beithun, ober nur leicht geröstet." — „Wat meenen Se," wendet sich ein Dritter an den dienstfertigen Gareon, „zu dem Kater, den ick mitjebracht habe, könnte so ’n Happen Mazeppa mit ordentlich Paprika mang nischt schaden?" — „Sehr zu empfehlen, mein Herr. Ich wüßte nicht, was besser wäre." — „Na, dhut man nich so wie Schändelmänner," meint ein Mann im Arbeiterkittel, „die dumme Vornehmdhuerei kann ick for 'n Tob nich ausstehen. Mich jeden Se man eenfach ’ne Portion Hoitehüh." Tie Szene spielte, wie zum Ueberfluß noch bemerkt sein mag, in einem Roßfleisch-Speifeh aus. Die „Schändelmän­ner," die bie Speisekarte mit Reminiszenzen aus dem großen Distanzritt schmückten, warfen bem Hottehüh Mann einen ver­ächtlichen Blick zu, ber sich dadurch aber nicht hindern ließ, seinen Braten ebenso gut zu finden, wie die Andern ihr „Wien-Berlin", den „Distanzritt" und den „Mazeppa mit Paprika."

* Die Gigerl-Cigarrenspitze ist jetzt der neueste Schmuck der Mitglieder des Pistolenklubs, der bekanntlich in seinen Statuten die Bestimmung hat, daß jedes Mitglied, das einen Sümmern als sich selbst trifft, sich sofort erschießen muß. Bis jetzt soll aber der Fall nicht vorgekommen sein. Die Spitze, welche von ben unfreiwilligen Spaßvögeln, welche unsere Straßen „unsicher" machen, erfunden wurde, erinnert in ihren Dimen­sionen lebhaft an bie modernen „Renommir-Knüppel" und er­öffnet den glücklichen Besitzern alter Brunnenrohre bie lohnende Perspektive, dieselben zu hohen Preisen an den Mann zu bringen. Denn die „Spitze" ist etwa von Armesdicke und ’/• Meter lang.

(Radikal.) Ein Berliner, der sehr von Hühneraugen geplagt wurde, sand in einem Blatte die Ankündigung eines Heilmittels gegen dieses Nebel. Man möge sich gegen Einsendung von 1,50 Mk. in Postmarken unter A X poste restante nach Gens wenden. Er beschloß, dort sein Hell zu versuchen, und schickte den Bettag ein. Nach mehreren Tagen bekam er folgende Antwort:

„Sind Ihre Hühneraugen groß. So daß vor Schmerz Sie schwitzen, So sägen Sie bie Zehen los. An benen solche sitzen.

Ich empfehle Ihnen hierzu meine Knochensäge im Preise von zehn bis breißig Mark. Dr. A."

Literarisches.

Besachungen des allerheiligsten Altarssakramentes und der hl. Gottesmutter Maria vom hl. Alfons M. v. Signori. 192 S. 16«. Preis gebt), in Kaliko mit Rothschn. 50 Psg. Verlag der Bonifatius-Druckerei in Paderborn. Zu be­ziehen durch alle Buchhandlungen.

Vorliegendes bietet uns eine neue Ausgabe der rühmlichst bekannten „Besuchungen des hl. AlfonS" dar. Ein besonderer Vorzug dieser Ausgabe besteht darin, daß an jede einzelne Be- suchung des allerheiligsten Altarssakramentes eine entsprechende Begrüßung ber allerseligsten Jungfrau an geschlossen ist; außer­dem enthält es «bie gewöhnlichsten Andachten und Litaneien, so daß eS dem Verehrer des hl. Sakramentes jegliches andere An- dachtsbüchlein überflüssig macht. DaS Büchlein, nach Inhalt und Form würdig ausgestattet, wird, zumal bei dem billigen Preise, sicher allen Besuchern des hl. Altarssattamentes ein Liebling werden.

Zum Versand liegt bereit bei der Pa nlinuS-D rackeret in Trier: „Das prakttsche Orgelspiel und die Behandlung der Orgel." Wegweiser für den katholischen Organisten von H. Pauli, Domorganist zu Ttter. 35 S. Oktav. Preis 50 Psg.

Ein durchaus prokttsches Büchlein, daS seine Entstehung bem im vorigen Jahre in Trier gehaltenen kirchenmusikalischen Kursus verdankt. Der ganze Gang der Vorbildung des Organisten und seine Weiterentwicklung werden kurz, aber deutlich behandelt, und bem Chorregenten und Sänger werden zahlreiche prakttsche Winke gegeben. Sehr nützlich ist der zweite Theil, der den Bau und die Instandhaltung der Orgel bespricht, auch für die Aus­wahl des Bausnstems fchätzenSwerthes Material an die Hand gibt. Das Büchlein ist so recht für den praktischen Kirchenmusiker geschrieben unb ersetzt manches bei Weitem kostspieligere Werk.