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JV 62 Donnerstag, den 16. März 1893. 20. Jahrgang

FilldaerWZcitung

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Deutsches Keich.

Berlin, 14. März.

* Die Versuche, dieHandwerker in einer Mittel« staudspartei als eine politische Macht zu organisiren, scheinen durch das gleiche Vorgehen landwirth- schaftlicher Kreise wieder belebt worden zu sein. Eine in Berlin am Freitag abgehaltene Handwerker- Versammlung, in welcher die bekannten Forderungen der Handwerker vorgebracht wurden, hat die ständige Deputation des Jnnungsausschusses, sowie den Vor­stand des Centralausschusses der vereinigten JnnnngS- verbände Deutschlands beauftragt, die Begründung einer solchen Partei, welche nur Handwerker-Kandidaten in das Parlament schickt, in die Hand zu nehmen. Wir halten alle diese Versuche, sagt mit Recht die ,Köln. Vztg.', für aussichtslos und gefährlich. Das Parlament ist eben keine Vertretung der verschiedenen wirthschaftlichen Jnteressen-Gruppen, sondern eine poli­tische Körperschaft, die freilich auch die verschiedenen wirthschaftlichen Interessen wahrzunehmen hat. Daß Seitens des Centrums und der Konservativen die Interessen des Handwerks stets mit Entschiedenheit vertreten worden sind, werden die Handwerker wohl nicht leugnen. Es ist keine unter allen in der Ver­sammlung aufgestellten Forderungen, denen nicht diese beiden Parteien bereits in einer oder der andern Form näher getreten wären. Wir können das Handwerk nur nachdrücklich davor warnen, sich auf Bahnen drängen zu lassen, die unmöglich zum Ziele führen können.

* Der russische Handelsvertrag kommt jetzt immer näher in Sicht. Dem russischen Botschafter Grafen Schuwalow sind bereits die Vorschläge der Reichsregierung übergeben, und es ist kein Zweifel, daß die deutsche Regierung im Falle russischer „Gegen­leistungen" geneigt ist, in die Herabsetzung der Getreidezölle auf 3x/a Mark zu bewilligen. Man kann übrigens nicht erwarten, daß Rußland erhebliche Zugeständnisie macht. Verschiedenen seiner Industriellen gegenüber hat es sich im Sinne des Hochschutzzolles schon auf Jahre gebunden, so daß man wirklich nicht erwarten kann, es werde der deutschen Regierung ge« lingen, etwas Wesentliches herauSzuschlagen. Jedenfalls wird unsere Landwirthschaft unter allen Umständen dabei der geschädigte Theil sein. Hat Rußland wieder unter einer Hungersnoth zu leiden, so braucht es natürlich sein Getreide selbst; wenn es aber eine recht gute Ernte erzielt, so muß eS unter allen Um­ständen sein Getreide losschlagen und dann auch die 5 Mark-Barriere nehmen. Die Folge der Herabsetzung unserer Zölle ist also auch nebenbei ein erheblicher Einnahme-Ausfall der Reichskasse. Die Mehr­heit der deutschen Nation versteht unter diesen Um­ständen den Sinn der Bertragkverhandlungen nicht und erwartet kein Gutes davon. Rußland ist für unsere Landwirthschaft der gefährlichste Gegner auf dem Getreidemarkte. Bei guten Ernten kann es so viel Roggen ausführen, daß es den ganzen Bedarf Deutschlands noch nebenbei decken könnte. Darum be­zeichnete ein vrelgenannteS Hamburger Blatt den Ab-

Verbanut.

Nach dem Englischen von I. RüttgerS.

(30. Fortsetzung.)

Ihre Anwesenheit in dm Ruinen war nicht von langer Dauer; indessen waren Beide von dem Ergeb­nisse vollauf befriedigt, denn als sie sich von einanoer verabschiedeten, um sich zur Ruhe zu begeben, klopfte der Marquis dem Diener vertraulich auf die Schulter und sagte mit leiser Stimme zu ihm:

„Pietro, Du hast viel für mich gethan, aber Du hast mir niemals einen größeren Dienst erwiesen als heute Nacht . . . Rechne auf meine Erkenntlichkeit."

Unterwürfig verneigte sich der Maltefer, die Aus­drücke des Triumphes belebten feine Züge und er murmelte vor sich hin:

„Nehmen Sie sich in Acht, Mylord, wenn wir eines TageS Abrechnung miteinander halten, werde ich höchst wahrscheinlich nicht Derjmige sein, welcher die Zeche bezahlt."

Kehren wir jetzt nach Beechmont zurück, zur Woh­nung der Indianerin. Nachdem der Diener Lord Darkwood's sich entfernt hatte, um diesem die Nachricht von dem Unfälle Gwmdolinm'S zu überbringen, war Miß Norney auf Georgina zugetteten und hatte zu ihr gesagt:

schluß eines Handelsvertrages mit Rußland als „einen fast vernichtenden Schlag für unsere ostelbische Land­wirthschaft."

* Das Abgeordnetenhaus setzte die zweite Be- rathung des neuen Landtags- und Kommunalwahl­gesetzes fort. § 2 der Vorlage bestimmt. Wo direkte Gemeindesteuer nicht erhoben werden, treten zum Zweck der Klaffeubildung an deren Stelle Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuern. Die Kommission beantragte Ein­führung des folgenden § 2a: Auch in Gemeinden, welche in mehrere Wahlbezirke gecheckt find, wird für jeden Bezirk eine besondere Abtheilungsliste gebildet. § 2 wurde unter Ablehnung zweier Verdksserungsan- träge der Abgg. Frbrn. v. Zedlitz und Weber-Halber­stadt angenommen. Gegen § 2 a wurde angeführt einer­seits, daß derselbe den Sozialdemokraten den Einzug in den Landtag ermöglichen werde, andererseits, daß man mit diesem Paragraphen die wunderbarste Wahl­geometrie erleben werde. Ministerpräsident Graf von Eulenburg trat für § 2 a ein, der, obschon nicht in der ursprünglichen Vorlage enthalten, doch dem Sinne derselben entspreche. Daß das ganze Gesetz nur ein Provisorium sein werde, wie Frhr. v. Hüne meinte, glaubt der Ministerpräsident nicht. § 2a wurdeschUeß- lich mit 182 gegen 142 Stimmen angenommen. § 3 wurde mit einem Amendement des Abg. Frhr. v. Zed­litz, der Rest der Vorlage nach den KommissionSvor- schlägen angenommen, nachdem ein Antrag Berlins auf Einführung der geheimen Abstimmung bei Landtags­wahlen abgelehnt worden. Donnerstag: 3. Lesung des Wahlgesetzes.

* Im Reichstage erklärte heute Abg. Ahlwardt (Antisemit) vor Eintritt in die Tagesordnung, daß er auf die Angriffe, die am Sonnabend in seiner Ab­wesenheit gegen ihn erhoben worden seien, bei der drit­ten Etatsberathung antworten werde, da dies jetzt nicht zulässig sei. Abg. Dr. HermeS (frs) rief: Das wird ja ein welterschütterndes Ereigniß werden. Präsident v. Levetzow erklärte dm Zwischmruf für ungehörig. Dann wurde die Etatsberathung beim Etat der Zölle und Berbranchssteuern fortgesetzt. Abgg. Scipio (nl.) und Goldschmidt (frs.) beantragten Einsetzung einer AuSkunftS-Behörde in Zollsachen. Staatssekretär Frhr. v.Maltzahn wandte gegen den Antrag ein, daß er eine Delegation bundeSräthlicher Befugnisse bedeuten würde, sagte aber sorgfältige Erwägung desselben zu. Der Antrag wurde schließlich mit kleiner Mehrheit ange- nommen. Auf bezügliche Anfrage theilte der Staats­sekretär mit, daß eine Vorlage, durch welche der viel angefochtene BundesrathS-Beschluß, betr. dm Petroleum- faß-Zoll, aufgehoben werden foll, dem BundeSrathe vorliege; ferner daß eine Vorlage in Vorbereitung sei, welche einige kleine Aenderungen des Zolltarifs, darunter auch der Position Baumwollsamen-Oel, bezwecke. Der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern, sowie die Stem­pel-Abgaben wurden genehmigt Beim Etat deS Reichs­schatzamts entwickelte sich eine Währungs-Debatte. Abg. Menbach (Rp) trat im Interesse unseres Silber-Berg- baues, Abgg. Graf Mirbach (kons.), v. Kardorff (Rp.) und Dr. v. Frege (kons.) im Interesse der vaterlänor-

„Jch bin Miß Norney und biete ^Jhnen meine Gastfreundschaft an."

„Und ich bin Lady Georgina, Tochter Lord Dark- wood'S" erwiderte das junge Mädchen, „und Miß Myner ist meine Gouvernante."

Georgina begleitete also Miß Norney in deren Wohnung, während Gwendoline, die noch immer ohn­mächtig war, zuerst auf einem Kanapee niedergelegt und dann in das Zimmer der Schloßbesitzerin gebracht wurde. Die Tochter des Marquis wurde von Miß Norney in einen eleganten Salon eingeführt, wo sie diefelbe einluo, sich auSzuruhen, während sie selbst sich von dem Befinden der Verwundeten überzeugen gehen würde.

Georgina sah der Indianerin nach, bis sie das Zimmer verlassen hatte.

„Sie ist wirklich schön", sagte sie sich, und macht nicht den Eindruck, als ob sie mir gefährlich sein werde, wofern sie meine Stiefmutter würde; übrigens ist mein Vater zu häßlich, zu wenig liebmSwürdig, als daß daran zu denken wäre, daß sie jemals eine Ver­bindung eingehen mürben."

Miß Norney war wirklich schön zu nmnen. Es war eine reizende Brünette mit mattem GesichtSauS- drucke; ihre großen tieffchwarzen Äugen, ihr üppiger Haarwuchs, ihre korallenrothen Lippen, ein schlanker,

schen Produckion vornehmlich der landwirthschaftlichen, für die Doppelwährung ein und forderten deren Ein­führung et)ent. auchohne En gland. Für die Aufrecht­erhaltung der Goldwährung sprachen Abg Büsing (nl.) und Dr. Bamberger (frs.), welche in der Doppelwäh­rung eine Währungs-Verschlechterung erblickten. Kapitel Staatssekretär wird bewilligt. Weiterberathung morgen.

» Breslau, 11. März. Der schönen Ansprache, welche Kardinal Kopp gestern im Dome nach seiikem festlichen Einzüge hielt, entnehmen wir Folgendes:

„Geliebte Diözesanen! Noch ganz erfüllt von den über­wältigenden Eindrücken, welche das Centrum der katholischen Christenheit auf jeden gläubigen Katholiken ausübt, am Throne des Oberhauptes der Kirche Zeuge von den herrlichsten Kund­gebungen der katholischen Welt, mächtiger Fürsten und aller Nationen; noch umrauscht von den Wogen der religiösen Be­geisterung der Tausende, die sich in der Huldigung des Jubel­greises, ihres gemeinsamen Vaters, ablösten, — trete ich heute Morgen unter euch. Seinen Dank soll ich euch daher zunächst verkündigen für die Beweife euerer Liebe und Anhänglichkeit, für die Größe euerer Freigebigkeit gegen ihn und die Bedürf- niffe der Kirche, seine Freude über die herrlichen Kundgebungen euerer Freude an seinem Jubeltage und seinen Segen zur Be­lohnung wie zur Stärkung euerer Glaubenstreue. Mit seinem Danke muß ich jedoch auch den meinigen verbinden. Aus der Fülle meines Herzens danke ich euch für diese Zeugnisse, welche ihr von von euerer Treue und Ergebenheit gegen den hl. Vater von Neuem abgelegt habt. Geschmückt mit einer neuen kirchlichen Würde trete ich heute wieder unter euch. Mit innigem Danke erhebe ich zunächst meine Blicke zum Himmel und spreche mit euch: Ja, o Herr, du hast mich ohne meine Verdienste in dieses Ehrengewand gekleidet, dir, deinem hl. Namen allein sei die Ehre! Sodann lenke ich mit euch die dankbaren Blicke aus den hl Vater. Durch die Erhebung zweier Bischöse eueres Landes zur höchsten kirchlichen Würde wollte er seine Hochachtung gegen euch zu erkennen geben und die Treue und Standhaftigkeit deS katholischen Volkes belohnen. So sprach er sich wiederholt gegen uns aus, und wahre Befriedigung und herzliche Freude leuchtete aus feinen geistvollen und milden Augen, so oft er von euch sprach. Ihr seid es also, euere Treue und Standhaftigkeit sind es, die der hl. Vater in uns gekrönt hat. Aber noch eine andere That- sache erhöhte feine Freude über unsere Ernennung. Als der Ab­gesandte unseres Kaisers vor ihm stand, um ihm die kaiserlichen Glückwünsche zu überbringen, da war der hl. Vater tief gerührt von diesem Beweise der Hochachtung, welche der edele, erhabene Monarch ihm, dem Oberhaupte der katholischen Christenheit, er­weise, und er sprach die zuversichtliche Hoffnung aus, daß diese kaiserliche Kundgebung von den Katholiken des Deutschen Reiches nach Gebühr gewürdigt und dazu beitragen werde, die Ehrfurcht und Treue zu vermehren, welche die Unterthanen mit den Herr- fchern verbinden fallen. Jnsbefondere erblickte der hl. Vater darin auch einen Beweis der hohen Rücksicht, welche Se. Majestät der Kaiser für die Angelegenheiten feiner katholischen Unter- thanen hege, wie er selbst wiederholt erfahren habe. Eine solche Angelegenheit, welche die Sorge unseres erhabenen Monarchen beschäftigt hat, ist auch unfere Ernennung zu dieser hohen Würde, und der hl. Vater erklärte mit Recht diefelbe als ein glückliches Zeichen der guten Beziehungen zwischen den höchsten Spitzen von Kirche und Staat, wie von der gerechten Fürsorge Sr. Majestät für seine katholischen Unterthanen. Auch nach dieser hohen Stelle, geliebte Diözesanen, wollen wir also heute unsere dankbaren Blicke richten. So tröstlich und erhebend aber auch alle diese Thatsachen sind, noch viel mehr Trost und Erhebung gewährt mir der Blick auf euch. Schon die Kundgebungen euerer Theil- nahme, die ihr mir in die Ferne nachgesandt habt, haben mich tief bewegt, und der heutige Empfang läßt keine Faser meines Herzens unberührt. Als ich vor fünf Jahren zum ersten Male in euere Mitte trat, wandte ich meine Blicke angesichts der Größe der Aufgabe voll banger Besorgniß zum Himmel und fragte mich, ob ich es wohl können, ob meine schwache Kraft der großen Aufgabe entsprechen werde. Als ich aber dann meine Blicke auf euch richtete, rief ich vertrauensvoll euch zu: Ich

anmüthiger Wuchs, — alles dies vereinigte sich, um aus ihr eine reizende Schönheit zu machen.

Die Besitzerin von Beechmont fand die Gouver­nante in vollständig bewußtlosem Zustand und bleich wie eine Todte. Raya, eine Kammerfrau Miß Normy, hatte die Gouvernante entkleidet und sie dann zu Bette gebracht.

„Seien Sie ohne Sorgen, Miß", sagte sie zu ihrer Herrin, „sie ist nicht tobt. Warten Sie, ich will sie wieder zum Bewußtsein bringen."

Die alte Dienerin holte ei- kleines Fläschchen, mit dessen Inhalt sie das Gesicht Gwendolinens wusch und dann insbesondere ihre Lippen benetzte. —

Die Wirkung erfolgte bald; ein Seufzer entwand sich der Brust der Verwundeten, und sie fchlng die ^„Sprechen Sie nicht", sagte Miß Rorncy, „Sie befinden sich auf Schloß Beechmont deffm Besitzmn ich bin. Naya, untersuchen sie den Zustand Miß ^Die Dienerin machte sich anS Werk und fand eine ziemlich tiefe Wunde am köpfe, die indeß wenig ge- jährlich schien. Sie wusch die Wunde anS und ver­band dieselbe alsdann.

„Binnen acht Tagen wird sie heil sein," sagte sie. „Haben Sie keine anderen Wunden?"