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JM 93

20. Jahrgang

Dienstag, den 25. April 1893.

uldlierVZkltiiiig

* Treue Liebe.

Gattin stillen Segen, Kinder Glück bescheert.

Den Der Der

Wo

Dort führte zu einander Dereinst uns daS Geschick; Dort traf aus ihren Augen Mich einst der erste Blick.

Nun wandern wir zusammen Hinfort die Lebensbahn, Als wie zusammen wandern Die Lauter unt- der Glan.

Das Leben, ach, das Leben Ist nur ein kurzer Traum; Die schöne Lust der Erde Vergeht wie Wellenschaum.

Doch treuer Menschen Liebe Hält auch dem Tod noch Stand, Und alles, alles Andre Das steht in Gottes Hand.

Xi Die deutschen Studenten aus der katho-' »scheu Hochschule p Freiburg in der < Schweiz.

M * Im Oktober 1889 wurde die neue Universität - mit zwei Fakultäten eröffnet. Mit überraschender t Schnelligkeit und Kühnheit hatte man das große Werk ; in Angriff genommen. In der Thal muß man es em > kühnes Werk nennen, wenn man bedenkt, wie klein der , Kanton ist, der er unternahm. Er zählt nur 119,115 - Einwohner. Die einzig größere Stadt ist die Haupt- stadt Freiburg mit 12,195 Einwohner. Aber daS kleine Völkchen, rings umgeben von Protestanten, wird durch ein lebhaftes katholisches Bewußtsein zusammen­gehalten. Bon den 119,155 Kantonbewohnern sind 100,067 Katholiken. Die 18,929 Protestanten ge- hören meist dem Bezirk deS Stäbchens Murten an.

Mau hat wohl in Deutschland vielfach dem Zweifel darüber Ausdruck gegeben, ob der katholische Charakter der Universität stets aufrecht erhalten werden könne. Diese Zweifel sind unbegründet; es zwingt nämlich die Logik der Thatfachen zur Aufrechthaltung des katholischen Charakters der Universität. Die Schwerz besitzt bereits sechs kantonale Hochschulen: die Uni- versitäten Basel, Zürich, Bern, Genf, Lausanne und die Akademie in Neuenburg — eine für daS Herne Land außerordentlich große Zahl. Wozu eine siebente Hochschule, konnte man mit Recht fragen, wenn eS sich nur darum gehandelt hätte, eine Universität zu gründen in demselben Geiste wie der anderen Hochschulen ihn kund thun. Die verschiedensten Geistesrichtungen der Schweiz kommen auf den übrigen sechs Universitäten zur Geltung; sogar den Altkatholiken in eine zur Zert von — 5 Studenten besuchte theologische Fakultät in Bern errichtet worden. Nur die römisch-katholischen Schweizer, welche doch ein Drittheil der Bevölkerung bilden, waren unberücksichtigt.

Muß da nicht jeder Uvprrtheiische anerkennen, daß die Katholiken mit Recht vaS Bedürfuiß fühlten und darnach strebten, für ihre Söhne eine katholische Hoch­schule zu haben? Ist aber anerkannt, daß ein Bedürf- mß war für eine katholische Universität, keines­wegs aber für eine Universität, die gleichen Geister wäre wie die anderen Hochschulen, so folgt daraus mit zwingender Nothwendigkeit der Schluß, daß die Uni­versität Freiburg ihren Daseingrund nur in ihrem katholischen Charakter hat. Entweder sie wird katholisch sein ober sie wird nicht sein.

Nachdem ein Jahr lang die juristische und philo­sophische Fakultät allein bestanden hatten, wurde darauf­hin die theologische Fakultät eröffnet im Wintersemester 1890/91. Da die vhilosophisrye Fakultät nur die philosophisch-philologisch-historischen Fächer umfaßt, so fehlt zur Vervollständigung der Universität die mathe­matisch - naturwissenschaftliche Abtheilung der philo­sophischen Fakultät und dann die medizinische Fakultät.

Die Frequenz der Universität hat in erfreulicher Weise stets zugenommen. Im ersten Semester (Winter 89/90), dar ja schon begann, ehe noch die Nachricht von der Eröffmng der Fakultät genügend verbreitet

Gmi« Pascha f.

* Wie die „Times" meldet, sind vor einigen Tagen in Zanzibar Briefe von dem Sohne des großen Sklaven- jägerS Tippo Tip ein getroffen, welche den in einem Kampfe erfolgten Tod Emin Paschas und feiner Leute melden. Bon einem romantischen, fast märchenhaften Schleier ist der Lebenslauf Eduard Schnitzers, das ist fein Familienname, umgeben. Jahre lang, so schreibt die „Köln. Ztg.", richtete sich die Aufmerksamkeit der ganzen chnhfirten Welt auf den Kampf, den der von der Cultur und jeder Verbindung abgeschnittene kühne Europäer an die Quellen des Nils gegen die zahl­losen Schaaren des Mahdi führte. Das stolze Eng­land hatte den wenigen Offizieren und Beamten, die im Sudan noch das Banner der Khedive hochhielten, preiSgegeben, und Gordon Pascha, diese mystisch an­gehauchte Soldatenfigur, erlag den Speeren und Schwertern der Mohamedaner. Nur Emm Pascha hielt sich noch in der Acquatorialpcovinz die seinem Geschick und OrganisationSralent Ruhe und Ordnung stets Aufblühen und gedeihliche Entwickelung verdankte; aber die Briefe, die er an seine Freunde in der Hei- math richtete, zeigten die Gefahr, daß auch daS letzte Bollwerk gegen den Ansturm des JStamS weggespult würde, in immer größerer Nähe.

__sie und ich, wir beide Zum ersten Mal unS sah'n. Es war, wo mit der Lauter Zusammenfließt der Glan.

O glücklich, wem der Himmel trauten eignen Herd,

war. Wenn die deutschen Protestanten ihre Söhne nach Lausanne schicken konnten und können, ohne daß ihnen das Studium dort abgerechnet wird, so müssen auch die deutschen Katholiken ihre Söhne nach Freiburg schicken können, ohne daß diesen die Anerkennung des Studiums dort verweigert wird. Daß die von dem preußischen Justizministerium geltend gemachte Inter­pretation des § 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes keines­wegs eine nothwendige war, zeigt auch der Umstand, daß der verstorbene sächsische Justizminister von Gerber auf Grund eben dieses Paragraphen einem Juristen aus Sachsen, der in Freiburg studirte, das Studium, dort anrechnete. Auch der bayerische Kultusminister hat einem Studirendm der Rechte, der eines der in Bayern geforderten philosophischen Semester in Freiburg zu- brachte, diese- Semester anerkannt. Noch schwebm über diese Frage die sich seit dem Anfang 1891 schon hin- ziehenden Verhandlungen mit den preußischen Ministern. Es ist zu hoffen, daß schließlich auch in Preußen, dem Grundsatz der Billigkeit entsprochen wird. Der jetzige preußische Kultusminister hat sich in anderen Fragen zu diesem Grundsatz offen bekannt. Er muß auch, da er als ein überzeugter Christ gilt, für eine ausge­sprochene christliche Hochschule Sympathien besitzen, selbst wenn dieselbe nicht feinem christlichen Bekenntniß angehört. Jedenfalls braucht er die Befürchtung nicht zu hegen, daß die preußischen Studirendm in Freiburg von den in der Schweiz anderwärts zu Tage ttetmdm sozialistischen und nihilistischen Anschauungen angesteckt werden tonnten. Es ist diese Frage der Anerkmnung des Freiburger Studiums für die Universität eine der I wichtigsten, deren Lösung die Zukunft bringm soll. gh.

war, zählte die Universität die sehr kleine Zahl von 29 Studirendm. DaS 2. Semester (Sommer 1890) wies schon 41 auf. Im 3. Semester (Winter 1890/91), in welchem die theologische Fakultät eröffnet wurde, stieg diese Zahl sogleich auf 143. Seitdem ist die . Steigerung wieder eine langsamere; im 4. Semester ' 157; in dem eben beendigten Wintersemester 1892/93: 188. Diese Zahl von 188 Studirendm vertheilt sich in; folgender Weise auf die einzelnen Fakultäten: 83 Theologen, 72 Juristen, 33 Philosophen. Die Zahlen ; find gegenüber jenen Ziffern, an die wir in der Uni- = verfitätsstatistik des deutschen Reiche- gewöhnt sind, | zwar noch recht bescheiden; vergleicht man sie aber mit | der Frequenz der schweizerischen Hochschulen, so kann Freiburg dm Vergleich recht gut destehm.

Die d eutschen Studirmden sind die ersten ge­wesen, die aus dem AuSlande erschienen sind; sie \ sind immer von allen Nichtschweizern die zahlreichsten gewesen; ihre Z-hl ist auch bisher eine ziemlich stetige gewesen. Im 3. Semester betrug die Zahl der imma- trikulirten deutschen Studirmden: 26; im 4.: 33; im 5.: 37; im 6.: 42; im 7. (Winter 92/93): 35. Dieser Anklang, welchen die Universität in Deutschland fand, ist in Freiburg wiederholt öffentlich hoch gewür­digt worden, die deutschen Studirenden sind stets mit besonderer Freude willkommen geheißm worden. Sicher wäre der Besuch der Universität durch deutsche Studi- renbe noch größer gewesen, wenn nicht die preußische Regierung auch Freiburg gegenüber jene unparitätische Haltung angenommen hätte, über welche die preußischen Katholiken sich auch bei so vielen anderen Gelegmheitm zu beklagen Haden.

Nach § 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes wird von deutschen Studirmden der Rechte ein sühSsemestrigeS Univerfüälsstubium verlangt; von diesm 6 Semestern müssen 3 Semester auf deutschen Universitäten zuge­bracht werden- Gestützt auf diesen Paragraph kamen im Sommer 1890 einige deutsche Juristen nach Frei- biirg in der sichern Voraussetzung, daß ihnen die Frei­burger juristische Studien bis auf 3 Semester aner­kannt würden. Gegen allgemeines Erwarten beschied aber das preußische Justizministerium im Herbste 1890 i die Anfrage eines Studirenden dahin, daß die Frei- > bürget Semester nicht anerkannt werden könnten, ' weil Freiburg nicht als Universität im Sinne des § 2' des GerichtsverfaffungSgesetze- angesehen »erben könnte. Mit Recht konnte dieser Bescheid im höchsten Maße befremden. Er läßt sich nur in dem Sinne deuten, daß daS Freiburger Studium deshalb nicht an­erkannt werden könnte, weil die Universität noch nicht vollständig fei. Es fehlen der Universität noch die mathematisch-naturwiffmschaftlichen Fächer und die medizinische Fakultät. WaS haben ober diese Fächer für eine Bedeutung bei der Ausbildung eines Juristen? DaS ungleiche Maß, mit dem daS prmßifche Justiz- Ministerium mißt, zeigt sich deutlich, wenn man sich erinnert, daß Lausanner Semester auch, stets anerkannt wurden vor Eröffnung der medizinischen Fakultät, die erst im Sommer 1891 stattfand, also ehe noch die Hochschule von Lausanne eine vollständige Universität

Deutsches Reich.

Berlin, 22. April.

* Dem .ReichSanzeiger' zufolge hatte der Trink- fpruch, welchen König Humbert von Italien bei dem geftrigen Galadiner im Quirinal zn Rom ausbrachte, folgenden Wortlaut:

Das Herz erfüllt von Freude, danke Ich, zugleich im Namen der Königin, Meinem theuren Bruder, dem Kaiser Wilhelm und Seiner erhabenen Gemahlin, der Kaiserin August- Viktoria, so­wie allen verwandten, befreundeten und verbündeten Prinzen nnd Prinzessinnen, welche hierher gekommen sind, um die Freuden dieser Tage mit Uns zu theilen. Ihre Anwesenheit ist Mir, Meinem Hause und Meinem Volke ein Unterpfand des Glückes! Fch trinke auch im Namen der Königin auf Seine Majestät den Deutschen Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin, auf alle fürstliche» Gäste, die an diesem Tische sitzen, sowie auf die Souveräne und Staatsoberhäupter, die heute durch ihre Verwandten oder durch Repräsentanten hier vertreten sind!"

Hierauf erhob sich Kaiser Wilhelm zu folgenber Erwiderung:

Euere Majestäten wollen Mir gestatten, zunächst in Unserer Beider Namen gerührten Dank zu sagen für den herzlichen Em­pfang den Euere Majestäten und die Einwohner Roms und ganz Italiens Uns bereitet haben. Ich erblicke in dieser Thatsache den erneuten Beweis Euerer Majestät persönlicher Freundschaft, welche Sie von Meinem Großvater und Meinem Vater aus Mich über- tragen haben. In Beider Sinne habe Ich gehandelt, als Ich hierher eilte, Meine Glückwünsche zum heutigen Feste darzubrrn- aen Hand in Hand mit Unserer persönlichen Freundschaft geht die warme Sympathie, welche die Völker Deutschlands und J:a-

Auf verschlungenen Pfaben hat das Geschick Eduarb Schnitzer aus Schlesien an bie Ufer bet Jahrhunderte I lang verborgenen Quellen des Nils geleitet. In Oppckt 1840 von jüdischen Eltern geboren, hatte bet Knabe schon früh bas lebhafteste Interesse an den Natur­wissenschaften gezeigt, unb noch bewahrt daS Gymnasium in Neiffe ein Herbarium, baS ber Schüler angelegt hat. Auf ber Universität konnte ber junge Mediziner seinen Neigungen noch mehr nachgehen. Die Sehnsucht, frembe Länber mit eigenen Augen zu sehen, trieb ihn hinaus, sobalb er sein Staatsexamen bestanden hatte, lieber Triest kam er nach Anttvari unb gewann bte Gunst beS bortigen Paschas, ber ihn auch spater nach Kleinasien mitnahm. In bie Eigenart beS MuhamebanA muS wußte er sich balb zu versetzen. Der türkische I Name, ben er sich wählte, ®mm „ber ^rem dw vollständige Beherrschung beS Türkischen und Arablschay wie bas gemeßene Auftreten unb bte Beobachtung ber

3»rm"r. M

sichen, er sei Moslem geworden. Mit Hallt Pascha besuchte Emin noch Arabien unb Armenien, bann, al­lein Freund 1874 in Janina alS Gouverneur von I Albanien gestorben war, kam er noch einmal zu den I ©einigen zurück, aber schon nach einem halben Jahre ■ tonnte bie Heiwath ben Forscher nicht mehr fesseln. I Der Kbediv Ismael strebte darnach, bie Grenzen seine-