Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, 'Sona* und Feiertage ausgenommen. — Anserate kosten di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Wiederholungen en sprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

20. Jahrgang

Sonntag, den 19. März 1893.

Hierzu eine Beilage. -HLD

* Die Wetterführung oer Arbeiten am Panamakanal

hat der ,Figaro' bisher trotz der großartigen Betrüge­reien und Skandale, welche dort vorkamen, warm em­pfohlen. Wie steht eS nun? Die Subfcribenten haben 1400 Millionen eingezahlt, verausgabt wurden auf die Landenge 769 Millionen. Die eigentlichen Arbeiten figuriren in dieser ansehnlichen Gesammtsumme nur mit 441 Millionen. Davon sind jedoch noch die Unter- nehmer jeder Art unter allen erdenklichen Formen ge­zahlten ungeheuerlichen Entschädigungen abzuziehen; auch muß man dabei die übertriebenen Preise, die an die großen Unternehmer der Erdarbeiten gezahlt wur­den, in Betracht ziehen. Die übrigen 328 Millionen sind für Maschinen, Immobilien, Materialen, Boden­ankäufe verausgabt. Zahlreiche kostipiele Mißgriffe, sind auch von dieser Summe abzuziehen, bevor man die nützliche Ausgabe erreicht. Zur gegenwärtigen Stunde bedeuten also obige 769 Millionen nur noch höchstens 3OO Millionen.

30 Kilometer, 8 auf der pac fizischen, 22 auf der atlantischen Seite, gelten als vollendet. Sie sind es nur unvollkommen, und seit Einstellung der Arbeiten sind gewaltige Versandungen im Umfange von Mehreren Millionen Kubikmetern hervorgetretern.

Ueberblickt man die zu leistende Gesammtarbeit und ihre Schwierigkeiten, berücksichtigt man die eingetretenen Verschlechterungen an den bereits fertig gestellten Strecken, so kommt man zu dem Schluß, daß die sertigeLeistung höchsten- s/t bet gefammten ist. Kann man danach mit gutem Gewiffen behaupten, -ie Arbeit sei bereits so weit vorgeschritten, da sie nicht wehr aufgegeben werden könne.?

Es erhebt sich nun die Frage: was muß ge­schehen, um die noch übrigen Dreiviertel z« vollenden? Man bedarf dazu mindestens noch 1150 Millionen Francs.

Die Studienkommission berechnet den Netto-Ertrag des Kanals, und zwar nach 8 Jahren, aus 50 Mill., d. h. also kaum 5 pCt. für das zur Vollendung er­forderliche Kapital. Folglich hasten die Zeichner der ersten 14OOMillionen nichts, gar nichts zu erwarten.

Die Frage nach der Bollendung der Kanals, in ihrem wrrlichen Lichte betrachtet, resümirt sich also wie folgt: TS ist eine Unternehmung sehr schwieriger Natur, von ungewiffem und bestenfalls mittel­mäßigem Ertrag, für deren Vollendung den fran­zösischen Ersparniffen noch einmal eine Milli ar de und 50 Millionen abgefordert werden sollen. Hierzu fehlt aber noch die Haupffache, nämlich Auf- klärung darüber, ob die nordamerikamsche Union die Fertigstellung der Kanals und deffen Inbetriebsetzung dulden wird.

H rutsche» Keich.

Berlin, 17. März.

♦ Großfürst Konstantin Konstantinowitsch von Rußland ist deute früh hier erngetroffen und in der

Derdauut.

Rach dem Englischen von I. RüttgerS.

(33. Fortsetzung.)

19.

Die Gäste, welche die Indianerin eingeladen hatte, trafen endlich auf dem Schlosse ein. Zunächst war eS Madame Kenright neben ihren beiden Töchtern. Die Mutter war eine dicke, kleine und rothe Dame von außerordentlich heiterem Temperament; sie hielt große Stücke auf Miß Rorney, welche sie in Calkultta kennen gelernt hatte. Die altere der beiden Fräulein Kenright war ein großes hoch aufgeschoffeneS Mädchen von 27 Jähren, während die jüngere nur 4 Jahre weniger S"hlte als ihre Schwester. Es war eine junge, hübsche londine von sehr liebenswürdigem sanftem Wesen, welche Alle, mit welchen sie in nähere Berührung kam, sehr bald für sich einzunehmen wußte.

Der folgende Tag brachte Colonel Warburton, den Liebhaber der älteren Fräulern Kenright. Einige Sinn- dm später traf Sir William Ensor nebst seiner Schwester ein, letztere ein liebenswürdiges junges Mädchen von einundzwanzig Jahrm, welche fast nur von Hunden und bergt sprach.

russischen Botschaft abgestiegen, wo ihm ber Kaiser Bormittags einen Besuch abstattete.

* Die Militärkommiffion des Reichstags beendete hmte die zweite Lesung der Militärvorlage. DaS Tr- gebniß war wiederum ein negatives; es wurde Alles äbgelehnt. Zum Referenten für das Plenum wurde Abg. Gröber (Centr.) ernannt. Derselbe wird schrift­lichen Bericht erstatten. Die zweite Berathung im Plenum ist erst in der zweiten Hälfte deS April zu erwarten.

* Die Abgeordneten Frhr. v. Hammerstein, Frhr. v. Friesen-Rötha und Dr. Mehnert habm mit 30 an­deren deutsch-konservativen Abgeordneten beim Reichs­tage den Antrag eingebracht, daß die Einwanderung fremder JSraelite», welche nicht die deutsche Reichs- angehörigkeit besitzen, verbotm werden soll.

♦ Beide Häuser des Landtags hielten heute Sitzungen ab. DaS Herrenhaus trat nach viermonatlicher Pause wieder zusammen. Vicepräsident Frhr. v. Manteuffel eröffnete die Sitzung mit einem warmen Nachruf für den verstorbenen Präsidenten Herzog v. Rstibor. DaS Haus ehrte das Andenken des Verewigten durch Er­hebe« von den Plätzen. Dann wurden die Novelle zur Kirchenverfassung für die älteren Provinzen und der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung der Stolgebühren in der Provinz Hannover angenommen. Morgen Petition des landw. Centralverbandes ber Provinz Sachsen. Das Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage wegen Erweiterung ber Stabtgemeinbe Kiel enbgültig an bergleichm bie Vorlage betr. bie Aenderung ber Berwaltungsgerichte (Entscheidung von Steuerrekla­mationen) in 1. und 2. Lesung ohne Aenderung. Ein Antrag Kolisch (frs.) aus Abänderung der Gesetze- betr. die Reliktenversorgung der unmittelbaren Staats- beamten wurde an die Budgetkommission verwiesm. Ein Antrag Lerche (frs.) um Vermehrung der etatS- mäßigen Richterstellen im nächsten Etat, ging an die Justizkommission. Schließlich wurdm Petittonm er­ledigt. Hebet eine Petition um Zulasiuna bet Feuer­bestattung würbe zur Tagesordnung übergegangen. Morgm Pefftionm.

* Der Reichstag, dem die Vorlage über bie Ver­längerung des Zollprovisoriums mit Spanien und Ru­mänien zugegangen ist, setzte die Berathung der No­velle zum UnterstützungSwohnsitzgesetz fort. Abg. Dr. Bamberger (steif.) stimmte der Vorlage im Allgemeinen zu und wandte sich gegen das Verlangen nach einer Rückkehr zum alten HeimathSrecht, welches die Be­seitigung der Freizügigkeit zur Folge haben müßte. Für die Berhältniffe des platten Landes werde durch die Vorlage wenig geändert; der Zug der Arbeiter nach den Städten erfolge nach dem Grundsatz: Stadt­luft macht frei. Staatssekretär v. Bötticher führte aus, daß eine fundamentale Neuregelung des ArmenwefenS erst erfolgen könne, nachdem sich die Wirkungen der Sozialgesetzgebung übersehen ließen. Bei der Armen­pflege fei ein Jndividualisiren nöthig, weshalb eine Centralisirung nicht am Platze fei, wenn auch die Last aus breitere Schultern gelegt werden könne. Abg. Molkenbnhr (Soc) verlangte Centralisaffon der Armen­pflege durch da- Reich und sprach entschieden gegen die Strafbestimmungen. Abg. v. Pfetten (Ctr.) wie- die Angriffe auf daS boyerifche HeimathSrecht zurück.

Ronald Chilton traf zuletzt ein. Seine GesichtSzüge, bie einen AuSbruck tiefer Schwerumth trugen, ver- rietheu, baß er viel gelitten hatte. Er hatte Gwen- boline in London gesucht, in allen Theilen der Stadt, hatte England abgesucht und selbst eine Reise nach Festlande zu diesem Zwecke unternommen; begreiflicher­weise waren alle seine Bemühüngen ohne Erfolg ge­blieben und er hatte auch nicht die geringste Spur von dem Mädchen entdeckt. Er war zwar noch meh­rere Male in der Folge auf Lonemoor gewesen, aber die OnilletS hatten eS ihm hartnäckig abgeschlagen, ihm die von ihm so sehnlichst gewünschte Adreffe zu geben. Drohungen und Versprechungen hatte er in Aussicht gestellt — aber Alles hatte sich als unnütz erwiesen. Rur ein Trost War ihm indeß geblieben; die Gewiß­heit, daß diejenige, welche er liebte, nicht tobt sei, benn dann würden die Ouillet'S, so sagte er sich, es ihm mitgelheilt haben.

Lord Chilton hatte vor Kurzem erfahren, daß Herr Morkham von seiner Reise zurückgekehrt sei, und er entschloß sich, ihm seine Neigung zu Gwendoline zu offenbaren, indem er hoffte, so das zu erfahren, was er wissen wollte. Während er sich mit diesem Ent- schluffe trug, kam ihm die Einladung von MißNormy

Dr. Baumbach erwiderte, daß das bayerische HeimathS- und ebenso das BerehelichungSrecht mit der reichSgesetz- lichen Freizügigkeit im Widerspruch stehe. Abg. v. Schalscha (Ctr.) bemerkte dem Staatssekretär v. Bötticher gegenüber, daß bei der Arbeiterversicherung die Ber- waltungskosten höher seien als die Renten. Staats- Sekretär v. Bötticher entgegnete, daß sich das ändern werde, wenn erst die Sozialgesetzgebung in volle Wirk­samkeit getreten sein werbe. Die Vorlage würbe schließlich einer 21er Kommission zur Vorberathung überwiesen. Die Novelle zur Maß- unb Gewichtsordnung wird mit ber von bett Abgg. Dr. Broemel (frs.) unb Merbach (Rp.) beantragten Resolutton betrff. Entführung einer in baS metrische System passenden Bezeichnung für 100 Kilogramm in 3. Lesung enbgiltig angenommen, ebenso bie Vorlage betr. Revision in bürgerlichen RechtS- streittgkeiten. Morgen: Novelle zum MilitärpensionS- gesetz.

* Freiherr v. Huene erläßt, wie aus Schlesien geschrieben wirb, als Vorsitzender des Schlesischen Bauern-BereinS eine Erklärung, daß der Bauern- Verein durch den Bund der Landwirthe nicht berührt und seine Ziele ruhig weiter verfolgen werde. Zugleich legt er Verwahrung dagegen ein, daß in den Versamm­lungen deS Bundes der Landwirthe zum AuSttitt auS dem Bauern-Verein auf gefordert werde, dem man bie Lebensfähigkeit abfpreche. Nachdem er mit Zahlen bie Lebensfähigkeit des Schlesischen Bauern-BereinS nach- gewiesen und rnitgetheilt hat, daß bie Umsätze ber von ihm gegründeten Darlehenskassen und der WirthschastS- Genoffenschaft bereits 5 Millionen betragen, fragt er: „Ist das ein Zeichen der Lebensunfähigkeit der Bauern- BereinS?" und fährt daun fort: „Freilich genügt es, um Solcher zu erreichen, nicht, daß man Reden hält, sondern eS gehört dazu ernste und opferwillige Arbeit." — Die landwirthschaftlicheu Vereine im Königreich Sachfen futb von ihrer Oberleitung ersucht worben, bie Bestrebungen bes „BunbeS ber Ländwttthe" von Vereins wegen nicht zn unterstützen. Die Oberleitung warnt vor einer Zersplitterung ber Kräfte, hebt hervor, baß bie sächsischen Landwirthe nicht nöthig hätten, die eigentlich landwirthschaftlicheu Ziele deS Bundes auf dem Umwege über Berlin zu erstreben und betont ferner, daß eS sich darum verbiete, die politischen Ziele des Bundes der Landwirthe in den landwirthichastlichen Vereinen zu verfolgen, weil gerade der Ausschluß politischer Bestrebungen den sächsischen Vereinen eine werthvolle Ausnahmestellung außerhalb des Vereinsgesetzes gewähre.

* Köln, 16. März. Puntt 12 Uhr lief unter dem Geläute der Glocken der Sonderzug ein, welcher Se. Eminenz Kardinal-Erzbifchos Philippus in feine Metropole zurückbrachte. Eine zahlreiche Deputation von Geistlichen und Seien war ihm bis Koblenz ent* gegengefahren, wo Weihbischof Fischer Namens de- KleruS, Dompropst Berlage als Sprecher beS Dom­kapitels, Reichsgraf v. Spee als Vertreter beS Adel« Ansprachen an Se. Eminenz richteten. Hier in Köln begrüßten den Oberhirten Oberbürgermeister Becker unb Domkapitular Dumont im Fürstenzimmer beS Bahn­hofs. ,Den Festzug zum Dom begleitete eine unabseh­bare Menschenmenge mit begeisterten Hochrufen.

zu. Er hatte dieselbe in Sonbon bei einem Frennbe seines Vaters kennen gelernt, unb bie Schönheit deS anmuthigen jungen MäbchenS war ihm sogleich aufge­fallen. Sie hatte chrn auch sehr wohl gefallen, indeß nicht so sehr, daß er darüber Gwendoline vergessen hätte. Er hatte die Einladung der Indianerin beson­ders in der Absicht angenommen, um sich der traurige« Gedanken, welche ihn fortwährend belagerten, einiger­maßen zu enffchlagen.

Die Gesellschaft war mithin ziemlich zahlreich. Die schöne Gastgeberin bot Alles auf, um chren Freunden und Bekannten den Aufenthalt in chrem Haufe fo an- genehm als möglich zu machen.

Lord Darkwood machte den Gästen in Begleitung seiner Tochter eine Anstandsvisite. Gwendoline begleitete Re nicht. — Lady Georgina hatte es so arzulegen ge­wußt, daß sie vor diesen Fremden nicht mit thrn Gouvernante erscheinen mußte, deren Schönheit unb feine« Wesen sie selbst weit in Schatten stellte.

Ihr Vater war hiermit um so mehr einverstanden gewesen, als er gewiß war, daß die Gouvernante, wenn er sie in Gesellschaft feinet Tochter vorgestellt haben würbe, jedenfalls die allseitige Aufmerksamkeit