Beilage zu Nr. 65 der „Fuldaer Zeitung".
Sonntag, den 19. März 1893.
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>J< Kribi, den 9. Januar 1893.
„So Jemand eine Reise thut," so kann er was erzählen," heißt es, und da wir Schwestern von der Missions-Kongregation der Pallottiner eine ganz gehörige Reise gethan haben und überdies in ein Land, das den meisten Europäern noch dunkel und geheimnißvoll ist, so fehlt es eben nicht an Stoff zum Erzählen, desto mehr aber an Zeit. Der Missionär findet Arbeit in Hülle und Fülle, und kaum hier angelangt, seufzen wir schon roieber nach Zuwachs an Arbeitskräften. Da muß das Schreiben nolens volens zurückstehen.
Nach 33tägiger Faürt langten wir endlich glücklich in Kamerun (town, Stadt) an. Ein unvergeßlich schöner Anblick bot sich unS dar. Auf einer etwa 30 Fuß hohen Klippe lugen zwischen Bananen und Palmenhainen die weißen Häuler der Europäer gar anmuthig und traut hervor; am Fuße der Klippe, vom Strande bespült, liegen die Faktoreien. Links hin ziehen sich dichte Palmenwälder, in denen Elephanten Hausen, und hinter ihnen erheben sich in der Ferne die majestätischen Kamerunberge, über die bei unserer Ankunft die untergehende Abendsonne ihren gluthrothen Schein warf, der sich dann weithin goldig im Wasser spiegelte. Rosig golden war auch unsere Stimmung, denn wir hofften, so ziemlich am Ziele unserer langen Fahrt angelangt zu sein. Hier sollten sich die Schwestern trennen, drei sollten nach Marienberg gehen, die drei anderen mit dem Dampfer noch eine Strecke weiter fahren, um ihre Thätigkeit in Sri bi zu entfalten. Hier erwarteten wir auch unsere Väter und Oberen, um uns in unsere heißersehnte neue Heimath zu geleiten. — Aber die Sonne ging unter und hüllte das reizende Landschastsbild in Dunkel, und als wir des andern Morgens erwachten, waren auch die Berge fort, so total verschwunden, daß ich mich und Andere fragte, ob ich geträumt habe. In Folge des bedeutenden Wasser- Gehaltes der Luft sind sie auch bei anscheinend klarer Witterung nur selten sichtbar. So wurden nun auch unsere schönen Aussichten verhüllt.
Die ersehnten Väter waren nicht gekommen, und als nun der Pater, der unsere Expedition begleitete, an's Land ging, um Erkundigungen einzuziehen, kehrte er mit recht trüben Nachrichten zurück Am Malimba (an dem unsere Station Marienberg liegt) sei Krieg ausgebrochen, hieß es — weshalb, das erfuhren wir nicht. — Die Schwarzen seien ganz wüthend auf die Weißen und hätten schon mehrere Faktoreien niedergebrannt und die den Malimba heraufkommenden Fahrzeuge beschossen. Es sei also vorerst keine Gelegenheit für uns, hinzukommen, abgesehen davon, daß der Versuch unklug und gefährlich wäre Denn wenn auch die Bakoko bis jetzt unsere Missions-Station respektirt hätten, so würden sie, auf's Aeußerste gereizt, schließlich doch keine Rücksicht mehr kennen, denn: „alle Weißen haben ein weißes Herz." Die Unklugheit und Gefährlichkeit hätte uns nun zwar nicht geschreckt, wenigstens den Versuch zu machen, nach dem Orte unserer Bestimmung zu eilen, aber es war eine schriftliche Ordre unseres hochw. Obern da, alle nach Kribi zu gehen. Da mußten wir freilich „Halt" machen, denn Gehorsam ist besser als Opfer. Damit übrigens die Trauerbotschaft nicht auf einem Fuße hinke, kam noch eine zweite dazu. Pater Walter, der hochw. Obere von Marienberg, war am Schwarzwasserfieber erkrankt und nach Kribi zur Erholung gebracht worden, während der hochw. Herr apoftol. Präfekt, Pater Bieter, von dort nach Marienberg geeilt war zum Schutze der Mission.
So segelten wir denn, ergeben in Gottes hl. Willen, aber doch betrübten Herzens, nach Kribi weiter. Der Anblick unserer neuen, wenigstens vorläufigen Heimath war indeß wohl geeignet, die trüben Wolken zu verscheuchen und unser Glücks- und Freu- dengesühl neu zu entflammen. Es war wohl nicht allein das idyllische weiße Häuschen, das im Style eines Schweizerhauses so heimlich und traulich vom Hügel herab grüßte, es war auch nicht der stattliche Wasserfall, der hart daneben rauschte und brauste und seine Gewäffer lärmend in den Ozean führte. Es war auch nicht der prächtige Urwald, der das ganze Bild so malerisch und romantisch einrahmte, auch waren es nicht die herrlichen Bananen und Palmen, die das Ufer einfassen und deren riesige Blätter wie Straußfedern im Winde fächeln. Das Alles war eS nicht, obwohl uns der Anblick entzückte. Es war einfach das Seligkeitsgefühl, welches das Bewußtsein verleiht: hier ist der Ort, wohin Gott Dich gerufen, hier ist die Stätte, wo Du mit der Gnade Gottes schaffen und wirken darfst, leben und leiden und vielleicht sterben für das Heil der armen, armen schwarzen Heiden! Gibt es etwas Größeres, Schöneres, Herrlicheres, als dem lieben Gott Seelen zu gewinnen? Man fühlt sich freilich recht klein, armselig und unwürdig gegenüber der großen Aufgabe, aber die Gnade Gottes trägt und hebt einen. Ueberströmend von Dankgefühl eilten wir gleich in das winzige Kapellchen, um ein Te Deum zu beten, das wir am andern Morgen nach der hl. Messe so feierlich als möglich sangen. Dann ging's erst an'S eigentliche Bewillkommnen. Das war übrigens bald geschehen, denn wir fanden nur zwei Brüder vor — der hochw. P. Walter war, kaum hergestellt, schon wieder nach seiner Station geeilt, und der hochw. P. Präfekt war leider noch nicht zurück; wir mußten noch volle 10 Tage auf ihn warten. Mittlerweile richteten wir unS häuslich ein. Das war bald gefchehen, denn die hl. Armuth brachten wir mit und die hl. Armuth fanden wir vor. Nun, fo gefiel eS uns; nur that und thut es uns weh, daß dem lieben Gott noch kein würdigeres Haus bereitet ist — aber ich vertraue fest darauf; die unermüdliche Großmuth unserer europäischen Wohlthäter wird schon baldigst dafür folgen. Unser schon erwähntes Hauskapellchen ist ja recht lieb — faßt aber eben nur unS Schwestern. Die Kinder müsfen draußen knien vor der Thür. Der Altar ist einfach, aber hübsch, eigenhändig von unserem hochw. Herrn Präfekt hergestellt und in Bronzefarben verziert. Statt des Altarbildes ein rother, mit weißem Tüll bedeckter Vorhang. Das ist Alles. Die Wände kahl — kein Bild, keine Statue.
Am Sonntag findet der Gottesdienst in der „Kirche" statt, damit auch unsere schwarzen Besucher Platz finden. Ich weiß nicht, warum ich den Ort nur immer mit gewissem Widerstreben Kirche" nenne — sieht sie doch der ersten katholischen Kirche fo ähnlich — dem Stalle von Bethlehem! Es ist weiter nichts, als eine offene Scheune, nur an der Stelle deS Presbyterrums sind Seitenwände, wie das Dach aus Palmstroh hergestellt. Ein einfacher Altar, einfache Holzleuchter, ebenfalls von unseren Missionären hergeftellt, als Hintergrund ein weißes, mit roth eingefaßtes Tuch, auf dem ein Kruzifix angebracht ist -und grüne Palmzweige bilden den ganzen Schmuck des Heiligthums. Und doch läßt sich's gut hier beten - man fühlt, Gott wohnt gerne hier unter feinen ärmsten Kindern.
Die Schwarzen kommen ziemlich zahlreich am Sonntag Morgen und viele auch noch Nachmittags zur Christenlehre; aber freflich, bis einmal die Erkenntniß der Wahrheit so ttef
und überzeugend eindringt, daß sie dieselbe ins Leben übersetzen und ihre lasterhasten Gewohnheiten aufgeben, da wird noch manches Jahr vergehen, manches Leid ertragen, manches Leben geopfert werden müßen. Unsere Hoffnung beruht auf der Jugend, und in der That berechtigt sie zu den besten Hoffnungen. Wir haben jetzt 43 Jungens. Sie sind nicht alle talentirt, die meisten mittelmäßig begabt, aber alle zeigen guten Willen, gutes Ge- müth, Gehorsam und große Anhänglichkeit an die Mission. Ich habe sie sehr lieb, unsere schwarzen Wollköpfe, und hege die Hoffnung, daß sie einmal recht gute, brave Christen abgeben. Die Schule ist derselbe Raum, der am Sonntag dem Publikum als Kirche dient. Mit der Zeit und mit den nöthigen Mitteln kommt das auch noch anders, zuerst aber müssen wir an ein Wohnhaus denken, denn wir können nicht eher Mädchen aufnehmen, als bis wir ihnen ein Obdach bieten können. Es ist bereis in Angriff genommen worden. Dann aber handelt sich's um die Frage: Womit werden wir sie nähren? wovon kleiden? Reicht es doch jetzt kaum hin. Aber zu Sorge und Kummer lassen wir's deshalb nicht kommen Wofür hätten wir denn den heiligen Nährvater Joseph als Hausvater bestellt. Der läßt uns lieber ein paar Brodfruchtbäume über Nacht ausschießen oder er sendet uns einen reichen Wohlthäter aus Europa, als daß er uns im Stiche ließe.*) — So eine Brotfrucht ist eine herrliche Gabe Gottes. Sie schmeckt weder wie Brot, noch wie Obst. Die Frucht, schön und groß wie ein Kopf, aus einem prachtvollen Baume reifend, wird geschält, gesotten und schmeckt nun ganz ähnlich unserer deutschen Kartoffel. Der liebe Gott schenkt allen Landen und allen Leuten nicht nur das tägliche Brod, sondern auch noch die Kartoffeln.
Trotzdem nun die Mädchenschule noch nicht eröffnet ist, so fehlt es uns doch nicht an Arbeit — denn da wir uns noch Niemand zur häuslichen Arbeit heranziehen konnten, fo ruht vorerst noch die Wäscherei, Büglerei, Kocherei, Putzerei und Flickerei auf unfern Schultern. Nebenbei unterrichten wir daun die kleinen Mädchen, die uns fleißig besuchen. Auch ein Bischen richtige Missionsthätigkeit durften wir schon ausüben, an ein paar Wittwen, die zum Katechismusunterrichte kommen. Hauptsächlich aber haben wir es mit der Krankenpflege zu thun. Die bekümmerten Väter und Mütter bringen uns ihre Kinderchen, als wär's ganz natürlich, daß wir ein Heilmittel besäßen. Aber was uns an Kenntnissen mangelt, das ersetzt der liebe Gott durch seinen Segen, denn das Volk muß Vertrauen gewinnen zum Missionar. Die meisten Leute kommen mit Wunden, mit oft ganz entsetzlichen Wunden, mit halbzerfressenen Beinen und Fingern und üppig wucherndem wildem Fleisch — aber während ich früher fein Blut sehen konnte, verbinde ich hier ganz kaltblütig die schlimmsten Schäden. Wie man hier doch überall die Hilfe Gottes spürt.
Das Klima gilt hier als verhältnißmäßig gesund und der hochw. P. Präfekt hat zwei kranke Brüder aus Marienberg zur Erholung hierhergebracht. Aber das hindert nicht, daß droben im Hausender Väter und Brüder zuweilen alle zusammen fieberkrank sind. Jetzt wäre das zwar nicht mehr zu verwundern, denn es sind außer dem hochw. P. Präfekt nur noch drei Brüder da. Bis vor 14 Tagen aber waren es acht, denn die mit uns aus Europa gekommenen Brüder konnten des Fiebers halber nicht eher nach ihren Stationen abreisen Das Brüderhaus ist aber auch gar zu ärmlich. Während wir Schwestern ein Haas mit sechs Zimmern bewohnen, von einer Veranda umgeben, leben die Brüder in einer einfachen Bretterbude, aus einem einzigen Zimmer bestehend, das sie durch einen Vorhang von farbigem Kattun in Speisezimmer und Zellen geschieden haben. Im Schwesternhaus ist der Gesundheitszustand ein etwas besserer — Patienten aber haben wir immer. Das Fieber tritt in den verschiedensten Formen und Graden auf. Kopf-, Zahn-, Ohrenweb, Rücken- und Magenfchmerzen, G.iederreißen, Nervenkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Delirium — alles ist hier Fieber, kommt vom Fieber und wird mit Chinin behandelt. Man achtet so ein Fieberlein nichts gar sehr, aber es kommt so oft, es schwächt fo sehr und da draußen unser stiller Friedhof erzählt gar beredt, daß man hier in Afrika wohl viel leidet, aber nicht gar zu lauge — ein paar Jährlein und es ist vorbei. Wie freudig mag man scheiden, wenn es einem vergönnt war, zur Ehre Gottes zu arbeiten, wenn man womöglich ein paar Neugetaufte als Fürbitter da oben hat, wenn man hinüberschlummert aus dem dunklen Erdtheil in lichte Himmelhöhen! Aber bei mir heißt's noch warten — noch habe ich nichts geleistet.
Jetzt noch ein wenig von nnserm Weihnachtsseste und dann ist's genug für heute. Etwas wollten wir unfern Schwarzen doch bieten zur Unterhaltung, Erbauung und Belehrung Zu einem Krippenspiel sind die deutschen Sprachkenntnisse unserer Kinder noch allzu schwach; so entschlossen wir uns für lebende Bilder. Die Kostümfrage war freilich in Anbetracht der Schätze, die wir nicht hatten, heikel genug, aber sie wurde wider Erwarten gut gelöst. Ein paar dünne weiße Fetzen wurden mit abfärbendem Zeug gefärbt und wir hatten die lieblichsten rosa, blauen und weißen Engel, die mit ihren bronzirten Pappendeckelflügeln, Gürteln und Sternen ganz englisch strahlten. Die Kostüme der Hirten verlangten weder viel Arbeit, noch viel Material und Phantasie, und unsere Könige sahen wahrhaft majestätisch ans mit ihren gelben, rothen und blauen Schleppmänteln, zu denen eine gütige Dame aus der Stadt ihren Beistand geliehen, mit ihren Kostümen aus Gold und Samt, ihren diamantglitzernden Kolliers aus den Krystallsteinen eines alten Kronleuchters. — Es wurden fünf Bilder aufgefübrt. 1. Bild: Geburt Christi. Maria und Joseph wurden von Weißen dargestellt, alle anderen Milwirkenden waren Schwarze. Vor jedem Bilde wurden zwei passende Lieder gesungen, dazwischen erklärte unser geschickter junger Dolmetscher seinen schwarzen Milbrüdern die Bedeutung des Tableaus. 2. Bild: Die Verkündigung des Engels an die Hirten. 3. Bild: Anbetung der Hirten. 4. Bild: Anbetung der heiligen drei Könige und endlich 5. Bild: Der Christbaum. - Unsere 20 mitwirkenden Kinder hielten sich ausgezeichnet ruhig, und wenn es auch keine Oberammergauer Tableaus waren, so waren auch die Erwartungen nicht so hohe und unser schwarzes Publikum war höchlichst befriedigt. Das bengalische Feuer freilich fehlte, aber durch rothes Seidenpapier verhülltes Feuer und Lampen mußte es möglichst ersetzen. — Beim letzten Bild waren alle Mitwirkenden um den Christbaum geschaart und fingen dann an zu fingen: „Ihr Kinderlein kommet." Natürlich war's kein deutfcher Tannenbaum, das Flitterwerk war fparlich und Zuckerwerk fehlte ganz. Aber das grüne Laubbäumlem sah auch recht hübsch aus. — Kristallzapsen von einem alten Kronleuchter übernahmen das Glitzern und eine Menge Heiligenbildchen und Medaillen zierten ihn. Nachdem das letzte Lied verklungen war, ging's an die Chriftbescheerung. Jedes unserer Kinder bekam
* Die Redaktion der Zeitschrift ,Kreuz und Schwert' in Münster i. SB., welche uns den Mief mittherlte, ist gern bereit, freundliche Gaben an die ehrw. Schwester Monika zu besorgen.
eine Kleinigkeit, freilich entsprechend unserer Armuth, aber alle fühlten sich reich und glücklich. Jedes erhielt einen Griffel, eine Medaille, ein Bildchen, ein paar Zwiebäcke; die kleinsten, soweit es reichte, etwas Spielzeug: Mundharmonika, Trompete rc.; die fleißigen jeder ein Heft ober einen Rosenkranz. Mit wie Wenigem kann man hier noch Glückliche machen!
Und nun zum Schluffe. Am Malimba ist's endlich Frieden geworden. P. Walter hat die drei Hauptkönige nach Kamerun gebracht, wo der Frieden geschlossen wurde. Nun ruft er die Schwestern, und schon steht der Dampfer draußen und bringt uns morgen nach Marienberg. Mit Wehmuth scheide ich von der liebgewordenen Stätte, von den treuen Schwestern. Aber der Missionar hat kein irdisches Heim und freudig eile ich an den Ort, den meine Obern mir zur Thätigkeit angewiesen: nach Marienberg. — Möchte Gottes Segen uns geleiten und das neue Feld begießen mit dem Gnadenthau, ohne den wir nichts vermögen. Ich empfehle unsere Mission Ihrem und Ihrer Leser frommen Gebete, wie auch wir jeden Tag mit unseren Kleinen für alle unsere Wohlthäter beten werden.
Ihre ergebene
Schwester lll. Monika. P. S. M.
Kennlichtes.
* Die Zahl der Deutschen und Fremden in Kamerun beträgt nach dem neuesten Ausweise 203, und zwar 147 Deutsche, 26 Engländer, 13 Schweden, 8 Amerikaner, 5 Schweizer, 2 Russen, 1 Spanier und 1 Person ohne Staatsangehörigkeit. Es befinden sich darunter 44 Regierungsbeamte, 76 Kaufleute (41 deutsche), 28 Missionare, 12 Pflanzer, 22 Frauen und 5 Kinder. Nach den im vorigen Jahre gemachten Mittheilungen betrug die Gesamintziffer nur 166, so daß also eine Zunahme von 37 Personen stattgefunden hat. Die nicht einheimische Bevölkerung ver- theilt sich auf 34 Ortschaften, von denen Kamerun (82), Kribi (20), Groß Batanza (18) und Viktoria (10) die größten Ziffern aufweisen. — Im Togogebiet stellte sich die Zabl der Deutschen und Fremden Ende 1892 auf 59 gegen 50 des Jahres 1891 und 35 des Jahres 1890. Unter denselben befanden sich 61 Deutsche, 6 Franzosen und 2 Engländer, die in 8 Ortschaften wohnten. Die bedeutenderen Niederlassungen waren Klein-Popo mit 22 und Lome mit 21 nicht einheimischen Bewohnern, nicht einheimische Frauen gab es im Togogebiet 3.
* „Die utts lehren, sollen wir ehren." Wie man seine Lehrer und Erzieher ehren soll, zeigen folgende Beispiele: Heinrich II., der Heilige, hegte eine besondere Achtung, Dankbarieit und Liebe gegen seinen ehemaligen Lehrer, den hl. Bischof Wolf- gang von Regensburg, und empfand bei besten Tode den lebhaftesten Schmerz. Er begab sich eigens nach Regensburg, um am Grabe seines ehemaligen Lehrers seine Andacht zu verrichten, und auch als Herzog von Bayern ging er oft zum Grabe seines Lehrers. — Der bl. Franz von Sales hatte in seiner Jugend einen sehr tugendhaften Geistlichen zum Lehrer gehabt, den er auch bis zu besten Tobe nicht von sich ließ. Er erzeigte ihm bie größte Hochachtung unb nannte ihn seinen Vater unb Meister. Nachbem er Bischof geworben war, sorgte er auf das Anständigste für ihn und theilte noch außerdem Wohnung und Tisch mit ihm. — Theodosius der Große wollte, daß seine Söhne Arcabius pnd Honorius ihrem Lehrer, dem Arsenins, die größte Achtung bewiesen. Als er sie eines Tages während des Unterrichtes besuchte, fand er sie sitzend, während Aisenius stehend zu ihnen redete. Der Kaiser gab sogleich seine Unzufriedenheit darüber zu erkennen, beraubte feine Kinder eine Zeit lang der Abzeichen ihrer Würde unb befahl, daß sie künftig beim Unterrichte immer stehen sollten, während Arsenins sitzen könne. Hatte doch auch schon Philipp, König von Macedonien, seinem Sohne Alexander verboten, den Unterricht seines Lehrers, deS Philo- fopben Aristoteles, sitzend anzuhören. Hieraus mögen auch die Eltern entnehmen, welche Achtung sie den Lehrern ihrer Kinder bezeigen sollen, besonders in Gegenwart der Letzteren.
"Das „deutsche Haus", welches das Deutsche Reich für die Weltausstellung in Chicago errichten läßt, wird nach Allem, was bis jetzt über ähnliche Bauten anderer Staaten durch Wort und Bild bekannt wurde, ein Glanzpunkt der Ausstellung fein. Das nach den Entwürfen des Baumeisters Radke ausgeführte Gebäude wurde am Geburtstage des Kaisers in althergebrachter deutscher Weise in Anwesenheit des Reichskommistars „gerichtet" und geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Es enthält neben Ausstellungsräumen für die ersten deutschen Industrie- Zweige die Empfangs- und Arbeiterräume des Reichskommistars, deren innere Ausgestaltung dem würdigen Aeußern entspricht. Die Entwürfe zur Ausschmückung dieser Räume u.id die Leitung der Ausführung sind dem Architeckten W. Fleck übertragen und gehen die Arbeiten zur Ausstellung an Ort und Stelle mit dem nächsten Dampfer ab. Die Vorhalle, deren Ausführung die Firma C. Prächtel übernommen hat, ist in farbenreicher, dekorativer Gothik gehalten. Eine flotte Balkendecke, reiches Paneel, Thüxe und Spiegel mit eni sprechenden Sitz-Möbeln bilden einen vornehm bebanbelten Vorraum. Der Fensterraum ist erterartig durch eine Bogen-Architekrur abgeschlossen und bildet mit seinem dunkeln Eichenpaucel, seinen molligen Sitzmöbeln und seiner malerischen Dekoration eine recht lauschige Ecke. Der Empfangssaal selbst, im Charakter der deutschen Svätrenaistance gehalten, ist als Arbeitsraum eines vornehmen Herrn ausgebildet; die Ausführung ist der Firma B. Harraß in Böhlen und Berlin übertragen und tarnen dabei die von dieser Firma hergestellten Holzverzierungen zur reichlichen Verwendung. Zum ersten Male ist hier von einer Dekorationsweise im Großen Gebrauch gemacht, der eine große Zukunft sicher ist. An Stelle der sonst üblichen glatten Profile tm Paneel, der Holzdecke u. f. w. sind überall mit feinfühliger Auswahl verzierte Kehlleiften verwendet und der Effekt der auf diese Weise hergestellten Arbeiten tft em ungemein reicher und vornehmer. Der engere Kreis von hervorragenden Fachleuten und Liebhabern, der zur Besichtigung em- qelaben war, war voll des LobeS über diese Leistung, die den prächtigsten Arbeiten aller Zeiten mindestens ebenbürtig ist. Dieser Saal dürste ein Glanzpunkt der deutschen Abtheilung werden und den Beweis liefern, daß die deutschen Leistungen auf diesem Gebiete jeder fremden Konkurrenz gewachsen, wenn nicht über« legen sind. Zur weiteren Ausschmückung dieses Saales kommen noch ein prächtiger Majolica-Kamin, eme elegan e HauSbiblw- thek Kronen und Broncen, Teppiche, Polstermöbel rc., die selbstverständlich mit auserlesenem Geschmack und höchster Eleganz ausgeführt sind. _. . „ _.. . ,
”* Die Farbe« der Cigarre«. Die in allen Landern noch stets zunehmende Vorliebe für hellfarbige Cigarren ist zurückzn- führen auf den bei weitaus den meisten Rauchern eingewurzelten Glauben, daß durch die Farbe des Deckblattes die Qualität bestimmt werde und daß fomit eine dunkel gedeckte Cigarre auch unbedingt „schwer" ist. In Folge dessen befinden sich, da die hellfarbigen Deck-Tabake, zumal in den Ernten der letzten Jahre,