y 197 Donnerstag, den 11. Mai 1893. 20. JahrglM,
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„Ich lächelnd, werden."
»Bist
Wegen des Festes Christi Himmel- r fahrt erscheint das nächste Blatt erst am Freitag.___
Schutz wie der Landwirthschaft so auch dem Handwerk und kräftige W-iterentwickelung einer christlichen Sozialreform.
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(12. Fortsetzung.)
13.
kann wohl zufrieden sein," antwortete er „Ich bin auf dem besten Wege, reich zu Du denn etwa noch nicht reich genug?"
meinte seine Schwester. .
„Für meine Person allerdings — Du weißt, daß ich keine hohen Ansprüche an's Leben stelle. Aber für Lucian möchte ich reich werden und seine Zukunft sicher stellen; ich glaube, daß er mir gelingen wird."
„Du wirst wohl wieder eine neue Erfindung ge« macht haben?" meinte Frau Berlin, mehr scherzend als ernsthaft.
„Allerdings, und zwar eine Erfindung, die mir, wie ich hoffe, binnen vier Jahren wohl einige zwei bis drei Millionen eingebracht haben wird, wenn'S gut geht."
„Machst Du Dir sicht allzu große Hoffnungen?"
„Eine Täuschung ist kaum möglich. ES handelt fich um eine Gaillochrrmaschine, nicht bloS für ebene Flächen, sondern auch für die Conturen. Die Amerikaner werden mir für diese Maschine bezahlen, war ich verlange. JedensallS wird sie Aufsehen erregen."
Deutsches Reich.
B erlin, 9. Mai.
* Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Nach der heutigen Trvppenbesichtiguvg auf dem Tewpelhofer Felde sprach der Kaiser sein Lob aus zu den Generalen und . Stabsoffizieren und sagte: Seildem wir uns mcht ge- ; sehen haben, sind eigene Wandlungen mit der MUl- t ä r v o r l a g e vor sich gegangen. Ich habe nicht deren Ablehnung erwarten können, sondern hoffe von dem patriotischen Sinn des Reichstages unbedingte Annahme. Ich habe mich leider darin getäuscht. Die Minorität der patriotisch gesinnten Männer vermochte gegen bte Majorität nichts zu erreichen, dabei sind leidenfchaftlrche , Worte gefallen, welche unter gebildeten Männern un- ; gern gehört werden. Ich wußte zur Avfiösung schreiten । und hoffe von dem neuen Reichstage die Zustimmung ' zur Militärvorlage. Sollte aber auch diese Hoffnung täuschen, so bin ich gewillt, Alles was ich vermag an j die Erreichung derselben zu fitzen, denn ich bin zu sehr von der Nothwendigkeit der Mrlitärvorlage, um den i allgemeinen Frieden erhalten zu können, überzeugt. Man sprach von der Aufregung der Mafien; ich glaube nicht, da« sich das deutsche Volk von Unberufenen er- regen lassen wird, im Gegentheil weiß ich mich eins in dieser Militärvorlage mit den Bundesfürsten, dem Volk und der Armee. Ich danke Ihnen, meine Herren, ich habe mich Ihnen gegenüber nur aussprechen wollen, wie ich es beim Entstehen der Vorlage gethan habe. — Dos erinnert an eine andere Ansprache, welche der Kaiser im August vorigen Jahres, ebenfalls auf dem Tempelhofer Feld hielt. Nach den Einen sollte sich der Kaiser entschieden gegen die zweijährige Dienstzeit ausgesprochen haben — bald darauf aber wurde Vorlage auf dieser Basis genehmigt —, nach dm Andern aber sollte der Kaiser erklärt haben, die zweijährige Dienstzeit müsse, solle er seine Zustimmung geben, sehr theuer (d. h- mit reichlichen anbeten Kompensationen) erkauft werden und bergt. Authentisches ist bawalS nicht festgestellt worben. In biesem Falle aber hoffen wir barauf, eS ist auch nöthig, ba die .Norbb. Allg. Ztg/ ben vollen Schein authentischer Mittheilung eines in so vielen Beziehungen auffallen- ben Vorganges annimmt.
* Die beiden Fraktionen des Centrums batten zu der Festfeier am 3. d. M. Sr. Eminenz dem Herrn Kardinal Krementz ihre ehrerbietigsten Glückwünfche dargebracht und haben darauf folgendes Antwort-Telegramm empfangen: „Den Fraktionen des Cmtrums des deutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses spreche ich für die freundlichen Glück- und Segenswünsche meinen herzlichsten Dank aus. Kardinal Krementz." ,, . u „
* Der Abg. Eugen Richter eröffnet in der,Freis. Ztg? die Wahlbewegung mit einem Artikel: „Auf
„Wenn Dir nicht ein Anderer zuvorkommt."
„Dies ist gar nicht zu befürchten."
„Was willst Du? Ich glaube nicht, daß die Millionen diejenigen, welche sie besitzen, glücklich machen. An Deiner Stelle würde ich mich nicht in solche immerhin etwas gewagte Spekulationen einlafien, sondern mich mit den sicheren Geschäften begnügen, und mich, fobald Du Geld genug verdient hast, zur Ruhe setzen."
„Die Millionen machen nicht das Glück aus, aber sie tragen dazu bei," ei widerte Labrone. „Ich wünsche, daß Lucian in der Gesellschaft eine geachtete Stellung einnehme, und um diesen Zweck zu erreichen, arbeite ich Tag und Nacht."
„Ich begreife eS, aber nicht zu hastig!"
„Sei ohne Sorge! Wenn ich etwas ehrgeizig bin — nicht für meine Person, sondern für meinen Sohn — so werde ich doch ganz gewiß nicht ohne die nöthige Vorsicht handeln. Ich arbeite selbst sehr viel und meine Mitarbeiter stehen mir dabei treu zur Seite. Ich glaube, daß ich Dir schon einmal von meinem Werk- meister Garant» gesprochen habe, ich kann auf ihn ver- ttauen. Er ist geistreich, klug und thätig und ich nabe seine Mitarbeit so werthvoll, baß ich ihn, soweit er die neue Maschine betrifft, zu meinem Afioc:e gemacht habe, ! das heiß», er soll vom Gewinn einen bestimmten An- I theil erhalten."
* Für UNS Katholiken
ist die durch Auflösung des Reichstages und AuSschreib- ! ung von Neuwahlen geschaffene Lage eine sehr klare, i Unsere Vertreter — die Herren um von Huene, die j auf eine Wiederwahl mit Recht verzichten, ausgenommen — waren bereit, das zur Vertheidigung des Vater- landes N o t h w e n d i g e nebst den nicht unbedeutenden Kosten zu bewilligen und iomit der Regierung weit entgegenzukommen. Dieses Opfer wurde verschmäht, dabei aber der Nachweis nicht erbracht, daß sich s eit 1890 die militärischen Machtverhältnisse Europas derart zu unfern Ungunsten verschoben haben, um bte ungeheuerlichen, das deutsche Volk wirthschaftlich rurmren- den Lasten, die die Regierung in unbegreiflicher Hartnäckigkeit forderte, zu rechtfertigen.
Im Bewußtsein, ihre Pflicht voll und ganz erfüllt zu haben und von Niemandem an vernünftigem Patriotismus übertroffen worden zu sein, kehren unsere Vertreter in die Mute ihrer Wähler zurück, um, - von ihrem Vertrauen getragen, den Kampf gegen den i unersättlichen Militärismus, der nach und - nach, wie früher in Preußen, so jetzt in Deutschland ; zum Selbstzweck geworden, mit aller Energie aufzunehmen. ., Ä ... ,.
Wohl wissen wir, daß dieser Kampf kein leichter werden dürfte, da sicher alle schlimmen Leidenschaften ; gegen uns aufgerufen und unsere Gegner selbst vor den ; elendesten Berläumdungen nicht zurückschreckm werden.
' Aber auch aus dem Lager der bekannten lauen Freunde droht Gefahr. Diese werden, wie die „guten Katholiken" des Jahres 1887, den „Antrag Huene" als willkommene -Deckung benützen, um auf die bewährten ! Streiter für Freiheit, Wahrheit und Recht, ihre ver- s gifteten Pfeile abzuschießen und so das verhaßte Centrum zu zertrümmern versuchen.
Treten wir von heute ab schon in den Wahlkampf als wahre Volkspartei, die ohne nach Rechtsund Link?, nach Oben oder Unten zu blicken, eintritt für die Rechte und Freiheiten des deutschen Volkes, wie unser leider zu srüh verstorbener Führer Dr. Wrndthorst es uns gelehrt, und welcher uns diese Aufgabe als sein theueres Vermächtniß hinterlass«! hat. Arbeiten wir also im Geiste und mit der Energie Windthorft's, dann kann der Sieg nicht fehlen. Unsere Parole ist:
In der Militärsrage die Resolution Windthorst und demnach keine allgemeine Dienstpflicht mit ihren unerschwinglichen Lasten an Gut und Blut.
Keine neuen Steuern, insbesondere keine indirekten, die breite Masse des Volkes drückenden.
Freiheit der Kirche und des Bekenntnisses.
Keine Antastung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes.
zum Kampfe." Am Schlüsse defielben sagt der Führer der freisinnigen Partei:
Wenn je zuvor, so hat die Abstimmung des Reichstages dem Volkswillen einen getreuen Ausdruck gegeben. Nur der Druck der Regierungsgewalt und allerlei außerhalb der Sache selbst liegende Rücksichten haben die Minderheit bis auf 162 Stimmen zu erhöhen vermocht Die Gegner b°N°n wie iM Jahre 1887 das Volk beirren und durch allerlei Phantasie-Vor- stellungen schrecken zu können. Der deutsche Michel soll wieder einmal außer Gott auch die Franzosenund Rusiensürchtmler- nen iunt Nutzen und Frommen des Militar-Etats. Bisher ist in sechsmonatlicher unausgesetzter offiziöser Arbeit dies nicht gelungen und wird auch hoffentlich bis zum Wahltage nicht gelingen Möge man abseitig mit dem Bewußtsein sich durchdringen, daß es nicht bloß darauf ankommt, das Volk gegen eine ungerechtfertigte Steigerung der Militärlasten und Steuern zu schützen und gegen neue Verbrauchs - Abgaben und Monopole sicher zu stellen, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Relchzwahl- rechts und des Ansehens der Volksvertretung emzutreten. Möge der neue Reichstag besser werden als der bisherige und m erster Reihe mit allen schwankenden und unzuverlässigen Elementen aufräumen.
Im Anschlüsse hieran fitzt bet Abg. Richter ben Dissibenten ber eigenen Partei den Stuhl vor die Thür. Er schreibt: ,
Aus der freisinnigen Partei haben 6 Abgeordnete, nämlich die Herren Brömel (Stettin), Hinze (Oldenburg I-Birkenfeld-Eutin), Maager (Glogau). Meyer (Berlin I), Schröder (Landsberg-Sol- din), Siemens (Koburg) für den Antrag Huene gestimmt. Es ist richtig, daß diese Abstimmung gegen das Partei-Programm an sich formell nicht verstößt. Aber die Abstimmung bekundet, daß die genannten 6 Herren sich mit den übrigen sechszig Mitgliedern der sreisinnigen Partei mcht tn berjenigen Einheit der politischen Denkart befinden, auf der die Berechtigung und der Einfluß parlamentarischer Parteien beruht. Wir achten und ehren auch die uns entgegenstehende politflche Ueberzeugung unserer bisherigen Fraktionsgenossen; aber eine, engere parlamentarische Gemeinschaft mit denselben ist fernerhin durchaus unmöglich. Mit der Auflösung des meichstages find auch die Fraktionen desselben aufgelöst worden. Es könnte also zunächst nur die Wiederwahl der Genannten in Frage kommen. Dem Vernehmen nach verzichten die Herren Brömel, Maager, Alexander Meyer, Siemens und Schröder darauf, um eine neue Kandidatur sich zu bewerben. Soweit wir unterrichtet find, ist auch die Ausstellung eines der genannten 6 Herren von frelstu- niger Seite in keinem Wahlkreise beabsichtigt. Ware solches der Fall und käme eS selbst zur Wiederwahl, so würde em ersprießliches parlamentarisches Zusammenwirken mit einem der genannten Herren nach der Neuwahl unmöglich sein. Aber auch für den Wahlkampf selbst darf die freisinnige Partei nirgends einen Zweifel darüber bestehen lassen, daß der Antrag Huene zwischen ihr und ihren bisherigen Fraktionsgenossen das Tischtuch zerschnitten hat, unbeschadet persönlicher Achtung und freundschaftlicher privater Beziehungen, welche ein langiahriges politisches Zusammenwirken auch in solchem Falle sortbestehen laßt.
* In ber heutigen Plenarsitzung beS Abgeordnetenhauses würbe bte dritte Berathung bes Korn- rnunalsteuergesetzkS beim § 38 wieder aufgenommen. Di« 88 38—51 wurden ohne nennenswerthe Debatte angenommen. Zu § 52, welcher die Besteuerung von Besitzern von Aktien einer in Preußen domtzi- lirten, zur Gemeindeeinkommensteuer her an gezogenen Aktiengesellschaft regelt, wurde auf Antrag des Abg. Herolb bie Aenderung angenommen, daß bte Aktienbesitzer verlangen können, baß bei Bemessung ihrer Gemeinbe bie Dividende ihrer Aktien zur Halste (statt ganz) außer Ansatz gelassen werbe. Ein wetter- gehenber Antrag deS Abg. Herolb, ben ganzen g 52 zu streichen, würbe abgelehnt. Zu § 54, welcher von
„Du hast ihm also bas Geheimniß Deiner Sifin* i bung mitgetheilt?" t
„Ich mußte es, benn er wird bte Maschine bauen. ! Uebrigens kenne ich ihn genau: er ist ein braver Mann/
„Du bist also seiner burchauS sicher?" „Durchaus." . ,
„Um so besser. Und wie steht's mit ber armen Jungen Wittwe, deren Gatte durch baS Zerspringen einer Maschine feinen Tob gefunben hat? Sie ist la gewiß noch immer bei Dir auf ber Fabrik, denke ich.
Ich wollte Dir gerade von ihr fprechen; sie ist noch" bei rnkr auf ber Fabrik, aber sie kann nicht bet ! mir bleiben." „
„Du willst sie also entiaffen?
„Ja, obschon ich es nur ungern thue. .
„Ich verstehe es nicht, ihr Gatte hat mDemem Dienste feinen Tod gefunden, dreS verpflichtet Dich immerhin in etwa feiner Gattin gegenüber.
Ich weiß eS, will mich auch keineswegs dieser Pflicht entziehen. Johanna Portier ,st «ne gute fr au, aber .s sehlt ihr zu dem Posten als Schlie- ßerin jene Energie, die gewöhnlich nur ein Mann
„Du hättest daran denken sollen, als Du ihr ben Posten gabst." „
! .Richtig; aber ich habe eS eben nicht gethan. l „Und Du hast ihr schon gekünbigt?"