20. Jahrgang
Donnerstag, den 4. Mai 1893.
JW 101
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Deutsche« Reich.
Berlin, 2. Mai.
* Die heutige Reichstagsfitzuug hatte wiederum einen ungcheurm Andrang der Publikums z« dm Zn- HSrerttibünen zu verzeichnen, eS stand nämlich der letzte Akt der Ahlwardt-Posse auf der TageSorduuug. Nachdem in dritter Lesung der RachttagSetat für 1892/93 sowie der Gesetzentwurf, betteffend die Statt- vertheiluna debatteloS zur Annahme gelangt war, kam der Bericht der Kommission über den Anttag Ahl- Wardt zur Verhandlung. Die „Ahlwardt-Kommisfion" stellt folgendm Antrag: „Der Reichstag wolle be» schießen: nachdem die Kommission erllärt hat, daß der Inhalt der von dem Abgeordneten Ahlwardt dem Reichstage übergebmev Akten und Druckschriften, die durch dm genanntm Abgeordneten in den Sitzungen des Reichstags vom 18., 21. und 22. März, sowie vom 25. April d. I. gegen frühere nnd jetzige Mitglieder des Reichstags und der BundeSrathS erhobmm Anschuldigungen nicht rechtfertigt, den Anttag Ahl- wardt für erledigt zn erklären." Als Referent der Kommission erstattete zunächst Abg. Dr. v. Cuny Bericht über die Verhandlungen der Kommisfion soweit dieselben sich auf den JnvalidenfondS, dm Reichs- tagsbaufondr nnd dm Festungsbaufonds beziehen. SS fei eigmthümlich, daß Abgeordneter Ahlwardt in Bezug auf diese seine Anschuldigungm gar keine Attm vorgelegt habe, sondern nur drei Broschürm auS de« Jahren 1876 und 1877. Diese Druckhefte seim schon bei ihrem Erscheinen so viel besprochen wordm, daß von neuen „Enthüllungen" gar keine Rede sein könne. DieS sei besonders zn betonen, weil im Jnlande und im SuSlande die Meinung gcherricht habe, daß große nette Enthüllungen nach Art der Panama-Affaire ein» treten würden. Redner stellte sodann die Änschuldi- gungm Ahlwardt's hinsichtlich deS JnvalidenfondS fest und konstatirte, daß iu Den von Ahlwardt überwiesenen Broschürm nichts mthalten sei, waS seine Beschuldigungen rechtfertigen könnte, daß Ahlwardt auch in der Kommission nichts gtthan habe, um seine Behauptungen von den Coulisimverhandlungm über den Jnvalidm- fondS zu rechtfertigen. Die vom JnvalidenfondS und dm anderm Fonds angekauftm Prioritätm feien bereits in der Mitte der 70er Jahre vom Reicht tage auf ihren Werth geprüft worden, and ein Antrag, die Anlegung von Geldern in nicht garantirten Prioritätm zu mißbilligen, von der Kommission mit 10 gegen 4 Stimmen und vom Reichstage mit entsprechender Majorität zurückgewiesen wordm. Außerdem seim von 294 Millionen nur zwölf Millionen in Prioritäten der Hannover-Altenbekener Bahn angekauft und diefe Priori» tüten mit einem Gewinne von 241,000 Mark wieder veräußert worden. Ahlwardt's Befchuldigungm feien sonach in keiner Weise gerechtfertigt. Als zweiter Re- fermt stattete alsdann Abg. Dr. Porsch in eingehender Weife Bericht ab über die anderm Anschuldigungen Ahlwardt's gegen Miquel rc., die durch die „Akten" derselben bewiesm werden sollm. Daß diese „Akten" bei Weitern nicht dar Gewicht von zwei Beniner haben — die
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(6. Fortsetzung.)
„Ich habe Sie wirklich erfundm, wie gesagt, aber ich möchte mit Jhnm über verschiedene Anwmdungm meiner Systems berathen. Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß mir eine glänzende Zukunft in Aussicht steht, sobald dar System sich bewährt — besonders freut er mich um meinen einzigen Sohn, für desien Zukunft ich unverdrofim thättg bin. Ich will indeß nicht selbstsüchtig sein; ich will Ihnen meine Pläne auverttaum; wir werden dieselben zusammen näher prüfen, und wofern Sie dieselben keiner Verbesserung für bedürftig finden, können Sie sich unverzüglich an die Herstellung derselben machen. ES versteht sich von selbst, daß Sie eine Erfindung geheim halten, die uns große Reich- thümer bringen wird unb die durch die geringste litt» Verschwiegenheit für uns werthloS werdm könnte!"
„Sie wissen ja, daß Sie mir »ertrauen können!" rief Jakob aus.
„Ich weiß eS, aber deshalb mache ich Sie von heute ab nicht bloS zu meinem Mitarbeiter, sondern auch zu meinem Assvcis. Ich biete Jhnm vom Reingewinn, dm wir mit unseren neuen Maschinen machen werden, sünfzeha Prozent an."
Beranlafiung, MeißnerS Originalkvpim (Sekächttr) zu Gründung^ M- vorn Lahre .1877 an. Der R< mißtrauen. Meißner sei übrigens wie KrÜher plötzlich ^Anzeiger rühmt ihm hohe juristische Begabung,
I, em
verschwunden. Seine Behauptung bezüglich deS Herrn Calindero nehme er zurück und bedauere fie. (Heiterkeit.) Horwitz hätte gar nicht in die Kommission gewählt werdm sollen. Lieber habe ihn wie einen Angeklagten in der Kommission behandelt; von Gerechtigkeit könne da keine Rede sein. In der Otffmtlichkeit habe man ihn zu schänden versucht. (Große Heiterkeit.) Deshalb habe er sich dem RcchtSfpruche Der Kommission nicht beugen könnm und werde seine Anklagen vor Gericht vertheidigm. Er kämpfe nur sachlich. (Große Heiterkeit.) Er habe Überzeugen wollen, sei aber dem Mißttaum deS Hauses von Anfang an begegnet und habe Einer gegen Biele kämpfen rnüfien. DaS sei nicht ein ehrlicher Kampf. (Ordnungsruf deS Präsidenten). Er werde de» Kampf fortsetzen, auch wmn er weiter persönlich angegriffen werde. Damit ist die Diskussion geschlossen. Der Anttag der Kommission wird Darauf angenommen. Morgen Militär-
ungewöhnlich klares und scharfes Urtheil, unermüdliche Arbeitskraft und aufopfemde Hingebung an ferne amtlichen Pflichtm nach und zollt auch feinem Charakter und feinem Wesen die wärmste Anerkennung. Mit ihm hat auch die Kommisfion für dar bürgerliche Gesetzbuch abermals ihren Vorsitzenden verloren. Wie Die ,Post' erfährt, ist die tödtlich »erlaufene Krankheit auf einen Unfall zurückzuführen, der dem StaatSsettetär im vorigen Jahre im Gebirge zustieß. Er soll sich bei einem Absturz an der Lunge verletzt
Attm lagen nebm dem Refermtm auf dem Berichterstattertisch — konnte Abg. Dr. Porsch unter großer Heiterkeit des HanseS konstatirm. Rach Vorlegung der Aktm habe übrigmS Ahlwardt seine Anschuldigung, daß das dmtsche Volk um Hunderte von Millionen „betrogen" worden sei, dahin geändert, daß eS „geschädigt" wordm sei. Er als Refermt und Bebel als Korrefermt hättm unter Zuziehung AhlwardtS die „Attm" genau geprüft, schließlich auch auf Wunsch AhlwardtS unter ZuziehungdeS „Schriftstellers" Plack, aber nichts darin finden können, was die Anschuldigungm AhlwardtS irgmdwie rechtfertigen könnte. Abg. Dr. Porsch geht dann auf den Inhalt der Attm näher ein. Das Referat schließt: Nichts von AhlwardtS Beschuldigungm sei erwiesm; die Kommission beantrage, daß der Reichstag daS auSspreche. Innerhalb der Schranken, welche die Würde und Ordnung des Hauses ziehm, laste sich AhlwardtS Borgehm nicht kennzeichnen, aber wmn dieser noch einen Funken von Ser» ständniß für seine Behauptungen und einen Funken von Ehrliebe im Leibe habe, müsse er seine Beschuldigungen zurücknehmen. Ahlwardt spricht über die Versorgung der Jnvalidm. Die Vermuthung, daß dabei schlimme Dinge vorgekommm seien, sei doch wohl begründet. (Heiterkeit und Widerspruch.) Bon einer Begründung durch die Attmstücke habe er nie etwas gesagt. (Stürmischer Lärm und Widerspruch) Er geht dann näher auf die Gründung deS Jnvaliden- fonds und die damaligm parlamentarischen Serhand- lvngm ein, wird ober vom Präsidenten aufmerksam gemacht, daß daS nicht hierher gehöre. Er bleibt bei der Behauptung, daß seine Atten in der Kommisfion in Unordnung gebracht wordm seim. Er habe keine
Berathnng stand noch der letzte Abschnitt des Gesetzes, welcher von den Kreis und Provinzialsteuern handelt. § 75 wurde mit einem nicht wesentlichen Zuscche, welcher vorn Abgeordneten Frhr. v. Zedlitz-Nmkirch beantragt war, angenommen. Dm § 75 a, welcher dm Kreisen das Recht ertheilt, eine Hundesteuer bis 5 M. einzuführen, wollte Abg. Dr. Meyer (bfr.) gestrichen wistm, weil der Hund in der Stadt lästig, auf dem Lande dagegen eine Rothwendigkeit fei. Abg. v. Wal» dow trat ebenfalls im Interesse der kleinen Beute auf dem Lande für die Streichung dieses Paragraphen ein, währmd Abg. v. Schladitz dm Beschluß der Kommisfion befürwortete, weil angesichts der Gefahren der Toll« wuth dem Uebermaß von Hunden gefteuert werdm müsse. § 75a wurde hierauf angenommen und der Rest des Gesetzes ohne Debatte erledigt. Sodann trat das Haus in die zweite Berathung der Eismbahn- Borlage. Dieselbe wurde nach einer kurzen Debatte über die Beroollständigung der schlefischm Eisenbahnnetzes durch eine Bahn nach dem Eulengebirge, welche von den Abgeordneten Radbyl, Sperlich und Simon (Waldmburg) gewünscht nmrbe, während der Eisenbahnminister Thielen die Rentabilität dieser Bahn be« zweifelte, in ihren einzelnen Positionen unverändert angenommen. Morgen: Kleine Vorlagen (Antrag AdickeS bett. Erleichterung der Städteerweiterung u. A.) (Grm.)
* Der Staatssekretär des Reichsjustizamts, Hanauer, ist, wie schon kurz mitgetheilt wurde, nach rasch verlaufener Lungm-Entzündung am Sonntag Nachmittag verstorben. Er stand im 65. Lebensjahre, war geborener Bayer und katholischer Konfesfion. Sein letztes Amt hat er etwas über ein Jahr innegehabt, dem Reichsjustizamt gehörte er dagegen von dessen ~ "" " ' ~abre 1877 an. Der Reichs
haben.
* Die letzten Briefe des Majors v. Wißmanu die in Berlin antamen, waren vom 28. Dezember datirt und stelltm die Aufgabe der Expedition deS kaiserlichen Kommissars, der fich in leidenden Zustande befand, in Aussicht. Jetzt hat er von Ende Januar wieder berichtet, und zwar vom Nordende des Nyassa- Sees. Er hat also seinen Zug weiter nach Nordm fortgesetzt und zunächst sein äußerstes Ziel erreicht, da er wegen des bedenklichen Zustandes der Dampfertheile den Marsch nach dem Tanganyika aufgegeben hat. AuS der Fortsetzung seines Zuges über den Ryafiasee hin« weg ist wohl der Schluß zu ziehm, daß die Fieber« erscheinungen, die ihn seit September beschwetten, von ihm gewichen find. W.ßmann gedenkt am Rord- fie schienen ihm auch interesiant genug zu fein, denn feine Gesichtszüge strahlten förmlich vor Freude und Begeisterung.
„Wunderbar, wunderbar!" rief er ein über daS andere Mal aus. „In der That, daS ist die Verwirk« lichung des Unmöglichen."
„Sie halten alfo auch die Ausführung für möglich?" „Durchaus!"
„Nun wohs! Meine Arbeit ist gtthan — die Ihrige beginnt jetzt; machen Sie fich unverzüglich an's Werk."
„Ich werde die Sache in Angriff nehmen, sobald ich die Einzelheiten ruhig geprüft haben werde; als« dann werde ich die Modelle, sei e8 in Guß ober Schmiedearbeit, Herstellen lassen^"
Sie könnm alles nach Belieben emsehm und prüfen, geben Tag kommen Sie in mein Zimmer und ich überlass; ghnen dann die Pläne auf einige Stun- bm Ich gebe dieselben nicht gerne heraus — wir könnm nicht Vorsicht genug brauchen, denn ein unglücklicher Zufall könnte uns nm die Frucht zweijähriger Arbeit bringen. Sie könnten die Pläne verlieren ober sie könnten Ihnen gestohlm werdm, wer
Vorlage.
* Jrn Herrenhanfe wurde heute dar Wahlgesetz nach Den Vorschlägen Der Kommission angenommen; es muß also nochmals an dar Abgeordnetenhaus zurückgehen.
* Das Abgeordnetenhaus hat heute die zweite Berathung deS Kommunalsteuergesetzes beendigt. Zur
Gierig lmchtetm die Augen des Werkmeisters.
„Fünfzehn Prozent!" wiederholte er.
„Ja, und ich werde diese Summe aus zwanzig Prozent erhöhen, sobald der Reingewinn dm Betrag von dreihunderttausend Franken erreicht haben wird. Uebrigms könnm wir natürlich ja einen kleinen Vertrag schriftlich abfassen. Ich will Jhnm jetzt meinen Plan zeigen."
Sabrone öffnete dm Gelbschrank, welcher an der anderen Seite deS Fensters stand, und mtnahrn demselben ein Kästchen, welches er dann vor sich auf den Tisch stellte. Nachdem er dasselbe mittelst eines winzigen Schlüffels, welchen er an seiner Uhrkette trug, geöffnet hatte, holte er verschiedene Papiere daraus hervor, die er vor sich ausbreitete.
„Hier haben Sie das System," sagte er bann, in- bem er mit Dem Finger auf einige verwickelte Zeichnungen beutete.
Neugierig bttrachtete bet Werkmeister dieselben.
„Ich will Ihnen j-tzt Alles erklären," fuhr der Chef fort.
Wir wollen den Leser nicht mit all' den gelehrten, ohnehin für dm Laien kaum verständlichen Erklärungen behelligen, welche Sabrone seinem nunmehrigen Affocis
wttß?"
,, - „Natürlich, Sie haben vollständig Recht, wenn Sie
Jakob begriff dieselben jedenfalls sehr genau und ! die äußerste Vorsicht gebrauchen. Ich werde also unter