Einzelbild herunterladen
 

illdaer

citiin

KW v

■■■'■ *

«mtelstchrliMbo^Sui1 ’J‘ ,oS" die einspaltige Zeil- ober beten Raum 15 Pf, bei Wieberholungen entfprechenber Rabatt.

_*ttXi Ol>ne Brmgerlohn und Bestellgelb mit ber beSetristlschen Sonntagsbeilage .Sterne unb Blumen" in Fulda und aititoärtTl MM Pfennig.

Untere geehrten Postabonnenten werben höflichst gebeten, bie Bestellung auf bie ,Fulbacr Zeitung" umgehenb zu erneuern, inbem ber ununterbrochene Empfang ber Zeitung für bie folgenbe Bezugszeit bavon abhängt. Bei verspäteter Bestellung kann auf vollstänbige Lieferung kein Anspruch gemacht werben. Erfolgt bie Bestellung auf unsere Zeitung erst in ben letzten 2 Tagen bieses Monats ober nach Beginn ber Bezugszeit, so werben bie vor Erlebigung ber Be' stellung bereits erschienene Nummern, so weit solche überhaupt noch zu beschaffen sinb, nur auf ausdrückliches Verlangen unb gegen eine Gebühr von 10 Pfg. für das zu erlassende Bestell- schreiben uachgeliefert.

* Das Wahlgesetz, welches das preußische Abgeordnetenhaus beschlossen hat, wird allem Anscheine nach schwere Stürme zu bestehen haben, ehe eS in den Hasen der Gesetzessamm­lung einlaufen kann. Die ganze Entrüstung des in fernen „heiligsten Gefühlen" gekränkten Geldsackes bäumt sich dagegen auf. Die .Köln. Ztg.' möchte eine „Be­wegung" wachrufen, wie sie vor einem Jahre gegen das Schulgesetz gemacht wurde. Das wird nun freilich wohl schwerlich glücken, weil die Masse der Wähler gar kein Jntereflc daran hat, das Großkapital in feinet Uebermacht zu schützen, die ihm das Wahl­recht ursprünglich gar nicht gab, die es aber im Laufe der Jahre durch die wiederholten Steuerreformen er­hielt.

Als das Dreiklasimsystem eingerichtet wurde, betrug der höchste Einkommensteuersatz 126 Thaler. Da war also von einem Uebergewicht der große» Kapitals in dem heutigen Sinne gar nicht die Rede, und wenn jetzt bei 2000 M. die Grenze gezogen ist, so hat das Groß­kapital immer noch fünfmal so viel Recht, als ihm der Gesetzgeber eigentlich hat einrämnen wollen. Es geht hier aber wie so ost: das mit der Zeit eingewurzelte Unrecht wird für heiligstes Recht gehalten und wer gebührend daran herumschneidet, ist ein „Revolutionär" und „Sozialdemokrat". Die Schreier sind aber gar nicht so sehr darüber entrüstet, daß das Gesetz dem wahlrechtlichen Unsinn zu Leide gehen will, der ein paar reichen Leuten die Möglichkeit in die Hand gibt, die Mehrheit der Stadtverordneten oder einen Land­tags-Abgeordneten zu ernennen, sondern darüber, daß ihre Parteiherrschaft dabei Schaden nehmen könne. Das Gesetz ist ein Parteigesetz, rufen sie, und bekennen damit, daß die bisherige Einrichtung einer bestimmten Partei zu Gute kam und deshalb aufrecht erhalten werden soll. Die Grenze von 2000 Mk. wird nicht für Nationalliberale oder Freisinnige, sondern für alle gezogen, die mehr als diese Steuer zahlen und sie wird gezogen, weil das maßlose Uebergewicht des Großkapitals durch nichts gerechtfertigt ist. Wenn das in den einzelnen Städten des Westens gerade die Nationalliberalen treffen sollte, so werden es Städte sein, in denen die katholische Bevölkerung weit überwiegt, in denen ober die Nationalliberalen eine einseitige Parteiberrschast etablirt hatten. Sollt­hier Wandel geschaffen werden, so kann man das

billigerweise nicht wohl als ein himmelschreiendes Un­recht bezeichnen. Hätten die Liberalen ihre Uebermacht nicht so rücksichtslos einseitig ausgenutzt, so wäre man vermuthlich nicht auf dm Gedanken gekommen, dem, wie geschehen, einen Riegel vorzuschiebm.

WaS war denn das Ziel der jetzt so entrüstetm Minderheit? Sie wollte gar keine Wahlrechtsreform, sondern die Steigerung des Uebergewichts, welche die Steuerreform dem Kapital bietet, möglichst unverkürzt ausnützen. Das wäre dann natürlich kein Parteigesetz gewordm. Herr Rickert hat neulich an das H e r r e n h a us appellirt. Auch die Nationalliberalen und Freikonservativen setzen ihre Hoffnung auf das Herrenhaus. Wie es 6ei dem Einkommensteuergesetz dort sehr reiche Herren gab, die möglichst wenig Steuern zahlen wollten und 4 Prozent als „BermögenS- konfiskation" und „Sozialdemokratie" verschrieen, so wird es auch eigmsüchtige und kurzsichtige Leute dort geben, die daS Wahlgesetz für revolutionär erklärm. Wüthete doch heute schon Herr Graf Klinkowström gegen dieses Gesetz als „das erbärmlichste, daS man sich denken kann." Hoffentlich bleiben aber.die rabiaten Widersacher jetzt ebenso in der MinderheT wie bei dem Einkommensteuergesetze.

Weß Geistes Kinder es aber unter ben Schwärmern für die Unfehlbarkeit der angestammten Borrechte des Seldsackes gibt, das zeigt eine Nachricht aus Düren in der Rheinprooinz. Düren ist wohl daS non plus ultra von Uebergewicht des Seldsackes beiWahlm. Ein paar verschwägerte Familim führm dort ein national- liberales Regiment. Dürever „Bürger aller national- gesinnten Kreist" hatten eine „großartige Kundgebung zu Gunsten ber Militär-Vorlage" geplant. Diese wurde aber abbestellt in Folge dieser Mißstimmung, weil durch die „veränderte Wahlgesetz-Novelle bie nationalen Parteien sich demCmttum rücksichtslos geopfert sehen." Also die „nationale" Gesinnung reicht gerade so weit, wie das Jntereffe des Geldsackes und ber Partei reicht. Droht dem „Gefahr", so ist man „tief mißgestimmt", fo „tief", daß man sich selbst aus ber „Gefahr des Vaterlandes" nichts mehr macht. Wir erleben es ja nicht zum ersten Male, daß die Nationalliberalen gerade in ber Rheinprovinz mit bem „Erkalten" ihres „natio­nalen", „patriotischen", „monarchischen" rc. „Gefühls" drohen, wenn er ihnen gerade nicht nach der Mütze geht. Uebrtgen8 ist daS Manöver, durch welches bie Dürener Nationalen die Regierung zur Verschlechterung des Wahlgesetzes zwingen wollen, gar zu plump. So­gar ihnen trauen wir zu, daß sie das hintenhrr einsehen werden.

Die,Köln. Ztg.' hat ihren ganzen edlen Zorn über das Wahlgesetz gegen den Finanzminister Miquel ge­richtet. Dieser soll eine Jntrigue mit den Konservativen eingefäbelt haben Wieder wird gedroht, daß die empör­ten „nationalen Elemente" ben Reichskanzler mit bet Militär - Vorlage sitzen lasten werden. Der national- liberale Minister wird ber ,Kölu Ztg." zufolge viel zu viel gelobt von ber .Kreuzztg.". Was wird baS thei- nische Blatt erst sagen, wenn eS hört, baß im Herten- Hause sogar Graf Klinkowström ben Staatsmann Miquel

*eB*=**™e*w****«HHaHBHe*eBeM in lauten Worten pries. An ber „Jnttigue" mit dem Wahlgesetz ist Herr Miquel offenbar ganz unschuldig. Die.Kreuzztg.' versichert heute, erhöbe weder während der KommisfionS - Verhandlungen noch nachher irgend welche Einwirkung auf die Kvnfervativeu auSgeübt. Vielleicht wirst ihm die .Köln. Ztg.' nun vor, baß er bei ber Regierung feinen Einfluß nicht geltenb gemacht ! habe. Nach ben Erfahrungen bei dem vorigjährigen Schulgesetze sollten steilich getabe bie Liberale« vorsich­tig sein mit den Angriffen gegen Herrn Miquel. Wenn aber in diesem Falle ber Finanzminister keine Lust hat, durch Verfechtung nationalliberaler Partei - Interessen seine Steuet-Borlagen zu gefährden, so finden wir dar sehr begreiflich.

: Deutsches Keich.

Berlin, 25. März.

* Da die Eharwoche jeden Christen zu ernsten Betrachtungen auffordert unb bas bürgerliche Leben in eine Zeit feierlicher Ruhe hinüberleitet, tritt auch in den parlamentarischen Verhandlungen eine Ruhepause ein. Reichstag und Landtag haben ihre Osterferien begonnen, die politischen Kämpfe find verstumm, um den christlichen Empfindungen der kirchlichen F-ier bet nahenden Tage freien Raum zu gewähren.

* »Die Akten find zur Stelle." Riesige Pla- late an den Berliner Anschlagsäulen verkünden heute den Bewohnern der ReichShauptfiadt, daß ber Abge- orbneteRektor Ahlwarbt AbeubS in bemGermania- Prachtsaale einen Vortrag über „Die Wahrheit über den JuvalidenfondS" halten wird, bei welcher Gelegen­heit auch die „Akten zur Stelle sind". Schabe, daß die Mitglieder des Reichstages bereits in die Serien gegangen sind und Herr Ahlwarbt nun „feine Wahr­heiten" dem Volke statt dem Reichstage offenbaren muß. — Das müde Haupt Ahlwarbts hat nun auch ein Heim gefunden; er ist Bürger unb Einwohner von ArnSwalde geworden unb darf sich bemnach als Reichs- tagSabgeorbneter das Vergnügen gestatten, jeberzeit zwischen Berlin unb ArnSwalbe kostenfrei in 1. Klaffe hin unb her fahren zu dürfen.

* Fmanzmmister Dr. Miquel hat in ber vorigen Woche von bet .Kölnischen Ztg.' bie heftigsten Angriffe erfahren, bie in dem Ruse gipfelten: „Hinweg mit ihm!" lieber Nacht ist nun aber der Wind umge- fchlagen unb die „Wetterfahne am Rhein" hat sich ge- dreht. Herr Miquel sollte, wie bie .Köln. Ztg." be­stimmt toiffen wollte, an ber „Vergewaltigung" bes „besitzenden Bürgerthums"beim Wahlreformgesetze Schuld sein. Nun aber wirb ber .Köln. Ztg." von einem dem Herrn Miquel nahestehenden Freunde ver­sichert, „daß diese Annahme unbegiündet sei, daß der Fmanzminifter vielmehr einer jeden Einwirkung auf die schließliche Gestaltung deS Wahlgesetzes sich enthalten habe". Nun tritt die .Köln. Ztg." mit bem Mache eines Falstaff den Rückzug an und nimmt ihren Bot- Wurf * gegen „ feen Finanzminister Miquel ausdrücklich zurück.

Verbannt.

Rach dem Englischen von I. RüttgerS.

(39. Fortsetzung.)

Um Miß Romey eine Uebertaschung zu bereiten, hatte Lord Darkwood bestimmt, daß nach dem Diner ein Ball gegeben werden solle, welcher in bem alten Schlöffe selbst stattfinben sollte, unb er hatte beShalb feen Saal zu diesem Zwecke in Bereitschaft stellen lasten. Silberne Kandelaber, in welchen unzählige Lichter steckten, waren an den Wänden befestigt worden. In dem alten, hohen Kamin hatte man Blumen unb Ge­wächse von dem feinsten Gerüche untergebracht. Präch- ttge Orangenbäume hatte man aus den beiden Seiten des Saales ausgestellt, dazwischen Ruhesitze für die er­müdeten Tänzer.

Nachdem bie Gäste bieseS Gemach besichtigt, setzten sie ihre Promenabe durch die Ruinen unter ber Führ­ung ihres Gastgebers fort. Nichts entging ihrer Neu- gterbe; sie besuchten die Salons, bie Schlafzimmer, die Speisesäle, die Kapelle, unb kletterten sogar auf einer engen Wendeltreppe bis zum Wachithmm hinauf, von wo aus man eine herrliche Aussicht genoß.

Während bie Gesellschaft roiebet ins Erdgeschoß hinadstieg, toanberte Miß Romey an ber Seite Lady Georginas daher, welche ihr erzählte, wie sie unb ihre

Gouvernante burch ein unheimlicher Geschrei erschreckt worben seien, als sie sich eines Tage- bis in bie unter- irdischen Gänge vorgewagt hätten.

„Miß Myner behauptete, daß dieses Geschrei von einer Eule henübre, während ich . . . Nun, seit längeer Z-it erzählen sich bie Knechte unb Mägde allerlei schreckliche Geschichten ..."

In diesem Augenblicke kam ber Marquis in ihre Nähe. Er hörte noch eben bie letzten Worte, welche seine Tochter ausgesprochen hatte und warf ihr einen drohenden Blick zu, welcher Miß Romey nicht entging unb in ihr allerlei Gedanken erweckte.

„Hören Sie nicht auf das, waS meine Tochter er- i zählt, Madame," sagte ber Marquis; sie ist ja noch ■ ein wirkliches Kind, welches vor allem, und sogar vor ' bem Geschrei eiueS Nachtvogels erschreck."

i „Oh ich habe eine Vorliebe für alte Schlösser," i rief bie Jnbianerin aus, ^besonders wenn sie von - Sagen umwoben sind, wie hier biejeS. Also achthun- i bert Jahre existiert es bereits, nickt wahr? Welche i Ereignisse trauriger und fröhlicher Natur, mögen diese i alten Mauern nicht bereits gesehen haben? Wohlge- ; rüstete Ritter zogen von hier aus in ben Krieg; freu» ; bige Gottesdienste unb Trauerfeierlichkeiteu haben bie

Andächtigen in ber Kapelle versammelt; Frauen haben ! hier geliebt und geweint; fröhliches Kindergefchrei und

Gesumme hat hier in dirsm Mauem wiedergehallt. . Und wer weiß, wie viele Unglückliche in den unter­irdischen Räumlichkeiten umgekommeu find, — denn bie Herren von Darwoob hatten bie Macht über Leben unb Tod; mehr als ein Gefangener, wirb hier, unter unfern Füßen feinen letzten Seufzer ausgehaucht haben. Die Seule Waten damals so grausam! Man sagt Lord Darkwood, „daß vor einigen Jahren in ben unter­irdischen Gräbern unb Höhlen ein menschliches Skelett aufgefunden worden sei? Ist dem so?"

„Ja", murmelte ber Marquis, „dies ist wahr."

„O, wie gern möchte ich diese unterirdischen Räume sehm, Lord Darkwood. Sie würben uns eine große Freude machen, wenn Sie uns Fackeln bringen ließen und uns selbst dorthin führm wollten."

Miß Romey warf ihrem Gast einen forschenden Blick zu, welcher sichtlich erbleichte. Er wollte einen Vorwand suchen, um bie Bitte nicht erfüllen zu müssen, welche sie an ihn gerichtet hatte, aber seine Tochter und bie übrigen Gäste schloffen sich bem Wunsche Miß Romeys an.

„Ich muß Sie inbeß barauf aufmerksam machen, baß ber Besuch dieser Gewölbe mit Gefahr verbunden ist," murmelte er, „es ist feucht und ungesund dort, die Lust ist schlecht und tausende von Ratten . . ."