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Verbannt.

Nach dem Englischen von I. RüttgerS.

(36. Fortsetzung.)

Dritter Th eil.

1.

Wie wir wissen, sollten Miß Norm y und ihre Gäste am Mittwoch der nächstfolgenden Woche sich nach Schloß Dunholm begeben. Am vorhergehenden Tage gab die Jndierin ein große- Diner, auf welche- ein glänzender Ball folgte. Zahlreiche Einladungen waren ergangen und die vornehmsten Familien der Grafschaft hatten dieselben angenommen.

Der ehemalige Kapitän Tollis wohnte dem Feste ebenfalls bei, indeß ohne seine Tochter und die Gouver­nante. Unter den Eingeladenen befand sich auch der Herzog von Rvoßyne. ES war ein Mann bereit- in gereimterem Alter, reich und außerordentlich liebenswür­dig. Er erwies Miß Norm y den ganzen Abend über die größten Aufmerksamkeiten, denn ihre wunderbare Schönheit hatte einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht.

Lord Darkwood waren diese Aufmerksamkeiten nicht entgangen, welche der Herzog seiner schönen Gastgeberin erwies und eS regte sich in Folge dessen in ihm eine Eifersucht, die er kaum verbergen konnte.

„Ich muß ihr einen förmlichen Antrag machen,"

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Die Dlmenmeretue und der „Kund der ßandwirthe."

* Der Abgeordnete Frhr. von Huene erläßt als Borsitzenoer des „Schlesischen Bauernvereins" in dessen Monatsschrift eine Erklärnng gegen die Versuche, die Bauern zu verlocken, ihren Bauernvereinen abtrünnig zu werden und dem „konservativ"- politischen „Bunde der Landwirthe" cheizu- treten. Diese Lockung ist bekanntermaßen mit der dreisten Behauptung begründet worden, die Bauern­vereine seien „leistung-unfähig" und könnten unserer ländlichen Bevölkerung „nicht genügen". Dem entgegen lese man nun die treffliche Bertheidigung der Bauern­vereinssache durch Fehrn. v. Huene wörtlich:

„Unseren Mitgliedern ist jedenfalls bekannt geworden, daß eine große Agitation eingeleitet ist zur Bildung eines Bundes der Landwirthe. Es muß dem eigenen Ermessen der Mitglieder überlassen werden, ob sie sich auch an dieser Bereinigung be­theiligen wollen. Der Bauernverein als solcher wird durch den Bund nicht berührt, da er seine Ziele ruhig weiter verfolgen wird. Verwahrung müssen wir ober da­gegen einlegen, wenn in Versammlungen zur Förderung des Bundes, wie dies in Grottkau durch den Hauptredner geschehen, zum Austritt aus dem Bauernverein aufgefoidert wird. Der Redner hatte die Freundlichkeit zu bemerken, „daß der Bauernverein sich als lebensunfähig bewiesen habe. (Diese Bemerkung wider­legt Huene als total falsch durch Zahlen mit Hinweis aus die Gründung der Genossenschaften und den vorzüglichen Stand der Verbandskasse). Er fährt dann fort: „Nun frage ich: „ist daS was hier mitgetheilt ist, ein Zeichen der Lebensunfähig­keit des Bauernvereins? Freilich genügt es nicht, um solche Dinge zu erreichen, daß man Reden hält, sondern es gehört da­zu ernste und opferwillige Arbeit, und allerdings ist eS zu beklagen, daß viele Mitglieder des Vereins zu träge sind, um von den Einrichtungen desselben Bortheil zu ziehen; das sind dann diejenigen, welche meinen, der Verein bringe ihnen keinen Nutzen! Mögen die schweren Ze iten, welche über die Landwirthschaft gekommen sind, uns ermahnen, daß es mehr wie je angezeigt ist, zur gemeinsamen Arbeit zusammen zu halten und unsererseits zu thun, was in unseren Kräften steht, dann haben wir auch eiu volles Recht, vom Staate zu verlangen, daß er seinerseits Alles thue zur Förderung und Er­haltung der Landwirthschaft, was in seiner Macht liegt!"

Dieser trefflichen Darlegung kamt man sich nur von Herzen-mit-dem-Wuysche snschließe», daß auch der rheinische und westfälische und überhaupt alle älteren, von wirklichen Bauern und Bauernfrmnden begründeten Vereine fest und geschlossen erklären: daß sie auf dem Platze bleiben, daß sie auf Grund ihres Programm- und ihrer bedeutenden seilheizen Leistungen nicht vor dem „Bunde der Landwirthe" die Segel streichen werden, welcher erst noch er­weisen muß, wa- er will und was er kann. Die Sache der Bauernvereine kann aber nur geschädigt werden, durch Uebereifer, durch die von gewisser Seite provozirtm und unterhaltenen Klagen, bisher sei der Bauernstand nicht in angemessener und gebührender Weise in den Parlamenten vertreten worden. BiS zum Ueberdrassü ist die agrarische Frage in diesem Jahre im preuß. Abgeordmtenhausc verhandelt worden. Ein Mitglied de- CentrumS der Abgeordnete Schmitz, hat bereits am 21. Januar d. IS. hinreichend und in be­redter Weise die Nothwendigkeit einesSchutzes der Landwirthschaft nachgewiesen und diesen Schutz gefordert. Am 9., 15. uns 16 Februar wurden bei

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die Regierung demonstriren und stimmen! Bisher ha bei uns immer der Grundsatz gegolten, daß das Heer nur so groß sein sollte, al- zur Bertheidigung des des Vaterlandes nothwendig ist. Das soll jetzt ein Ende nehmen. Mit dem civilistischen Maßstabe der Nothwendigkeit will man nicht mehr messen; Deutsch­land soll sortan einfach alle Rekruten auSbilde«, die eS auftreiben kann, ohne sich mit der Prüfung de» Bedürfnisses aufzuhalten. Das ist der Sinn des neuen Schlagwortes: Allgemeine Dienstpflicht. Die allgemeine Dienstpflicht ist die höchste Blüthe des reinen Militarismus. Es sollen nicht blos so viel Rekruten eingezogen werden, als die Sicherheit des Vaterlandes erfordert, sondern so viel als vor­handen sind; sie sollen dienen um zu dienen. Wer die in diesem Sinne eingebrachte Vorlage annimmt, der bewilligt nicht blos die jetzt geforderte Hecresver- stärkung, sondern der bewilligt zugleich das weitere, stetige Anwachsen des Heeres gemäß der Volksver­mehrung. Es handelt sich um die Einführung der „allgemeinen Dienstpflicht". Statt sich mit einzelnen Ziffern abzuquälen, die blos eine vorübergehende Be­deutung haben, sollte man lieber gleich beschließe«: § 1. Der Krieg-Minister stellt alle tauglichen Rekruten ein. § 2. Der Reichstag hat für die Aufbringung der Kosten zu sorgen. Bei dieser Lage bei Dinge muß da- Centrum bis zum Aeußersten Widerstand leisten. Ob die Regierung noch einlenken kann? Sie hat ja zunächst noch einen Monat Zeit, um sich zu überlegen,* was bei einer Auflösung und Neuwahl herauskommeu wird. Eine Mehrheit für die allgemeine Dienst­pflicht kommt sicherlich nicht heraus. Die Regierung kann in Friede und Freude eine Verstärkung der Kriegsmacht um eine halbe Million haben. Verschmäht sie das, um dem Irrlicht der allgemeinen Dienstpflicht nachzulaufen, so geht sie mit leeren Händen einer un­absehbaren Verwirrung in Deutschland entgegen.

* Zum Staatsstreich läth indirekt die .Kreuzztg.', falls der Reichstag in der Militärftage nicht nachgeben sollte. A&ftfi ist", heißt e- m einem Artikel „Kompro­misse", „die Lage der Dinge! Sie kann in ihren Kon­st qumzen leicht dazu führen, daß Se. Majestät der Kaiser und die mit ihm verbündeten Fürsten dem Reichskanzler ähnliche Fragen vorlegen müssen, wie der hochselige Kaiser Wilhelm am 19. September 1862 dem Herrn v. Bismarck. Aber, wie damals, so wird ein entschiedene- Festhalten an dem, was für da- Hell de- Vaterlandes als absolut nothwendig klar erkannt ist, seinen späteren Lohn sicherlich finben. Es müßte aber für alle Zukunft höchst verhängnißvoll wirken, wenn sich im Volk und seiner parlamentarischen Ver­tretung die Ansicht festsetzte, die verbündeten Regierungen würden selbst in diesen militärischen Lebensfragen stet» aus Sorge vor der öffentlichen Meinung ihre wohler­wogenen Ueberzeugungen einem Kompromiß opfern."

* Gestern Vormittag wurde der Grundstein zu der katholischen Piuskirche in Gegenwart des gesammten katholischen Klerus und von Vertretern der Stadt ge­legt. Propst Jadnel hielt die Weiherede.

* Der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Kopp, sein Ziel' losgehen konnte und wollte, so sprach er zu­nächst vom Diner, von dem Bolle, beglückwünschte Miß Normy wegen des schönen Verlaufes, welches daS Fest genommen, wegen der Liebenswürdigkeit, mit welcher sie ihre Gäste behandelt und wegen ähnlicher Dinge mehr. Während er so sprach und hin und her über­legte, rote er passend zu seinem Hauptgegenstaude kom­mensollte, entfiel der Dame ihr Armband. Lord Dark- wood beeilte sich, eS aufzuheben. Es war ein großer Diamantstern, welcher an einem goldenen Reifen be­festigt war, an dessen innerer Seite die Buchstaben 8. N. eingravirt waren.

„Ich bitte Sie um Verzeihung für meine Neugierde, sagte Lord Darkwood, aber ich möchte gern wissen, war diese beiden Buchstaben 8. N. bedeuten sollen?

„S-'cily Normy," antwortete die Dame einfach;

„er "ist ein alter Familienname."

„Ein reizender Name," meinte Darkwood, indem er ihr das Armband wieder am Arm befestigte. „Miß ' Normy • - • Sielt) . . . hörenSie mich-inen Augen- i blick an," fuhr er fort, indem er ihre Hand ergriff, I ich kenne Sie zwar erst seit kurzer Zett, ober seitdem | ich Sie kennen gelernt habe, gehört.wem Her» mir ; nicht mehr selbst an ... Ich liebe Sie, Miß Normy, von ganzem Herzen. S'cily, wollen Sie meine Frau werden?"

Berathung der Petition gegen einen Handelsver­trag mit Rußland, die eine Spitze gegen Caprivi hatte (man hielt allgemein den Fürsten Bismarck für einen Gönner und Förderer dieser Petition), die Inter­essen der Landwirthschaft wieder gewahrt durch den Abg. Smitz. Bei der dritten Lesung des Etats erklärte am 9. März der Abg. Herold, (Centrum) Westfale, daß er die Aufhebung der Staffeltarife verlange. UebrigenS müssen wir doch sagen: soll denn blos über die nothleidende Landwirthschaft im Parla­mente gesprochen werden? Und gibt es nicht auch Centrumswähler, dir nicht Landleute sind? Die In­dustriearbeiter, die Bergleute, die Hand­werker, die Kaufleute rc., welche für das Centrum wählen, haben in gleicherweise das Recht, Berück­sichtigung ihrer Interessen zu fordern. Und eS fan­den auch bisher die Interessen der verschiedenen Wähler­gruppen des Centrums ihre ausgiebige Vertretung und Bertheidigung durch die Centrumsfraktion. ES wurde mit Sorgfalt und Eifer stets ein Ausgleich zwischen der Industrie und der Landwirthschaft durch die CentrumSfraktion gesucht. Das war möglich, weil die verschiedenen Richtungen und Ansichten im Centrum aufeinander die gebührende Rücksicht nehmen. Wen» aber die bisherige wirthschaftliche Politik des CentrumS getadelt und eine noch energischere Ver­tretung der landwirthschaftlichen Interessen gefordert wird, dann redet man einer einseitigen, unzu­lässigen, weil zu weit gehenden Vertretung der agrari­schen Interessen daS Wort. Mit solchen Redensarten und Borwürfen geht man über daS CentrumSprogramm hinaus, um unvermerkt und jedenfalls auch unge­wollt bei den „Konservativen" deS Ostens mit ihrer zu weit getriebenen Jnteressenwirthschaft anzu­langen. Damit würden alle anderen Stände außer dem landwirthschaftlichen nur unzufrieden sein können, es würde das die bittersten Gegensätze innerhalb der Wählerschaft der Parteien schaffen und so diesen selbst zum Schaden, wenn nicht zum Verderben gereichen. Darum: fest att-ir4«^-4ei u»ferenbetoährten Bauernvereinen und keine falschen Bor- würfe gegen „das Parlament" und das Centrum!

' Zeutsch» Keich.

Berlin, 21. März.

* Au- der Erklärung des Herrn Reichskanzlers in der Militairkommission ist klärlich zu ersehen, daß die 2jährige Dienstzeit nur ein Mittel ist zum Zwecke der Einführung der allgemeine» Dienst­pflicht, die in den Windthorst'schen Resolutionen vom Reichstage mit großer Mehrheit abgelehnt worden ist. Es handelt sich also nicht darum, ob wir die nächsten Jahre eine gewisse Anzahl von Mannschaften zur Sicheiheit des Landes mehr haben werden, sondern um die Frage: sollen die HeereSlasten soweit ausge­dehnt werden, daß sämmtliche dienstfähigen jungen Leute zum vollen Dienst eingezogen werden? Wer diese Frage mit Ja beantworten will, der mag für baite er, „denn ich sehe, daß eS ihr nicht an Ver- ehrern fehlt. Ich will sehen, ob sie mir nicht eine Gelegenheit bietet, sie heute Abend zu sprechen."

Erst gegen 2 Uhr verabschiedete sich indeß Miß Normy von dem Herzog von Roofiyne, um mit der Madame Kenright einen Spaziergang zu machen.

Als der Marquis sah, daß sie frei war, schritt er schnell auf die Stelle zu, roo sie mit einer Dame plauderte.

„Würden Sie vielleicht so gnädig sein," sagte er, „mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen? Ich hatte noch nicht das Vergnügen gehabt, mit Ihnen heute Abend plaudern zu können, so sehr waren Sie bis jetzt in Anspruch genommen."

Lächelnd nahm sie sein Anerbieten an. Nachdem Lord Darkwood die verschiedenen Salons mit ihr durch­wandert hatte, geleitete er sie zu dem Treibhause, dar glänzend erleuchtet war. Dasselbe lag gerade öde und verlassen da. Der günstige Zeitpunkt war also für Lord Darkwood gekommen. Die Schloßbesitzerin, welcher die verhaltene Wuth nicht entgangen war, welche ihr Be­gleiter Aller Augen zu verbergen gesucht hatte, begriff sogleich, in welcher Absicht er mit ihr an diesen ein­samen Ort gegangen war. Ein großer Schrecken be- mächtigte sich plötzlich ihrer - sollte sie ihm das Ja- wort geben? _ .

Da Lord Darkwood nicht so geraden Weges aus

20. Jahrgang

Donnerstag, den 23. März 1893.

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