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JV 72

Mittwoch, dm 29. März 1893.

20. Jahrgang

FuldaerMZeitung

tLglich, Sen* and Feiertag« ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder beten Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. WMMMrlicher Abonnementtpreir ohne Briugerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Deutscher Wgerzug nach Kam.

Infolge anderweiter DiSpofitionen in Rom findet die Audienz für die Deutsche«

- Samstag, -en 15. April t. ...

statt. Es ist daher nothwendig, daß bezüglich der Reise die folgenden Aenderungen ein treten.

Beide Pilgerzüge, sowohl der II. als III. Klaffe fahren zu­sammen von München

Dienstag, de» 11. April, Vormittags (voraussichtlich zwischen 8 und 9 Uhr) vom Centralbahnhofe ab.

Es ist daher nothwendig, daß sämmtliche Pilger HI. Klasse und diejenigen Pilger II. Klaffe, welche mit dem Zuge über München fahren, am Montag den 10. April in München ein­treffen, und sich alsbald im Saftno Barerstraße Nr. 7 melden, um hier die Quartierbillets, die Retourbillets München-Ala, die Berpflegungskarten und die italienischen Rundreisebillets zu lösen.

Die König!, bayrische Staatsbahn und österreichische Süd­bahn stellt bei 200 Pilgern einen Extrazug mit einem um 50o/0 ermäßigten 60 Tage giftigen Retourbill et München-Ala.

Dte italienische Bahn stellt folgendes billige Rundreisebillet mit SOtägiger Gültigkeit:

Ma—Beroua—Padua—Bologna—Anroua—Loreto—Ancona

Foligno Asfisfi Rom—Florenz—Bologna—Mailand Beroua—Ala

Preis I. Kl. FrcS. 108.85. II. Kl. FrcS. 76.25. III. Kl. FrcS. 49.60 bei Betheiligung von 200 Reifenden.

Der Pilgerzug besucht Padua, Loreto und Assisi. Der ge­nauere Reiseplan wird in München auSgegeben.

Diejenigen Pilger II. Klaffe, welche sich dem Pilgerzuge über Chiaffo reisend, in Bologna anschließen wollen, sind ge­beten, dies umgehend bei der unterzeichneten Centralstelle an­zumelden insoweit sie dies nicht bereit- gethan haben, und wenn ste über Freiburg i. B. fahren wollen, Mittheilung an Herrn Buchhändler Alois ReeS in Freiburg i. B., ober wenn sie direkt nach Basel fahren wollen, Mitrheilung an Herrn F. Rody in Köln gelangen zu laffen, damit sie durch diese ihre Quartier­billets, BerpflegungSkarteu, genauen 9teiteplan und Anweisung auf das in Aussicht gestellte billige italienische Rundreisebillet Chiaffo — Mailand —Bologna — Ancona —Loreto — Anona— Holiguo (Assifi) Rom—Florenz—Bologna—Mailand—Chiaffo welches bei einer Gesammtbetheiligung von 250 Pilgern auf den beiden Strecken Ma—Bologna—Ancona—Rom und Chiaffo— Mailand—Bologna—Ancona—Rom zu folgenden Preisen bei 40tSgiger Giftigkeit erlaffen wird: I. Kl. Frcs. 97.20. — II. Kl. Frcs. 68.10. — III. Kl. Frcs. 44.30. Für die über Chiaffo Reisenden wird von Ankunft in Malland ab ebenfalls durch die Agenzia Chiari volle Verpflegung gestellt, (siehe Pilgerführer.)

Spätester Abreifetermin für die über Bafel—Chiaffo Reifen­den ist ab Köln <L und H. Klaffe) am 10. April Abends 10 Ahr 15; ab Basel am 11. April, Morgens 7 Uhr 10, Ankunft Mailand Abends 7 Uhr 32. Abfahrt Mailand—Bologna 12. April 11 Uhr 45 Bormittags Ankunft Bologna 3 Uhr 7 Nach­mittags.

Die über Freiburg Reisenden find gebeten, sich am Montag den 10. April im dortigen Kasino (Karlsstraße 7) einzufinden.

Die Pilger III. Klaffe, welche mit dem Pilgerzuge fahren, reisen nur über München und versehen sich daher in der Hei- math mit einem Rundreisebillet bis München.

Alle Anmeldungen zur Theiluahme am Pilgerzuge sind nach wie vor an die Centralstelle zu richten, da nur diese die Quartier­billets für Rom auSgibt und die Pilgerkarten ausstellt.

Anmeldungen bittet man rafchest und jedenfalls vor dem 1. April zu machen.

Diejenigen, welche sich erst in Rom dem Pilgerzuge an­schließen, finb gebeten, spätestens am 14. April Nachmittags sich im Pilgerbüreau via dell’Aniwa 64 zu melden.

Frankfurt a. M., den 22. März. 1893.

Das Wallfahrts-Komitee.

Die Centralstelle. Dr. von Steinke.

Ivektion Köln. Sektion Freiburg.

F. Rody. A. Rees.

Verbannt.

Nach dem Englffchen von I. RüttgerS.

(40. Fortfetzuug.)

„Er darf mich nicht hier antreff en“, sagte sie bei Pch selbst. Indem sie hastig in den ersten Gang hin­eineilte, welchen ste gerade sah, hatte sie daS Glück, in der Nähe der Gruppe zu sein, welche ste suchte, ohne daß Jemand merken konnte, von woher sie gekommen war.

„Hier bin ich!" rief sie dann, indem sie sich be­mühte, zu lächeln; „Sie haben mich ohne Zweifel alr verlorm angesehen ? Beruhigen Sie sich ivdeß. Während Sie den dramatischen Geschichten zuhörten, welche Pietro so wohl zu erzählen versteht, hat mich die Lust angewandelt, allein in diesen unterirdischen Labyrinthen umherzuirren; unglücklicherweise ist meine Fackel er­loschen und hat mich so gecöthigt, umzukehren."

„Sie find sehr ünvoifichtig gewesen, theure Miß Rorney," rief Lord Darkwood aus, indem er ihr seinen Arm anbot; „ich versichere Sie, daß Ihre Abwesenheit uns Alle in die größte Unnihe versetzt hat. Ich glaube indeß, meine Damen, daß wir gut daran thun werden, uns von hier zu entfernen, denn die Feuchtigkeit, welche hier herrscht, könnte uns schaden."

Deutsches Keich.

Berlin, 27. März.

* Am Sonntag empfing der Kaiser Nachmittags 1 Uhr den aus Köln eingetroffenen Kardinal Erz­bischof Dr. Kremeutz in feierlicher Audienz. Dem Empfange folgte bei den Majestäten im Schlosse eine größere Frühstückstafel, zu der auch der Kardinal ge­laden war. Der Kardinal war in einem Königlichen Galawagen nach dem Schlöffe eingeholt worden. Gestern Abend 10 Uhr hat der Kardinal die Hauptstadt wieder verlassen.

* Ts wird gemeldet, der Kaiser habe fich befriedigt über die prompte Justiz des Reichstages gegen Ahl- Wardt ausgesprochen. Es handele sich mehr um eine Frage der Sittlichkeit als der Politik. — Die große antisemitische Volksversammlung, die zum Sonnabend Abend in den „Bermania-Sälm" einbe­rufen war und in welcher der Abgeordnete Rektor Ahl- warbt über die „Wahrheit über den JnvalidenfondS" unter Vorlegung der im Reichstage so sehr vermißten Aktm» sprechen wollte, hat nicht stattgefunden, da die Polizei auS formellen Gründen dazu die Genehmigung versagt hatte. Es wurde nun für heute Abend Ahl- Wardts Auftreten im „Bugganhagm'schm Kaisersaal" in Aussicht gestellt, aber auch dieses trifft nicht zu, denn Plakate an den Anschlagsäulm verrathen nur, daß in dem letztgenanntm Lokale in einer antisemitischen Volksversammlung, Herr Johannes Wilberg, Schrift­steller über „Ahlwardt und seine Enthüllungen" sprechen wird.

* Die von hier aus am SamStag durch einen Be­richterstatter verbreitete Meldung, daß am Samstag in einer Sitzung des preußischen Staatsministe- riums auch über die Stellungnahme der Regierung in Sachen der Militär-Borlage berathen worden sei, ist nach einer Meldung auS unterrichteter Quelle nicht rich­tig. Der Wahrheit näher komme die Voraussetzung, daß dem Staatsministerium eine interne preußische An- gelegmheit, wie die Genehmigung einer bereits ange- kündigten Vorlage von wirchschastlicher Bedeutung, Vor­gelegen hat.

* Wie ein Telegramm aus Mannheim meldet, soll der Schneidermeister Dowe daselbst seine Erfin­dung (kugelfester Pauzerstoff) dem Reichskanzler Grafm v. Caprivi für die Kleinigkeit von 3 Millionen Mark angeboten haben. Der Reichskanzler soll Bedmk- zeit verlangt haben. (?) Bon anderer Seite hören wir, daß der Kaiser dem genannten Erfinder eine Audienz bewilligt habe. — Im Kriegsministerium hat mau selbstverständlich dm Erfindungen „kugelfester Panzerstoffe" von jeher die größte Aufmerksamkeit ge- schmkt und er habm mehrere solcher Erfindungen der eingehmdstm Prüfung unterlegen; immer jedoch ist man an maßgebender Stelle zu dem Urtheil gelangt, daß der beste Schutz die Deckung im Terrain bildet. Indessen ist eS nicht unmöglich, daß die Dowe'sche Erfindung fich praktisch bewährt. Die französischen Blätter widmm dem Dowe'schm Panzerstoff große Artikel.

* Er ist ausgefallen, daß Karl Paasch in der

„Ich bin ebenfalls Ihrer Ansicht, fieigen wir also wieder hinauf," bemerkte Lord Chilton.

Die Gäste verließen also die Ruinm, um fich zu dem eigentlichen bewohnten Schlosse zu begebm, wo dar Diner ihrer wartete.

Der Koch Lord Darkwood'r hatte sich bei dieser Geleqmhcit selbst überttvffm. Der Saal erglänzte in unzähligen Lichtern, die femsten Parfüms erfüllten dm ganzen Raum mit den lieblichsten Gerüchen, und die Tafel selbst bot einen femhaften Glanz dar. Der alte ehemalige Kapitän war aus'S Höchste befriedigt, daß man Alles so getreu, nach seinen Weisungen angeordnet, auSgesührt hatte, dmn er gefiel sich in dem Gedanken, daß diese Entfaltung von Reichthnm einen günstigen Eindruck auf die Jndierrn machen und vielleicht die Au-sichtm auf Gelingen seiner Planes erhöhen würde.

Nachdem das Diner beendigt war, kehrte die Ge­sellschaft zu dm Ruinen zurück, woselbst man in dm mächtigen Kaminen deS BanketsaaleS große Feuer an­gezündet hatte. Bald ließ eine Truppe Musiker, welche von ShrewenSbury gekommen war und in einer oben laufenden Galerie Platz genommen hatte, die ersten Akkorde eines Sttauß'schm WalzerS, welche damals sehr beliebt waren, ertönen.

Der Ball begann. Der Marquis tanzte mehrere

letztm Zeit wiederholt verhaftet und freigelaffm und nun wieder verhaftet worden ist. Der .Reichs- und StaatS-Anz.' bemerkt, die hier getroffenen gerichtlichen Entscheidungen betreffen nicht die bereits seit dem vorigen Jahre anhängige Untersuchung, sondem ein neues Strafverfahren wegen erneuter öffmtlicher Be­leidigung von verschiedmm Staats -Beamtm. Die wiederholte Entlaffung und Wiederverhaftung des Herm Paasch erkläre sich ohne Weiteres aus dem Gesetz in Verbindung mit der bekannten Erfahrung, daß bei Erschöpfung des JnstanzmzugeS nicht immer olle In­stanzen derselben Ansicht sind. Die Justizverwaltung habe selbstverständlich auf gerichtliche Entscheidung« leinen Einfluß.

* Wie die ,Post' von wohlunterrichteter Seite er­fährt, wird demnächst mit der Begebung eines weitern Betrages 3prozentigcr deutscher Reichsauleihe und preußischer Kousols vorgegangen werden. Heber die Höhe der anzugebmden Summen seien noch keine end- giftigen Beschlüsse gefaßt, doch dürftm sie merllich weniger als bei den letzten Emission« auSmachm. Auch über dm ErnissiouSkurs seien noch keine bestirnrntm Entschlüffe gefaßt, doch werde derselbe nicht erheblich unter dem jetzigen Tageskurse betragm. Der heutige Kurs der Zprozenttgm Anleihen stellte sich aus 87,40.

* Die Konferenz der Vertreter der Landes- verficheruugsämter und der JnvaliditätS- und Alters- Versicherungsanstalten wurde unter dem Vorsitz des Präsidenten Bödiker eröffnet. 60 Theilnehmer waren erfchienm. Die Tagesordnung umfaßt elf Gegenstände, darunter die Beschaffung ärztlicher Atteste, die Anrech­nung deS Wochenbetts als Krankheitszeit, die Heber# nähme deS Heilverfahrens, die Evtwerthung der mit Marken versehenen Quittungskarten, dm Bau von Arbeiterwohnungen auS Mitteln der Anstalten und das BeitragSeinziehungSverfahrm.

* Bochum, 25. März. Herr Abg. FuSangel er­klärt in der von ihm geleiteten .Westfäl. Bolksztg.': Das Wolffche Telegraphen-Burean hat die Nachricht verbreitet, daß Redecktmr FuSangel beabsichtige mit dem 1. April seine Stellung bei der .Wests. BolkSztg.' niederzulegen und nach Berlin überzufiedeln. Diese Mittheilung ist vollständig ans der Lust gegriffen.

□ München, 26. März. Se. Heiligkeit Papst Leo XM. hat anläßlich seiner Jubiläums dem Schrift­steller Dr. A. Kausen die große silberneMedaille verliehen. Der hiesige päpstliche RuntinS empfing geftern Herrn Dr. Kausen, um ihm die obige Auszeichnung zugleich mit einem sehr anerkennenden Schreiben der Kardinalstaatssekretärs Rawpolla persönlich zu über­reichen. Dr. Kansm wurde bereits im Jahre 1888 mit dem goldenen Ehrmkreuz „Pro Ecclesiae et Pontifice* betonet.

* Vom Maine wird dem ,Fränk. Vlksbl.' ge­schrieben: „HieFusangel, hie Centrum", betitelt sich der heutige Leitartikel des ,M. Fremdenblatter', in dem dar Resultat der Olpmer Wahl eine Betrach­tung erfährt. Böse war der offizielle CevtrumS- Kandidat; FuSangel, sein Gegner, ist mit vierfacher Stimrümzahl gewählt. Der Berfoffer der betreffend« Artikels meint, FuSangel könne nach dm Erklärung«

Male mit Miß Romey und verließ fie erst, als Lord Chilton, welchem fie mehrere Tänze versprochen hatte, sie abholte. Sie hatte indeß nur auS HöflichkeitSrück# fichten angenommen, denn ihre Gedanken bewegten sich auf einem ganz ander« Gebiete. Sie dachte an das Telegramm, welcher sie empfang« hatte und an die Sendung, welche sie Ago aufgegebm, sowie ganz be­sonders an jmm sonderbarm Schrei, welchen sie in den unterirdischen Gewölbm gehört hatte imb welcher ihr noch immer an das Ohr zu klingen schim.

Lord Chilton war seinerseits nicht minder in Ge- dankm versunkm wie sie. Er dachte, wie wir leicht errathm können, an seine theuere Gwendoline, die er in dieser Welt vielleicht nicht mehr wiederiehm sollte. Wie er sich sagte, sowie an Her« Morkham, von Welchem er noch immer keine Antwort auf den Brief emvfanaen hatte, welchen er vor Kurzem an ihn ge­schrieben hatte. Diese auSgelaffme Fröhlichkeit, welche rings um ihn her herrschte, that ihm bitterlich weh und erhöhte nur noch die Bitterkeit der Sedankmr, daß Diejenige, welche er liebte, in diesem Augmblicke vielleicht in Elmd und Armuth lebe. . .

Miß Romey äußerte nach Beendigung des TanzeS dm Wunsch, sich ein wenig auSzuiuhm und sich zu