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ich Anderen Vergnügen mache, sonst werde ich noch den schmerzlichen Erinnerungen erliegen, welche in meine« Gehirn Tag und Nacht aussteigen."
Sie warf der Schlafenden einen letzten Blick zu und zog sich dann zurück. ,
„Noya," sagte sie, „ich will memHauS mit Gästen Men, denn die Einsamkeit droht mich zu erdrücken. Ich werde allen meine» Bekannten in London schreiben, die gewiß kommen werden."
„Miffy darf dann nicht vergesien, den Mgen Lord Ronald Chilton einzuladen," sagte Roya lachend; „e8 ist ein sehr liebenswürdiger Mensch und lch möchte ,tz- recht gern öfter« hier sehen."
W Du hast Recht, Roya, und ich siebe ihn tote euren Bruder. Er wird ein rerzender Kavalier sein für meme jungen Damm, welche hier erscheinen «erben
Sie denken stets an andere Leute, Missy, sagte dte Dievnio. .Weßbalb h-ir-K» 1-li»? S»
würdm nur dte Qual der Wahl haben.
Die Stirn Miß NormyS legte sich in Falten.
Ich werde niemals heirathm, Raya. Sprich mir nicht" mehr von Heirathm, ich verbiete es Dir."
„Sie wollen also Lord Chilton nicht heirathm, Misiy," frug die Dienerin trotz des eben an sie er- gangeiten Verbots.
Die Erneuerung
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Deutsches Keich.
Berlin, 16. März.
* Die Militärkommisfio« begann die zweite Lesung. Der Antrag Lieber von sämmtlichm Cm- trumSmitgliedern unterschrieben, liegt nun vor. Er entspricht dem bekannten Standpunkte des CentrumS. ®r will für die nächsten 5 Jahre die Friedenspräsenz an ©erneuten auf 420,031 feststellen (die Einjährigen nicht eingerechnet) und die Unteroffiziere jährlich durch dm Etat feftstellm. Die auf die Fußtrnppm ent- fallende Zahl der Präsenzstärke soll als Durchschnittsstärke gelten, die auf die Kavallerie und die reitende Artillerie entfallmde als Moximalstärke. Der Rest deS Antrages enthält eine gesetzliche Formultrung der zweijährigen Dienstzeit für die nächsten fünf Jahre. Bennigsen will als DurchschnittSpräsmz 462,000 bewilligen, also 30,000 wmiger als die Vorlage verlangt. Er will an den Spezialwaffen 6000 Mann abstreichen. Der Reichskanzler erklärte den Antrag Lieber für unannehmbar, den Antrag Bmuigsen für ungenügend. Die Forderung der Regierung fei dar Minimum, was zur Durchführung der zweijährigen Dienstzeit ohne Schwächung der Heeres nothwendig fei. Sie könne davon nicht abgehen. Die finanziellen Deckungen müßtm sich finden. Die immer wiederholte Ermahnung an die Regierung, sie möge die Kostm und Lasten bedmken, fei nahezu verletzend. Eine Regierung, die das nicht thue, würde ihre Pflicht versäumen. Morgm Fortsetzung.
* Die Kommission des Reichstags zur Berathung der EeutrumSanträge gegen den Haufirhandel verwarf den Paragraphen, der Kolonial« und Manufak- turwaaren, Putzoaaren und Luxusartikel vom Feilbieten im Umherziehen ausschließen wollte.
• Das preußische Abgeordnetenhaus nahm daS neue Landtags- und Kommunalwahlgesetz in 3. Lesung endgültig nach den Beschlüffen der 2. Lesung an. Abg. v. Eynern erklärte Namens der Nationalliberalen, daß sie der Vorlage nicht zustimmm tonnten, da dieselbe daS Prinzip beseitige, daß die Steuerleistung für daS Wahlrecht maßgebend sein soll. Abg. v. Hrydebrandt erklärte die Zustimmung der Konservativen, Abg. Dr. Bachem die der CmtrumS zu dem Gesetz, während Abg. Rickert NammS der Freisinnigen die Vorlage als
— aber von einem Versuche, den einzig zulässigm und wirksamen Ausgleich zu finden, keine Rede! Eine große Verantwortung laden alle Diejenigen auf sich, welche berufen erfcheinen, jenen Ausgleich durch Befragung einer Central-Komitee'S zu schaffen, und dies gleichwohl unterlassen. Die Abrechnung dürfte ihnm hierfür von der Gesammtpartei nicht geschenkt »erben." Ganz einverstanden sagt die ,KSln. BolkSztg.'! Die CentrumSpresse hat unseres Erachtens gegenwärtig nur noch die eine Aufgabe, den Wahlkreis Olpe - Me» schede-ArnSberg den andern Wahlkreisen als böses Exempel hinzustellm. Alle Fehler, welche in einer Wahlangelegenheit gemacht werden können, sind dort so ziemlich gemacht worden. In die Kandidat« n- Frage uns einmischen, lehnen wir nach wie vor ab. Für die Kandidatur Boese können wir nicht vorbehaltlos eintreten, weil es uns unzulässig erscheint, eine Reichstags-Kandidatur für drei Kreise in einem kleinen Komitee von drei Dutzend Männern aufzustellen. Die Kandidatur FuS angel ist eben so wenig ordnungsmäßig zu Stande gekommen, abgesehen von der Schwierigkeit, welche der bekannte Brief FuSangel's geschaffen hat. Eine Reihe angesehener Crntrumsorgane in Rheinland und Westfalen, so die Essener .BolkSztg.', der ,Wests. Merk.', die ,Niederrh. Volksztg.', geben dem Wunsche Ausdruck, Hr. Fußangel möge noch bestimmt erklären, er werde unter den obwaltenden Umständen ein Mandat nicht annehmen. DaS erstgenannte Blatt bemerkt: „Wo die Frage Hie FuSangel — hie Centrum lautet, ist Herr FuSangel dem Centrum dieses Opfer schuldig, und ein solches Opfer würde demselben zur Ehre gereichen." Und an anderer Stelle sagt daS Essener CentrumSorgan: „Unter ben obwaltenden Umständen müßte Herr FuSangel aus Partei-DiSziplin unbedingt zurücktreten; ein solches Opfer bet Selbstverleugnung im Partei-Jnteresie hat doch unsere wackere CentrmnS- fraktion um jedes einzelne Mitglied der Partei verdient." Die .Riederrh. VolkSzeitg.' schreibt: „Wir können beklagen, daß die Dinge soweit sich zugespitzt haben; jetzt muß, falls Einigkeit, Autorität und Disziplin hochgehalten werden sollen, Einer zurück, Md das kann doch nur Hr. FuSMgel fein!" Gewiß würde, wie die Sache jetzt liegt, der Rücktritt des Herrn FuSangel den ärgerlichen Zwiespalt am besten auS der Welt schaffen. Aber wir verkennen nicht, daß der Verzicht auf die Kandidatur deS Hrn. FuSangel sehr erschwert worden ist durch die persönlichen Angriffe, welche ein im Jntereffe der Kandidatur Boese geschriebenes Flugblatt gegen ihn gerichtet hat, Angriffe, welche FuSangel zum guten Theil als haltlos und nn- gerecht zu erweisen in der Lage war. Durchschlagend müßte trotzdem die Rücksicht auf die CentmmS-Fraktiou sein. Aber wie eS scheint, ist weder Hr. FuSMgel selbst noch ein großer Theil der Wählerschaft geneigt, diese Rückfick t zu nehmen, und so Wirb wohl am 20. März ber Stimmzettel entscheiden. Was bann weiter kommt, muß zunächst dahingestellt bleiben.
* Grevenbrück, 15. März. Gestern Nachmittag fanb hier im Schützenzelte eine Wähler-Versammlung statt, in»ber bie Abg. Dr. Lieb er unb Hitze sprachm. Ersterer erklärte, obschon er bie vielfachen Berbienste
bie Korrektur eines Wahlgesetzes abfällig kritifirte. Abg. Frhr. v. Zedlitz (ftks.) befürwortete nochmals seine bereits zur 2. Lesung gestellten VerbesserungSanttäge, welche Minister Graf Eulenburg nur soweit unterstützte, als sie auf Wiederherstellung der ursprünglichen Regierungsvorlage gerichtet waren. Morgen: Petitionen rc.
* Der Reichstag berieth heute den Handelsvertrag mit Columbien, an dem Abg. Bar (frs.) einige Ausstellungen int Einzelnen zu machen halte. Abg. v. ©taubt; sprach im Allgemeinen über die Art, in welcher heute Handelsverträge abgeschlossen würden unb erklärte, daß bie Konservativen gegen einen Handelsvertrag mit Rußland stimmen würden. Staatssekretär Frhr. v. Marschall sagte, daß, wenn auf der einen Seile erklärt werde, die Konservativen lehnen den Handelsvertrag mit Rußland unter allen Umsiänden ab, unb auf ber anbern Seite, man nehme jeben Handelsvertrag mit Rußlanb an, dies bie Interessen des Reiches bei ben noch schwebenbeu Berhanblungen nur schäbigen könne. Auf Antrag bes Abg. Oechelhäuser würbe schließlich ber Vertrag mit Kolumbien an eine 14er Kommission zur Borberathung verwiesen. Dann würbe in bie 1. Lesung der Novelle zum Unterstützungswohnsitz - Gesetz eingetreten. Abg. Hahn (kons.) erklärte bie Zustimmung seiner Freunde zu ber Vorlage, obgleich dieselbe nicht alle Wünsche derselben erfülle; nölhig fei namentlich auch eine Einschränkung der Freizügigkeit unter Aufrechterhaltung deS Prinzips. Abg. Stolle (Soz.) führte ans, die Vorlage werde nur eine Mehrbelastung für arme Industrie-Dörfer zur Folge haben; man solle dar gesummte Armenwesen centtalifiren. Abg. Gump (Rp.) sympathifirte mit diesen Vorlagen; jetzt handle eS sich aber um die Beseitigung von Unbilligkeiten der bestehen- ben Regelung ber Armenversorgung. Er sowohl wie Abg. v. Schalscha (Centr.) traten ber Behauptung entgegen, baß ber länbliche Arbeiter schlechter gestellt sei, Wie der Industrie-Arbetter. Abg. Osann sprach Namens der Nationalliberalen gegen eine prinzipielle Abänderung deS FreizügigkeitS-GesetzeS und fand die vorgeschlagene Herabsetzung der Altersgrenze (auf 18 Jahre), von da ab bie zweijährige Abwesenheit von einem Orte ben Verlust beS Unterstützungswohnsitzes daselbst zur Folge haben soll, für zu weit gehend. Schließlich würbe bie Weiterberathung auf morgen vertagt.
* Zur Freude der Gegner und zum Verdruß aller P 'rteigenossen gehen bie Dinge im Wahlkreise Olpe- Meschede Arnsberg ihren Gang. Der von vornherein gründlich verfahrene Karren wird aller Voraussicht nach nicht mehr ins Geleise gebracht werden; der einzig mögliche Weg dazu ist nicht beschritten worben. I» Übereinstimmung mit der Auffassung ber .Köln. Volksztg.' schreibt daS Aachener.Echo ber Gegenwart': „Wir vermisien auch heute noch jegliche Anstrengung von hüben unb drüben, um eine regelrechte Entscheidung der Angelegenheit durch Berufung eines Central» Wahlkomitee'S auS den drei Kreisen in die Wege zu leiten. Man hält bald hier, bald da Berathungen und Versammlungen ab, man bildet allerlei örtliche Komitee, man redet und raifonnirt, man schreibt Flugblätter unb Artikel, man klagt an unb verleumdet, man gießt an allen Ecken unb Enden Oel iuS Feuer — auf Seiten ihrer Besucherin Waren für sie unerträglich gewesen. Lange Zeit lag Miß Ronuy in ihrem Sissel in tiefe Gedanken versunken.
Gegen 11 Uhr klingelte sie, worauf Noya erschien. „Wie geht'S mit ber Kranken?" fragte Sie.
„Sie schläft ganz ruhig," war bie Antwort. „Der Arzt ist heute Abend bagetoefen, er finbet sie auf dem Wege ber Genesung begriffen "
„Ich will einen Augenblick zu ihr gehen, während Du meine Nacht-Toilette zurecht machst," sagte sie dann.
Sie öffnete eine BerbindungSthür, schritt dann sachie auf daS Bett der Schlafenden zu unb betrachtete sie voll Bewunberung einige Zeit. „Wie schön sie ist!" murmelte sie. „Welch' reine GesichtSzüge unb welche • Ruhe lagert auf ihrem fast engelhaften Gesichte!"
Ein unerklärliches Gefühl bemächtigte sich ihrer unb sie kniete neben dem Bette ber Schlafenden nieder, während sie ihre Züge bis in'S Einzelne hinein zu ftubiren schien. Dann umarmte sie dieselbe mit unaussprechlicher Zärtlichkeit.
„O, ich werde sie so lange hier behalten, als möglich," murmelte sie. „ÜebrigenS werde ich meine Lebens- weife ändern; ich will mich mit Freunden und Bekannten umgeben, Einladungen ergehen losten, mutz ; die Vergangenheit unb die Gegenwart vergesien, uibem !
Verbannt.
Rach dem Englischen von I. RüttgerS.
(32. Fortsetzung.)
18.
Nachdem Miß Romey wieder genug ihre Geistesgegenwart gewonnen hatte, um Lady Georgina aufsuchen zu können, ging sie zu ihr und bat sie, bis zur Mittagstafel eine Spazierfahrt zu Wagen mit ihr zu machen.
Nach ihrer Rückkehr durchstreifte sie dann mit ihr den Park und chre Gärten, zeigte ihr ihre Treibhäuser, in welchen die seltmsten Blumen wuchsm, führte sie in ihre Gemälbe-Sallerie unb zeigte ihr endlich alle Merk»-. Würdigkeiten, welche ihr Schloß bot.
Die Tochter Loid Darkwood'S war begreiflicher- weise ob bet Liebenswürdigkeit ihrer Mrthin entzückt. Nach dem Diner setzte sich M>ß Norney an'S Piano, blätterte mit Georgina in verschiedenen Albums herum, plauderte mit ihr unb so verstrich beim der Nachmittag und der Abend in der angenehmsten Weise, das heißi wmiasienS für Lady Georgina.
Miß Norney fühlte sich wirklich erleichtert, als sie sich gegen 10 Uhr Abends zurückziehen konnte, denn das einfältige Wesen und der Mangel an allem Takt
20. Jahrgang
Samstag, den 18. März 1893