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20. Jahrgang

Donnerstag, den 6. April 1893.

FiildiierMZeitiiiig

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen tn Fulda und auswärts 1 Mark aO nennt».

Ziehung der Po.läge \

• Der dlesjährrge Gesetzentwurf wegen Erwene-

bis

der als

ruug und Vervollständigung des Staatseiscnbahu- Retzes ist dem Abgeordnetenhaus« zugegangen. Der­selbe umfaßt dem Vernehmen zufolge den Bau folgen­der Eisenbahnen: Von Rotfließ nach Rudezaury, von Bütow nach Berent, von Sauer nach Rohrstock, von

welches Sie an der Sache haben; denn ich zittere bei dem Gedanken an die Möglichkeit, daß Sie diese Ehe bedauern und so das Herz des armen Kindes brechen."

„Dank, tausend Mat Dank für Shre Theilnahme mir gegenüber," sagte Lord Chilton, indem er die Hand Miß Normy'S nahm und sie an seine Lippen führte, „aber erlauben Sie mir, zu bemerken, daß eine der­artige Voraussetzung eine Beleidigung für mich bildet ... Sch liebe Gwendoline und mein Herz wird ihr gehören bis zum letzten Athemzuge."

„Sch glaube Shnen, Mylord, und von diesem Augenblicke an werde ich Shre Verbündete. Wir wollen uns beute Nachmittag nach Schloß Dunholm begeben und Miß Myner holen gehen. Sie wird in mir eine wahre Freundin finden und sie wird mich erst im Augenblicke der Trauung verlasien."

Der Bikomte dankte der jungen Frau und zog sich dann auf sein Zimmer zurück. Hier nahm er Papier und Feder zur Hand und richtete an einen Polizei­agenten, welcher wegen seiner Gewandtheit bekannt war, folgendes Schreiben:

„Sch wünsche, daß Sie die eifrigsten Nachforschungen ar stellen möchten um Namen, Herkunst und LckenS- gana einer Frau zu erfahren, welche vor achtzehn Sahren auf Dem Kirchhofe von Plimsione beerdigt worden ist. Auf ihrem Grabstein ist d r Name „Made-

Münchener nationalliberalen Versammlung nannte am Mittwoch Dr. v. Marquardsen den Bennigsen'schen Vermittelungs-Vorschlag noch „durchaus richtig und den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend", ging aber selbst schon darüber hinaus, indem er bemerkte, eine Verstärkung unserer Wehrkraft sei unbedingt noth- wendig, aber thatsachlich sei der geforderte Mehrbedarf namentlich an Offizieren und Unteroffizieren, erst in einigen Fahren zu erhalten. Die Nationalliberalen glauben eben selbst nicht, daß sie bei Neuwahlen mit ihrem s/< Standpunkte Glück haben; bei den Wahlen wird es heißen: Vermehrung der Präsenzstärke nach dem Vorschläge der Regierung oder Festhalten der heu­tigen Präsenzstärke. Die Leute, die Dreiviertel auS- bieten wollen, werden sicher von rechts und links über den Haufen geworfen werden. Mit Recht mahnt da­her „ein hervorragendes Mitglied der Rechtspartei" in der .Post' die Nationalliberalm, nicht mehr um die paar Taufend Mann mehr oder weniger zu streiten, damit das alte Kartell in Funktion treten könne. Rechnet dieser RechtSparteiler auch auf keinen Sieg des Kartells, so glaubt er doch an die Möglichkeit, daß vom Centrum und Freisinn nament­lich in Grenzdistrikten Kompromißleute gewählt würden. Auf die Hilfe auS diesen beiden Parteien hofft auch Herr v. Marquardsen, namentlich erwartet er Zuzug vom katholischen Adel. Wo diese katholischen Hilfs­mannschaften, die den Karren auS dem Sumpfe ziehen sollen, stecken, hat noch Niemand verrathen. Und wenn eS solche bewilligungslustige Leute wirkich geben sollte, so wird die Wählerschaft deS CentrumS über dieselben zur Tagesordnung übergehen. Also wird trotz deS heißesten Bemühens der Nationalliberalen nichts übrig bleiben, als ReichStagS-Anslösung oder Zurück-

°uf die ,Fuldaer Zeitung' 'hnHMlUlmFII Kr das 2. Quartal 1893 wer- 4/1 dm fortwährend von allen Post-

anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.

Verbannt.

Rach dem Englischen von I. RüttgerS.

(45. Fortsetzung.)

Nach einer Pause hob sie dann wieder an: „AlS Sie mir von ihrer Liebe zu Miß Winter erzählt haben, Mylord, fühlte ich in mir den Wunsch rege werden, Shnen behilflich zu sein, diejenige aufzufinden, welche Sie bis dahm vergeblich gesucht hatten. Sn dieser Ab­sicht habe ich meinen getreuen Ago nach Iorkshire ge­schickt, wo er die Geschichte Gwendolinen'S erfahren hat, die er mir dann nach seiner Rückreise erzählt hat"

„Und auf diese Erzählung stützen Sie sich, wenn Sie mir versichern, daß die Herkunft Gwendolinen'S meiner Ehe ein Hinderniß entgegenstelle? O, Miß Nornky. Sie, die Sie eine fo hochbegabte, verständige Frau sind, Sie wollten dies junge Mädchen für das verantwortlich machen, was ihre Eltern gethan, und das Andenken an ih e Mutter befl, cken, welche viel­leicht vor Schmerz gestorben ist?"

Die Züge der Sndierin zogen sich schmerzlich zu­sammen, und sie senkte ihr Haupt ohne zu antworten.

„Lord Chilton", hob sie dann nach einem kurzen Stillschweigen an, verzeihen Sie mir . . . Die Be­merkungen, welche ich Shnen socken gemacht Habe, lagen eben so sehr in ihrem Snteresse, als in demjenigen,

Rippach - Poserea einerseits nach Plagwitz - Lindenau anderseits nach Markranstädt, von Naumburg a. S. nach Deuben, von Bünde rach Sulingen, von Derschlag nach Bergneustadt und von Osberghausen nach Wiehl. Der in Aussicht genommene Kostenaufwand beträgt inSgesammt 48 Millionen, darunter rund 20 Millionen zur Beschaffung von Betriebsmitteln für die neuen Strecken und für die bereits bestehenden StaatSbahnen. Der Abstand zwischen der diesjährigen Forderung und bett früheren, die sich zwischen 120 und 150 Millionen bewegten, ist ein überraschend großer.

* Dortmund, 4. April. Die Vertrauensmänner CentrumSpartei stellten den Redakteur Len sing Kandidaten für die Ersatzwahl zum Reichstage auf. * München, 4. April. Zum Historikertag sind jetzt 84 Thetlnehmer eingetragen. Sehr zahlreich ist Oesterreich vertreten; aus Norddeutschland sind nur wenige Theilnehmer anwesend. Bon Leipzig kamen Arndt und Lamprecht, aus Königsberg Prntz, aus

Deutsches Reich.

Berlin, 4. April.

* Die politischen Osterferien werden von der Regierung, den Parteien und der zugehörigen Presse fleißig auSgenutzt, um das Volk über die Militär- Vorlage „aufzuklären"! Da eS im Grunde nichts mehr aulzuklären giebt, fo ist in Wahrheit die Äe- arbeitung der Wähler das Ziel. Die Stunde der Ent­scheidung rückt näher und näher, und alle, die eine Auflösung des Reichstages zu fürchten haben, möchten die Wähler in letzter Stunde noch fo weit bringen, daß sie keinerlei „Verständigung" mehr übel nehmen. Die Regierung hofft offentsichtlich noch immer in erster Linie auf Verständigung. Die offiziöse Presse würde sonst schon einen ganz anderen Ton an» schlagen. Sie sucht noch fortwährend ba$ Land zu „belehren", daß die Regierung nur das unbedingt Nothwendige fordere, daß die Beibehaltung der jetzigen Präsenzstärke unmöglich sei, daß wir vor allen Ländern der Welt die wenigsten Steuern für die Landesver- theidiqung zahlen u. s. w. u. s. w. Dies Anklammern der Regierung an die Hoffnung auf Verständigung begreift sich aus ihrer Erkenntniß, daß die Neuwahlen schlecht für sie ausfalleu würden. Außerdem find die Nationalliberalen am thätigsten: überall Ver­sammlungen und Resolutionen. Diese ganze Bewegung kommt aber von Tag zu Tage mehr auf eine Be­wegung für die ganze Vorlage hinaus. Herr von Bennigsen sollte vor jeder Kundgebuvg zu Gunstender Vorlage als vor einem „nationalen Unglück" gewarnt haben. DaS nahm sich zum mindesten recht sonderbar aus, als es fast ausschließlich Nationalliberale und Ge- finnungSverwandte waren, die sich bisher mit den Kundgebungen bemerklich machen, soweit solche als auS freier Entschließung hervorgegangen überhaupt Be­achtung verdienen. Nun wird von einem Dr. Schall in Stuttgart, der das Wort Bennigsens bekannt ge­macht haben sollte, erklärt, der nationalliberale Führer habe sich keineswegs geäußert, sondern er (Dr. Schall) habe eS als seine eigene Ansicht ausgesprochen. Es kann also ruhig weiter demonstrirt «erben. Das thun bie Ralionalliberalen benn auch redlich. So nahm der Landesausschuß der national-liberalen Partei Bayerns am 28. v. M. in Nürnberg eine Resolution an, worin er die Kompromiß-Anstrengungen deS „hochverehrten Führers" dankbar anerkennt und erwartet, daß die Partei auch ferner eine Verständigung anstreben werde; „gewünscht" wird freilich, daß man dabei über die Vorschläge deS Herrn v. Bennigsen nicht hinauSgehe. Woher soll denn aber die Verständigung kommen, nachdem der Reichskanzler diese Vorschläge bereits als ungenügend bezeichnet hat? Da waren die Nationalliberalen in Speyer schon deutlicher, indem sie einfach für die Vorlage resolvirten. Auf einer

BMHaro—r—t »lj M ।

Zürich Meyer von Knonau, aus SnnSbruck Kalten- brunner. Die Universität der Reichshauptstadt ist nicht vertreten. Sn der heute stattgchabten zwanglosen Zu­sammenkunft begrüßte Piofeffor Heigel - München als Senior deS einberufenden Komitee's die Versammlung, sprach sein Bedauern darüber aus, daß gerade Träger berühmtester Namen abschlägige Antwort schickten, gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß dieser erste Kongreß der Historiker wenigstens der Anfang eines engeren Zusammenschlusses der Berussgenoffen fein werde.

* Speyer, 4. April. Die gestrige Verfammlung süddeutscher Tabakpflanzer, welche äußerst stürmisch verlief, erklärt sich mit der Snterpellation des Reichs­tagsabgeordneten Menzer einverfianden und beschloß, in Resolutionen bie Regierungen zu ersuchen, bem Ta­bakbau die frühere volle Lebensfähigkeit wiederzugeben; auch soll ein pfälzischer Bauernverein gegründet werden. Der Versammlung wohnten mehrere Reichstags- und Landtags-Abgeordnete bei.

* Würzburg, 2. April. Die Bildung der ein­zelnen Kommissionen für die im kommenden Herbste vom 27. August bis 1. S.ptember hierseldst statifin- dende 40. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ist nunmehr vollzogen worden. Der Vor­sitzende des gesummten Komitees ist Herr Rechtsanwalt Dr. Thielen. Ein Subkomitee soll die Beschlüsse der Kommissionen zur Ausführung bringen. Für eine würdige und gediegene Vorbereitung der Generalver­sammlung soll Alles aufgetoanbt werben.

Ausland.

* Gent, 2. April. Gegen 1000 französische Sozialisten trafen heute aus Roubaix unter Füh­rung be8 bärtigen Maire hier ein und wurden am Bahnhose von zahlreichen belgischen Sozialisten em­pfangen' Die französischen Sozialisten begaben sich alsdann nach einem Versammlungslokal, woselbst Nach­mittags 3 Uhr eine Sitzung zur Prüfung der Frage der aQgemeinen Ausstandes abgehalten wurde.

* Paris, 3. April. Sn Folge der Weigerung PonicareS, das Finanz-Portefeuille tu übernehmen, be­gab sich Meline zum Präsidentm Carnot und theitte diesem mit, daß er von der KabinetSbildung zurück­trete. — Carnot hat nach den letzten Nachrichten dem Unterrichtsminister deS früheren KabinetS, Dupuy, bie Bilbnng eines neuen Ministeriums angeboten. Dupuy hat den Auftrag angenommen.

* Rom, 2. April. Bei ber silbernen Hochzeit be8 königl. Paares wird ber Kaiser von Rußland durch den Großfürsten Wladimir vertreten fein, welcher sich in Begleitung feiner Gemahlin nach Rom begibt. Der König ber Belgier entsendet eine außerordentliche Ge- sandffchaft nach Rom, die auS General Fischer und zwei Adjutanten bestehen wird.

* Kopenhagen, 2. April. Der dänische Gesandte am österreichischen Hose ist für den Gesandtschaft? posten in Petersburg auSersehen.

* London, 3 April. Ein Telegramm deS Reuter- schen Büreau's besagt, von den Regierungs-Truppen, die in ber Zahl von 1500 an dem Gefechte bei leine" eingegraben. Besonders würden Sie die ganze Sache sehr verschwiegen und geräuschlos behandeln müffen. Sch weiß wohl, daß die Aufgabe nicht gerade eine leichte fein wird, ich bin indeß der Ueberzeugung, baß Sie bei Shrer Gewandtheit schließlich diese Ange- legenheit ober vielmehr dieses G heimniß enthüllen werden."

7.

Kehren wir inzwischen zu Gwendoline zurück, welche sich, nachdem sie sich von Ronald Chilton verabschiedet hatte, wieder auf ihr Zimmer zurückdegeben hatte.

Shre Lampe, welche auf einem Putte in der Nahe deS Herdes stand, beleuchtete die Blätter eines Buches, welcher sie noch eine Stunde vorher durchblättert, — wo sie sich noch für daS unglücklichste Geschöpf von der ganzen Welt gehalten hatte. Welch' eme große Veränderung hatte sich in dieser kurzen Spanne Zeit für sie vollzogen! Ronald hatte sie also nicht verlasien, er liebte sie noch immer, ja mehr als je, und in Kurzem sollte sie seine Gattin werden.

Von ihrem Fenster cu8 konnte sie bie Lichter des BallsaakeS unterscheiden. Sie wollte sich nicht entschließen, zu Bette zu gehen, so lange sie Lord Chilton uuf dem Schlöffe wußte. Sie wollte vielmehr warten, bis die letzten Gäste beiwgekehrt fein würden.

Während sie in dieser Weise von einer glückliche