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auf dem Festlande machte. Seit jener Zeit ist Herr Norkham düster und menschenscheu geworden und hat chließlich eine lange Reife in den Orient gemacht, von oelcher er vor einigen Monaten zurückgekehrt ist. @8 cheint jedoch, daß er England zum zweiten Male ver- asten wird, denn der Aufenthalt in seiner Heimach ist chm unangenehm und zuwider geworden."

Ein Ausdruck einer immer größer werbenden Angst agerte sich auf den Zügen der Schloßbesttzerin von Beechmont, während Ronald wieder anhob:

„In diesem düsteren Hause von Lonemoor erblickte Gwendoline da- Licht der Welt. Herr Morkham hat sie niemals gesehen, obwohl sie unter seinem Dache, einige Monate vor seiner Abreise geboren wurde. Die Mutter derjenigen, welche ich liebe, war in einer kalte» Novembernacht gekommen, um ein Obdach in diesem einsam gelegenen Hause zu bitten. Man nahm sie auf und pflegte sie, aber man konnte nicht erfahren, wer sie sei, denn ihre Sinne waren umnachtet. Einen Monat lang blieb sie auf Lonemoor, dann verschwand sie in einer Nacht, wo sehr tiefer Schnee draußen lag, ihr Kind zurücklastend. Seit jenem Ereigniffe find achtzehn Jahre verflossen."

„Achtzehn Jahre", wiederholte Miß Norney mit erstickender Stimme.

Krankheit meines Vaters nach Hause gerufen, und als ich zurückkehrte, war sie verschwunden . . . Seitdem habe ich sie nicht mehr wiedergesehen."

„Und Sie haben auch nicht entdecken könne», wo sie war?"

„Nein. Oh, ihre Geschichte ist sehr sonderbar. — Haben Sie von der Stadt Plimstone in Iorkshire sprechen hören?"

Miß Norney zitterte lebhaft, als sie diese Worte vernahm; Ronald bemerkte indeß ihre Bewegung nicht, sondern fuhr fort:

„Ich muß annehmen, daß Sie in der genannten Gegend nicht bekannt sind. Es ist eine kleine Stadt, welche ringsum von weiten Haidestrecken umgeben ist. Hier und da liegt ein armseliger Weiler. Mitten in dieser Haide liegt ein große», weitläufiger Gebäude, welcher Schloß Lonemoor heißt ..."

Ronald bemerkte nicht, wie sich die Züge der Schloß­besitzerin von Beechmont mit einer lödtlichen Blässe überzogen, sondern fuhr fort:

„Dieser HauS gehört dem Squire Morkham, einem Edelmann, welcher früher sehr frohen GemürheS und außerordentlich gastfreundlich war und eine einzige Tochter hatte, welche er überaus lieble. Sie starb rn früher Jugend zu Brüstet auf einer Reise, welche sie

Verbannt.

Rach dem Englischen von I. RüttgerS.

(35. Fortsetzung.)

„Für mich gibt eS kein so schönes, edler Mädchen als sie, kein so ehrenwertheS als Gwendoline!" rief Chilton begeistert aus. „Oh, wenn Sie dieselbe kännten, würden Sie mit mir sagen, daß sie ein Engel ist."

Miß Norney lächelte und sagte:

„Run, ich interessire mich schon für sie Ihretwegen . . . Aber sagen Sie mir, wo Sie diese ausgezeichnete Schönheit gefunden haben?"

„Es war auf den Haidestrecken von Iorkshire, wo ich sie nach Hause begleitete, nachdem ich sie vor den Ungezogenheiten eines groben Menschen geschützt habe. Am folgenden Morgen nahm ich mir die Freiheit, mich uach ihr zu erkundigen, und da ich sie für eine Tochter des Hauser hielt, so setzte ich meine Besuche fort. Eines Tages erklärte ich ihr meine Liebe und bot ihr meine Hand an. Sie nahm dieselbe an, denn auch sie liebte mich.

Am Tage vorher hatte ich indeß vernommen, daß sie eine Waise sei, eine geheimnißvolle Herkunft habe und ihre Erziehung zwei alten Dienern des Hauses verdanke. Ich wurde wegen einer plötzlich eingetretenen

Mittwoch, den 22. März 1893

20. Jahrgang

iildaerMZeitiliig

An unsere Leser.

Wir bitten unsere verehrlichen Leser, die Bestell lang der

Deutsch« Keich.

Berlin, 20. März.

* Nicht nur lehrreich, sondern auch theilweise geradezu belustigend ist eS, zu sehen, mit welchen Mitteln von gouvernementaler Seite zu Gunsten der Militär-Vorlage gearbeitet wird, und auf welche Weise namentlich Unterschriften zu Zustimmungs-Peti­tionen gesammelt werden. Statt vieler, sollen hier nur einige Beispiele angeführt werden. So schreibt die ,Trier. Landesztg.':

Biele Eisenbahn-Beamten klagen über die Art und Weise, wie ihnen die Petition zu Gunsten der Militär-Borlage zur Unterschrift unterbreitet wird. Es wird uns versichert, daß sehr viele Beamte gegen iüren Willen und nur deshalb unterschreiben, weil sie im anderen Falle Unannehmlichkeiten be­fürchten.

Die hier erwähnte Petitton ist, wie berichtet wird, mit 1520 Unterschriften versehen (etwa so viele Beamte gibt eS in Trier) an den Reichstag abgegangen. Wie viele Hundert der vorstehend gekennzeichneten ZwangS- Unterschristen mögen sich darunter befinden? In Baden, wo im Jahre 1887 auch zu Gunsten des SeptennatS mit besonders kräftigen Mitteln gewirkt wurde, hat man den „Ton" um mehrere Stufen höher gestimmt. So wird in Freiburg ein Flugblatt verbrei­tet, das frischweg die kühne Behauptung aufstellt, daß „in der Annahme der unverkürzten Regierungs-Borlage das einzige Heil für die Zukunft Deutschlands" zu erblicken" sei. Am Schluß wird der Verfassungsbruch in Preußen und die Konfliktszeit in folgenden sentimen­talen Tiraden verherrlicht:

Vorlagen erledigt. Im Abgeordnetenhaufe kam der - Antrag-deS- Abg. v. Stauffenberg u. Gen: (natl.) auf Einführung der Handarbeitsunterrichts in den Schulst. Abg. v. Stauffenberg wies auf die wirthfchaftliche und pädagogische Bedeutung dieser Bestrebungen hm; der Finanzminister versprach demselben Förderung nach Maßgabe der finanziellen Mittel. In der Debatte, an welche sich die Abgg. Herrfurth (ftk.) v. Minnige- rode, v. Heereman und Kropatscheck beteiligten, sprach sich nur ^genannter gegen den Antrag Stauffenberg aus, der schließlich mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte.

* Der Reichstag trat heute in die dritte Be- rathung des ReichShauShaltSetatS ein. Abg. Liebknecht (Soz.) wiederholte den Protest der Sozialdemokraten gegen den Militarismus und erklärte, daß seine Partei gegen diesen Etat ebenso wie gegen die Militärvorlage timme. Abg. Ahlwardt (Anttsem.) erklärte seine Zu­stimmung zur Militärvorlage, uicht aber zu der vor­geschlagenen Deckung der Kosten. Er kommt dann auf einen Prozeß zurück, welcher die Unbrauchbarkeit der von Löwe gelieferten Gewehre erwiesen habe. Leider sei auf einige Sachverständige mehr Gewicht gelegt worden, als auf die Aussage Hunderter von Zeugen. Redner griff dabei die Justizverwaltung wie die HeereS-

und Herzensfreund der nationalliberalen Tante am Rhein verbrochen? Eine schwere Sünde hat er beim preußischen Wahlgesetz verübt. ES war Alles schön im Wege, das Wahlgesetz unter der alten Kartellflagge gegen das Centrum in den Hafen zu bugstren, natür­lich ohne die nichtswürdige Bestimmung, daß die Steuern nur bi» zu 2000 Mark für das Wahlrecht in Ansatz kommen, und ohne die besondere Drit- telung in jedem einzelnen Urwahl - Bezirk, Maß­nahmen, durch welche der Einfluß des Geldsacks be­sonders bei Gemeindewahlen in etwa beschränkt wirb. Herr Miquel soll nun nicht bloS diese Bestimmungen zugelassen, sondern sogar bewirkt haben, daß dar Wahl­recht „gegen die gemäßigten Parteien" gestaltet wurde. Die ,Köln. Zeitung' sieht in Folge dessen schon alle nationalliberalen Stadtväter von ihren behaglichen Sitzen fallen, und die Ultramontanen in alle Rath­häuser in Westfalen, Rheinland und Schlesien ein­ziehen. Darum hinweg mit ihm, wenn er nicht noch in elfter Stunde Buße thut! Die ,Köln. Ztg.' ist übrigens schon so weit, zu vermuthen, daß Miquel mit Hilfe der Agrarier und Ultramontanen an Caprivis Stelle setzen wolle!! Der Streich beim Wahlgesetz richte sich gegen die Parteien, welche der Militärvorlage am freundlichsten gegenüber ständen. Caprivi soll das „Netz von Jutriguen", mit kräftiger Hand zerreißen und durch Ministerium und Herren- haus ben Wahlgesetz - Entwurf bei Regierung wieber herstellen lassen. — Was boch ein Bißchen Wahl­reform aller zu Wege bringt!

* Beide Häuser der Landtags hielten heute Sitzungen ab. Im Herrenhaus fand die Wahl des Präsidenten an Stelle des verstorbenen Herzogs von Ratibor statt. Die Wahl entfiel auf den Fürsten Stollberg-Wernigerode der mit 124 von 159 abgegebenen Stimmen zum erften Präsidenten gewählt wurde. Hierauf Witiben kleinere

Viorttliäbrki^^^^ S°n"' und Fnertagc ausgenommen. - Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

«rrrrel jährlicher AbsnnementspreiS ohne Brmgerlohn nnd Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

für das bevorstehende 2. Quartal 1893 bei den Post- anstalten sofort erneuern zu wollen. Sie erleichtern dadurch den Postbeamten sowie der Expedition unserer Blattes die Arbeit und sichern sich selbst die ununter­brochene und pünktliche Zustellung der .Fuldaer Zeitung'.

Wir bitten auch unsere Gesinnungsgenoffen und Freunde wiederum, jetzt nach Kräften für die weitere Verbreitung unseres Blatter thätig zu fein. Die Presse ist ja unsere Hauptmacht in den Kämpfen der Gegenwart. Im nächsten Quartal fällt sicherer Vor­aussicht nach die Entscheidung über die Militär- Vorlage, und vielleicht stehen uns Neuwahlen zum Reichstage bevor. Auch die Debatte über den Antrag des Centrums auf Rückberusung der Jesuiten fällt m die Zeit nach Ostern. Für Preußen harre» wich­tige Steuergesetze der Erledigung und die soziale Frage erfordert nach wie vor die größte Aufmerksam­keit. In den nächsten Monaten werden ferner die großen Pilgerzüge in Rom erscheinen, nm dem heil. Vater Leo XIII. die Huldigung der katholischen Welt zu seinem goldenen Bischofsjubiläum zu Füßen zu legen. Welcher von unseren Lesern wollte über alle diese Dinge nicht unterrichtet sein? So dürfen wir erwarten, daß alle unsere Freunde, denen die ,Fuldaer Zeitung' an den Winterabenden Gesellschaft geleistet hat, dieselbe auch in den Sommermonaten gern bei stch sehen werden.

Badenser! Noch ist eS Zeit, mit der Verstärkung des deut­schen HeereS zu beginnen! Erkennt die große Bedeutung dieser That und sprecht es offen aus, daß es Euer fester Entschluß ist, das deutsche Heer so stark zu wissen, daß nicht daS Reich in Trümmer geht, daß nicht dereinst unter der eisernen Faust des Eroberers unsere Kinder zürnend auf uns blicken, sondern seg­nend, daß wir zur rechten Zeit die Mittel geschaffen, welche Deutschlands Einheit, Deutschlands Wohlsahr, schützen und er­hallen!

Die ,Voss. Ztg.' meint, es müsse recht schlimm um eine Sache bestellt sein, die mit so verwerflichen Mitteln vertheidigt werde, wie es die indirekte Auffor­derung an den Kaiser sei, die Reichsverfassung zu brecke». Weiter stellt das Blatt die Frage, aus welchen Mitteln die Koste» für eine Menge Flugschrif­ten und Artikel bestritten würden, die den amtlichen Kreisblättern beiliegen, um Stimmung für die Militär»Vorlage zu machen. Da der Kriegsminister versichert habe, aus seinem Geheimfonds werde kein Nickel für diese Agitation verwendet, werde eS nöthig sein, den Reichskanzler selbst zu fragen, aus welche» Quellen die Kosten dieser Agitation fließen. Gelder, die von Mitgliedern aller Parteien bewilligt und von den Steuerzahlern ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung aufgebracht werden müßten, sollten jeden­falls nicht dazu dienen, die Anschauungen der Mehrheit des Volkes und seiner Ver­tretung zu bekämpfe». Andernfalls würde man dm Reichstag zwingen, alle Geheimmittel zu verweigem.

„Hinweg mit Miquel"! Diesen Ruf erhebt jetzt die .Köln. Ztg.' daS Blatt derer von „Bildung und Besitz". Was hat denn der ehemalige Parteigenosse

spannend geschriebenen, zeitgemäßen Roman „Endlich entlarvt" auS dem Leben der

Fabrikarbeiter bringen.

Die .Fuldaer Zeitung' ist in ihrem BerbreitungS- Bezirke das weitaus getefenfte Blatt und eignet sich deshalb auch ganz besonders als JnsertionSorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.

Der Post - Abonnemmtspreis auf die , Fulda er Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage

Sterne und Klumen = beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

MU- Zur Erneuerung der Zeitungsbestellungen, welche am letzten des Bierteljahrs-Monats ablaufen, bedarf es der Vor­auszahlung des Bettages für die neue Bezugszeit. Auf den ununterbrochenen und vollständigen Bezug der Zeitung kann nur gerechnet werden, wenn die Anmeldung rc. rechtzeitig geschieht.

Erfolgt die Bestellung erst in den letzten zwei Tagen dieses Monats, so werden vor Erledigung der Bestellung bereits erschienene Nummern, soweit sie überhaupt noch zu beschaffen sind, nur auf ausdrückliches Verlangen nachgeliefert. Für das in diesem Falle nach dem Berlagsotte abzusendende postdienst- ticfce Schreiben ist das Franko von 10 Pfennig von dem Be­steller der Zeitung zu entrichten.

Sb Reu zugehende Abonnenten erhalten bie Zeitung nebst ber Sonntagsbeilage gegen Einsen- bung ber Post-Quittung bis Ende Dezember gratis. Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung^.