j\* 78 Freitag, den 7. April 1893. 20. Jahrgang
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-8 „Sozialdemokratische Ghen".
„Der Sozialismus ist auch eine Weltanschauung, wenn man will, eine Religion", hat vor Kurzem die : sozialdemokratische elberfelder ,Freie Presse' geschrieben. • WaS die „Weltanschauung" betrifft, so können wir ! dar nur vollkommen unterschreiben und haben es schon früher ebenso auSgedrückt, aber eine „Religion" ist die j Sozialdemokratie nicht, einfach auS dem Grunde, weil 1 sie dar gerade Gegentheil der Religion ist, dieselbe mit , Gtumpf und Stiel ausrotten will. ES ist leider eine ■ nicht wegzuleugnende Thatsache, daß an wüster Religionsfeindlichkeit die Sozialdemokratie in Deutschland f am weitesten „vorgeschritten" ist; der Haß gegen alleS Christliche und daS Göttliche überhaupt ist bei ihr in j sichtbarem Zunehmen begriffen, oder richtiger, er tritt j immer klarer an die Otffentlichkrit. Als „Weltan- i schauung" läßt die Sozialcemokratie nicht unversucht, : am ihre dem Christenthume und der christlichen Welt- ; anschauung entgegengesetzten Bestrebungen in die Thal * umzusetzen, um den Menschen ganz und gar, von i Kinosbeinen auf in ihren Bannkreis zu ziehen. In der neuesten Zeit stellt sie ganz besonders der christ- lichen Familie und der christlichen Ehe die sozialdemo- j kratische Familie und sozialdemokratische Ehe gegen- \ über, wohl wissend, daß ohne Zerstörung des Bollwerks, auf welchem die göttliche Weltordnung beruht, diese nicht mit Erfolg angetastet und beseitigt werden könne. Schon äußerlich gibt sich dies Streben kund. In dem Avzeigentheile des .Vorwärts' findet man öfters den Ausdruck: „rothe Kindtaufe", rothe Hochzeit", auch „rothe EmsrgnungSfeiern" werden schon veranstalt, das ganze Familienleben soll sozialdemokratisch gemacht werden, im Aevßern wie von innen. DaS bereits erwähnte elberfelder Blatt brachte kürzlich aus Anlaß des Hirtenbriefes des hochwürdigen Bischofs von Trier über die gemischten Ehen einen beachtens- werthen, das sozialdemokratische Ziel klar hervorhebenden Artikel, welcher daS Prinzip, von dem der Hirtenbrief ausgeht, für richtig erklärt, nämlich daß in der Ehe Mann und Frau in dem, was ihnen das höchste und wertheste ist, Gemeinschaft haben sollen, daran aber die Folgerung knüpft, auch in der Ehe der Sozialdemokraten müsse es so sein: „Der sozialistische Geist muß vom Vater auf die übrigen Familienmitglieder, in erster Linie auf die Mutter, übertragen werden; denn es gibt zahlreiche Ehen, in denen der Mann voll und ganj von der Richtigkeit seiner Anschauungen überzeugt ist, während Frau und Kinder im altgewohnten Schlenderian dahinleben. ES sind „gemischte Ehen" in unserem Sinne." Dann werden die Männer aufgefordert, auf die „sozialistische Erziehung" ihr volles Augenmerk zu richten; denn: „in dem Maße der sozialistische Vater diese erziehliche Einwirkung innerhalb seiner Familie unterläßt, in demselben Maße wird er früher oder später diese Unterlassung zu büßen haben. Schwierig ist die sozialistische Erziehangsweise nicht". DaS Letztere glauben wir schon: Anleitung zum Hasse in jeder Form, ja Ber-
Verbannt.
Nach dem Englischen von I. RüttgerS.
(46. Fortsetzung.)
Damit schlich er sich wie eine Schlange bis in die Nähe der armen Gwendoline, welche jedenfalls in diesem Augenblicke in den süßesten Träumen verweilte. Das junge Mädchen erwachte nicht beim Eintritt des unheimlichen Gesellen, denn dieser hatte vorsorglich über seine Schuhe ein Paar Strümpfe angezogen. Als er sich ganz in der Nähe der Schläferin befand, wartete er einige Augenblicke, ehe er eine Bewegung zu machen sich getraute; dann zog er den Brief aus der Tasche, welchen die Gouvernante für ihn geschrieben hatte und legte denselben auf den Tisch.
„Dieses Schreiben ist nicht unterzeichnet," dachte er, „aber die Handschrift ist wohl bekannt und wegen der Adresse wollen wir das Fehlende schon ergänzen. Der Elende, der kaum zu athmen wagte und fortwäh- rend nach Gwendoline hinübersah, ob sie nicht etwa erwache, tauchte nun eine Feder in'S Tintenfaß und kritzelte einige Worte auf das Papier, auf welcher er alsdann geschickt dm Inhalt der Tintenfasses zu schütten wußte. Dann trat er wieder zu dem jungen Mädchen, welches fest schlief und stellte sich geräuschlos hinter dm Seffel, in welchem fie saß. Jetzt wurden seine b mitten Pläne klarer.
eingehen, welcher zu den Srundsältzen b<r Sozialdemokratie sich bekennt. Diese Mahnung können wir nicht mtschiedm und emst genug aus- sprechm: christliche Väter und Mütter, Vormünder und Pfleger und ihr Alle, welche ihr Einfluß auf die heirathsfähige, weibliche Jugend habet, duldet, so viel ihr daran thun könnt, es unter keinen Umständen, daß ein christliches Mädchen einen Sozialdemokraten heirathet, das zeitliche und ewige Glück steht dabei auf dem Spiele; in den Jndustnegegenden, und wo sonst die Sozialdemokraten häufig sind, hat man abschreckende Beispiele dieser Art in Menge. Und ihr christlichen Mädchm, welche ihr im Herzens- und Seelenftiedm durchs Leben wandern und dereinst euer himmlischer Ziel erreichen wollet, wenn ein junger Mann um eure Hand anhält, so erkundigt mch ganz genau und vorsichtig, ob er nicht etwa mit bett Rothen irgendwie zu thun hat, und ist eS der Fall, dann seid stark und weiset ihn ganz entschieden ab: ihr werdet ihn nicht bekehren, er aber wird euch, wmn ihr in seiner Gewalt seid, nach seinen Lehren zwingen und eure tut» schuldigen Kinder zu Verächtern Gottes und seiner Gebote erziehen; ihr werdet dann über eure Verblendung weinen, in der ihr ihm einstens das Jawort gabt, das Jawort zu einer Ehe, unglücklich für die geit und vielleicht für die Ewigkeit!
Deutsches Reich.
Berlin, 5. April.
* Der Kaiser empfing heute Mittag um 1 Uhr in feierlicher Audienz den neuemannten spanischen Botschafter Don Felipo Mendez de Vigo, das Be- glaubigungsschreiben des neuen Botschafters entgegenzunehmen. — Für die bevorstehende Uebersiedelung des KaiserpaareS nach dem neuen Palais zu Potsdam wird die Umgebung deS Palais mit neuen gärtnerischen Anlagen versehen. Für daS Publikum ist der Zutritt zur sogenannten „Terrasse" während der Dauer des Aufenthaltes des Kaiserpaares nicht mehr gestattet. — Der Kaiser wird sich am 14. April nach Swinemünde begeben, und sich am selben Tage Abends auf dem neuen, gegenwärtig zur Indienststellung auf der Werft „Vulkan" bei Stettin liegenden Aviso „Hohenzollern" einschiffen, um auf demselbm die Fahrt nach Kiel zu machen. — Wie die ,Görl. Nachr. und Anzeigen' meldm, trifft der Kaiser zur Enthüllung des Reiter- standbilder Kaiser Wilhelm I. am 18. Mai, Mittags 12y2 Uhr, in Görlitz ein.
* Die diesjährige Frühjahrs-Parade findet für Berlin am 2. Juni, für Potsdam am 3. Juni statt.
* Die Subskription auf die neueste Zprozentige Reichsanleihe «nd preußische Konfols findet, wie nunmehr bestimmt ist, am 11. April zum Kurse von 86,80 Prozent statt. Es handelt sich tm Ganzen um 300 Millionen Mark, wovon 160 Millionen Mark auf das Reich und 140 Millionen auf Preußen entfallen. Im Jahre 1889 fand die SubfkcibtioN auf 235 Millionen Mark zum Kurse von 87 Prozent, im die schwierigste Arbeit zu thun; sehen wir, wie wir das Hau^ unbemerkt verlassen können."
Er durchschritt daS Zimmer, trat in der. Hausflur und horchte. Ueberall herrschte die tiefste Ruhe. Der Diener kehrte jetzt zu dem unglücklichen Mädchen zurück, nahm sie in seine Arme, nachdem er den Reisesack sich am Leibe befestigt hatte und trug sie mit Leichtigkeit davon, da er eine große Körperkraft besaß.
Mit seiner Bürde durcheilte er äußerst vorsichttg den Hausflur und gelangte, ohne bemerkt zu »erben, zur Hausthüre und zum Hause hinaus. Unglücklicher Weise übergoß gerade in diesem Augenblicke der Mond mit seinem Silberlichte den Garten, und so mußte der Elmde sich so lange im Schatten verborgen halten, bis derselbe hinter dichtm Wolkm verschwunden war. Dann schritt er rasch von dannen und schlug den Weg zu den Ruinen ein, deren Thüre er absichtlich offen stehen g ^Nachdem er in dm unterirdischm Gewölben der Ruinen angelangt war, legte er seine Gefangene auf dm kalten Fußboden nieder und ttocknete sich mit seinem Rockärmel den Schweiß ab, welcher ihm von der (Stinte tropfte; dann tastete er mit der Hand nach einer Laterne, welche er einige Stunden vorher hier stehen gelassen hatte. Er fand fie, zündete fie an und leuchtete mit derselben Gwendoline in’« Gesicht.
DaS arme Kind war weiß wie eine Marmorstatue
achtung aller göttlichen und menschlichen Autorität, ist eine Arbeit, welche positives Können in keiner Weise erfordert, diese Erziehungsmethode verhält sich zur christlichen, wie die Thätigkeit dessen, der ein HauS niederreißt, zu der derjenigen, welcher ein solches aufbaut. DaS Blatt sagt auch, wie eS gemacht »erben soll: „Das wirkliche Leben bietet bem bewußten Sozialisten Stoff in Hülle unb Fülle, um seine Gedankenrichtung, seine Weltanschauung innerhalb seiner Familie zum Berstäudniß und zur vollen Erkeuntniß zu bringen.
Die Methode der Sozialdemokraten ist ja, alles was ihnen in den Kram paßt, zu generalisirm, aus einzelnen Vorfällen eine Regel zu konstruirm und darauf ihre Schlüsse zu begründen. Ein anderes sozialdemokratisches Blatt, die Dortmunder .Arbeiterztg.', drückt sich über die sozialdemokratische Familie noch entschiedener aus, es sagt: „Es ist beklagenswerih, mit welcher unverantwortlichen Gleichgiltigkeit Genossen, die mit in erster Reihe stehen wollen, eS unterlassen, die ihnm am nächsten Stehenden, ihre eigenen Angehörigen aufzuklären. Das ist aber des Sozialdemokraten erste Pflicht, ein Geschlecht heranzuziehen, das frei ist von allen den veralteten Anschauungen, die dir Lebenden erst noch qualvollem Ringen und Kämpfen haben ab» legen können. Der Heranwachsenden Generation kann und muß dieser Seelenkampf erspart bleiben; den Kindern des überzeugten Sozialisten müssen gewissermaßen mit der Muttermilch die hehren Gedanken der Solidarität, der Jnternationalität, überhaupt des Sozia- lismus eingeflößt werden, damit sie dereinst ins Leben treten als prinzipienfeste, opferfreudige Kämpfer für unsere Sache und nicht erst mühsam von Neuem gewonnen werden müssen. Auf wessen Seite die Frauen und namentlich die Jugend steht, dem gehört die Zukunft, dem gehört der Sieg. Sozialdemokratische Eltem beherzigt das!"
Diese Worte lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Es muß ein schreckliches Geschlecht heranwachsen, welches nach diesm Lehren unterrichtet und erzogm wird, und wie muß sich die Lage einer Frau gestalten, welche selbst noch Religion im Herzen hat, aber von ihrem Manne zur sozialdemokratischen „Religion" gepreßt wird und zusehen muß, wie ihre Kinder, sobald sie etwas begreifen können, von dem Vater zu Verächtern und Lästerern alles dessen herangebildet werden, waS dem Christen das Heiligste und Ehrwürdigste ist! Die Sozialdemokratie kennt keine Toleranz, jede andere Ueberzeugung ist ihr Dummheit, welche abgetrieben werden muß, oder Erbärmlichkeit, die man mit allen Mitteln zu bekämpfen verpflichtet ist.
Was ist gegen dies dämonische Treiben zu thun? Im Allgemeinen kann nur die Pflege des christlichen Geistes in der christlichen Familie helfen, die wahre Nachfolge der heiligen Familie von Nazareth, im Speziellen aber müssen die christlichen Hausvorstände mit ganz besonderer Vorsicht darüber wachen, daß ihre Töchter und Pflegebefohlenen unter keinen Umständen eine eheliche Verbindung mit einem Manne
Er nahm ab seiner Tasche ein Fläschchen, sowie ein großes Taschentuch, welches letztere er mit dem Inhalt des elfteren stark befeuchtete; dann hielt er dasselbe in einer raschen Bewegung fest auf das Gesicht besungen Mäbchens gebrückt. Bei ber plötzlichen Berührung burch bas Taschentuch erwachte Gwendoline jäh ab ihrem Schlafe und sah zu ihrem größten Schrecken beu Malteser vor sich stehen. Sie wollte aufftehen, aber bas höllische Gift begann nunmehr seine Wirkung zu üben. Sie verlor nämlich bas Bewußtsein und sank wie eine leblose Masse in ihren Sessel zurück. Inzwischen hielt der Elende das Taschentuch noch eine Weile fest auf das Gesicht des jungen Mädchens gedrückt, während er mit unheimlichen Grinsen murmelte:
„Der erste Schritt ist getijan! Also vorwärts auf meiner Bahn!" Dann ließ er das junge Mädchen auf seinem Sessel schlafend liegen, begab sich in ihr Toilettenzimmer, wühlte in den Schränken herum, nahm ihre Schmucksachen und stopfte bann baS Ganze in einen Reisesack.
Dann nahm er einen Hut, Mantel und Shawl unb ging bann in ben Salon zurück. Gwendoline lag noch immer in derselben Stellung, in welcher er sie zurück- gelassen hatte. Sie war fast gefühllos und bleich tote eine Tobte. - Pietro setzte ihr rasch den Hut auf unb umhüllte ihre Schultern mit Shawl und Mantel.
„Jetzt," murmelte ber Malteser vor sich hm, bleibt