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JV 69

Freitag, den 24. März 1893

“”6 Snertagt mtSgeirotmitat. — nferate kosten di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. lboauemeutSprei- ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

__________________________________ 20. Jahrgang

FuldaerMZeitiiiig

* Mit den vor Jesuiteuaugst vergehenden Pro­fessoren und Predigern geht der .Vorwärts' scharf ins Gericht. Derselbe bemerkt bei Erwähnung eines Artikels der ,Köln. Ztg.', in welchem die Fernhaltung der Jesuiten vom deutschen Reiche auch im Interesse der — Wissenschaft gefordert wird, sehr treffend Folgende-: „Wenn »an einen ernsthaften Vergleich zieht zwischen dem unsäglichen Quark, den die WM« bald Beyschlag und die anderen Theologieprofefforeu seiner Schlager zusammmschreiben, und ettvelchm Werken der Jesuitevliteratur, so steckt doch in einem einzigen Schriftchen der Ignatius von Loyola, seinen „Hebungen", mehr Geist, Tiefe und Folgerichtigkeit, als dm vermufften Bücherballm, die als Srzmgniffe lutherischer GotteSgelahrthett auf dm Lagern der Leip- r ziger Buchhändlermeffe trostlos verstaubm." I« der That: mehr als diefm beißenden Spott der fozial- demokratischm Blattes ist das Gezeter und Gebelfer der „Jesuitmtödter" Beyschlag, Thümmel und Genoss« nicht werth.

* Selten hat sich zu einer ReichStagSsttznng ein solcher Andrang des Publikums gezeigt wie heute. Biele Hunderte von Mmschm belagerten schon lange vor Beginn der Sitzung die Leipzigerstraße in der Umgebung der ReichStagSgebäudes, so daß eS der Polizei schwer wurde, bie Passage freizuhaltm und dm Abgeordneten Eingang in dm Reichstag zu verschaffm. Die Tribünen warm selbstverständlich überfüllt, der BundeSrathStisch ebenso, währmd daSHauS selbst eine außergewöhnlich starke Besetzung aufwieS. Am BundeS- rathstische hatte neben dem Reichskanzler Graf« Caprivi u. a. auch Finanzminister Miquel Platz ge­nommen, welch letzterer gestern unter Anführung seines RarnmS vom Abg. Ahl Wardt beschuldigt Word« war. Als das Zeichen zum Beginn der Sitzung ge- gebm wurde, fehlte der Abg. Ahlwardt, er erschien erst, als die Sitzung bereits begouum hatte, aber recht­zeitig genug, währmd der Präsidmt v. Levetzow vor Eintritt in die Tagesordnung ihm nachttäglich ein« Ordnungsruf ertheilte» weil er in der gestrig« Sitzung von Reichstagsmitgliedern alk von „Leuten" gesprochen, „die ihr eigener Volk verrathm der Hoffnung, von den Juden einm Brock« zu erh .en". In diesen Worten, so bemerke der Präsidmt, liege der Vorwurf des Landesverraths, und dieser Bor­wurf könne nicht scharf graug gerügt werden. Abg. Ahlwardt war mit einem in Papier eingewickelten kleinen Akten-Convolut in blauem Umschlagpapier erschimen, welcher er auf feinen Tischplatz hinlegte. Dar HauS trat sodann in die Tagesordnung ein und setzte nach Erledigung einiger RechnungSsachm die dritte Berathung des Etats fort. Auf dm Abgeord. Ahlwardt waren alle Blicke gerichtet, aber — er schwieg. Eine Reihe von Kapiteln an dem Etat der JnvalidenfondS wurde verlesm und genehmigt, Ahlwardt schwieg noch immer. Nun erbat sich der Abg. Richter das Wort, um zu erklärm, daß man von dem Abg. Ahlwardt heute die Vorlegung seines BeweiSmaterialS verlangt habe, und zu konstattr«, daß d^r Abg. Ahlwardt mit diesem Material auSge- blieben fei. Alsdann bestieg unter erklärlicher Spano-

Sie glaubte ihrem Ende nahe zu sein. Bleich wie eine Tobte, mit stieren Augm ließ sie sich auf eine Bank fallen.

Der Marquis, welcher nicht ahnen konnte, war dies zu bedeutm habe, sah sie erschreckt an.

„Miß Norney! Sprech« Sie! Haben Sie schlimme Nachrichten erhaltm?"

Sie machte eine abwehrende Bewegung.

„Soll ich Jemanden rufen!" fuhr Lord Darkwood in besorgtem Tone fort. „Sie find unwohl!"

Mit fast übermenschlicher Anstrengung gelang e8 ihr, das Gefühl des Abschmes, welches Lord Dark- Wood ihr einflößte, zu überwind« und antwottett ihm: _ .

„Rein, ich bedarf nichts ... nur mochte ich allem r-• u

Der Marquis gehorchte schweigend, da er sah, daß ein gewaltiger Schmerz sie niederbeuge. Obwohl Eifersucht und Neugierde ihn reizt«, die Jndieriu auszuforschm, so hielt er eS doch für daS Klügste, zu schweig«. Er entfernte sich also und nahm an der Thüre des Treibhauses Platz, damit Niemand dem­selben nahe kommen könne. Die Schloßbesitzerin sah ihm nach, während ein wilder Ausdruck des HaffeS und des AbschmeS sich auf ihrm Zügen malte.

Der Gedanke, dem verewigten groß« Führer der CenttumS Dr. Winbthorst, in Meppm ein würdiges Dmkmal zu erricht«, ist nunmehr der Verwirklichung nahe gerückt. Ein neuer Denkmals-Entwurf, welcher die Zustimmung maßgeb«der Kreise gesund« hat und zur Ausführung bestimmt ist, wird der „Winbt- Horst-Stadt" Meppen ein StandbUd liefern, welcher dm groß« Parlamentarier in würdiger und würde­voller Weise verewigt.

Der erste DmkmalS-Entwurf des Bildhauer- H. Pohlmann in Berlin (eines näheren Landsmannes von Windthorst) hat haupffächlich deshalb Anfechtung er­fahr«, weil Windthorst sitzenb dargestellt war. In der Vorstellung deS katholischen Volkes, so heißt eS in einer Kritik, lebe Windthorst fort als der große gewaltige Parlamentsredner und als solcher könne er nur stehend zur Darstellung gebracht werden. Dem Wunsche, daß der erste DenkmalS-Entwurf, deffm anderweitige Vorzüge anerkannt wnrbm, nach dieser Richtung abge­ändert werden möchte, ist nun Herr Pohlmann in bereitwilligster Weise nachgekomm«, und eS ist ihm gelungen, die Schwierigkeiten, die wegen der zur plasti­sch« monumentalen Darstellung wmiger geeignet« Figur Windthorst- damit verbünd« warm, in glück­licher Weise zu überwindm.

Der neue Entwurf der Denkmals bringt Windt­horst als Parlammtsredner zur Darstellung und zwar in möglichst geschichtlicher Trme. Im Reichstage pflegte nämlich Abg. Dr. Windthorst, wenn er zu einer längeren Rede da- Wort ergriff, die zur Rednertribüne führmde Treppe hinanfznsteigm, aber er betrat nicht die Rednertribüne felbst, fonbern nahm auf der obersten Treppenstufe Stellung, wobei er mit der recht« Hand (feiner Kurzsichtigkeit wegen) sich an dem Eckpfeller der Treppe festhielt, währmd n dv M.dm^-dverj- fchm Gesten verwandte. Der nme Entwurf schließt sich dieser „historisch«" Stellung bei Reimers Winbt- äorst im Reichstage thunlichst an. Die Rechte Winbt- orsts ruht auf bem Eckpfeiler der ReichstagStreppe, ie weiterhin durch eine Stufe und einen Ansatz des TreppmgeländerS angebeutet ist. Die Linke ist in ber Weise zu einer Gestikulation erhoben, wie Winbthorst solche zu machen pflegte, — er war sonst kein Freunb rhetorischer Gesten — wenn er seinen bedeutsamen Wort« durch Heben und Senken der Hand äußerlich größeren Nachdruck geb« wollte. Von densenigm, welche dm neuen DmkmalS-Entwurf gesehen haben, wird eS als eine besonders glückliche Idee des Künstler- anerkannt, daß derselbe bei der Aufstellung der Figur dm LieblingSplatz deS Redners im Reichstage gleich­zeitig angedeutet, und daß er der Figur selbst in ihrer ganzen Haltung wie im Einzelnen einen natürlichen und schlichten, dabei aber würdigen Ausdruck verliehen hat. Wer möchte einen Windthorst anders als „wie er leibt und lebt" in einem Denkwal verewigt sehen? Richt nur die historische Treue, sondern auch die Pietät stellten hier an ben Künstler in erster Linie bie Forber- ung auf Berücksichtigung, sie verlangt« einen treuen Ausbruck ber Persönlichkeit und bann einm eblen Aus-

bruck; eS galt, zwischen einer rein naturalistischm unb einer rein ibealen SBiebergabe ber Persönlichkeit Winbt- horstS die richtige SRitte zu finden, und diese scheint unS in dem nmen Entwürfe Pohlmann's mit feinfäl­tigem Geschick gefunden zu sein. Man muß auf den ersten Blick sagen können: Ja, dak ist Windthorst, und dann fällt von selbst daS Mäkeln darüber weg, ob jeder kleine Fältchen an der Sttrn oder an den Mund­winkeln, oder ob die Richtung der beiben Beine mit photographischer Engherzigkeit rein naturalistisch wieber- gegeben worben ftnb.

Die Umwandlung ber DenkmalS-Figur in ein „Stand- bild" machte auch eineAmderung des Postamentes nolhwmdig, um ein richtiges Verhältniß zwischen beiben herzustellm. Dar neue Postament ist demmtsprechenb wmiger wuchtig gehalten, ober in seinem architektoni­schen Aufbau gewiß nicht minber schön als das erste. Die Jbeal-Figur ber Geschichte, welche mit ehernem Griffel ben Namen Windthorst in ben Granit schrieb, ist weggefallen. Man wirb bieS hier unb ba bebauern, ober eS schließlich doch erklärlich finbm, baß eine solche Jbeal-Figur am Sockel deS Dmkmals nicht bie Auf­merksamkeit ablmken soll von bet Haupt-Figur. Dafür zeigt jetzt bar Postament unter ber einfachen Inschrift „Winbthorst" ein sinnreiches Hoch - Relief in Bronce, eine Allegorie auf das Centrum, auf beffen Devise unb auf beffen Wirken für Kirche unb Staat unter ber Führerschaft Winbthorst'-. Am Fuße beS Dmkmalr liegt (in Bronce) em von zwei Palmm burchkrmzter Lorbeerkranz, währenb an ben beiben Seitenflächen Kränze angebracht ftnb, bie das Datum ber Geburt unb be- Todes Windthorst'S aufnehmen follm. Die Rückseite deSPostammteS ist für die Widmung frei- gehalten.

Die Höhe deS Denkmals soll im Ganzen etwa 5V2 SÄeter betragen; die FigurWindthorst'S etwa T1^ Fuß, olfo vnnrfshr nnhortHnlb lebensgroß. Die Figur wird.. in Bronce ansgeführt werden, daS Postament in schwe­dischem Granit, ber Sockel in Bmtheimer Sandstein ans dem Wahlkreise Windchorst'S.

Wir zweifeln nicht daran, daß, wie der Gedanke, Windthorst ein würdiges Denkmal zu errichten, so auch der Entwurf dieses Denkmals allseitige Zustimmung finden wird. Ehrensache des katholischen Volkes ist eS, daS einmal begonnene Werk ball) zur Ausführung zu bringen. Die zweite Wiederkehr deS Todestages von Windthorst bietet eine willkommene Gelegenheit, ein Schelflein zu bem Werke treuer Dankbarkeit gegen­über bem großen unvergeßlichen Centtumsführer beizu- tragen unb bie Expedition dieser Blattes ist zur Ent- gegmnohme von Spenden für dar Windthorst-Dmkmol gern bereit.

Deutsch» Deich.

Berlin, 22. März.

* Kardinal Fürstbischof Kopp wurde Mittags vom Kaiser in feierlicher Audienz empfangen. Durch eine königliche Galla-Equipage wurde ber Kardinal aus bem „Hotel Royal" abgeholt unb ebenfo dorthin zirrückgeführt.

eine Herrin; wollten Sie nicht Marquife von Dark« wood werben?"

Sie richtete ihren Kops in bie Höhe unb blickte ihn fest an. Seine büstere Figur, feine kleinen Augen unb fein gelber, öliger Teint flößtm ihr einen tief« Ab- fchm ein. Schon wollte sie ihm rnnb herauSfagen, baß bieS einstweilen nicht ihre Absicht fei, als ein Diener bas Gewächshaus betrat unb auf einem Präsmtirteller einen großen gelben Brief brachte. Derselbe war kurz vor Mitternacht von Shrewsbury eingetroffm unb Naya hatte benfelben sogleich ihrer Herrin überbringen lassen, ba sie meinte, er könne eil«.

„Verwünscht!" bachte ber Marquis, „ich hätte jebmfallr eine bestimmte Antwort erhalten."

Miß Norney öffnete ben Brief, trat an ein Licht unb las folgendes Telegramm, welcher von Ajaccio batirt war unb von ihrem Verwalter kam:

„Miß Norney, Beechmont, Shrewsbury."

Die fragliche Person ist nicht ertrunk«. Sie ist gerettet worden unb vor einem halben Jahre wieder nach England zurückgekehrt. Bartby."

2.

ES war dies eine Schreckensbotschaft für Miß Nornc y. Unwillkürlich wich sie einige Schritte zurück, und ein nervöses Zittern befiel sie am ganzen Körper.

Verbannt.

Rach dem Englischen von I. Rüttgers.

(37. Fortsetzung.)

„Die Frau, welche Sie geheirathet hab«, ist ohne Zweifel die Mutter Ihrer Tochter?"

„Nein, sie ist es nicht . . . diejenige, welche ich meine, war ein zartes, junges Mädchm, schön wie eine himmlische Erscheinung. Sie ist kurze Zeit nach der Zeit, wo ich sie kennen gelernt habe, gestorben."

„Ist sie ebenfalls Ihre Frau geworben?"

„Nein, sie ist niemals verheirathet gewesen. Sprechen Wir nicht mehr bavon, Miß Norney —

Er fürchtete, sie möchte noch »eiterefragen an ihn stellen, welche ihn noch mehr in Verlegenheit fitz« könnten.

„Sie möge inFrieben ruhen," hob er bann wieder an, „unb möge ihr Schatten sich nicht zwischen uns füllen!"

„Lfie haben ihr also wenigsten- nicht- Böse- zu- gefügt?"

„Niemals!"

Miß Norney toanbte sich ab, um ben Lorb nicht ihren ( Unwillen und ihre Verachtung sehen zu lassen, Welche sich auf ihren Gesichtszüg« walte.

„Oicily," murmelte er, „Schloß Dunholm erwartet