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gehören.
Wenn bei der Wiesereinbringung der neuen Börsen- stever-Borlage im künftigen Reichstage die liberalen Abgeordneten gegen dieselbe sprechen, so ist das naturgemäß. Wenn aber eine Partei, welche sich den Massen als die erste Stürmerin gegen die Uebermacht des Großkapitals hinstellt, gegen diese Steuer ist, welche dem Großkapitale etwa- die Fittige beschneidet, so ist das unerklärlich. Abg. Singer hat im Namen der sozialdemokratischen Partei erklärt, daß diese gegen die Börsenstmer stimmen werde. Die Börse ist nach tijm ein Einrichtung des heutigen BourgeoiSstaates und stehe nnd falle mit ihm, ergo lasse man der Börse ihre Zerstörungsfreiheit. Mit anderen Worten heißt das: Wir wollen der Börse nichts, weil wir sie in ihrer Arbeit, die sie für unS besorgt, nicht stören wollen. Dann ist eben auch daS ganze sozialistische Programm ein großer Schwindel. Wozu dann über- Haupt Forderungen auf Grund der heutigen Gesell-
gressiven Einkommensteuer? Sind nicht die Steuern die ureigenste Einrichtung des Bourgeoisstaates? Trotzdem ist die progressive Steuer ein Programwpunkt der
wenn man bedenkt, welche Abgaben der Bauer zu zahlen hat, toenn er ein Grundstück kauft (in Baiern 2 pCt.!), und welche Summen als müheloser Gewinn hn Börsengeschäft eingesteckt werden — im Prozeß Polle kon- statirte der Bücherrevisor Bierstaedt, daß Polke'S Bücher für ein Jahr 389,000 Mark Reingewinn auSwiefen — wurde s. Z. von der liberalen Presie und den Börsenmännern als Vernichtung alles Handels und Wandels angeschwärzt. Die Einnahmen aus der Börsenstempelabgabe, folglich auch die Börsengeschäfte, haben sich seit ihrer Erfchließung im Jahre 1881 verfünffacht. Auf das Wehegeschrei dieser Leute darf man alfo nicht gehen.
Der dem Reichstage vorgelegte Börsensteuer Entwurf verdoppelt die bisherige Abgabe. Für uns lst das Sefetz weit wichtiger wegen seiner sozialer Be- dmtung denn als neue Einnahmequelle. SS ist ent soziales Schutzgesetz wie jeder andere, und wir hätten nur bett Wunsch, es wäre eine dreimal so hohe Belastung beantragt. Es würden alsdann viele von der Spielwuth, die jährlich tausende Existenzen vernichtet, abgehalten. Bedauerlich ist, daß man nicht, wie in Frankreich, auf fremde Anlechen einen höheren Emissions- stempel legen will.
Hätten wir diefe Abgabe, so würden wir besser gegen die großen Ausraubungen durch exottsche Werthe geschützt sein. Abg. Gam hat den richtigen Gedanken ausgesprochen, man möge die einheimischen Staats- Papiere steuerfrei taffen; die französische Rente verdankt ihrer Freilassung von der Abgabe ihren hohen Kurs.
Jedenfalls ist mit einer berattig niebtigen Börsensteuer unser Kampf gegen bie Auswüchse ber Börse noch nicht zu Enbe. DaS Differenzgeschäst in Lebens- Mitteln und das Depositenwesen stnd Dinge, beten Regelung zu den wichtigsten Aüfgcwen der Sozialpolitik
GH. Die Körsensterur vom sozialen Standpunkte.
Lassalle hat die Börse als „bie reinste Erscheinung der AusbeutungSprozesses ber heutigen Zeit" bezeichnet. Mr unsere liberalen Wirthschastspolitiker ist bagegen bie Börse nichts anderer als bet großartige, unentbehrliche Centralpunkt, in bem aller Geschäftsverkehr zu- fommeufließt tmb von bem alle segensreichen Unternehmungen ihren AuSgong nehmen. Die Auswüchse ber Börse sink) für diese Art Politiker nicht vorhanden, ober doch nur eine unvermeidliche Erscheinung. Der konservattve Polittker dagegen läßt ber Börse, was ber Börse ist; er Übersicht aber nicht, baß ihre Auswüchse so großen sozialen Schaben anrichten, baß beten gesetzliche Bekämpfung für uuS eine ber ersten Aufgaben sein muß, wenn wir den sozialen GesundungSprozeß ernstlich durchführen wollen. Es genügt der Hinweis auf die unbestreitbare Thatsache, daß daS börsenmäßige Differenzgeschäst in Lebensmitteln fast alles vertheuert, was wir genießen. Um die Schäden, welche die Börse anrichtet, zu illustrireu, dürfen wir nur an die Erfahr- nngen des Jahres 1892 erinnern, an die Prozesse Polke, Lövy ic., die betrügerischen Manipulationen der Wannten verkrachten Berliner Bankgeschäfte; viele kleinen Leute habm dort ihre schwer erworbenen Spargroschen verlorm und sind heute Angehörige der großen Armee der gänzlich Mittellosen, ber auS bem Mittelstände in'S Proletariat hinuntergestoßenen Existenzen. Welche Unsummen habm wir in Deutschland in ben letzten 5 Jahren durch exotische Werthe verloren! Die großen Bankgeschäfte gewinnen Millionm bei diesen Emissionstransaktionen; die neu eingeführtm Werthe gehen eine Zeit lang in die Höhe, die Haute Finange macht KurStreiberei und empfichlt sie dem Privatkapital als beste und sicherste Anlage, „Publikus" kaust, die Werthe sind „abgeladm", die Börse hat ihre Millionm eingesteckt und überläßt das angelockte Publikum seinem Schicksale. Wer nimmt sich heute Um die Besitzer von portugiesischm und argentinischm Werthm an? Bon 1886 bis 1890 sind 610 Millionen Mark portugiesische Papiere emittirt worden; gut die Hälfte hat der deutsche Martt, aber nicht die Haute Finange, sondern daS Sparpublikum aufgmommm. An diesm Werthm find durchaus übet 50 pCt.,ja sogar 70 und 80 pCt. ver- toten worden. (Die Eisenbahn-Obligationen 1889: EmissionSpteiS 94, jetziger Kurs 32, Verlust 62; 3 pCt. EmissionSpteiS 86, hmtiger KutS 22, Verlust 64 ic.) Es ist berechnet wordm, daß durch die Ent- werthung von portugiesischm und argkdtinischen Papietm in Deutschland nahezu * 1h Milliarde Mark eingebüßt nntrbe. Wer bat bieseS Gelb verlorm? Nut mittlere
Kapitalistm.
Im Iahte 1881 hat man bie Börse durch eine
Reichsfiempel-Abgabe für Werthpapiere, Schlußuotm ,—r- u-------» - —. - .. •
ic. von Vio resp. 2/10 vom Tausend belastet, welche schaftSordnung stellen, z. B. die Forderung bet pro- Steuer von Jahr zu Jahr höhere Beträge liefert unb — ------9 ««m™
für bas EtatSjahr 1889/90 34 Millionen Mark er- geben hat. Diese Abgabe, welche lächerlich gering ist,
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(13. Fortfetzung.)
Johanna ordnete inzwischen bald hier bald dort irgmd einen Gegenstand.
Plötzlich kam ihr ein Gedanke.
„Ah!" murmelte sie vor sich hin, „ich brauche dieses verwünschte Petroleum nicht in der Kanne zu lassen, welche ber Fabrik gehört. Ich will es in einige Flaschen füllen, welche ich mitnehmm kann, wenn ich fortgehe. AlSbann kann ich eS für mich brauchm."
Sie verließ fogleich ihre Loge und begab sich in ben an dieselbe stoßenden kleinen Verschlag.
Hier stand der Pettolmmbehälter auf einem Brette an bet Wand neben mehreren leeren Flaschen. Johanna langte Alles herab unb stellte die Flaschm auf die Erde neben ben Behälter.
Als sie eben bie erste Flasche voll gefüllt hatte, klingelte es draußen am Thor.
Sie ging öffnen — es war ber K fffiter.
14.
Ricoux trat ein, schloß baS Thor hinter sich unb ging an Johanna vorbei, welche ihn kurz grüßte, worauf er ihren Gruß kurz erwiderte.
Anstatt indeß weiter zu geben, blieb et bem kleinen Verschlage gegenüber stehm unb sagte:
„Es riecht ja mieberum nach Petroleum!"
„Das ist gar nicht auffallenb," ertoiberte Johanna trocken, „ich fülle ben Inhalt beS Behälters in Flaschm. DaS Del ist mein Eigenthum, ich nehme c8 mit, wenn ich meine Stelle verlaffe unb brauche es später für mich. Ich kann bann thun, was ich will unb man braucht bann nicht mehr zu besorgen, daß ich bie Fabrik in Branb stecke."
„Man hat immer Ursache, ängstlich zu sein," murmelte Ricoux. „Schlechte Menschen gibt es immer, auch solche, bie Böse- mit Bösem vergelten."
Obwohl Johanna bie Worte beS Kassirets nicht entgangen warm, so erwiderte sie doch nichts, sondern begnügte sich damit, bie Achsel zu zucken.
In biesem Augenblicke kam Jakob herbei und ttat auf ben Sassirer zu.
Johanna würbe jetzt auf ben Werkmeister aufmerksam; sie bettachtete ihn genau unb glaubte wahrzunehmen, baß seine Gesichtszüge heute noch verstörter seien als gestern.
„Ich wollte Ihnen mittheilen," sagte er zu bem • Kasstrer, „daß bie Frau VincenzmS gestern Abend ge> ‘ storbm ist."
„Oh! Der arme Schelm hatte also richttg geahnt!" - erwiderte Ricovx.
Er hatte mich durch einen andern Arbeiter bitten ! lassm, ihm das Geld zu schickm, was er noch zu be-
sozialdemokratischm Partei. Also — warum gerade, wo es sich nm die Börse handelt Inkonsequenz? Manchestermänner und rothe Kapitalistenftesser in inniger Umarmung! Die Sozialistm scheinen für bie Börse eine gewiffe Vorliebe zu haben.
Deutsches Keich.
Berlin, 11. Mai.
* Zur kaiserlichen Aeußerung über bie Ablehnung ber Militärvorlage verhalten ein Theil ber Blätter, z. B. bie ,Rat.-Zig.', sich vollständig schweigsam unb theilm nur ben Text ber ,Norbd. Allg. Ztg/ mit, bie linksliberalm Blätter ober opponirm mtschiebm. Die ,Freis. Ztg.' schreibt u. A.:
Die Preßfreiheit in Deutschland ist nicht derartig geartet, um die kritischen Aeußerungen des Kaisers über den Reichstag vor den Generalen einer öffentlichen Kritik unterziehen zu können. Wir beschränken unS daher auf die thatsächliche Bemerkung, daß unseres Wissens nirgends bei den Reichstagsdebatten über die Militärvorlage „leidenschaftliche Worte gefallen sind, welche unter gebildeten Männern ungern gehört werden." Die Betonung der Hoffnung einer „unbedingten Annahme" der Müitärvorlage ist schwer zu vereinbaren mit der Zustimmung des Reichskanzlers zu den Abstrichen und Abänderungen in dem Antrag Huene. Aehnliche Kritiken über die Volksvertretung aus Paraden sind unsere- Wissen- zuletzt unter Friedrich Wilhelm IV. in Preußen vorgekommen. _ ., „ . , .
Zu bm Worten „Aller, was ich vermag", sagt em anberes Blatt: „Der Monarch küubigt hier also an — worauf man übrigens bereits allseitig gefaßt war, baß er Alle» thun wirb, waS er vermag, um bie Militärvorlage durchzusetzen. Dies heißt nichts anberes und kann natürlich nichts anberes heißm, als baß ber Kaiser beabsichtigt, ben Reichstag eventuell wieberholt aufzulösen. Wie schon gesagt, ist bieS auch bie allseitige Erwartung." Die .BolkSztg.' schreibt:
Patriotisch" kommt von patria, Vaterland, her, heißt also vaterländisch, im- Interesse deS Vaterlandes. Daß die große Majorität von 210 Stimmen, welche gegen die Minorität von 162 Stimmen die Militärvorlage qkgelehnt hat, dies aus keinem anderen Grunde als aus schonender: Rücksichten auf bie wirty- schaftliche Lage deS Vaterlandes gethan hat, daß mithin auch sie nach ihrer Ueberzeugung und aus ihrer Ueberzeugung heraus patriotisch gehandelt hat, kanndemnach keinem Zweifel unter- worfen fein. Uebrigens hat für die unveränderte Militär-Vorlage, also „unbedingt", nur die kleine Schaar der Deutschkonser- vativen, also eine sehr winzige Minorität, gestimmt. Wenn der Kaiser eine abermalige Auflösung deS Reichstages für den Fall der nochmaligen Ablehnung der Militärvorlage bezw. des An- träges Huene in Aussicht stellt, so macht er natürlich nur von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch. Es ist aber aus der anderen Seite das versasiungsmäßige Recht, ja die ver- fasfungSmäßige Pflicht des Wählers, seine Stimme jedes Mal nach seiner besten Ueberzeugung abzugeben.
* Eine Encyclica über die europäische Abrüstung ? Pariser Blätter veröffentlichen bie Grundzüge einer angeblich bevorstehmbm Encyclica bes Papstes über bie europäische Abrüstung. Während ber jüngsten Anwesenheit bes Kaisers Wilhelm in Rom habe ber Papst, wie sie wiffen wollen, biesen über ben Inhalt ber Encyclica unterrichtet unb lächelnd beigefügt: „Oesterreichs, Italiens, Spaniens unb Belgiens Bereitwilligkeit bin ich sicher; nur Sie unb ben Zaren möchte ich gewinnen. Frankreich wird bann schon nachkommen."
kommen hat. Er Würde überhaupt nicht mehr zur Fabrik kommen, hat er sagen lassen, sondern in seine Heimach zurückkehren." „ .
„Er wird wohl vermuthet haben, baß er doch seine Entlassung erhalten haben würde; er braucht also irgend einen Borwand, damit man nicht sagen kann, er sei entlassen worben. Meinen Sie nicht auch, Jakob?"
„Ich kann nichts sagen."
„Haben Sie sein Guthaben aufgestellt?"
„Ja, hier ist's", antwortete Jakob, indem er ein Papier hervorzog unb eS bem Kassirer überreichte.
i’ „Acht unb vierzig Franken 60 Centimes! Kommen ■ Sie mit mir, ich will Ihnen bas Gelb geben.“
Inzwischen hatte Johanna bie Flaschen mit Petro-
I leum voll gefüllt unb stellte sie bann nebst bem leeren ; Behälter wieder auf das Brett in dem kleinen Ber- j ^Jakob unb ber Kassirer hatten sich mittttrweile bereits entfernt, nachdem Ersterer das Geld für ^rcenz > erhoben hatte, woraus er sich wieder tn bie Werkstätten \ be0Q$ier kam einer ber Werkmeister zu ihm und sagte:
Herr Garand, da unten liegt Alles voll von H lz- abfällen, Lederstücken, alten Brettern und dergleichen Gerümpel, ich denke, daß wir eS fortschaffeu lassen, eS