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Verbannt.

Nach dem Englischen von I. NüttgrrS.

(69. Fortsetzuag.)

,68 find achtzehn Jahre her," fuhr also Miß Ronny fort, „daß Sie, Mylord, ja, Sie und Ihr 6ousiu, einer jungen Engländerin in dem Hause eines ihrer Landsleute, welcher damals in Brüssel wohnte, vorgestellt wurden. Beide waren in fie verliebt . . . Sie wies die Liebeserklärungen de- Kapitän Tollis zmück und nahm die Ihrigen an, Mylord ... ES war ein junge», ein wenig romantisches vnd dazu etwas verwöhntes Kind. Sie meinten damals, daß der Bater des Mädchens, ein Mann von strengen Grund» sätzeu, Sie vielleicht nicht als Schwiegersohn annehmen werde und Sie wußten deshalb diese- Kind zu be­stimmen, eine geheime Ehe mit Ihnen einzugehen, so­bald fie mit ihren Freunden nach England zurückge­kehrt sein werde. Ist die- wahr?"

,Jo, ja, aber . . ."

. .Sie liebten fie, nnd da fie wußte, daß ihr Bater aue Borliebe für Titel und Stellung besaß, so glaubte sie, daß er ihr er verzeiheu würde, daß fie ihn nicht um Rath gefragt habe, sobald die Ehe einmal voll­zogen sein würde ... Sie willigte also ein, die arme Unglückliche . . . Sie, Mylord, der Sie nicht wußten,

Ausland.

* Rom, 18. April. Im Konfistorialsaal hatten heute 800 Mitglieder der Vincenz«Vereine aller Länder Audienz. Auf die Adrefie antwortete der hl. Bater lateinisch; dann kamen alle zum Handkuß. An« wesend waren sünf Kardinäle. — Eine zweite Audienz fand um 1 Uhr in der Galleria delle Carte ®eo- grafiche statt. Der hl. Bater empfing hier die Ver­treter der französischen Oeuvre- Catholique-, 2700 Pilger. Anwesend waren in dieser Audienz die Kardinäle Parocchi, Vincenzo, Banutelli, DunajewSki, Sepiacci und Masella. P. Picard verlas die Adrefie, worauf Papst Leo eine französische Antwort persön­lich vorlaS. Darin hieß es, er ertheile seinen Segm auch allen denen, die guten Willen- seim seine poli« tischen Rathschläge betreffs des AnschlufieS an die Republik zu befolgen. Der Papst betonte diese Worte ganz besonders; dann kamen Alle zum Handkuß. ES wurden reiche Gaben und ein ansehnlicher Peter-« Pfennig überreicht. Trotz den gewaltigen Anstrengungen ist der Papst äußerst wohl.

• Rom, 20. April. Kardinal Mocmni begab sich in Vertretung de- erkrankten Kardinal- Rampolla heute Nachmittag um x/a2 Uhr nach der preußischen Sesandt- schast beim päpstlichen Stuhl, um den Kaiser und vor Sehnsucht, ihren Bater sehen zu dürfen und ost fand fie der anbrechende Morgm m Thränen. Sie warm kaum ein Jahr verheirathet, al- diese schreckliche Lage ein Ende fand — und welch' ein Ende!'

Edward Darkwood murmelte einige Worte, auf welche die Schloßbesitzerin von Beechmont indeß nicht achtete. ,

«Eine- Tage- haben Sie Ihre Wohnung verlassen, um ihren Bater avfzufuchm und ihn um Berzechung zu bittm. Während Ihrer Abwesmhest laugte em Wagen vor Ihrer Thüre an, welchem zwei Herren ent­stiegen, welche Madame Charteri- zu sprechen wünsch« ten. Man ließ beide sogleich vor - e- warm der Kapitän Tolli- und Ihr Bater, etn.@rei8. Lord Dark» wood Bater nannte seinen Ramm und machte Ihrer Gattin bemerklich, daß e- Zeit sei, daß daS skandalöse Treiben aufhöre, welches sein Sohn mit emrr Frcm stiüre welche er mit einem Ramm belegte, welchen tch nicht' Wiederholm will. BergebmS bethmerte Ihre rechtmäßige Gattin, daß Sie mit einander verehelicht feien — Ihr Bater achtete nicht darauf, sondern sagte m bitterem Tone: „Seit wann pfiegm reiche Erbm die Töchter kleiner Gutsbesitzer au- Iorkshire zu hei- rathm?' Boll Berzweifiimg zeigte die Unglückliche ihrm Trauungsschein. „D, wa- diese- Papier anbe­langt, antwortete TolliS mit höllischem Lachen, „so bi

und nicht wieder durch eine mißverständliche Kundgeb­ung Anstoß erregt, so Wird gewiß die ordnungsmäßige Wiederwahl die Nachwirkung dieser anormalen Wahl­vorgänge aufhebm und die Zweifel an der Zuträglich­keit der Mttgliedschast für da- FrakttonSlebm besei­tigen. Inzwischen werden ja fteilich die lauemdm Gegner auS dem Zwischenfall noch weiter Kapital zu schlagm suchen. DaS katholffche Volk wirb sich aber durch die Aufbauschung dieses eigenartigen Einzelsaller nicht irre machen lassen. Solche Irrungen und Wirr­ungen kehren schwerlich wieder, nachdem man auS der gemachten Erfahrung auf beiden Seiten die ent- sprechenden Lehren gezogen hat. An dieser Hoffnung ändert sich auch nicht-, durch den Umstand, daß e- im jetzigen Augenblick noch nicht möglich war, die Sache vollständig und in aller Form auszugleichen. Unter dm gegenwärtigen Umständen führt da- „schiedlich — friedlich" am besten zur vollen Ueberwindung de- AergemifieS und Zwiste-. DaS vorläufige freunb- nachbarliche Nebeneinander bereitet dar erwünschte In­einander für die Zukunft vor — wmn nur Herr FuS- angel und feine Anhänger sich der Pflichten, die der auch von ihnen festgehaltme Parteistandpunkt auferlegt, stets vollbewußt bleibm."

• Der neue Antrag Ahlwardt» wird weder von dm Stottern noch im Reichstage ernst genommen, son­dern nur als ein Manöver, fich um die versprochmm Beweise zu drücken, weil er für seine Anschuldigungen kein BeweiSmateriol hat. Selbst die Sozialdemokratm werben voraussichtlich diesen Antrag nicht unterstützm.

* Der Reichstag beriech hmte zunächst dm Gesetz­entwurf, betr. den Schutz der Waarenbezeichnungm. Abg. Dr. Hammacher (ntl.) erblickte in der Borlage erneu Fortschritt gegenüber dem bisherigen Recht-zu- stande. Ebenso der freisinnige Abgeordnete Schmidt- Elberfeld, welcher jedoch noch eine weitere Ausdehnung de- Schutze- namentlich England gegmüber wünschte. Beide Redner beantragten eine Borberathung des Gesetz­entwurf- in einer Kommission, welche vom Hause vor­aussichtlich beschlofien werden wird.

* Da- Herrenhaus erledigte hmte in einer kurzen Sitzung den Gesetzentwurf betr. die Abänderung von Gericht-bezirkm sowie andere kleine Vorlagen und ver­tagte sich bann bi- zum 2. Mai.

* Die Konnnisfiorr de» Herrenhanse» für Ambe- ruug bes Wahlverfahrens hat beschlofien: 1) bie Dreitheilung ber Urwähler-Abheilungen wiederherzu­stellen und bie Zwölftheilung abzulehnen; 2) in bew § 1 bie Bestimmung zu streichen, baß bei ber Steuer­berechnung ber Urwähler bie den Betrag von 2000 Mk. übersteigmde StaatSeinkommmstmer nicht zur Anrech­nung kommm solle. Die Streichung be8 § 4, welche beantragt war, ist abgelehnt.

• Der „Vorwärts" veröffentlicht entern Aufruf de» sozialdemokratischen Parteivorstande», der Verbreitung sür die ReichStagSwahlen, zu Selb- Sammlungen und zur Aufstellung von Kandidaten unter Vermeidung von Doppelkandidaturen auffordert.

* Die Errichtung einer BiS»arck«DenkmalS in Berlin liegt der Nationalliberalen Correspoubenz, die

daß Kapitän Tollis diejmige liebte, welche Sie zu heirathm im Begriffe sianden, Sie vertrautm aller Ihrem Freund und Vetter an, und Sie gaben ihm ben Auftrag, Ihnen eine Einwilligung, sowie einen Prediger zu verschaffm, welcher Ihre Verbindung ent­gegnen sollte. Der Vater der jungen Mädchen- war abwesend, und sie war bei der Familie, mit welcher fie auf dm Äontinent gereist war. Sie bmutzten die Gelegmheit, daß alle Glieder der Familie an-gegangm Waren, um fie abzuholen, und erschimen in Begleitung diese- Prediger-, welcher die Ehe alrdavn einsegnete."

„Madame!" rief der Marqui- abermals aus'S Amßerste betroffen. Sie aber fuhr in wegwerfendem stolzen Tone fort:

„Rach der Trauung reiften fie mit ihr nach Ita­lien, woselbst Sie mehrere Monate verweiltm. In- zwischm fühlte die junge Frau fich keineswegs glücklich, dmn ihr Gewiffm machte ihr bittere Borwürfe . . . . Täglich weinte fir bei dem Gedanken an ihrm heißne« liebten Bater und fie bat Sie, zu ihm zurückzukehren und dann Ihre Berbindung zur öffentlichen Kenntmß zu bringen. Sie traten so, als ob Sie ihrer Bitte willfahren wollten; Sie führten fie in ihre Hetmath zurück, wo Sie bann hier ben Ramm eines Herrn und Madame de Charteri- annahmen. In dieser Weise verflofim Wochm und Monate. Ihre Frau verging

Deutsches Keich.

Berlin, 20. April.

* Dar kaiserliche Paar ist Mittwoch Mittag gegen 1 Uhr wohlbehalten in Rom eingetoffen. Die Majestäten wurdm auf dem Bahnhofe von demitalimischen Königspaare sowie von den Prinzen empfangen und von ber Bevölkerung begrüßt. Ein besonber- herzliches Gepräge hatte bie Begegnung auf bem Bahnhofe in München zwischen bem kaiserlichen Paare unb bem Prinz-Regenten Luitpold und seiner Tochter, der Prin­zessin Therese. Der Kaiser verließ sofort nach Halten des Zuge« feinen Wagen und begrüßte den Prinz- Regenten durch zweimalige Umarmung, worauf er ber Prmzefsin bie Hanb küßte unb sich lange mit ihr unterhielt. Dann wandte fich der Kaiser bem preußischen Gesandten Grafen Eulmburg zu, ber Prinz-Regent unb Prinzessin Therese statteten ber Kaiserin einen Besuch in bereu Salonwagen ab. Nachher erschien auch bie Kaiserin auf bem Bahnsteige. Der Aufenthalt dauerte im ganzm 13 Minuten. — Der,Reich»anzeiger' hört, e- bestätige fich, baß dar kaiserliche Paar dem Papste am 23. April einen Besuch absiattm werde. Der Besuch werbe sich in denselben Formen bewegen, bie beim ersten Besuch 1888 beobachtet worben seim.

♦ Ueber bie Audienz der Vertreter der «en« trmuSprefie bei« hl. Bater berichtet auch der prote­stantische .ReichSbote'. Im Anschluß an bie Ansprache, welche ber heil. Vater in Erwiderung ans die Adrefie ber Deputation hielt, sagt der ,Reichsbote': „Jebm- falls geht daraus hervor, daß der Papst Verstäub- uiS hat für die Bedmtung der Prefie zur Vertretung des ChristmthumS und der Kirche. ES wäre daS auch manchen Herren in der evangelischen Kirche zu wünschm, die vielfach großen Aufwand von Zeit, Geld, Arbeit und Jutereffe an öde Kinkerlitzchen ver­schwenden, um bie sich kein Mensch kümmert — aber für bie Prefie, biefen wichtigsten Kanal deS SeisteS- lebmS unterer Zeit, so gut Wie kein Berstänbmß zeigen unb ruhig zusehen, wie unser evangelisches Volk von ber judoliberalen Prefie religiös ruiuirt wirb."

* In der FnSangel'fchen Angelegenheit geben zahlreiche Organe der CentrumSpartei der Hoffnung Ausdruck, daß ein Ausgleich später doch noch erfolgen werde. In einer bezüglichen Berliner Korrespondenz ließt man u. S.: „Herr FuSaugel unb seine Freunde brauchen unseres Erachtens auch von ihrem Stand­punkt auS keine weitem Remonstrationen gegen dm Beschluß der Fraktion zu machm. Die Nichttheilnahme an dem formellen FraktionSverband schließt daS fried­liche Zufammmwirken auf demselbm Parteiboden nicht ans. Herr FuSangel kann auch nebm dem orgauifirtm Verband für bie Berwirüichung de- CentrumS-Pro« grammS, auf da- er gewählt ist, thätig fein. Als „Wilder" nach dem ParlammtSjargon braucht er nicht wild zu werben unb wirb eS gewiß auch nicht thun. Die Ablehnung feiner Aufnahme ist nur mit ber Art deS jetzigen Wahlkampfe- begründet wordm. Wenn in dem nächsten Wahlgange Herr FuSangel von ben berufenen Vertrauensmännern abermals aufgestellt wirb

Srfcheiut täglich, Sam« unb Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zelle oder deren Raum 16 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. BiertüWrlichncAbonnementrvreiö ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen in Fulda und auswärts 1 Mai. 60 Pfennig.

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gegenwärtig keine größere Sorge zu haben scheint, sehr am Herzm. Der vor brei Jahren gesammelte Fonds von über eine Million Mark sei in der ^Wartung zusammengebracht worben, daß daS Denkmal noch bet Lebzeiten beS Fürsten Bismarck errichtet werben soll. Aber daS Geld liege im Kasten, und von irgend einer weiteren Maßnahme des Komitees, an dessen Spitze der ReichStagS-Prästdent von Levetzow stehe, sei nichts zu hörm. Nachdem nun auch über den Platz für das Kaiser Wilhelm-Denkmal entschieden morden fei, empfehle eS sich, auf bem WilhelmSplatz in Berlin, alfo gegmüber ber früheren Amtswohnung deS Fürsim Bismarck, baS Denkmal zu errieten. Dem­gegenüber bemerkt die Volkszeitung, daß doch erst die Stadt Berlin ihre Smehmignng dazu ertheileu müßte. „DaS Beste wäre man schenkt e bie Million bem Herzog von Lauenburg zur freie» Verfügung. Damit würben ja wohl bie gütigen Spender, lauter enragirte BiSmarckschwärmer, emverstandm sein, mtb eine sogen, „heikle Frage" wäre mit einem Male auS ber Welt geschafft."

* Frankfurt a. M., 20. April. Die,Flkf. Ztg.' schreibt: Wie wir auS guter Quelle erfahren, zieht König Milan feine Klage gegen bie „Frankfurter Zeitung" zurück, nachbem fie in Folge der in Serbien eingetretenen Ereignifie gegmstandSloS geworben fei unb eS jetzt für ihn nach bem Sturze ber liberalen Partei unb ber Regmtfchast leinen Zweck mehr habe, ben Uhrheber ber gegen ihn verbreiteten Nachricht au8- sindig zu machm. Unser Gewährsmann hat auch von einem Berichte beS Pariser Polizeipräfektm Einsicht genommen, au8 bem hervorgeht, daß bei den Pariser Gerichtm keine Klage gegen dm König Milan an­hängig ist oder anhängig gewesm ist.

20. Jahrgang

Samstag, den 22. April 1893.

JM 91

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