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Dienstag, den 2. Mai 1893.

20. Jahrgang

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_, . täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgell! mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

nm Besuche abstatten zu Kaiser Fran» Joseph m

seinem Hotel ausgesucht. EL scheint, als solle dieser Besuch den ungünstigen Eindruck wieder verwischen, den der Empfang Stambulow's durch den Kaiser in Rußland hervorgerufen hat.

* Budapest, 26. April. DaS »Amtsblatt' ver­öffentlicht die Verleihung deS Ordens der Eifernen Krone dritter Klaffe an Dr. MedarduS Kohl auS Anlaß der mit Gefährdung deS eigenen Lebens be­wirkten Errettung deS FürstprimaS.

* In Serbien ist auf den Freudenrausch die Er­nüchterung gefolgt. Der König setzt seine Unterrichts­stunden fort und die Radikalen „pnrifizirm" weiter, indem sie alle Beamten, über die sie sich zu beklagen gehabt, ab- oder versetzen. Dem Umschwung der Dinge im Innern scheint die Annäherung an Rußland in der äußeren Politik nicht mit der von den Russen gewünschten Schnelligkeit gefolgt zu sein, denn die russische Preffe wurde dem Staatsstreich gegenüber kühler und kühler und zuletzt hieß er gar, die Radi­kalen wären im Einverständnis mit Oesterreich avS Ruder gebracht worden. Eine eigene Deputation soll nach Livadia entsandt werden, um dem Czaren münd-

Ave Maria!

Run Abend ist's — der Ruhe Zeit, Da mahnt's vom Thurm der Kirche west, Durch Thäler und zu Bergen hin. Zum Gruß der Maienkönigin:

„Ave Maria!»

Und tausend Stimmen preisen laut Im Kreise nun die GotteSbraut, Und bringen ihr, von Lieb' erglüht Den Dank aus Herz und aus Gemüth:

„Ave Maria!"

Maria, hilf auf Erden mir. So täglich mich zu weihen Dir; Zu senden auch zur letzten Ruh' In Liebe diesen Gruß Dir zu!

„Ave Maria!»

Dann schlaf ich still getröstet ein:

Ich weiß, ein lichter Morgenschein

Weckt bald mich aus des TodeS Nacht, Der mich auf ewig jubeln macht:

„Ave Maria!»

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(4. Fortsetzung.)

5.

Johanna berente eS jetzt, daß sie sich von Vincenz hatte bereden lasten.

Jakob öffnete die Thüre und trat ein.

„Madame Portier", hob er in rauhem Tone an, „Sie haben einem Arbeiter der Fabrik das Thor ge­öffnet?"

„Ich . . . ich . . . Herr Jakob . . ." stammelte die Frau.

„Ja Sie, Vincenz ist heranSgegangen, nicht wahr?"

„Aber....

„Run, leugnen Sie eS nicht! Vincenz hat mich um die Erlanbniß gebeten, nach Hause gehen zn dürfen; ich habe sie ihm abgeschlagen, da ich nicht durfte. Jedenfalls ist er zu Ihnen gekommen und hat Sie be­redet, ihm aufznschließen. Sie sind schwächer gewesen, als ich . . ."

„Allerdings, ist er wahr", erwiderte Johanna, „der arme Schelm weinte heiße Thräuen, als er von seiner kranken Frau sprach .... Er hat mich in­ständigst gebeten, ich konnte seine Bitte ihm nicht ab­schlagen."

„Und doch wußten Sie, daß Sie etwas Verbotenes thaten ..."

„Mag sein, meine Rührung war stärker gewesen, als meine Vernunft. UebrigenS hat mir Vincenz ver­sprochen, sogleich zurück zu kommen."

„Wisteu Sie, welche Folgm ihre Schwäche für ihn

kennendsten Weise; nur zn seinen Mitteln stehe er im Gegensatz. Im Einzelnen verbreitet sich dann, wie von der BerlagShandlung bereits angekündigt wurde, Graf HoenSbroech über folgende beide Thesen: 1. „Der JefuitiSmuS unterdrückt, ja bis zu einem gewisten Grade vernichtet die Selbstständigkeit, den Charakter, die Individualität deS Einzelnen", und 2. „Der Jesui- tiSmuS unterdrückt, ja bis zu einem gewisten Grade vernichtet das berechtigte Nationalitätsgefühl, den berech­tigten Patriotismus." Warum er, trotz feinem inner» Widerspruch gegen beit „Jesuitengeist", gegen „daS religiös arcetische System des Ordens", so lange (13 Jahre) in demselben verblieben ist, erklärt er dahin: „Ich wollte dem sich regenden Widerspruch kein Gehör geben; ich wollte daS Ideal, daS ich erkannt zu haben glaubte, nicht als Jrrthum fallen lasten; ich wollte mich und mein Uriheil ins Unrecht fetzen." Wer mit Aufmerksamkeit liest, wird in dem Aussatze fast eine Apologie deS Jesuitenordens zu erblicken vermögen. Was über den Patriotismus gesagt wird, dessen braucht sich kein Jesuit zu schämen, im Gegentheil. Er sagt u. A.: „Die staatliche Ordnung, die rechtmäßige Gewalt wird stets und überall am Jesuitmorden einen BundeSgenossm finden, nicht aber einen Hüter und Pfleger deS Patriotismus. Auch diese letzten Worte muß ich vor einem Mißverständniß bewahren. Sie be­ziehen sich nur auf die Erziehung, die der Orden feinen eigenen Gliedern gibt; sie beziehen sich nicht auf daS ErznhangSsystem, daS in den jesuitiichm ErziehungS- ansialtm für die männliche Jugend Geltung hat. Dort hat die Pflege der patriotischen Gesinnung ihre Stelle; der Jesuit selbst aber, daS jesuitische System kennt ihn nicht." Wenn man den Austatz gelesen hat, bekommt man daS Gefühl, einen Mann vor sich zu haben, der ohne Beruf in ben Jesuitenorden getreten, sich dort nicht wohl fühlen konnte, schließlich sich zum Austritte gezwungen sah und nun nach Sründm hascht, die seine Handlungsweise rechtfertigm sollen. Wir bedauern mit dem Exjesuiten, daß er nicht schon viel fiüher dem Orden Valet gesagt hat.

* Dortmund, 28. April. DaS Vorspiel einer heftigen Watzlbewegnng, wie sie sich nach der ReichStagSauflösnng ergeben würde, gewährt gegen­wärtig unser Wahlkreis. Hier findet bekanntlich am 3. Mai in Folge der UngiltigkeitS-Erklärung der Wahl deS nationalliberalen Abg. Möller eine N uwahl statt. Am vorigen Sonntag wurden in dem Wahlkreis nicht weniger a!S 40 Volksversammlungen abgehalten, nämlich 9 vom Centrum, 15 von den Sozialdemo­kraten, 9 von den Freisinnigen und 7 von den Natio­nalliberalen einbernfene. AuS Anlaß einer national­liberalen Versammlung, in welcher der Generalsekretär Patzig auS Berlin redete, kam eS auf der Straße zu Gewaltthädigkeiten. Einige Nationalliberale auS der Nachbarschaft wurden von einer Anzahl Sozialdemo­kraten thätlich angegriffen. SS wurde mit Steinen geworfen und sogar Revolverschüste wurden abgegebm, dir schließlich die Polizei sich in'S Mittel legte.

Reichs war noch tönnen, und deS!

Deutsches Reich.

Berlin 29. April.

* Zur Frage der Reichstags-Auflösung schreibt t)ie .Germania' heute: „Es ist gut, baß die Zeit deS „Hängens und BangmS" zu Ende geht und die zweite Berathung der Militär-Vorlage in wenigen Tagen be­ginnt, womit dann auch die endgültige Entscheidung nahe gerückt sein dürfte; denn wenn der KombinationS- und BerrnuthungSpolltik noch länger Spielraum bliebe, Würde schließlich bei einzelnen Blättern die vollständig erschöpfte Phantasie ihren Dienst versagen. Und daS Wäre noch jammerschade."

* Der Reichstag nahm heute in zweiter Leimig ben Gesetzentwurf bett, die Ersatzvertheilnng nach kurzer Erläuterung durch dm Referenten Abg. Dr. Lieber an und genehmigte in dritter Berathung bebattenloS ben NachtragSetat für 1893/94 (deutsche Botschaft in Washington, Botschaftshotel in Madrid, Chicagoer Weltausstellung), desgleichen den zweiten NachtragSetat für 1892/93 (Mehrkosten für Brod, Fourage und Biktualienverpflegung bei der Armee) in erster und zweiter Lesung. Dann wurde in die zweite Berathung deS Gesetzentwurfs betr. die Abzahlungsgeschäfte einge­treten. Lebhaft wurden die Vorschläge der Kommission wegen einiger Abänderungen der §§ 1 und 2 von ben Abgg. Kramer (ntl.) unb Spohn (Ctr.) sowie Auer (Soz.) befürwortet, während Dr. Osann (ntl ) sich gegen das ganze Gesetz ausspricht. Bor der Abstim­mung wurde die Weiterveihandlung vertagt. Dienstag: Ersatzvertheilnng, NachtragSetat, Schlußabstimmung über daS Wuchergesetz, Bericht der Ahlwardt - Komm sston.

* Im Abgeorduetenhause wurde heute die 2 Berathung deS Kommunalsteuer-GesetzeS beim § 45 fortgesetzt. Die §§ 45—47 wurden ahne wesentliche Debatte und unverändert mach den Kommissionbeschlüssen genehmigt. Weiterberathunq Montag.

* Die Schrift des Exjesuite« Grafe» Hoeus- Sroech „mein Austritt aus Dem Jesuitenorden" dürfte die Kulturkämpfer nicht sonderlich befriedigen. Der Ber- faffer bemerkt in einer Note, daß er seine frühere Ber- theidigung des Jesuitenordens gegen einen Aufsatz der preußischen Jahrbücher aufrechterhalte. „Meine damalige Bertheidignngrichtete sich gegen sachliche Jrrthümer, die ich auch heute noch als Jrrthümer und sachlich falsche Anklagm bezeichne." Graf HoenSbroech erklärt auch ausdrücklich die Anklagen, mit denen man ge­wöhnlich den Jesuitenorden überhäufe, für falsch: „sie beruhen auf Unwiffenheit oder Abneigung. WaS speziell die vielgeschmähte Moral deS Ordens angeht, fo ist sie eine Moral von tadelloser Lauterkeit; die so­genannte „schlechte Jesuitenmoral" bildet die eigenen Glieder deS Ordens zu Männern deS reinsten Lebens­wandels heran." Weiter erklärt der Berfaffer, daß er mich keine Anklagen erheben wolle; er habe nur die Absicht, seine Gründe vorzulegen, die ihn bestimmten, den Orden zu verlassen. Die Ziele deS Jesuiten­ordens charakterisirt der Verfasser in ber denkbar aner-

* München 28. April. Hoftath Pettenkofer hat eine Abhandlung über die Cholera von 1892 in Hamburg und die zu treffenden Schutzmaßregeln ge­schrieben. Er weist an der Hand epidemioloscher That- sachen nach, baß Weber bie contagionistische, noch bie Trinkwaffer-Theorie auf bie Cholera anwenbbar ist. Nach seiner Ansicht kann baS schmutzige Hamburger Waffer nur als Brauch-, nicht aber als Trinkwaster eine Rolle gespielt haben. Pettenkofer tritt auch hier toieber für völlige Freigebmig beS menschlichen Ver­kehrs ein, ba bie Trennung nicht pilzdicht zu gestatten sei und bie Prohibitiv-Maßregeln mehr schaden als nützen. — Der Volksverein für daS katholische Deutschland veranstaltet am 14. Mai er. in den Central­sälen Hierselbst eine große Volksversammlung, in welcher die Herren ReichStagSabgeordneten Dr. Lieber, Dr. Schädler und Wenzel als Redner auftreten werden.

* Die vorjährige Cholera-Seuche in Hamburg ist wie man weiß, zum grofcen Theile mit dem Dortigen schlechten Trinkwaffer in Verbindung gebracht worden. Die Stadt hatte sich deswegen entschloffm, neue Wasser­werke anzulegen und die Eröffnung der neuen Sand- filtrationSwerke, die täglich 120 Liter Waffer für den Kopf der Bevölkerung zu liefern vermögen, soll an diesem 1. Mai stattfinden.

Ausland.

♦ Zu einem Ereigniß ersten Ranges ist der Besuch gestempelt worden, den der Kaiser von Oesterreich dem russischen Minister von GierS während deffen Auf­enthalt in Wien abstattete. Der von seinem Kur­aufenthalt im Süden der Heimath zueilende nominelle Leiter der auswärtigen Angelegenheiten des russischen

wenn er zurückkommt, verbiete ich Ihnen, ihn einzu- lasten!"

„Eine derartige Strenge . . ."

„Ist nöthig," fiel der Werkmeister der Fran in'S Wort. „Vincmz hat eine Arbeit unterbrochen, welche er so bald als möglich vollenden mußte. Ich bin für Alles verantwortlich, was in dm Werkstätten geschieht! Ich werde eS dem Chef melben!"

„Aber bann wirb bie Sache auf mich zmückfallm!"

rief Johanna erschrocken.

„Meine Pflicht ist, bie Wahrheit zu sagen."

„Nein, Sie werben gegen ben armen Vincenz nicht so hart sein, Jakob! Ich spreche nicht für mich, son- bern für ihn . . . Seine Frau ist schwer krank, er hat eS sich in ben Kopf gefetzt, daß fie in Todesgefahr fei — er hat ben Kopf vollständig verloren! Er wollte über die Maner klettern, wenn ich ihm nicht geöffnet hätte ... Er kommt ja zurück, unb ber Chef ist ja nicht btt, Sie allein wissen eS, baß Jemanb bie Fabrik- orbnung übertreten hat... . Vincmz ist doch ein ehrmwerther Mann . . . Verliert er seine Stelle, bar« ist er bem Elende preisgegeben, und et weiß -.icht, womit er seine kranke Fran pflegen soll . . . Nun, Sie entlasten ihn nicht, Jakob, ich bitte Sie! 3® bm ja allein die Schuldige! Wäre ich auf meiner Weige- rung beharrt, dann wäre er nicht fortgegangen, denn die Mauer zu erklettern, wie er drohte, war nicht

haben wird?"

„Nein."

Ich will Jhnm tagen: von diesem Augenblicke --------- ------------ . . .

an gehört er nicht mehr zu dem Arbetterpersonal, und I möglich. Sie werden also dem Chef nichts sagen, nicht