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JV 74 Freitag, den 31. März 1893. 20. Jahrgang

FuIdllkrWZeitllng

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Deutscher Dilgerzug nach Dom.

Infolge der im April stattfindenden weltlichen Festlichkeiten und deren jetzt festgesetztes Programm mußte der Vatikan sich veranlaßt sehen, die dortigen Pilgerkomitees zu ersuchen, in der Zeit vom 17. April bis 2. Mai Pilgerzüge von Rom fernzu- halten. Zu unserem herzlichsten Bedauern sind wir daher ge- nöthigt, den Aprilpilgerzug hiermit abzusagen.

Den angemeldeten Pilgern geht Seitens der Centralstelle ein Circular zu. Gleichzeitig laden wir zur Betheiligung an dem hiermit für Anfang Mai ausgeschriebenen Pilgerzuge ein, desien näheres Programm alsbald bekannt gegeben wird.

Haid, Frankfurt a. M., den 27./2S. März 1893.

Das Wallfahrts-Komitee:

Karl Fürst zu Löwenstein, Vorsitzender. Die Centralstelle: Dr. v. Steiule.

Verbannt.

Rach dem Englischen von I. RüttgerS.

(42. Fortsetzung.)

5.

„Lord Chilton, welcher begreiflicher Weise in Wonne schwamm, daß er seine theure Gwendolins endlich gefunden hatte, erzählte ihr, wie er unausge­setzte Nachforschungen ihretwegen angestellt hatte und ' namentlich, waS er in der Ueberzeugung, daß sie für ihn auf immer verloren sei, gelitten habe.

„Ich dachte an Dich," sagte er zu ihr, „in dem Augenblicke, wo ,ch den Ballsaal verließ, und so un­wahrscheinlich, ja m simig dies auch scheinen mag, däuchte mir, als ob ich Dich in diesem Garten wieder­finden sollte. Aber Du sagst mir ja nichts, Swendo- line, freut eS Dich denn nicht, daß Du mich wieder­gefunden hast?

„Oh, Ronald, die unermeßliche Freude, welche ich empfinde, läßt mich Alles vergefien, woran ich mich erinnern muß"

„WaS sollen diese Worte bedeuten, meine Th euere? Ich begreife Dich nicht."

„Hast Du denn vergefien, wie wir unS verlaffm haben, Ronald?"

Lord Chilton nahm daS junge Mädchen am Arme «nd sagte zu ihr:

Am hl. Charfreitag.

NN ich Dich, o Heiland, sehe Auf dem Kreuzholz ausgespannt, Wird mein Herz erfüllt mit Wehe Und von Reue übermannt;

Meine Sünden ohne Zahl Schufen Dir die bitt're Qual.

Nackt, entstellt, der Welt zum Hohne Hängst Du da, den Mördern gleich. Auf dem Haupt die Dornenkrone, Arm an Trost, an Schmerzen reich. All' daS trägst Du mit Geduld, Um zu sühnen meine Schuld.

Stets will ich im Geist betrachten Deine Wunden, Deine Pein, Will die böse Lust verachten, Suchen Dich, nur Dich allein.

Laß mich finden Dich, mein Heil, Dann wird Frieden mir zu Theil.

Niemals will ich wieder klagen, Wenn mich Sorg' und Qual beschwett; Hat den Meister man geschlagen, Ist der Jünger Brff'res werth?

Rur durch Trübsal, Kreuz undLeid Führt der Weg zur Seligkeit.

Ungleiches Verfahren

gegenüber katholischen nnd evangelischen Schalen.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Meine Herren, inFriedrichSberg hier beiBer- lin gibt eS 308 katholische Kinder; dieselben müfien heute noch eine Privatschule besuchen, zu welcher weder von der Gemeinde noch von der Staatsregierung irgend ein Pfennig gezahlt wird. Die Gemeinde erhielt früher 7200 Ma, k Staatszuschuß und bekommt jetzt noch 6000 Mark, also mehr als eine vierklassige km holische Schule die Gemeinde kosten würde. Seit dem 19. Februar

katholischen Schule zu beschleunigen. Run hat am 19. Januar d.J. der Landrath mitgetheilt, „daß die Schule auf dem Zwangswege eingerichtet werden wird". Ich habe nur einen Zeitungsbericht darüber; in demselben fehlt die Angabe des Datums, an dem die Errichtung der Schule erfolgen soll. Ich möchte bitten, falls der Herr Kultusminister Auskunft geben kann, uns doch zu sagen, wann denn endlich diese Schule iu'S Leben ta­ten soll.

Allerdings muß ich gestehen, daß die Hauptschuld der ganzen Verzögerung die Gemeinde trifit, indem sie bei 308 Kindern katholischer Religion fich weigert, eine katholische Schule einzurichten, obwohl die Katholiken fortwährend Gemeindesteuern zahlen und auch aus ihren Steuern die Kosten der evangeltschen Schule bestritten werden; eine solche Intoleranz kann ich nicht begreifen. Allerdings hat die Gemeinde-Vertretung öfter- erklärt, daß sie glaube, der konfessionelle Friede werde in ge­mischten Schulen viel bester gewahrt werden, als wenn die katholischen Kinder in die evangelischen Schulen gingen. Aber, meine Herren, eS ist doch m maßgeben­den Kreisen der Gmndsatz festgehalten, daß eS viel bester ist, wenn die Kinder eine konfessionelle Schule besuchen, namentlich hier, wo man eine vierklassige, nächstens sogar eine füniklassige Schule errichten muß.

In Eberswalde ist, wie ich schon erwähnte, für 40 katholische Kinder eine katholische Privatschule ein« gerichtet ; der Provinzialrath hat nicht die Gemeinde zur Errichtung einer kacholischen Gemeindeschule ver­pflichtet. ES hat nun der Herr Fürstbischof fich au daS Kultusministerium gewendet, um zu bewirken, daß diese Schule in eine öffentliche umgewandelt werde, um einen Staatszuschuß erlangen zu können. Das Schrei­ben ist im August der vergangenen Jahres eingegangen; bis heute ist darauf, so viel ich weiß, eine Antwort nicht erfolgt. Ich möchte den Herrn Kultusminister bitten, uns zu sagen, ob vielleicht in diesen Fonds, die jetzt bewilligt werden, irgend welche Beiträge für die Schulen in Schöneberg, Rammelsburg und Eberswalde ausgeworfen find, oder ob er geneigt ist, nachträglich noch zu veranlasten, daß wenigstens in Betreff Schöne­berg'- und Rummelsburg's an den Kreisausschuß ein Antrag gestellt wird, die Verpflichtung der Gemeinde zur Errichtung konfessioneller Gemeindeschulen festzustellen.

JnSullnowko gibt es eine polnische Schule mit 150 katholischen Schülern, die nur einen einzigen Leh­rer hat; daneben eine evangelische Schule, die für 25 Kinder eingerichtet wurde und jetzt 32 Schüler hat, unter einem evangelischen Lehrer. Es ist nun der An­dreas Schreiber gezwungen worden, seine Kinder in die evangelische Schule zu schicken, weil dieselben deutsch reden. Der Mann weigert sich; er sagt: „Meine Kinder find katholisch, die deutsche Schule ist evange­lisch, in der katholischen Schule wird ebenfalls nur deutscher Unterricht ertheilt; ich sehe gar nicht ein, weshalb ich meine katholischen Kinder in die evange­lische Schule schicken soll!" — und tatsächlich besuchen diese Kinder jetzt gar keine Schule. Der Mann hat die Regierung gebeten, diese Verfügung aufzuheben und fast verrathen hätte. Für ihn war jetzt kein Zweifel mehr': diese- junge Mädchen war in der That jene Gwendoline Winter, welche er nun schon so lange suchte.

Lord Chilton legte Gwendoline nunmehr dar, wie er verhindert gewesen sei, nach Louemoor zu kommen au dem Tage, wo er seinem Versprechen gemäß dahin kommen sollte, nachdem er seinen Heirathsanttag gestellt hatte.

„Al- ich zu dem Freunde, bei welchem ich zu Be­such war, zurückkehrte", sagte er, „fand ich ein Tele­gramm vor, in welchem unser Hausarzt mit mittheilte, daß mein Vater plötzlich von einem Schlaganfalle be­troffen worden sei und ich deshalb unverzüglich nach Hause zurückkehrm möchte. Am folgenden Morgen machte ich mich sogleich bei Tagesanbruch auf de« Weg, nachdem ich meinem Bedienten einen Brief au Deine Adresse Hinterlossen hatte/

„Ich habe niemals einen Brief erhalten.

Ich habe es erst nachttäglich erfahren. Mein Diener hat, anstatt meinen Auftrag selbst auszuführen, den Brief dem Sohne des Herrn O-kney übergeben, dem Verwalter des Herrn Morkham'S, welcher sich nämlich dazu erboten hatte, indem er sagte, daß er gerade im Begriffe stehe, nach Lonemoor zu gehen. Erst viele Wochen nach Deiner Abreise hat mein Dimer mir die Wahrheit eingestanden."

Letzte Nr. -es 1. Quartals.

•V Wegen des hl. Charfreitags gelangt die nächste Nummer ds. Bl. erst am Sams­tag zur Ausgabe.

1889 schweben die Verhandlungen betteffs Friedrichs- berg-, also vorigen Sonntag find eS vier Jahre gewordm. Es hat am 12. August 1890 die Gemeinde« Vertretung abgelehnt, eine katholische Schule zu errich« ten. Der Kreisausschuß hat auch abgelehnt, die Ver­pflichtung der Gemeinde zur Errichtung einer solchen Gemeindeschule festzustellm, aber der Provinzialrath hat fie am 1. Oktober 1891 sestgestelll. Ich bin der Königl. Staatsregierung dankbar dafür, daß sie die Stellung diese- Anträge- an dm KreiSauSschuß und später die Beschwerde an dm Provinzialrach veranlaßt hat. Aber, meine Herrm, wmn seit dem 1. Ottober 1891 diese Verpflichtung festgestellt ist und hmte noch nicht die katholische Schule auf Serneindekosten errichtet ist, dann scheint mit doch irgendwo ein Fehler zu fein. Es ist bereit- am 22. Ottober 1891 an den Gemeinde­rath die amtliche Mittheilung ergangen, daß der Pro- vinzialr ath seine Verpflichtung festgestellt habe; der Land­rath hat darauf verlangt, daß auf Kosten der Gemeinde eine vierklassige Schule eingerichtet würde. Am 3. De­zember 1891, also nach fast anderthalb Monatm, hat der Gemeinderath diese Anfordemng des LandrathS abgelehnt. Wenn am 3. Dezember 1891 der Gemeinde­rath diese Anforderung des LandrathS abgelehnt, wenn am 3. Dezember 1891 der Gemeinderath, mit dem früher schon so lange verhandelt wordm war, abermals die Errichtung einer solchen Schule ablehnt, dann wäre zweckmäßig gewesm, sofort die Zwang--Etatifimng vorzunehmen. Es hat nun auch dar Kultusministerium am 21. Januar 1892 geantwortet, e- sei der Landrath angewiesm, auf Sruud des § 48 des Zuständigkeits- Gesetzes die Hwangs-Etatisirung zu vetfügm. Er hat aber damit ein halbe- Jahr gewartet; denn noch am 23. Juni 1892 hat er mit der Gemeinde verhan­delt, ihr ein Schteibm vorgelegt, durch welches fie abermals aufgefordert wird, die Schule einzurichten, und ihr angedroht wird, andernfalls werde dieZwangi- Etatistrung erfolgen. Erst ungefähr am I.Juli scheint diese erfolgt zu sein, dmn später wird geantwortet, sie sei jetzt erfolgt und es habe der Gemeinderath beim BezirkS-AuSschuß gegen die e Zwangs-Etatisirung Klage erhoben. Merkwürdigerweise hat der Bezirksausschuß die Beweiserhebung beschlossen, und seitdem das Ver­fahren beim Bezirksausschuß schwebt, ist abermals ein halbes Jahr vergangen. — (Zuruf.) —Ich werde gefragt, warum der Bezirksausschuß nicht ein Beweis- verfahren sollte erheben können. Ja, meine Herren, was war hier denn noch zu beweisen? Der Beschluß deSProvinzial-LandtageS ist unabänderlich, ist inappel­label; es war also bloß Beweis zu erheben darüber, ob eS wahr sei, daß der Provinzialrath diese Verpflich­tung der Gemeinde festgestellt hat. DaS war der Ge­meinde schon bekannt, indem ihr am 22. Oktober 1891 amtlich vom Landrath darüber Mittheilung gemacht war. DaS Kultusministerium hat nun am 14. Febr. 1893 geantwortet, „eS habe keine Möglichkeit, auf einem andern Wege die Errichtung einer katholischen i Schule zu betreiben." DaS gebe ich zu; aber ich meine

doch, eS wäre möglich gewesen, die Errichtung einer

„Komm', laß' unS gehen, mau könnte uns hier belauschen."

Pietro ging dem Paare mit offenen Augen und Ohren leise nach und verlor kein Wort chrer Unter­redung.

„Ich habe Dich nicht tadeln wollen, Ronald," hob Gwendoline an." „Als Du um meine Hand an hiel­te st, habe ich Dir geantwortet, daß ich für dm Sohn eines Vicomte nicht die pafimde Frau sei und daß, wmn Du am folgenden Tage nicht nach Loonemoor zurückkehrtest, dies zu bedeuten habe, daß Du Dir ■ die Sache überlegt habest und daß Dein Vorhabm ■ nicht ausführbar sei. . . . Und Du bist nicht zurück- : gekommen!"

„Oh, Gwendoline, wie verkehrt hast Du mich be- ! urtheili! Armes Kind, hast Du dm allm Ernstes

gedacht, daß ich freiwillig Dir entsagt habe, und zwar wegen Deiner duntten Herkunft und wegen des Mangels an Vermögen?"

„Halt, Ronald! Ich weiß daß Du edel und gut i bist, und ich habe Dich, ich sage eS nochmals, nicht tadeln wollen, denn ich begreife mehr als je, daß es ; unmöglich ist, daß ein Mädchen ohne Namen, beten ! Mutter in einem Winkel deS Kirchhofes in Plimstone ruht, die Gemahlin des Sohnes Lord Chiltons werde."

Beinahe hätte der Malieser, als er diese Worte 1 vernahm, einen heftigen Sprung gethan, welcher ihn