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•M 94 Mttwoch, den 26. April 1893. 20. Jahrgang

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Emin Pascha f.

(Schluß.)

Sm 10. November 1889 hatte Emin Pascha auf den Zmnen des deutschen Forts zu Mpuapua zum erstmmale wieder die Fahne seines Heimathlandes erblickt. Wenige Wochen später zog er an der Seite des Majors Wißmann mit Stanley, dessen Offizieren und dem hochw. Pater Schynse unter dem Donner der Geschütz- in Bagamoyo em, doch schon am nächsten Tage mutzte der Telegraph nach allen Theilen der Welt die Nachricht bringen, im Schutze deL deutschen Reiches angekommen, habe der Mann, der so viele Gefahren glücklich überwunden hatte, einen lebensge­fährlichen Unfall gehabt. Der kurzsichtige Gelehrte war aus einem niedrigen Fenster auf die Straße ge- stürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen. Aufopfernd wurde er von den deutschen Landsleuten gepflegt, während Stanley und seine Anhänger Schmäh­ungen und Verleumdungen aller Art über ihn in Büchern und Zeitungen verbreiteten. Leider hat er auch später sich nie bereit finden lassen, zur Abwehr seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen; aber seine ge­ehrten Freunde in der Heimath haben für ihn die Haltlosigkeit und Unwahrheit jener Anklagen darzulegen vermocht.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. April.

* Die Militär-Kommisfio« stellte heute in drei­stündiger Sitzung den Bericht über die Militär-Vorlage fest und nahm nur geringe Aenderungen an dem Ent- wurf vor. Der Reichskanzler war nicht anwesend. Die Plenarberathung soll am 2. Mai stattfinden.

* Beim Reichskanzler Grafen von Caprivi findet am 25. April ein Essen statt, zu welchem Einladungen an sämmtltche Minister und Staatssekretäre sowie an eine Reihe von Parlamentariern ergangen sind.

* Die liberalen Blätter können sich noch immer nicht darüber beruhigen, daß die Absicht besteht, an der künigl. Akademie zu Münster eine Professur für „Gesellschaftswissenschaft" zu errichten und dieselbe dem Abg. Hitze zu übertragen. Die ,RH.-Westf. Ztg.' freut sich, daß darüber „irgend welche bestimmte Ab­machungen bis jetzt noch keineswegs getroffen sind." Sie hat aber aus sicherster Quelle vernommen, daß allerdings eine solche Anregung ergangen und der Herr Kultusminister bei seiner jüngsten Anwesenheit in Münster mit der Angelegenheit befaßt gewesen ist. Die »Boss. Stg.' widmet der Sache nochmals einen langen Leitartikel, in welchem sie „Verwahrung" einlegt gegen die „ Verbindung der Nationalökonomie mit der Theologie." Die Theologie ist — so schreibt das freisinnig-frei­maurerische Blatt — „ebenso unfähig die sozialpolitische Fragen zu lösen, wie die Mathematik oder die Archäologie. (!) Man soll den Jrrthum bekämpfen, daß sich mit theologischen Gründen die virthschastlichen Nothftände der Gegenwart bekämpfen lassen, die wirth- schaftlichen Gründen ihre Entstehung verdanken. Wirth- fchaflliche Mißstände theologisch überwinden wollen, heißt wissenschaftlichen Humbug treiben." Hat denn etwa Herr Hitze oder ein anderer katholischer Sozial­politiker jemals mit theologischen Gründen die wirthschaftlichen Nothstände zu bekämpfen gesucht. Die ,Voss. Zrg/ weiß sehr gut, daß das nicht der Fall ist; sie behauptet eS auch nicht direkt, führt aber ihre Leser wohl nicht ohne Absicht in diesen Jrrthum. Der ganze Groll der liberalen Presse hat nur darin seinen Grund, daß Herr Hitze, der anerkannte, bedeutendste Sozialpolitiker des ganzen Reichstages —katholischer Geistlicher ist.

* Aus eine vom Anhalter katholischen Arbeiter­verein am 8. Februar dem hl. Vater zu seinem 50- jährigen Bischofsjublläum zugesandte Glückwnnschadreffe ist vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom einge­laufen, welche abermals einen Beweis von der liebe» vollen Gesinnung des hl. Vaters für die Arbeiter­schaft liefert. Die Hauptstelle lautet: „Unter den rührenden Beweisen von Anhänglichkeit, bte der hl. Vater bei Gelegenheit seines Jubiläums von jedem Stande erhalten hat, sind ihm persönlich diejenigen d e« sonders angenehm, welche Ihm von Arbeitern gegeben find; denn die Arbeiter find in ganz besonderer i Weise der Gegenstand Seiner liebenden Sorgfalt."

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute ine zweite Berathung des Kommunalabgaben - Gesetzes fort. Bei

worden ist. DaS Schristchen wird jetzt, wo die Jesuiten- Debatte im Reichstage bevorsteht, sehr zeitgemäß sein.

* Gegenüber dem Gutachten von Schreib-Sach­verständige« werden bei der Entscheidung von Kriminal­fällen die an der Rechtsprechung betheiligten Faktoren mit Recht immer skepttscher. Eine nicht sehr große Hoch- ' achtung vor den Leistungen der Schreib-Sachverstän- i digeil legte der Rechtsanwalt Morris in einer Anklage- ! fache an den Tag, welche vor der 7. Strafkammer des \ Berliner Landgerichts I verhandelt wurde. Der Ange­klagte, ein bis dahin unbescholtener Mann, welchem \ durch seine Arbeitgeber die besten Zeugnisse ausgestellt i wurden, stand unter der Anttage einer recht pfiffig auS- ? geführten Urkundenfälschung. Er wurde wesentlich nur , durch den Schreib-Sachverständigen belastet, welcher in der incriminirten Urkunde verschiedene charakteri­stische Schriftzüge feststellte, welche sich auch in der Schrift des Angeklagten vorfanden. Der Schreib-Sach­verständige erklärte mit positiver Bestimmtheit, daß der Angeklagte der Schreiber der betreffenden Urkunde sei. Rechtsanwalt Morris erllärte dem gegenüber, daß nach den in neuerer Zeit erschrecklich zahlreichen Fällen, in denen sich Schreib-Sachverständige glänzend geirrt, er auf dem Standpunkte stehe, daß auf diese Gutachtm überhaupt nichts zu geben sei und wenn dieselben auch noch bestimmter ausfielen, als sie auSzufallm Pflegten. Die Schreib-Sachverständigen suchten immer mit Vor­liebe einige Aehnlichkeiten in den zu vergleichenden Schriftstücken heraus und ließen die dazwischen liegen­den vielen Unähnlichkeiten gänzlich unberücksichtigt. Da in unfern Volksschulen das Schreiben nach derselben ■ Methode gelehrt werde und gleiche Jahrgänge der BolkSschüler zweifellos dieselbe Federführung und Buch- stabenform lernen, so liege doch nichts näher, als daß ungezählte Perstmm viele Buchstaben in übereinstimmen­der Form schreiben. Einigermaßen zutreffende Gutachtm würden sich immer nur auf Grund umfangreicherer i Schriftproben anstellen lassen und wenn Schriftstücke : von der Hand des Angeklagten vorliegen, die derselbe I nicht zum Zwecke der Schriftenvergleichung angefertigt i hat. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen : insoweit an, als er die Belastung lediglich durch einen Schreib-Sachverständigen nicht für ausreichend hielt und deshalb dm Angeklagten freisprach.

* Köln, 23. April. Zur Jubiläums • Feier der Hochw. Herrn Erzbischof Kardinal Krementz werden 10 Kirchenfürsten, nämlich außer den Bischöfen Kardi­nal Kopp von BreSlau, v. StablewSki von Gnesen- Posen und Redner von Calm, welche verhindert sind, persönlich an dem Feste theilzunehmen, sämmtliche preußischeBlschöfe, nach Köln kommen; außerdem auch noch 7 Aebte. Schon aus dieser Thatsache ist er­sichtlich, daß die Feier äußerst glanzvoll sich gestalten wird. DaS Domkapitel hat die Beleuchtung der West­seite deS Domes einschließlich der Thürme übemommm. Sie Vorbereitungen zur Jubelfeier taffen auch sonst auf einen ganz großartigen Verlauf schließen. Die Theil- nähme ber Vereine ist nach den Anmeldungen zu schließen e;ne allgemeine, für den Fackelzug rechnet man auf 12,000 Theilneymer. Am Vorabend des NammsfesteS Küste ziehende Expedition des Dr. PeterS begrüßm, der von diefem Zusammentreffen eine interessante Schilderung gegeben hat.

Auf Grund seiner Mittheilungen entschied der Pascha sich dafür, in Tabora einen Stützpunkt der deutschen Herrschaft zu gründen. Er sandte aus diesem Ort einen Brief in die Heimath, der ein ganz S Pro­gramm für die Entwicklung Deutsch-OstafrikaS enthielt. Dr. Emin dachte an eine Dreiteilung der Kolonie für die Verwaltung und sprach die Uelerzeugung auS, finanziell unterstützt und mit einer gewissen Selbst­ständigkeit versehen, würde er daS Seegebiet bald soweit fördern, daß eS die Kosten aus eigenen E trägen zu decken vermöge. Diese Aufgabe zu lösen war ihm nicht beschieden. Schon durch die Besetzung Taboras war er mit Major Wißmann zerfallen, eine grund­sätzliche Meinungsverschiedenheit in der Behandlung der Araber kam dazu, sowie Streitigkeiten mit dem vom Reichskommissar ebenfalls enssandten Händler StokeS und die Schwierigkeiten, der von vornher in zu schlecht anSgeiüsteten Expedition aus den geringen vorhandmen Mitteln den nölhigen Nachschub zu verschaffen. Diese Verhältnisse entwickelten eine wachsende Verstimmung, die schließlich dazu führte, daß Emin abberufen wurde.

Den Befehl zur Rückkehr hat Emin Pascha erhaltm,

8 9 der den Gemeinden die Befugniß zur Erhebung indirekter Steuern gibt, beantragt Abg. v. Srombecker die Vereinbarung der Gemeinden mit den Betheiligten, durch die der Jahresbetrag der zu entrichtenden in­direkten Steuern für mehrere Jahre zulässig sein soll, der Genehmigung zu unterwerfen und wird der § 9 auch mit diesem Anträge angenommen. Bei § 10, welcher die Besteuerung von Fleisch, Getreide, Mehl, Backwerk, Kartoffeln und Brennstoffen ausschließt, will Abg. Frhr. v. Erffa (kons.) durch einen bezüglichen Antrag die Einführung der Schlachtsteuer in allen Ge­meinden erleichtern. Der Antrag wird ober abgelehnt und § 10 unverändert angenommen, ebenso die §§ 11—17 ohne wesentliche Debatte. Bei § 18, der von den direkten Gemeindeabgaben handelt, entspann sich eine lebhaftere Diskussion. Abg. Friedberg (natL) beantragt, daß allgemein die Mieths- und Wohnungs- steuer vom 1. April 1895 spätestens am 1. April 1900 außer Kraft treten solle. Nachdem zu § 18 noch die Abgg. Dr. Bruel (Ctr.), Dr. Mayer-Berlin (dft.), Frhr. v. Zedlitz (kons.), v. Eynern (ml.) ge- sprochen wird zur Abstimmung über den Antrag Fried­berg geschritten. Bei der hierbei nöthig merbenben Auszahlung werden für den Antrag 99, Dagegen 109 zusammen 208 Stimmen abgegeben. Das HauS ist also beschlußunfähig. Weiterberathung morgen.

* „Monstra von Scheußlichkeit" sind „zumTheil" nach der Behauptung des Herrn Dr. Adolph Harnack, welcher ordentlicher Professor der Kirchengeschichte und Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin ist, „die umfangreichen ethischen Hand- bücher der Jesuiten"; diese Handbücher sollen „oft genug das Schimpflichste als verzeihlich darstellen". So behauptet der genannte Verfasser in seinem Lehr­buch der Kirchengeschichte, 1890, 3 Bd., S.641 Auf diefe fürchterliche Anklage hat nun soeben der Jesuiten- pater ß. v. Hammerstein eine Antwort gegeben in Form eines offenen Briefes an den genannten Professor, betitelt „Die Jesuitenmoral" (Trier, Paulin nS- Druckerei). Da der Professor keine Thatsachen als Beweise vorbringt, so war schon deshalb die Wider- legung leicht; der Verfasser konnte sich darauf beschrän­ken, in indirekter Weise, nämlich auS rühmlichen Zeugnissen für die Jesuiten, die Wahrheitswid- rigkeit des vom Verfasser erhobenen VorwmfeS zu i beweisen. Wenn sogar bte Atheisten d'Alembert und ■ Lalonde, der Protestant Dallas, der Philosoph Des­cartes die Jesuiten loben, dann kann die Behauptung ' Harnack's nicht wahr sein. ES scheint, daß Harnack unter dem Eindrücke einer Broschüre geschrieben hat, welche behauptet, daß fast jede Beichte eine Stunde lang dauere, und daß die Beichtkinder durch die peiu- lichsten Fragen gequält und zur Sünde verleitet würden, ! und daß ein solcher Verfahren von den Handbüchern der Jesuiten vorgeschrieben sei. Diese unbegründete ■ Anklage widerlegt Pater von Hammer st nn aus dem vielgebrauchten Handbuche des JesuitenpaterSReuter, | der vor einhundert Jahren in Trier wirkte, und dessen ' Werk in neuer Auflage durch den kürzlich verstorbenen General der Jesuiten, Pater Anderledy, herauSgegeden

Es bauet te lange, bis Emin Pascha sich von seinem Krankenlager erheben konnte, baS bte treue Sorge Dr. Brehms und Hauptmann Richelmanns vor jeder Störung bewahrte. Noch während er lag, s hatten ihn Sorgen um die Zukunft gequält. Mit unwürdiger Knickerei wurde er von der ägyptischen Regierung behandelt, die ihn mit 400 L. als Ent­schädigung für seine langjährigen Dienste abzuspetsm - suchte. Er hatte schon früher dem Major v. Wiß- < mann mitgetheilt, daß er es vorziehe, für sein Vater­land zu arbeiten, und tief gerührt war er gewesen, als schon beim Empfang in Bagamoyo ihm ein Glückwunsch Kaiser Wilhelms und eine hohe OrbenSauszeichnung mitgetheilt wurde. So übernahm er eS freudig, im Auftrage des Reichs- kommsssarS eine Expedition nach dem Viktoria Ny an za zu führen. Er wollte die Gebiete zwischen dem See und Dem Tanganyka durch Verträge und Stationen sichern, und wie er einem Freunde mit» theilte, beabsichtigte er auch den Engländern in Uganda und Unjjoro zuvorzukommen, die damals noch nicht der britischen^Jntereffensphäre zugesprochen warm. Am 20. April 1890 brach der Zug von Bagamoyo auf, und als er nach beschwerlichem, durch Regen aufge« • battenem Maisch in Mpuapua Rast hielt, konnte Emin Pascha die zu seiner Rettung entsandte und jetzt zur .