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80 Sonntag, den 9. April 1893. 20. Jahrgang

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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf, bei Wiederholungen entsprecherüier Rabatt, vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mark 50 P,enmg.

IV* Hierzu eine Beilage.

WLgerzug nach Kam.

Nachdem die Audienz für die dmtschen Pilger bei dem hl. Vater für die Zeit zwischen dem 8. und 15. Mai festgesetzt, laden wir hiermit zu zahlreicher Be­theiligung an dem

Wgerjuge «ach Kom

ein, welcher

dm 2. Mai er. von München am 3. Mai er. von Freiburg abgehen, von Bologna ab vereinigt über Loreto und Asftssi reisen und am 6. Mai in Rom eintreffen wird.

Sowohl die bayerischen als die österreichischen Bahnen haben für die Reise von München bis Ala, für den Fall, daß 2OO Pilger zusammenfahren, Preis­ermäßigung von 50% in Aussicht gestellt, und die betheiligten italienischen Bahnen haben für den Fall, daß auf beiden Strecken Italien betretend, von Bologna ab 250 Reisende zusammen reisen, ein Spezialrund- reisrbillet mit 50 % Ermäßigung gewährt.

Alles Nähere besagt der „Pilgerführer", welcher in abgeänderter Auflage den Pilgern, welche ihre An­meldung für den Maipilgerzug aufrecht erhalten haben, gratis zngesandt wird, während er von denjenigen, welche sich neu zu melbett beabsichtigen, gegen Einsen­dung von 50 Pfg. in Marken von der Verlagsbuch­handlung A. FoesserNachfolger in Frankfurt a.M. bezogen werden kann.

Schlußtermin für Anmeldungen ist der 20. April.

Nachdem der weitaus größte Theil der für den aufgehobenen Aprilpilgerzug gemeldeten Pilger sich für den Maipilgerzug gemeldet hat, im Hinblick darauf, daß ben Deutschen eine nur für sie bestimmte feierliche Audienz g-währt werben und bie für den Aprts i*t Aussicht genommene Seligsprechung von Tertiariern für die Anwesenheit der deutschen Pilger verschoben ist, hofft bas Komitee, baß trotz bet widrigen Schicksale, welche ben diesjährigen Pilgerzug heimsuchten, gleich­wohl eine große Zahl Deutscher sich vereinigen wirb, um dem hl. Vater anläßlich Seines Bischofsjubiläums persönliche Hulbigung barzubringen.

Frankfurt a. M, 4. April 1893.

Das Wallfahrtskomitee:

i. A.

Die Centralstelle: Dr. v. Steinle.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. April.

* Das Schreckbild des Konfliktes wirb von ben Offiziösen immer beullicher an bie Wanb gemalt. In ihrer bewunderungswürdigen Kompromißlust unb gar nicht bewunberungSwürbigen Wahlangst hat bie natio­nalliberale Partei sogar eine Broschüre über bie Militärvorlage unb ben Antrag v. Bennigsen herauS- gegeben, in welcher der Antrag gegen bie Einwürfe

M Mtn eil*.

@Gott, wie muß, in hoher Freude, In Liebe heut' Dein Herz erglüh'n. Da in der Unschuld Hellem Kleide Du siehst die Kmdlein zu Dir ziehn.

Du streckest mild die Hand entgegen Der kleinen, auserles'nen Schaar, Da fließt Dein reicher Gnadensegen Auf ihre Häupter wunderbar.

Du hast sie zu dem höchsten Feste Zum ersten Mal geladen ein, Und speisest süß die theuern Gäste Und tränkst sie mit der Liebe Wein.

Du schlägst b n Thron in ihrem Herzen, In ihrer reinen Seele auf.

Hell fällt der G anz der Weihekerzen Auf ihren künfttgen Lebenslauf.

Und wird sie auch durch dunk'le Zeiten Mit der (Erin» rung sanfter Macht Erleuchten^Lhkrmen und geleiten. Wie eines ^ 'gelS treue Wacht.

Sie wer8cä unter Thränen denken Noch jener Stunde Heidger Lust, Da Du Dich ihnen wolltest schenken, Zuerst sie zogst an Deine Brust.

O daß in ihrem ganzen Lebenf Erlösche nie der Himmelsschein, Damit sie einst zurück Dir geben Die Kindesseele fromm und rein!

be8 Reichskanzlers vertheibigt wirb. Die übrige Presse hat bas nationalliberale Werk kaum beachtet. Die ,Norbb. Allg. Ztg.' aber brachte mit einer für bie Nationalliberalen recht ärgerlichen Promptheit eine Antwort, bie eine unzweibeutige Absage an bie Kom­promißkünstler bebrütet. Sie bleibt babei, baß Weber Bmnigsm's Angebot von 45,000 Rekruten, noch seine Kritik der Regierungsvorlage Momente enthalten, aus benen bie Militärverwaltung sich ein Bild von feinen organisatorischen Jbeen machen könne. Die Annahme seines Antrages würbe bie geplante Wirkung ber Vor­lage in wesentlichen Bestandtheilen nicht nur abge­schwächt, sondern aufgehoben haben. Verdrießlich ent­nimmt bie ,Nat.-Ztg.' aus ber offiziösen Antwort, „baß bie Regierung mit ber steifen Hartnäckigkeit, bie sie in ber Kommission entwickelte, in bie zweite Plenar« berathung eintreten wirb, und daß es zwecklos ist, sich weiter um eine Verständigung zu bemühen." Das hätten sich bie Nationalliberalen schon geraume Zeit früher sagen können. Wozu sollte auch die Regierung Herrn v. Bennigsen mtgegenkommm, der ihr für seine Vor­schläge doch keine Mehrheit zur Verfügung stellen kann? Die Nationalliberalen werben bei Neuwahlen gar nicht anders können, als sich auf Seite ber Re­gierung unb ber alles bewilligenden Parteien (teilen. Deshalb konnte schon in ber Kommission ber Reichs­kanzler bie Hoffnung aussprechen, daß er mit den Nationalliberalm in keinen Konflikt kommen werde. Was wirb nun geschehen, wenn ber neue Reichstag ebenso „schlecht" ausfällt, wie ber jetzige? Man hat im Reichstage wie in ber Presse bie preußische Kon- fliktszeit aus beut Anfang bet sechsziger Jahre herauf- beschworen. Heute brückt bie ,SKorbb.' einen Artikel ber ,Köln. Zeitung' ab, in welchem ebenfalls mit bem Kon­flikt gespielt wirb. Nicht mit Caprivi, fonbern mit ben verbündeten Regierungen unb Fürsten habe man es zu thnn Sämmtl'che Re^i-r,wqm feien über die Noth- wmdigkeit einer Heeresverstiftkung einig unb würden bie Hänbe nicht ruhig in ben Schooß legen, wenn ber Reichstag bie Nothwmbigkeit verneinen unb bie Sicher­heit bes Reiches gefährden sollte. Die Wähler werben sich hoffentlich durch diese Aussichten nicht bange machen lassen. Mit ber Gefährdung der Sicherheit des Reiches ist es eitel Wind, zumal die Mehrheit des Reichstages sich einer erheblichen Verstärkung der Wehrkraft gar nicht widersetzt, auch waren doch schon bei Einbringung der Militärvorlage selbst die militärischm „Autoritäten" nichts weniger als einig. Die .Köln. Ztg.' weist noch auf bie inneren Verhältnisse in Frankreich hin, bie einen für Deutschland gefährlichen Charakter hätten. Das werden aber die verbündeten Regierungen hoffmt- lich ebenso gut bedenken wie der Reichstag, ehe fie einen Konflikt heraufbeschwören. Wenn die,Köln. Zig.' weiter von Freisinnigen und CenttnmS-Abgeotdnetm spricht, dir gern mehr zugestehen wollten, aber vor dem Fraktionszwange und ben Parteityrannen sich unter­würfen unb beshalb mit Rücksicht auf bie drohenden schweren inneren Gefahren von dm Wählern noch in letzter Stunde gmöthigt werden müßten, endlich ein­mal eine eigene und selbstständige Ansicht zu vettretm,

Verbannt.

Rach dem Englifchen von I. Rüttgers.

(48. Fortfetzung.)

„Mein thmerer Lord," warf der junge Vicomte ein, „entschuldigen Sie gütigst, daß Miß Myner so unerwartet von hier weggehen soll, und habm Sie die Güte, dieselbe von unserem Hiersein in Kmutniß zu setzen."

„(Sinen Augenblick, wenn ich bitten darf," antwor­tete ber Marquis, während er ben Brief zwischen seinen Fingern zusammmdrehte, welchen er noch immer in ber Hand hielt.

„Gestatten Sie mir bie Frage, Lorb Chillon: fett wann tennen Sie diese Dame?"

„Schon seit vielm Monaten," erwiderte ber Vi­comte, welchem bie Frage des Lord nicht wenig auf­fiel; „wir waren bereits verlobt, ehe fie nach Dun- Holm kam, so wie Ihnen auch Miß Romey sagte."

„Sie hat Jhnm also übet chtm Aufenthalt hier- selbst nichts mitgethellt," ftug ber Marquis.

„Ja, Miß Myner hatte sich eingerebet, daß wohl ein Hinderniß zwischen ihr unb mir obwalte; ober gestern Abend gelang eS mir, alle ihre Bedenken zu beschwichtigen, und sie hat darin eingewiHigt, meine Gattin zu werden."

so nimmt sich das angesichts der „steifen Hartnäckig- keil" der Regierung gegenüber allen BerständigungS- versuchen eigentlich erheiternd aus. Wie die Mehrheit des Reichstages sich durch die Hartnäckigkeit ber Re­gierung nicht zum Umfallen bewegen läßt, fo Werben sich bie Wählet hoffentlich nicht mit dem Gespenste beS „Konflikts" einschüchtern lassen.

* Die festlichen Veranstaltungen, bie bei bet An­wesenheit des Kaisers in de» Reichslanden cmS- geführt werden sollm, würben bei ber jüngsten An­wesenheit bes Statthalters ber Reichslande in Berlin in ihren Grundzügen festgestellt. Danach soll bei ben biesjährigen Kaisetmanövetn ein besonderer Glanz ent­faltet werden, und die Einladungen an die europäischen Fürsten sind in sehr umfangreicher Weise erfolgt. Außer dem Kaiser werden die meisten BundeSfütstm etscheinm, daS Gefolge soll sehr zahlreich werden, es Werben je ei» besonberer Vertreter des Kaisers von Oesterreich unb beS Königs von Italien erwartet. Die Kaiset­parade über bas 8. Armeekorps finbet bei Euren (Trier) statt. Die große Parabe über daS 16.„ Korps unb bie kombinierten Brigaden wirb in ber Nähe von Metz abgchalten werben. An bet Parade soll auch bie 10. bayrische Jnfanterie-Brigade theilnehmen, bie für bie Zeit ber großen Manöver bie Besatzung von Metz bilben wirb. Neben ben großen militärischm Festlich­keiten finb glänzende Veranstaltungen der Städte ge­plant, die der Kaiser besuchm wird. Der Kommaudmr deS 8. Armeekorps, Ftecherr von Soe, befindet sich seit seiner Rückkehr von Rom stets auf Besichttgungs- reisen.

* Der vom Abg. Dt. Wuetmeling (Zentrum, Vertreter für Münster-Coesfeld) erstattete Kommisfions- bericht über das Kommnnalstenergesetz ist am Dienstag erschienen. Derselbe umfaßt, abgesehen von zwei Beilagen, über 160 Druckseiten.in Quartformat, ein» Arbeit, bie nicht allein wegen der Größe ihre« Umfanges, sondern auch wegm der Schwierigkeiten des Gegenstandes für eine so kurz bemessene Frist ungeheme Anforderungen an dm Berichterstatter gestellt hat.

* Rechtsanwalt Hertwig, der Vertheidiger Ahl- wardt's in dessen bekanntem Prozeß, hatte sich gestem vor der Anwaltskammer wegen seines Verhaltens bei der Vertheidigung zu verantworten. Er wurde zu einem Verweise veruriheilt. Die OberstaatSanwaltschast hatte neben dem Verweise eine Geldstrafe von M. 2000 beantragt.

* Staatssekretär Dr. v. Stephan ist, wie mehrere Blätter melden, nicht abgeneigt ben verfehmlm Post- asfistentenverband gegen Auslieferung bes Haupt- räbelsführerS in Hulb unb Gnaden aufzunehmen. Er soll bem Borsitzenben beS Verbandes durch ben Ober- postbirektor Griesbach haben mittheilen lassen, baß er den Verband anerkennen wolle, wenn derselbe sich von dem Leiter und Gründer des Vereins, bem früheren Assistenten Funk, loSsage. Der Borsitzmbe hat jeboch geantwortet, baß der Berbanb barauf nicht eingehen werbe.

* Auch bie Bonner Stnbenten habm bem Fürsten Bismarck durch eine Abordnung zum Se-

„Verzeihen Sie, Lorb Chilton, aber ich muß Ihnen sagm, baß ihr nach Ihrem Weggänge neue Bedenken gekommen sind unb daß das Hinderniß, von welchem Sie sprechen, ihr wohl noch unüberwindlicher geschimm hat als zuvor ..."

„Aber wie wissen Sie dies, Mylord? Sollte fie Ihnen irgenb welche Mittheilung gemacht habm?"

„Nein, ich wußte ja nicht, baß Sie bieselbe kanntm. ES thut mir sehr leib, thmerer Vicomte, unb ich weiß uicht wie . . . Nun, mit einem Worte, Miß Myner ist weg, unb hat mein Haus verlassen . . ."

Die Jnbianerin erbleichte, als sie biefe Worte ver­nahm.

„Weg!" rief Lorb Chilton tonlos auS.

„Ja, unb chre Entfernung ist mir im höchsten Grabe auffallmb." . f „ „„

„Unb seit wann hat sie daS Schloß verlaffm? ftug ber Vicomte ängstlich.

Eben bies wissen wir nicht. Niemand weiß, Warm, noch wie sie sich entfernt hat "

„Aber hat sie keinen Brief hmterlaffen?

„Gewiß, hier. Georgina hat bmfelbm auf ihrem Tische gefunden."

Lord Darkwood übergab hierauf das Schreibm Lord Chilton, welcher es unter dem größten Ersta u n