M 83 Donnerstag, dm 13. April 1893. 20. Jahrs
. Wer ist diese Dame, wenn ich bitten
die Weisheit der Herzens stellen wir höher. Die moderne Bielwifferei aber halten wir für ein liebel. Bon der Wissenschaft deS Konversationslexikons und der Leihbibliothek, von der SchlagwörterweiSheit hat die Welt nichts z« hoffen; war sie rettet, ist christlicher Glanbm und christliches Leb«. Unser Heil kommt nicht von der Ueberfüllung der Köpfe, sondern von der Zucht der Herzen; nicht der Nürnberger Trichter, sondern der Katechismus wird die Welt erneuern.
ist die Tochter deS verstorbenen Generals welcher vor zwei Jahren in Indien starb. TS reiche Erbin und außerdem eine große Schön-
„Sie heißt fie mit dem Taufnamen?"
„Sicily."
Sicily Normy! Bernehmen Sie also, daß diese
Dame meine Nichte ist .... Ihr Vater war der
Verbannt.
Nach dem Englischen von I. RüttgerS. (51. Fortsetzung.)
❖ Sozialdemokratie und Wissenschaft, ni.
Bei den meisten Menschen gründet sich der Unglaube in einer Sache auf blinden Glauben an eine andere.
Lichtenberg.
Die Wiffenschast, auf deren Boden die Sozial- demokrate ihre Zelte aufgeschlagen hat, ist nichts als Glaube, blinder Glaube an haltlose Meinungen, die ihr von Gelehrten unter der gut empfohlenen Marke „Wissenschaft" dargereicht werden. Rach Bebel ist die Grnndlage deS Sozialismus die Lehre Darwin'-, daß der Mensch vom Affen abstamme. Die Auffassung des Lebens und der Menschengeschichte, die von allen Parteilichtern vertreten wird, ist eine rein materialistische, die für Gott keinen Raum läßt. Ist aber, fragen wir, die Abstammung des Menschen vom Affen eine wissen» schaftlich begründete Thatsache? Da- wird nur ein Schwindler behaupten wollen; selbst bei den ungläubigen Gelehrten gilt sie nicht al- erwiesene Thatsache, sondern al- Hypothese, als eine Meinung, über die sich streiten läßt. Gibt er ferner einen Beweis, eine Thatsache, die Jemand berechtigt, da- Dasein GotteS zu leugnen? Wir haben noch keinen gehört. Dutzend- male find unsere Gegner aufgefordert wordm, eine einzige wissenschaftlich festgestellte Thatsache anzuführen, die der gläubige Katholik nicht annehmen könnte, aber Niemand meldet fich zum Worte. Der Grund dafür ist sehr einfach; eS gibt eben keinen ausgemachten, fest- stehenden Lehrsatz, der mit dem Glauben der Kirche m Widerspruch stände. War dem Glauben der Kirche widerstreitet, find nicht die Thatsache» und Beweise der Wissenschaft, sondern die leeren Bermuthungen, die un- erwiesenen Behauptungen der Gelehrten; vnser Feind ist nicht die wahre Wiffenschast, die beweist, waS sie behauptet, sondern jene sogenannte Wissenschaft, die nur bchauptet aber nicht beweist, die nur glaubt und ver- muthet unb bie mnro.1t qI8 llnft*”* «-<<6-1. ---* O-
heute al- Wahrheit auSpofaunt.
Darum ist eS nur hohle Großthuern, wenn bte Aufgeklärten sagen, ihr Losungswort sei Wiffen, nicht glauben. Eitle Selbsttäuschung! sagen wir, euer Wissen »st nur eine andere Art von Glauben; ihr glaubt nur, wo ihr zu wiffen vorgebt und ihr glaubt tapfer drauf lüS, ibschon ihr euch sagen müßt, daß man hundert Jahre später über euere „Wissenschaft" lächeln — und einen anderen Jrrthum glauben Verde. Gerade euer Hauptglaubensartikel, da- «ffenevangelium, ist bereits in dar Zeichen deS Krebse- eingetrete« und chr kommt gerade noch recht, um au- dem alten Rock, dm bte moderne Wissenschaft ablegt, für dm Arbeiter nn neues Wamm- zu schneiden.
UebrigmS ist eS mit der Pflege der Wissenschaft im sozialdemokratischen Lager trotz deS großen Rühmens nicht weit her. Der.Vorwärts' hat einmal (Rr. 139, 1891) geprahlt, die Arbeiterklasse sei die Erbin der groß« Hinterlassenschaft deutscher Philosophie, deutscher Wiffenschast, fie sei die Trägerin der großen Ideen und der wahren Civilisation. Go pomphafte Sprüche möchten den Unerfahrenen schier auf die Bermuthung
an . . . darf?"
„es Rornry, ist eine
„Mylord," sagte er dann nach einer kurzen Pause, ich rathe Ihnen nochmals, diese junge Dame auszu- geben, welche zu Ihnen in keiner Weise paßt, waS sie ia auch selbst einfieht. Ich will noch beissigen, daß ich Ihnen auf keinm Fall bei Jhrm Nachforschungm be- hilflich sein kann."
„Dann bleibt mir nichts Anderes übrig, als mich zu verabschieden," sagte der Marquis kalt.
„Warten Sie noch einen Augenblick", versetzte der GreiS, indem er sich mit Mühe erhob, „ich möchte noch eine Frage an Sie richtm. In dem Bries, welchen Sie mir geschrieben haben, geben Sie als Adresse Schloß Beechmont, das Besitzthum Miß Normy!
bringen, jeder Sozialdemokrat, der nicht gerade von bet gewöhnlichsten Volksausgabe ist, wäre ein Dr. Faust, der über die Welträthsel brütet, ein tieffinniger Gelehrter.
Bergrämelt und vergrübelt. Einsam in studiis verftübelt. (Lenau.)
Das wäre ein Jrrthum. Die Meisten haben ihre Kenntnisse ohne kopfbrechende Arbeit erworbm aus populären Schriften und Broschüren, die auf dem Gebiete der Wiffenschast nicht fetten dm gleichen Rang em» nehmen, den der Hintertteppen-Roman auf dem Gebiete der schönen Litteratur so glanzvoll behauptet. Man braucht kein lange« Smkblei, um die Tiefe dieser „Wissenschaftlichkeit" auSzumeffm; sie besteht nur in der modischen Weltbildung, in der mille fleurs Bild- ung, die, wie Lenau sagt, nichts taugt, die Alle- an- beißt und einen oben oerborbenen Magen zurückläßt.
WaS soll man benn znm Beispiel sagen, wenn Lafargue, der „Profeffor der Revolutton", die hl. Schrift erklärt und daS Wort „Elohim" (Gott) als Horde auslegt, aus welcher in den Tagen der Weibergemeinschaft die Menschen hervorgingm? Dabei prunkt er mit einer solchen Fülle bet dunkelsten und schwierigsten Wissenschaften, daß man Gift darauf nehmen kann, daß er leine einzige davon wirklich studirt hat. Bebel spricht und schreibt über Christenthum und christliche Ehe mit einer Unwissenheit, die geradezu zum Himmel schreit, die ihn aber deshalb um so mehr be- fähigt, die christliche Lehre siegreich zu widerlegen. Liebknecht weiß, daß die erstm Christen Weibergemein- schäft gehabt hätten, Frohme bemst fich auf die Werke deS hl. Thomas von Aquin, von welchen er augenscheinlich noch nicht einmal dm Einband gesehm hat. Ein Spengler spricht vor „Genoffm" über die Entwicklung der Astronomie, ein Bierwitth über die Woh- nungS-Verhättmsie im oströmischen Reiche, ein Schuhmacher über mobeme Litteratur. Auf allen Gebieten
Nichts fehlt in seinem Laben, vielmehr ist Alles in Quantitäten zu haben, wenn man nur so gut ist, sich über die Qualitäten hinwegzusetzm. Der Sozialdemo, (rat weiß Alles, er urteilt über Alles, jeder Gegner fliegt in den Sand. Der Name Sozialdemokrat wird bald soviel gelten als ein Doktortitel. In unseren Augen freilich so ein Doktor, von dem der alte Thomas Murner singt: m
Der sieben Künste Meister tst er — Gott geb' nur eine halbe wüßt' er.
War der Welt Roth thut, ist nicht die Kunst über aller zu schwätzen, sondem die Kunst recht zu leben. Gottesfurcht, Gewissenhasttgkeit, Pflichttrme, Selbstver- Imgnung, ohne welche kein Bemf erfüllt werden kann, veredeln die Mmschhett, nicht windiger Scheinwissm und hohle AllerweltSschwätzerei. Niemand, sagt daS Sprüchwort, haßt eine Kunst, außer er versteht fie nicht. Wir verachten kein mmschlicheS Wiffen. Aber waS die Wett zusammmhält und beffert sind nicht die Ergebnisse der Wissenschaft, sondem Religion und Tugend. Wiffen ist gut, aber recht lebm ist besser und nothwmdiger. Wir loben die Weisheit deS KopfeS aber Bmder meiner thmem verstorbenm Frau. AIS sie noch Kind war, kam sie mehrere Mal nach Lonemoor und ich erinnere mich noch recht wohl, daß sie uns zärtlich liebt. SS würde mich sehr freuen, wenn ich sie Wiedersehen könnte." ~,
„Miß Normy wohnt stets, zu jeher Jahreszeit auf Beechmont", antwortete Lord Chillon, aus'S Höchste ob dieser Verwandtschaft erstaunt; „sie hat viele Freunde, aber ich wußte nicht, daß sie in England noch Verwandte besitze." ,r
„Ich will fie vor meuter Abreise besuchen — ich beabsichtige nämlich daS Land auf immer zu verlassen, Mylord, und da ich keine Kinder habe, so soll fie meine Erbin sein. Sonderbar, daß fie bei ihrer Schönheit und ihrem Vermögen nicht verheirathet ist."
„O, er ist noch nicht zu spät", sagte Lord Chitton fich erhebmd, „Miß Romey ist noch jung, übrigens geht dar Gerücht, daß fie verlobt sei."
„Wirklich! rief der Squire.
„Und mit wem?" i;
„Mit Lord Darkwood." .
Mt Lord Darkwood!" wiederholte der GreiS, während seine Stirne sich umdüsterte. „Sie haben mir heute eine seltsame Mittheilnng gemacht, Mylord , hob er dann wieder an. „Ich bin eben damit beschäftigt, meine Vorbereitungen zur Abreise zu tteffm, binnen wenigen Tagm werde ich bereit sem, mich auf
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Dcntlchcs Kelch.
Berlin, 11. April.
* Unter dem Vorsitze der Ministerpräsidentm Grafm Eulenburg hat am Montag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums stattgefunden. Unverbürgtm Blättermeldungen zufolge soll der Entwurf de« preußischen Wahlgesetzes, wie er nach der 2. Lesung des Abgeordnetenhauses sich schaltet, und die zur 3. Be- rathung angekündigtm Anttäge zur Verhandlung ge- ftanben haben.
* Die Börseu-Uutersuchimgs-Kommiffiou hat am 10. dS. ihre Verhandlungen wieder aufgmommm. Die Kommission hat sich zunächst bett Berhältnissm bet Produftenbörse zugewanbt. In ber Zwischmzett ist daS statistische Material ergänzt wordm.
* Wider Erwartm verlief in ber heutigen Sitzung deS Abgeordueteuhauses die der Abstimmung über daS Wahlgesetz vorhergehende Debatte weniger erregt und leidenschaftlich, als man erwartete, (finett großen Aufwand an Zeit kostete nur die zweimalige Abstimmung über dm Absatz 2 be8 § 1 itnb über § 4, welche jedoch gegen eine bedeutende Minorität, zusammengesetzt a«S den Freikouservattvm, den Rationalliberalm und den Freisinnigen mit 165 gegen 125 und 160 gegen 1 QQ — ....—r------- » 1,. - -u **»• v — r "
jedoch mit seiner Partei ebenfalls tn der Mmderheit. In definittver Abstimmung, an der sich auch Staatssekretär v. Bötticher als Abgeordneter Beteiligte, ward bann das Gesetz gegen die Stimmen der Freikonser- vattvm, Nationalliberalm mid Freisinnigen angenommm. Neber den GeschästSplan entstand eine lang auSge- spovnme Geschästsdebatte. Der Präsidmt wollte gleich für morgen die Beratung der Gtmergesetze und zwar deS sogenannten UeberweisungS-GesetzeS anberaumm, stieß aber auf allseitigen Widerspruch deS Hause», welches mindestens einen Tag Zeit zur SBerftänbiguttg in dm Fraktionen und zum Studium der KommissionS- beschlüffe gewährt haben wollte. Abg. Rickert (frf.) wünscht daS Volksschulgesetz noch vor den Stmerge- setzen berathen zu sehm, wurde jedoch hierin nur von Aba. v. Eynern unterstützt. Schließlich gab Präsident v. Köller dm allgemeinen Wünsch« nach und setzte die nächste Sitzung auf Donnerstag für die zweite Lesung deS UeberweismtgSgesetzeS fest. Herr v. Köller stellte aber zugleich dem Abgeordnetenhaus«: häufige Abmd- sitzungm in Aussicht, wenn die Gtmergesetze bis Pfingsten erledigt werden solltm.
dm Weg zu machen, und ich will bann auf meiner Reise zirpt Festlande Miß Romey besuch«. Ich bitte Sie, von ber Unterredtmg zu schweigen, welche wir Beute mit einanber gehabt haben. Ich werbe selbst ihr eine Geschichte erzählen, welche mit einem Schlage allen Heirathspläneu ein Enbe machen wirb, mit welchen fie sich trügt . ... Es ist meine Pflicht, sie aufzuklarm, ehe eS zu spät sein wirb. Lord Dark- wood", fuhr er dann, die Faust ballmd, fort, „wird mich auf seinen Wegen find«, wenn er eS am allerwenigsten erwartet. Sagen Sie Miß Romey nicht, daß ich bei ihr vorsprechen werde, ich will ihr eure Ueberraschung bereiten, und sprechen Sie oesonberS nicht meinm Namen in Gegmwart Lorb Darkwood S auö "
Der Vicomte versprach dem Squire, strenges Stillschweigen zu beobachten, und verabschiedete sim alSdmtn von ihm. Bor Begierde brennend, zu erfahren, was fich währmd seiner Abwesendheit etwa auf Beechmont und Dunholm zugetragen habe, machte er fich eiligst auf dm Weg.
Vierter Thetl.
1.
Die Tage floffm dahin und weder Miß Romey noch Lorb Darkwood hatten über die Flüchtige auch nur daS Geringste vemommm. Die Nachforschungen, welche man angestellt, die Ankündigungen, welche mau