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Beilage zu Nr. 70 der „Fuldaer Zeitung".

Samstag, den 25. März 1893.

Au unsere Leser.

Wir bitten unsere verehr!ichen Leser, die Bestel­lung der

.Fuldaer Zeitung' für das bevorstchende 2. Quartal 1893 bei den Post­anstalten sofort erneuern zu wollen. Sie erleichtern dadurch den Postbeamten sowie der Expedition unseres Blattes die Arbeit und sichern sich selbst die ununter­brochene und pünktliche Zustellung der.Fuldaer Zeitung'.

Wir bitten auch unsere Gesinnungsgenossen und Freunde wiederum, jetzt nach Kräften für die weitere Verbreitung unseres Blattes thätig zu sein. Die Presse ist ja unsere Hauptmacht in den Kämpfen der Gegenwart. Im nächsten Quartal fällt sicherer Vor­aussicht nach die Entscheidung über die Militär- Vorlage, und vielleicht stehen uns Neuwahlen zum Reichstage bevor. Auch die Debatte über den Anttag des Centtums auf Rückberufung der Jesuiten fällt in die Zeit nach Ostern. Für Preußen harren wich­tige Steuergesetze der Erledigung und die soziale Frage erfordert nach wie vor die größte Aufmerksam­keit. Ja den nächsten Monaten werden ferner die großen Pilgerzüge in Rom erscheinen, um dem heil. Vater Leo XIII. die Huldigung der katholischen Welt zu seinem goldenen Bischof!jubiläum zu Füßen zu legen. Welcher von unseren Lesern wollte über alle diese Dinge nicht unterrichtet sein? So dürfen wir erwarten, daß alle unsere Freunde, denen die .Fuldaer Zeitung' an dm Winterabenden Gesellschaft geleistet hat, dieselbe auch in den Sommermonaten gern bei sich sehen werden. MMM^Das Feuilleton der .Fuldaer Zeitung' wird im kommenden Quartal einen sehr spannend geschriebenen, zeitgemäßen Roman

„Endlich entlarvt" auS dem Lebm der Fabrikarbeiter bringen.

Die .Fuldaer Zeitung' ist in ihrem Verbreitungs­bezirke das weitaus gelesenste Blatt und eignet sich deshalb auch ganz besonders alsJnsertionsorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.

Der Post-Abonnementspreis auf die .Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage WM Sterne und Slumen = beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

fV Zur Erneuerung der Zeitungsbestellungen, welche am letzten des Vierteljahrs-Monats ablaufen, bedarf es der Vor­auszahlung des Betrages für die neue BezugSzeit. Auf den ununterbrochenen und vollständigen Bezug der Zeitung kann nur gerechnet werden, wenn die Anmeldung rc. rechtzeitig geschieht.

Erfolgt die Bestellung erst in den letzten zwei Tagen dieses Monats, so werden vor Erledigung der Bestellung bereits erschienene Nummern, soweit sie überhaupt noch zu beschaffen sind, nur auf ausdrückliches Verlangen nachgeliefert. Für das in diesem Falle nach dem Berlagsorte abzusendende postdienst­liche Schreiben ist das Franko von 10 Pfennig von dem Be­steller der Zeitung zu entrichten.

Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende März gratis. Redaktion und Verlag der .Fuldaer Zeitung^

❖ Ausbreitung der Kongregation der Schwestern der christlichen Liebe.

Sttsterin dieser Kongregation ist die ihres unver­geßlichen Bruders würdige Schwester Pauline von Mallinckrodt. Geborm war sie am 3. Juni 1817 in Minden, wo ihr Vater als Ober - Regierungsrath wirkte, kam aber schon mit 8 Jahren nach der alten . Klöaungsstadt Aachen, wohin derselbe als Regierungs- I

Präsident versetzt wurde. Pauline war das älteste der vier Geschwister und der ftühzeittge Tod der ausge­zeichneten Mutter legte ihr häusliche Pflichten auf, dir das junge Gemüth mit Ernst erfüllten und ihr jene Gemüthsruhe aufprägten, welche sie zeitlebens auSzeich- netc. Früh hatte sie Gott ihr Herz geweiht. Wann der erste Keim zum klösterlichen Berufe in ihrer Seele aufgegangm, ist natürlich nicht zu bestimmen; daS ge­hört, wie alles Keimen, zu den Geheimnissen deS Lebens. Gewiß aber ist, daß sie bald nach dem Empfang der Firmung (1835) den Entschluß faßte, allen ehelichen Verbindungen zu entfagen und daß fortan der Kloster- Gedanke dm festen Mittelpunkt bildet, um den sich ihre ganze innere Entwickelung dreht. Aber die Art und Form, in welcher diefer Gedanke zur Verwirklichung gelangte, ging weit über ihr Ahnen und Träumen. Aus ganz unscheinbaren Anfängen. auS der Pflege einiger blinder Kinder zu Paderborn, wohin Pauline mit ihrem Vater nach dessen QuieSzirung gezogen war, entwickelte sich gegen ihre Absicht eine neue Genossen­schaft, erwuchs allmählich unter sichtbarer providentieller Fügung und Führung, der Kongregation der Schwestern der christlichen Liebe, welche im Frühling 1849 Leben und Gestalt gewann und unter Paulinens Leitung bald einen so ungewohnten Auf­schwung nehmen sollte, daß sie in der täten und neuen Welt Wurzeln fassen konnte.

Die eigmtliche Gründung der Kongregation erfolgte unter dem Segen des Diözesan-Bifchofs am 4. Novem­ber 1850 zu Paderborn. Im Beginn waren es ihrer vier Schwestern; 7 Jahre später war ihre Zahl auf 45 angewachsen, auf 6 Filialen verthrilt. 1862 zählte die Kongregation 16 Häuser mit 168 Schwestern, zu Ende deS Jahres 1870 bereits 20 Häuser mit 250 Schwestern in verschiedenen Theilen Deutschlands. Das warm die stillm Siege der christlichen Charitas in einer einzigen Kongregation um die Zeit, als die deut­schen Waffen die blutigen Siege auf dm Feldern Frank­reichs erfochten.

Dann aber brach jener unselige Kampf der Staats­gewalt gegen die Kirche aus, der wie ein Orkan wirkte, eine so himmelschreiende Verheerung im Bereich der herrlich gedeihenden kirchlichen und christlich sozialen Schöpfungen angerichtet hat. Auch die Schöpfung Pau- linen'S von Mallinckrodt wurde schwer davon betroffen. Schlag auf Schlag folgten sich die Streiche, welche in den verschiedenen Landen ihre friedlichen Anstalten ver­nichteten. Oberin Pauline war immer und überall am Platze, wo eines ihrer Häuser bedroht, und kein Mittel blieb unversucht zur Rettung, so lange noch ein Schim­mer von Hoffnung blieb. Umsonst. Die verheerende Fluth des „Kulturkampfes" nahm unaufhaltsam ihren Lauf, eine blühende Anstalt nach der andern wurde in Preußen hinweggefegt.

Zu dem unsäglichen Leid kam nun für die General- Oberin zugleich die Sorge um die Zukunft der Ver­bannten, die Ausschau nach einem neuen WirkungSfeld für die guten Schwestern. Und das Gottvertrauen, das die muthige Frau nie verließ, wurde treulich belohnt. „Während wir — so meldet die Chronik des Mutter­hauses im Juli 1873 — in Europa die Wirkungskreise nach einander verlieren sollten, fügte es Gott, daß in Amerika um so lebhafter nach Schwestern verlangt wurde."

Den ersten Zufluchtsort bot New-Orleans. Und sofort faßte die beherzte Oberin dm Entschluß, selbst eine Reise über den Ozean zu machen, um der Ge­nossenschaft in der neuen Welt die Wege zu ebnen. Sie machte die Fahrt während des Sommers 1873. New-Jork, Scranton, Wilkesbaore, Philadelphia, Bal- ttmore, Washington, Cincinati, New-OrlanS wurden besucht, der Rückweg über St. Louis, Chicago, Dettoit, Buffalo nach Milliansport gemacht, WilkeSbarre zum '

| Provinzial-MutterhauS der nordamerikanischen Nieder- lafsungen bestimmt, und zur Oberin desselben Schwester Mathilde Kothe, eine der drei Genossinen, welche mit Pauline die Genossenschaft gegründet hatten, auser­koren. Das Ergebniß der mühsamen Reise war, daß die Generaloberin mit dem Bewußtsein heimkehrte, daß ihrer Genossenschaft an Stelle der alten die neue Welt als Hauptarbeitsfeld angewiesen und gesichert sei, und zwar nicht bloß in den Bereinigten Staaten, sondern, wie sich's bald zeigte, auch in Südamerika. Klaglos, das Vaterland und Alles opfernd, zieht eine Schaar um die andere hinaus, um jenseits der Atlantis ein Werk friedlicher Civilisation fortzusetzen, das chnen der Fanattsmus in der Heimath zertrümmert und unmöglich gemacht.

Der Erfolg im Verlauf weniger Jahre war so un­geahnter Art, daß die Gmeraloberin sich noch ein zweites Mal zu einer Ozeanreise entschloß, und zwar zur Fahrt nach Chile, vom atlantischen nach dem stillen Ozean, um auch die Filialen ihrer Schwestern in Südamerika zu besuchen. Sie führte daS beschwer­liche Unternehmen vom Oktober 1879 bis September 1880 ans. Welche Freude und Ermuthigung das Er­scheinen der „Würdigen Mutter" aller Orten und in den verschiedenen Niederlassungen erweckte, vernimmt man aus den Kundgebungen überströmender Freude, Dankbarkeit und Hingebung der gottbegeisterten Töchter im Süden wie im Norden des westlichen WelttheilS.

Fünfzehn Wochen weilte Pauline unter ihren chile­nischen Töchtern, und gleichwohl konnte den einzelnen Niederlassungen nur kurze Zeit gewidmet werden. Am 21. Februar 1880 verließ sie das südamerikanische Festland, um wieder nordwärts, den Vereinigten Staaten zuzusteuern, wo sie ebenfalls, hier zum zweitenmal, ihre weit zerstreuten Töchterinstitute besuchte und alle mit der aufrichtenden Macht ihres Wortes und ihres ganzen mütterlichen Wesens beglückte. Am 19. August 1880 trat sie von New-Jork aus endlich die Heimreise an, und das so heldenmüthige Unternehmen, die Be­reisung und Visitation deS ungeheueren amerikanischen Arbeitsfeldes — wohl mit unsäglichen Beschwerden und dem Opfer der Gesundheit erkauft, in chrem Ver­laufe aber einem Triumphzuge gleich, in ihren Wirk­ungen hundertfältige Früchte tragend — war vollendet.

Pauline v. Mallinckrodt hatte eine Ahnung, daß ihr irdisches Tagwerk überhaupt der Vollendung nahe sei, denn kaum in der westfälischen Heimath ange­kommen, gönnte sie sich keine Ruhe, bis sie auch ihre Konvente in Belgien, Böhmen und Oesterreich heimge­sucht hatte. Diese letzte Rundreise wurde beschlossen mit dem Besuche der noch übrigen beiden Heinen Filialen in Westfalen, nämlich Oschersleben und Höxter, wo sie inmitten ihrer Töchter und Kinder das Weih­no chtSfest feierte. Das war der Abschluß der letzten irdischen Pilgerfahrt, der die Reise in die himmlische Heimath nur zu bald folgen sollte, schon vier Monate darnach, am 30. April 1881 beschloß die mütterlich treue Generaloberin ihr Leben.

Die Stiftung, die sie als zartes Pflänzchen einge­fetzt, sah sie am AuSgang ihres wirkungsreichen LebenS zu einem Baume emporgewachsen, dessen Krone sich über zwei Welttheile auSbreitet, in beiden frisch und triebkrästig. Denn auch heute noch ist die Kongregation in fortwährendem Wachsthum begriffen. Beim Tode der Stifterin hatte die Genossenschaft einen Bestand von 45 Häusern, deren die nordamerikanische Provinz 26, die chilenische 8 zählte, und heute umfaßt sie be­reits '88 Häuser, in denen 948 Schwestern, davon 715 in Amerika wirken. Der Geist der Stifter u, die in ihrem irdischen Dasein allgemein als Vorbild, al- ihre „lebendige Regel" betrachtet und verehrt wurde, waltet segenverbreitend in ihren Schöpfungen fort. c-

Bekanntmachung.

Die Rückstände an dem von den Wafferabnehmcru zur Stadt- kaffe zu zahlenden Wasser- gelde mehren sich in einer für die Stadtkasse sehr unangeneh- men Weise, selbst für das zweite Quartal 1892/93 sind noch eine erhebliche Anzahl Rückstände ver­blieben.

Um der Stadtbehörde unlieb­same Maßregeln als zwangs­weise Beitreibung ober Abschließ­ung der Leitung zu ersparen, ersuche ich zunächst hierdurch die Restanten um baldige Erledig­ung der Rückstände. [796 Fulda, dcn 21. März 1893. Der Oberbürgermeister

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