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90 Freitag, den 21. April 1893. 20. JahrgaM

FiildaersZcitniiß

♦ Die Vertreter -er katholischen Dresse l h^alb unsere Vertreter aufnehmen, die wir als Ueberbringer unserer KAkml« hrim hpiltnpn Nater. Wünsch^ zu Dir entsandtem Ihr Wart sei dasNN enge. °°

Du zu ihnen sagst, soll für uns Alle gelten, in ihrer Person mögest Du segnen uns Alle, unsere Familien und unsere Ar­beiten und dieser Segen soll sein unser bester —ohu und der stärkste Antrieb, mit Gottes Hülse bis zum Ende auszuharren im Dienste der göttlichen Wahrheit, der wahren Freiheit und

Deutschlands beim heiligen Vater.

r Rom, 17. April.

Die Audienz der Vertreter der katholischen Presse Deutschlands war angesagt auf heute, Montag, 11J5 Vm. Die Vertretung, unter Führung der Herren Dr. Cardauns, Jmmelen und Dr. Ma cour, bestand auS den Herren Präses Mebler (Regensburg), Oberpfarrer Schmitz (Krefeld), von Brentano, Rechtsanwalt (Lffen- back), Abg. Hauptmann u. Sohn (Bonn), Marzorati (Wiener Vaterland) und Roty (Köln). Dieselben ver­sammelten sich in der Sala degli Arazzi m d wurden von dort um 11 30 Vm. in den Thronsaal eingesuhrt, wo alsbald der Papst erschien, begleitet vom Maestro di Camera, Msgr. MiSciatelli, zwei Laieu-Camerien, Nobelgarden, sowie dem Oberst Schmidt von den Schweizergarden. Alle knieten beim Eintritt des Papstes nieder. Dieser sagte, die Preßvertreter betrachtend: „Das sind also die deutschen Soldaten von der Feder. Bravo! Bravo l" Auf den Thron sich niederlossend, hieß er Alle >m Kreise um den Tlron stehen und gab Herrn Dr. Cardauns das Zeichen zur Verlesung der Adresse. Dieselbe hat in der Uebersetzung folgenden Wortlaut:

Heiligster Vater!

An dem hochsestlichen Tage, an welchem Du das fünfte Jahrzent seit Deiner Bischofsweihe vollendest, nahen Dir gluck- wünfchend in tiefer Ehrfurcht auch die Verleger und Redakteure der katholischen Presse Deutschlands. Wohl sind wrr nut allen Katholiken des weiten Erdkreises verbunden durch das gleiche Gefühl der Anhänglichkeit an die hl. Kirche, der kindlichen Liebe für Deine Person, der innigen Antheilnahme an der Gnade, die Gott Dir erwiesen; aber desungeachtet glaubten wir nicht darauf verzichten zu dürfen, Dir auch unsere besondern Wünsche aus ganzem Herzen darzubringen. Eingedenk sind wrr dabei des be­sondern Wohlwollens, welches Du für uns hegst, eingedenk unseres Berufes, der heute mehr denn jemals von uns fordert, daß wir als „Mitarbeiter der Wahrheit" zu unserm Therle eifrig denselben Zwecken dienen, die der Sohn Gottes Seiner Kirche mid ihrem Oberhaupte zugewiefen bat. .

Ost schon, hl. Vater, hörten wir Dich der Menschheit jene ewigen Wahrheiten verkünden, deren Besolgung die Eisersucht der Nationen und den Haß der Gesellschaftsklassen in Eintracht und Liebe verwandeln würde. Möge Dir, hl. Vater, die Ver­sicherung gefallen, daß wir Dich verstanden haben, möge Dein väterlicher Herz das wiederholte feste Versprechen erfreuen: Auch in Zukunft sind wir unter Deiner Führung zu vertheidigen ent­schlossen, was Du, der unfehlbare Lehrer und Regent der Kirche, lehrest und vertheidigst: die Wahrheit, die von oben kommt, die Freiheit, die dem Höchsten dient, das Recht, welches fließt aus ewiger Quelle. t .

In schweren Kämpfen haben die deutschen Katholiken den glänzenden Beweis geliefert, was die Glaubenstreue der untrenn­bar mit dem Apostolischen Stuhle verbundenen Kinder der Kirche vermag, im Dulden wie im Handeln. Stets wird es unser Stolz sein daß es uns vergönnt war, an diesem Kampfe Theil zu nehmen. Nun hast Du, hl. Vater, den Zugang zum Frieden er­öffnet, und zuversichtlich hoffen wir, daß Deine Weisheit das be­gonnene Friedenswerk zum ersehnten Ende führe. Sollte aber, was Gott verhüte, diese Hoffnung getäuscht werden, dann wirst Du hl. Vater, uns mit Gottes Hülfe als dieselben wie früher finden: als treue Söhne unseres irdischen Vaterlandes aber fest entschlossen, unter Deiner Führung die Freiheit und Würde der Braut Christi zu vertheidigen. „

Gern wären wir Alle hl. Vater, persönlich zu den Schwellen der Apostel eilend, in der ewigen Stadt vor Dir erschienen, gern hätten wir Dein väterliches Angesicht geschaut und hätten aus Deinem Munde Worte des Trostes und der Ermunterung gehört. Aber weitaus die Meisten von uns hält die Pflicht der täglichen

sollen, er wäre im Nu in eine Statue verwandel worden.

Inzwischen war Lord Darkwood auf dm Elenden zugeschritten, welcher einen halb unterdrückten Schrei aurst eß und sein Gesicht in beiden Händen verbarg.

„Fabian Tollis," hob der wahre Loid Darkwood j.tzt 'an, „Deine Herrschaft ist nunmehr zu Ende . . . Du hast mich einem langen Marterthum überliefert, von welchem ich jetzt erlöst bin . . . Und j tzt ist die Stunde der Sühne und Sirafe für Dich gekommen, Elender!"

Der Verbrecher richtete sich hoch empor, ferne d cke, ölfarbige Figur wurde purpurroth und seine Augen schienen aus ihren Höhlen hervortreten zu wollen. Seine Lippen bewegten sich zwar, aber kein Laut drang aus seiner Kehle. Ein nervöses Zittern befiel hn und er sank vom Schlage gerührt zu Boden.

Pietro war eS, nachdem er seinem ehrenwerthen Herrn einen Bl ck zugeworfen, gelungen, mittelst fast übermenschlicher Anstrengung seiner Bande sich zu ent­ledigen. Er stürzte aus den Kapitän zu und ergriff rasch eine kleine Pistole, welche derselbe, wie er wußte, stets in der Innenseite seines Rockes trug.

„Er ist nicht mehr/ sagte der Maith-ser dann Die Aufregung, welche sich seiner bemächtigt hat, als er Lord Darkwood sah, hat ihn getödtet. Er glaubte,

Derbannt.

Nach dem Englischen von I. RüttgerS.

(58. Fortsetzung.)

4.

Alle schritten die Sieintteppe wieder hinauf. Hier angelangt, ging der MarqmS.in einen Gang hinein voraus und blieb vor einer Mauer stehen, auf deren Oberfläche er mit gespannter Aufmerksamkeit mit der Hand hin und hersuhr. Plötzlich ließ sich daS Ge­räusch eines Schlosses vernehmen, und zum g ößten Erstaunen Aller öffnete sich eine Thüre. Die O-ffnung, welche jetzt sichtbar wurde, befand sich in einem Theile der Mauer deS Kabinets deS falschen Lord Dark­wood.

DaS Zimmer war erleuchtet. Kapitän TolliS saß mit gesenkum Haupte in einem Fauteuil. Ec hatte offenbar nicht gehört, daß die geheime Thür aufge­gangen war. Plötzlich erheb er sich, vielleicht durch ein leises Geräusch ewporgeschreckt und sah erstaunt um sich. Wer vermöchte die Gefühle zu fchilde.rn, die ihn bestürmten als er diesem Augenblicke, nicht weit von ihm entfernt, halb im Dunkel stehend, das Bild desjenigen erbl'ckte, welchen er ermordet glaubte und dessen Stelle er inne hatte. Unbeweglich und mit stierem Blicke stand er da, — man hätte glauben

er noch Herrn Kardinal Krementz und Herrn Bischof H.ffner und erinnerte an den verstorbenen Blschof v. Ketteler. Er bekundete seine Freude darüber, daß die Verhältnisse deS Katholizismus in Preußen sich wesent­lich aebissert hätten, wenngleich noch Manches zu er­streben sei. Die Presse sei für die weitere B/rthei- digung der kirchlichen Interessen wie im Kulturkampf ein wesentlicher Faktor.

Der Papst bedauerte daS Fortbestehen der Ordens- gesitze in Baden und Hessen. Namentlich ser es die Pflicht der Presse, die Unabhängigkeit des hl. Stuhles zu fordern. Das Zufammengehen der welt­lichen und geistlichen Macht sei bedingt durch die volle Freiheit des P pstthums. Die Opferwilligkeit der Erzdiözese Köln, von deren Peterkpfenmg Herr Rody 30 000 Lire überreichte, rührte den hl. Vater sehr, da er dabei erfuhr, daß auch Kinder und Arbeiter bet« gesteuert. Dann ertheilte Papst Leo allen Anwesenden, ihren Familien, den Blättern sowie deren Lesem sei­nen Sigen. Zum Schluffe sagte der hl. Vater: „Das war eine schöne Audienz, die mir viele Freude ge­macht hat." Der Empfang trug den Charakter väter­licher Herzlichkeit, (lieber die Jabiläumsgabe der ka­tholischen Presse werden wir morgen berichten)

des ewigen Rechtes.

Deiner Heiligkeit ganz ergebene Sohne: Die Verleger und Redakteure der katholischen Zeitungen Deutschlands.

(Folgen die Unterfchriften.)

Nach der Verlesung dieser Adresse überreichten die Herren Jmmelen m d Dr. Mm cour die Sammlung der Festnummern. Papst Leo antwortete persönlich, lebhaft sprechend, mit einer etwa sieben Minuten dauernde» Ansprache, in welcher er scgte:

Der Ausdruck euerer Anhänglichkeit und euerer Freude darüber, daß Gott Uns verliehen hat, die fünfzigste Wiederkehr des Tages zu erleben, an welchem Wir die Fülle des Pnester- thums erlangten, hat in Uns sehr freudige Empfindungen er­weckt. Diefe euere Theilnahme entspricht ja durchaus dem be­sondern Wohlwollen, mit welchem Wir die Gläub gen Deutsch­lands umfassen, besonders diejenigen, welche der hervorragenden Aufgabe sich widmen, in deren Dienst ihr steht, und die als Redakteure und Verleger von katholischem Gerste geleiteter Zeitungen um die Religion und die K.rche Gottes sich große Verdienste erwerben. Gewiß gibt es kaum etwas Bedeutsameres, als die e Thätigkeit, deren Ziel es ist, angeMs eines solchen Wustes von Jrrthümern und einer so großen Verderbtheit von Lehrmeinungen und Sitten die heiligen Rechte der Wahrheit mannhaft zu schützen, freilich mit der Bedingung, daß dabei die Liebe nicht verletzt werde. Dies aber erwarten wrr vor Allem Zuversichtlich von euch, indem ihr diejenigen Wege wandelt und euch nach denjenigen Vorschriften richtet, welche die von dem apostolischen Stuhle ausgegangenen Urkunden euch vorschrerben jenem Stuhle, welcher eine feste Grundlage der Wahrheit und Gerechtigk.it ist, eine starke und getreue Wehr der Autor,tat, welche jetzt zügellose Frechheit bekämpft und angreift; er ,st zu­gleich vor allen ein wirkfameS Element und festes Band der Eintracht und des Friedens.

Daraus könnt ihr leicht erkennen, wie fehr Uns die soeben gehörten vortrefflichen Gedanken und Empfindungen des Glau­bens und der Gelehrigkeit, die ihr gegenüber der Kirche und diesem höchsten Stuhl bekundet habt, dcffen Rechne -aw-w»,,, wie Wir nicht zweifeln, eifrig und stetig werden gefordert werden, erfreut haben. Auf dem herrlichen Wege, den ihr betreten, werden euch die bereits geernteten Früchte euerer Arbeit, die Gunst und der Beifall der verständigen und edel» Männer, das Bestreben, die Hoffnung zu erfüllen, welche Wir aus euch gesetzt, vor allem aber der Werth der Güter, welche das Ziel treuer Mühe sind, täglich ein neuer Sporn sein. Eine Hauptsache ist dabei der volle und durchgeführte Friede zwischen Kirche und bürgerlicher Ge­walt von denen jene nach der göttlichen Einrichtung das ewige Heil ins Auge faßt, diese die Sicherung des Wohlergehens m ' diesem Leben; beide werden die Aufgaben völlig lösen, wenn sie 1 freundlich zusammen wirken, werden aber schwere, gemeinsame i Nachtheile erleiden, wenn sie nicht einig sind. Fahret also eifrig fort wie ihr begonnen, und empfanget als Pfand unserer väter­lichen Liebe den apostolischen Segen, den Wir euch Allen rns- gesammt und jedem Einzelnen gern ertheilen."

Dem Segen folgten Vorfiellungen und eine längere Unk, rhalmng. Der P pst ließ durch Heren Dber­ufener Sckrnitz eingehend die Organisation des Äugustinüs-Vereins sich erläutern und betonte dt ffen W chtigkeit und die Bedeutung der Presse. Der Der hl. Vater erkundigte sich nach der Abonnentenzahl, der V.rareitung und dem Eir fluß der einzelnen B.älter, wobei der Kulturkampf und die G-fängnißstrafen ein» zelner Anwesenden zur Sprache kamen. Dann fragte

»ierteliLbrli^e?AbonnemtnTä t> “tfetn* e*unb^81umffienntg.

Deutsches Reich.

B erlin, 19. April.

* Dienstag Abend 10»/. Uhr sind der Kaiser und die Kaiserin vom Anhaltischen Bahnhofe m Berlin mit großem Gefolge nach Italien abgeroft Der kaiserliche Hofzug, mildem di-Abreise erfolgte, bestand aus 10 Salonwagen und außerdem aus Küche-, Speise- und einem Gepäck-Wagen. Das Kaiserpaar langte kurz vor der Adfahrt'z-it an und betrat durch daS Fürstenzimmer den Bahnsteig. Der Kaiser erschien rn arauem Militärmantel, die Kaiserin in dunklem Reife- «nrn» und Kapothütchen. Genau zur festgefetzten Mmwe er wurde durch

(en Geheimen RegierungSrath, kgl. Eisenbahnbau- und BetriebLinip ktor WieSner vom Betriebsamt Berlin- Halle geführt. — Der kaiserliche Hofzug ist vormittags 113/ Mr in München eingetroffen und von dem Prinzregenten sowie von dessen Tochter, der Prinzessin Therese, die einen herrlichen Blumenstrauß überreichte, aufS herzlichste begrüßt worden. Um 12 Uhr Mittags wurde die Weiterreise fortgesetzt. - Nrch amtlicher Bekanntmachung werden die kaiserlichen M^estatrn am 2 Mai in Luzern von einer Abordnung des schweizerischen Bundesrathes begrüßt werden. Den Majestäten wird dort ein Frühmahl aufgetischt, dann soll die Rückreise über Basel fortgesetzt werden.

* Ein Antrag des Centrums auf korporative Organisation des Berufsstandes der Landwirthe >st dem Abgeordnetenhause zugegangen. Derselbe hat folgenden Wortlaut:

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen, die kgl. «taats- reaier'unq zu ersuchen, die korporative Organisation des Berufs­standes der Landwirthe unter Schaffung eines besonderen, der Natur dieses Standes entsprechenden und die ihm eigenthürn- lichen Verhältnisse berücksichtigenden Agrarrechts vorzubererten der Herr Marquis fei todt und sein Schädel sei zer­schmettert gewesen, als wir ihn in die unterirdischen Gewölbe gebracht hatten. Ich habe Signor Kapitan nichts davon mitgetheilt, daß sein Opfer wieder zu. sich gekommen war in der Hoffnung, ihm einer Tages dieser Geheimniß um Gold verkaufen zu können . . . ^ndetz kenne ich noch ein zweites Geheimniß . . . WollenSle mir Mylord, gegen eine Mittheilung, an welcher Ihnen unendlich viel gelegen sein muß, die Freiheit wieder- geben?" ,

„Sprich," sagte der wahre Lord Darkwood, sich mit Abscheu abwendend.

„Run wohl, ich kann Ihnen das Kind der Klara Morkham zurückgeben."

„Wie", rief der Marquis, „was sagst Du da. Tu willst uns daS Kind Der Clara Morkham zurück« geben? Du bist ein Betrüger'."

Nein, ich bin kein Betrüger", sagte Pietro, „nicht im Entfernt, sten. Hören Sie und Ste Werderint« ' theilen, ob ich die Wahrheit sage, oder Nicht. Wenn Sie mir nicht freien Spielraum lasten, so jage ich ! mir eine Kugel durch den Kopf, während, wenn Sie ' mir meine Bitte gewähren, das Kird Ihnen Meder- gegeben werden Mrd, wie ich Ihnen nochmals aus­drücklich sage."