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Freitag, dm 17. März 1893. 20. Jahrgang
uldacrMZkltling
* Des Panamaproresses Wetter Weil.
Im ersten Thelle deS Panamaprozesses, der mit der BerurtheUung einer Anzahl von Männern in glänzender Lebensstellung auf der Höhe der Pariser Gesellschaft endete, hat es sich der Hauptsache nach um den Mißbrauch gehandelt, welchen die elften Berwal- tungSräthe der Panamagesellschast mit den ihnen anvertrauten Kapitalien zum Schaden der Aktionäre getrieben haben. Die politische Seite der ganzen ungeheuerlichen Geschichte spielt da wohl auch eine sensationelle Rolle, aber sie erschien nicht an erster Stelle. Ganz anders verhält es sich mit dem zweiten Theile dieses Monstreprozeffes, der am vergangenen Montag vor der Pariser Jury seinen Anfang nahm und der so recht eigentlich em politischer Prozeß im größten Styl ist, da eS sich hier um die Bestechung von Ministern und Parlamentariern handelt.
ES ist daS Besondere solcher Verhandlungen, daß außer den formell Angeklagten, den Bestechern und den Bestochenen immer noch eine ganze Reihe Anderer vor dem Forum der öffentlichen Meinung als Angeklagte erscheinen, und gleich der erste Tag deS zweiten Panamaprozesses hat in dieser Beziehung selbst die äußersten Erwartungen weit übertroffen. Einige der hervorragendsten Politiker, der dritten Republik F r e y- einet, Floquet und Clemenceau sind von Charles Lesseps als tief verwickelt in die große Kor- ruptionSaffaire dargestellt worden, und eS hat einen ungeheuren Eindruck gemacht, als der Sohn deS Erbauer- deS Suezkanals alle Rücksichten fallen lastend, sich zum Ankläger der Männer machte, die so lange eine hervorragende Rolle in der französischen Republik spielten und auch ost als Kandidaten für den Präsi- dentschaftsposten genannt wurden. Vergebens suchte der Präsident des Gerichtshofes die Aussagen des An- gesagten LessepS in Bezug auf die Männer welche vor Kurzem noch maßgebenden Einfluß in der Regierung und in der Kammer besaßen, zu hindern und einzuschränken. Lest« PS verwahrte sich dagegen nv fulminanter Weise, indem er sagte: „Als ich mit Handschellen zum Untersuchungsrichter geführt wurde, glaubte ich, daß solche RegierungSprakttken (er meinte die Pression zur Erlegung von Geldern für geheime Fond« Seitens der französischen Regierung) nicht mehr vorkommen werden. ES scheint aber dies nicht der Fall zu sein, daSie jetzt nicht wollen, daß ich davon spreche."
Es ist ein grauenvolles Bild, das da vor der Pariser Jury entrollt wird, eine Entwürdigung der Gewalthaber von gestern, wie sie noch nie im poli- tischen Leben vorgekommen ist. AlS die Regierung der Republik zuerst an die Panamagesellschaft herantrat, um Geld für die geheimen Fonds zu erlangen, hielt Charles LestepS die» für einen Schwindel der betreffenden Mittelsperson, und er rieth seinem Senvsten Fontane, den betreffenden Herrn die Treppe hinunter zu werfen. Aber eS war kein Schwindel, wenigstens nicht im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Die Minister brauchten Geld und Freycinet, der Kriegs- minifter, ließ sich so weit herab, eine Pression auf die
Verbannt.
Rach dem Englischen von I. RüttgerS.
(31. Fortsetzung.)
„Endlich habe ich die Frau gefunden, welche mir paßt," sagte er auf dem Heimwege zu sich. „Sie steht mir wohl an, daß ich sie beim ersten Anblicke geliebt habe, ich, der ich glaubte, daß mein Herz todl sei. Nun, sie vereinigt auch alle wünfchenswerthen Eigenschaften in llch: Schönheit, Geburt, Vermögen und Jugend! Offenbar ist sie wohl kaum mehr alS sechs- oder siebenundzwanzig Jahre ult. Nun, es steht fest, i ich werde sie heirarhen und sie soll die Marquise von . Darkwood werben."
Während der MarquiS sich in dieser Weise die j schönsten ZukunftSträume vo zauberte, stellte M«ß Notmy Betrachtungen ganz anderer Art an.
„Ist es ein Traum?" sagte sie bei sich selbst. „Er ! hier? . . . Er!"
Lady Georgina, welcher es ausfiel, daß ihre freund- • liche Gastgeberin so sehr in Betrachtung versunken sei, ‘ frug sie, öd sie die Gouvernante nicht einmal besuchen < könne.
„Noch nicht," antwortete Miß Norny „tote wollen ein wenig mit einander plaudern, wmn's Ihnen recht - ist." 1
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Panamagesellschaft zu üben, um einen Skandal zwischen Reinach und Herz zu vermeiden, weil durch einen solchen Skandal die Republik gefährdet werden konnte. Ist das nicht wunderbar? ES klingt wie ein Scherz, aber es ist bitterer Ernst, daß der Zwiespalt zwischen zwei Schwindlern von Profession die jetzige Staats- forrn in Frankreich in Frage stellen konnte nach der Meinung der Minister selbst. In mancher Beziehung noch drastischer als diese Enthüllung, war die kurze Antwort, welche Charles Lesseps auf die Frage des Präsidenten: „Warum haben Sir Reinach nahezu fünf Millionen gegeben?" ertheilte. „Ich gab ihm," sagte er, „viel weniger, als er verlangte, und auch nur dem Drängen Freycinet'S, Clemenceau's und Floquet's folgend."
Alle dies: einflußreichsten Männer der Republik brauchten Geld zur Erhaltung der Republik und nahmen es dort, wo eS am leichtesten zu finden ist, bei den großen Gesellschaften. Aber sie nahmen es nicht persönlich, und darum sitzen sie nicht auf der Anklagebank. Der jetzige Sx-Minister, damaliger wirklicher Minister Bai haut aber ließ sich eine Anzahlung von 375,000 Francs auf eine Million zur Durch- briugung einer Panama-Emission in der Kammer selbst geben, und dafür sitzt er unter den Angeklagten. Man kann nicht leugnen, daß eS, obgleich nicht das Gepräge einer gesunden Moral, so doch daS Gepräge der Aufrichtigkeit trägt, wenn CharlesLesfepS sagt: „Solange wir den geraden Weg gingen, hatten wir schwer zu kämpfen. Wir wollten in spießbürgerlicher Weise ganz einfach den Panamakanal bauen, ohne Syndikat, ohne Publizität. Da sich daS aber undurchführbar erwies, mußten wir uns einem Zustande der Sitten, d. h. der Käuflichkeit und der Bestechung unbequemen, der, wenn er auch von der Regierung nicht begründet, doch durch sie sehr gesördert wurde."
Ein solches vernichtendes Urtheil spricht dieser An- geklagte und Berur theilte über die Männer anS, welche das Schicksal Frankreichs in der Hand hatten. Und so viel wir von diesen Äußerungen auch abziehen mögen, Weil sie den Zweck haben, wenigstens einen Theil der eigenen Schuld auf Andere abzuwälzen, es bleibt immer noch nach der ganzen Sachlage genug übrig, um dar Geschick deS französischen Volkes, das in solche Hände fiel, bejammernSwerth, aber auch wohlverdient zu finden.
Und wir stehen erst am Anfänge dieses merkwürdigen und veihängnißvollen ProzeffeS, in welch-m eS sich nicht um die Korruption einzelner Parlamentarier, sondern um ein von Trägern der höchsten Gewalt ausgehendes, umfassender KorruptionSsystem handelt. Wenn schon der erste Theil de« Panama- ProzeffeS als die Einleitung zu einet großen Umwälzung in Frankreich aufgefaßt wurde, fo ist drefer zweite Theil als die allenthalben vernehmbare Ankündigung deS Eintretens der Kataftrovhe abzusehen.
Mcktritt deS Reichskanzlers steht nicht in Frage: so wird der ,Schles. Ztg? von einem „mit den maßgebenden Kreisen Fühlung unterhaltenden Berliner Korrespondenten" geschrieben.
* Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf über die Abänderung deS Verfahrens des Oberverwaltungsgerichts in Steuersachen zugegangen. Der Entwurf bezweckt, eine raschere Erledigung der Beschwerden in Steucrsachen. Bis Ende vorigen Jahres waren 3834 solcher Beschwerden beim Oberverwaltungsgericht anhängig geworden. Bis gegen Ende Februar diesen Jahres ist diese Zahl auf 7210 gestiegen und ein weiteres Anwachsen ist noch zu erwarten. Durch die bis Ende 1892 ergangenen Entscheidungen sind 44% der Beschwerden, welche sie betrafen für begründet erachtet und 33% der Sachen zur anderweiten Entscheidung in die Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Die erstrebte raschere Erledigung soll dadurch herbeigeführt werden, daß zur Fassung gültiger Beschlüsse der Kammern künftig nur die Teilnahme von wenigstens drei statt wie bisher fünf Richtern erforderlich sein soll.
* Der Reichstag setzte die zweite Beratbnng deS EtctS beim Etat des Reichsschatzamts fort. Abg. Graf Mirbach (kons.) wieS die Behauptung zurück, daß der Bimetallismus nur im Jntereffe der Verminderung der Verschuldung der Großgrundbesitzer angestrebt Werbe unb hatte darüber eine längere Auseinandersetzung mit dem Abg. Büsing, der sich auf eine Äußerung deS Grafen Mftbach berief, wonach dieser nur Diejenigen schützen wolle, die bei der Landschaft seien. Beim Etat deS Bankwesens stellte Graf Mirbach fest, daß durch die Nichtverstaatlichung der Reichsbank dem Reiche feit 2 Jahren 8% Millionen entgangen seien. Beim Etat für die Vervollständigung deS deutschen Eisenbahn-NetzeS im Interesse der LandeSvertheidigung beantragten die badischen Abgeordnteen Lender und Hug (Centr.), wonach im Verkehrs- ober LandeSvertheibigungS-Jnteresse deS Reiches erbaute einzelstaatliche Bahnen ba8 Reich nicht nur Bau-, sondern event. (bei Betriebs-D-fizitS) auchBetriebS-Zuschüffe leisten soll. Staatssekretär Frhr. v. Maltzahn und Präsident deS ReichSeisenbahn-AmteL, Schulz, sprachen gegen ben Antrag. Gewähre das Reich Betriebs-Zuschüsse, so müsse eS auch bte Tracirung in höherem Maße, also unter Zurücksetzung lokaler Inter- • essen, beeinflussen, sowie an der Betriebs-Kontrolle tbeil- nehmen. Der babische Gesanbte erklärte, baß bas Reich bei Bemessung beSBauzrtschufseS Baden gegenüber durch- aus loyal verfahren sei. Die Resolution wurde abge- lehnt. Die restlichen Einzel-EtatS, sowie daS Etats- Gesetz wurden debatteloS angenommen, ebenso in 3. Lesung die Novelle zum Postdampfer - Gesetze unb in 2 Lesung bte Gesetzentwürfe, bett, bie Begründung bet Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten unb bett, bie Abänderung der Maß- und Gewichts - Ordnung. Morgen: Handelsvertrag mit Columbien, Novelle znm UnterstützungSwohnsitz-Sesetz.
* Rach den dem BunbeStathe zugegangenen Entwurf einer Berorbnung behufs Regelung bet Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Ar» Gliedern, obwohl sie erwartet hatte, ber selben zu »et* "ehmAso Kapitän Tollis," wieberholte sie mit seltsam bewegter Stimme. „Wessen Erbschaft hat er ange- treten ? Diejenige seines alten Onkels, beS LorbS, mcht wahr?" , . ,
„Sie kennen also bie Familie?" rief Georgina auS.
„ES ist schon lange Jahre her, baß ich von einem Lorb Darkwoob hörte, welcher bamalS indeß bereits bei Jahren war." _
„Er ist bereits zehn Jahre tobt," antwortete Georgina, „eS war ein strenger, hochmüthiaer Mann • • Unb wer hat feine Güter und Tttel geerbt? frug" Miß Ronny mit kaum vernehmbarer Stimme.
„Sein Sohn Edward." , f
Und Ihr Vater ist ihm m der Erbschaft gefolgt
« . . . Sagen Sie mir, Lat y Georgina, war dieser Edward Darkwood verheirathet? Wann unb wie starb er?
Der verstorbene Lord Darkwood war Nicht vet- heirathet," antwortete Georgina. „Er hat zehn Iahte lang hier gelebt, bei seinen Standesgeiwfi-n sowohl als ' auch bei seiner Dienerschaft außerordentlich beliebt. Mem Batet bat mit gesagt, daß sie m den Jugendiahren mit einander in sehr enger unb reger Verbindung gestanden haben, daß sie aber sväter Todfeinde geworden 1 feien. Lord Darkwood war ein großer Liebhaber bet
Aeutsq« Keich.
Berlin, 15. März.
* Nur mit einer Reichstagsanflösung ist im Falle eines Scheiterns ber Militär Vorlage zu rechnen, ber
„Seit meinem Eintreffen auf Beecymont," hob bie Snbianerin bann an, „habe ich schon Biele nähet kennen gelernt; ich bebaute es lebhaft, daß wir unS nicht früher nähet gekommen sind. Send Sie einziges Kind, meine Liebe?"
„Ja ich habe weder Bruder noch Schwester, und wenn Batet nicht zum zweiten Male heirathet, werde ich eines Tages Marquise von Dunholm sein."
„Dann liegt eine schöne Zukunft vor Ihren Augen, Lady Georgina. Jft eS schon lange Zeit her, daß Ihr Batet in den Besitz ber Güter und Titel be8 verstorbenen Lorb Tarkwood gelangt ist?"
„Seit etwa acht Monaten "
Miß Norm y schwieg, es war, als ob sie sich genirt Hütt'', das Verhör gewissermaßen sortzufitzen. Sie hob indeß wieder an:
„Wie hieß Ihr Vater, ehe er Lord Darkwood wurde? ©ie müssen mit meine Neugierde verzeihen, aber ich habe fo lange Jahre in Indien gelebt, und ich kenne die besseren englischen Familren so wenig."
„Oh, ich will Ihnen Alles m trheilen", antwortete Salti Georgina, bte entzückt war, eine Gelegenbeit zu finben, von sich und ihrer Familie sprechen zu könnet!. „Meni Vater Heß früher Tolles und war Kapitän in ber Armee . . ." m „
Bei diesem Namen erzitterte Miß Norney an allen