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20. Jahrgang

Mittwoch, den 15. März 1893

JV 61

uldaerW Zeitung

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Windthorst-Denkwal

in Meppen.

Katholiken! In die freudige Festesstimmung, welche eben aller orten unsre Glaubensbrüder zur begeisterten Feier der goldenen BischofSjubiläumS Sr. Heiligkeit Leo'S XIII. aufrief, fällt die Erinnerung an den un­vergeßlichen Todten, der als treuester Paladin des päpstlichen Stuhles Recht und Freiheit der Kirche ver­fochten und im heiligen Kampfe für dieselbe» sein Leben eingesetzt hat.

Am 14. März werden es zwei Jahre, daß

Dr. Ludwig Windthorst

aus unserer Mitte schied.

Ber der Wiederkehr seiner Todestages richten wir mit dem herzlichsten Danke für die uns seither von nah und fern gespendeten Mitteln, aus denen seinem Andenken ein Standbild in der Stadt Meppen errichtet werden soll, die dringende Bitte an alle Ver­ehrer des verdienstreichen Mannes, zu der unS noch fehlenden Summe von etwa 9000 Mk. eine letzte Gabe beizusteuern.

Das vom Bildhauer H. Pohlmann in Berlin neuerdings entworfene und auf 25,000 Mk. veran­schlagte Erzstandbild, welches im Gegensatz zu dem früheren Entwürfe desselben Künstlers, Windthorst stehend dar stellt, giebt in Aufbau, Stellung und Gesichts­bildung der Persönlichkeit und Bedeutung Windthorsts, de« schlichten Mannes mit der ehernen Ueberzeugungstreue und beredten UeberzeugungSgobe einen treuen und edlen Ausdruck.

Katholiken! Hckfet zur Vollendung deS schönen Werkes! Zeiget der Mitwelt, daß das Andenken an dm edlm Führer bei Euch noch nicht erloschen ist! Möge in jedem Orte alsbald eine freundliche Hand sich dieser Ehrensache unverdrosien annehmm! Dann wird eS uns gelingm, zur dritten Wiederkehr deS Sterbetages das Bild sertig zu stelle», ei» Dmkmal der Ehre und des Dankes für dm gefeierten Todten, ein Erinnerungszeichen an den muthig und siegreich geführten Kampf, eine dauernde Mahnung dem leben» den und kommenden Geschlechte zur treuen Nacheiferung.

Beiträge wolle man senden an den Herrn Rentier und Bürgervorsteher L. Bödiker in Mkppm. Auch ist die Geschäftsstelle d. Zig. gern zur Entgegen» nähme von Spenden bereu.

Das Komitee zur Errichtuug eines Wiudthorst- DenkmalS in Meppen.

Schöningh, Hauptmann a. D. Kitters, Propst. Holling, Rechtsanwalt. Kargos, Symnafiallchrer.

KödiKer, Rentier.

Elauditz, Ober-Forst- u. Domamen-Jnspektor. Augustin, Bürgermeister. H. Krapp, Restaurateur.

Meyer, Buchhändler. Megeuer, Redaktmr. Thiele, Reaieruna«-Baumeister.

Deutsch« Keich.

Berlin, 13. März.

* Zu dem Kapitel „Für die Vervollständigung des Eisenbahn-Netzes im Interesse der Landes»

Verbannt.

Nach bem Englischen von I. RüttgerS.

(29. Fortsetzung.)

17.

Lady Georgina ritt jedm Tag in Begleitung eines Stallknechtes mit ihrer Gouvernante auS. An einem schönen Apriltage mtschlossm sich die beiden jungen Mädchen, einen langen Spazierritt zu machm und bis Shrewsbury zu reiten. Die Pferde wurden herbeige­bracht, aber der Bedimte bemerkte, daß das Thier, welches Gwendoline besteigen sollte, hinke, und er brachte also ein anderes.

„SS ist sehr sanft, Miß," sagte der Dimer. „Mylord hat eS mehrere Male geritten und er sagte »och gestern, daß eS ein wahres Dammpferd fei."

„Oh, ich fürchte eS nicht," sagte Gwendoline, „ich werde eS wohl leicht bändigen tonnen, wenn es sich ungelehrig zeigt."

AlS die beiden jungen Mädchen im Sattel saßen, ritten sie die Allee, welche zum Schlosse führte, hinab, Währmd der Dimer ihnen in einiger Entfernung folgte. Das Dorf Dunholm lag bald hinter ihnm, und sie sahm in kurzer Zeit Schloß Beechrnout vor ihnen liegen.

vertheidigrmg" haben die Abgeordneten Binder und Hugo (Centr.) im Reichstage folgenden Antrag einge­bracht: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, für die auf Grund von zwischen dem Reiche nnd einem Bundesstaate abgeschlossenen Verträgen erbauten Eisen» bahnm, welche im Interesse der Bertheidigung Deutsch­lands oder im Interesse der gemeinsamen Verkehrs für nothwendig erachtet wordm sind, Beiträge aus Reichs­mitteln wie zur Erbauung, so auch zur Unterhaltung und zum Bettiebe dieser Eisenbahnen dem einzelnen Bundesstaate zu gewähren, sofem die dazu erforder­lichen Kostm die BettiebS-Einnahmen übersteigen und den Staatshaushalt deS Bundesstaates belasten.

• Das Abgeordnetenhaus trat in die Berathung der Novelle zum Wahlgesetz ein. Nach den Kommis- sions-Anttägm soll das Dreiklassen-Wahlsystern für die Landtags- und Kommunal-Fragm bestehm bleibm, der 2000 Mk. übersteigende Einkommensteuer-Betrag aber nicht in Anrechnung kommen, für nicht zur StaatSein- kommenstmer veranlagte Wahlberechtigte eine fingirte Steuer von 3Mk. eingestellt und die ^Klassen mit 5/i2 der Gesammtsteuer für die 1., 4lia für die 2. und 3/l2 für die 3. Klasse abgetheilt werden. Ab«. Borling und Gm. (frs.) beantragten Einführung deS allgemeinen gleichen geheimen direkten Wahlrechts für die Landtags­wahlen. «bg. Frhr. v. Zedlitz (frk.) beantragte Weg­fall der Grenze von 2000 Mk. und folgende Klassen- Abtheiluvg: 1. Klasse 45°/0 der Gesammtstmersumme, 2. Klasse 330/g und 3. Klasse 22%. Abg. Dr. Bachem erklärte, daß daS Centtum prinzipiell für das allge­meine gleiche direkte Wahlrecht sei, im Interesse des Erreichbaren aber an dem in der Kommission verein­barten Kompromiß festhalte. Nationalliberalerseits wurde die 2000 Mark-Srmze bekämpft. Minister-Präsident Graf Eulenburg trat für die Kommission-»Beschlüsse ein, erklärte aber, daß er den von der ursprünglichen Regierungs-Vorlage «»geschlagenen Weg nach rote vor für dm besseren halte. AuS der Debatte ist hervor- zuhebm, daß der frühere Minister deS Innern, Herr- furth, für die Anwmdung deS allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts auf die LandtagSroohlm eintrat. Schließlich wurde § 1 ber KommissionS-Borlage unter Ablehnung der oben erwähnten Gegen • Anträge ange­nommen. Forfetzung morgen.

• Der Reichstag, dem der Handelsvertrag mit Kolumbien zugegangen und in den Abg. Jungfer (frf.) eingetreten ist, nahm die Novelle zum Postdampfer­gesetz (Wegfall der Mittelmeerlinie, Ersatz der Samoa­linie durch eine Zweiglinie nach Reu - Guinea) in zweiter Lesung an unter Ablehnung einer Resolution deS Abg. Dr. Barth, welcher die Samoalinie und da­mit natürlich die dafür dem Norddeutschen Lloyd ge­währte Subvention einfach in Wegfall gebracht und dem Lloyd eine Abfindung dafür zugebilligt habm wollte. Staatssekretär Dr. v. Stephan chellte ein Schreiben des Lloyd mit, worin derselbe den Vertrag nur als ein Ganzes aufrecht erhielt. Dann wurde die EtatSberathung fortgesetzt. Beim Etat deS Reichs- eisenbahnamtS wünschten Abgg. Schrader und Dr. Hammacher gesetzliche Regelung deS Pfandrechts an Eisenbahnen, wogegen Präsident deS Reichs-Eisenbahn-

„Ich möchte gern Miß Romey besuchen," meinte Georgina. „Sie muß wohl sehr glücklich sein! Ein glänzmdeS Vermögen befitzm und ganz ihr eigener Herr fein! ... @8 scheint mir, daß die- in der That das höchste Glück auf Erden ist, welcher man sich wünschen kann; nicht wahr, Marianne?"

„Ich glaub'- wohl," antwortete Gwendoline lachmd, „obwohl ich hierbei nicht auf Grund eigmer Erfahrung sprechm kann."

„Sonderbar", hob Georgina wieder an, „daß diese Indianerin unverheirathet ist, daS heißt, wofern sie nicht daran dmkt, meinen Vater zu heirathm, benn ich würde sie hassm." .

„ES wäre nicht unmöglich, daß Dein Vater henathe," sagte Gwendoline; „aber in diesem Falle würde seine Frau für Dich eine Frenndin sein, von welcher Du nichts zu fürchten hättest."

„Oh, ich verlange nicht, baß man mir Liebe ent­gegenbringe. Ich will nur Eines: nämlich eines Tage» Schloßbesitzerin von Dunholm werden, und ich werde eS wohl zu Wege bringen, daß mein Vater keine Frau $ Gwendoline antwortete nicht. Bor dem Parke von Schloß Beechmont, welches von einer hohen Mauer umgeben war, ritten die Beiden ein wenig langsamer,

amts Schultz auf die bevorstehende Regelung des Pfandrechts im neuen bürgerlichen Gesetzbuch hinwieS. Beim Etat der ReichSeismbahnverwaltung verlangt Abg. Bebel die Beseitigung der Bestimmung auS dm Arbeitsordnungm der elsaß-lothringischen Eisenbahn- Werkstätten, daß deutschfeindliche und ordnungSfemd» liche Arbeiter auszuschließen feien. Minister Thielm erwiderte, daß die Verwaltung Arbeiter, welche auf Vernichtung des Staates auSgehm, Unzufriedenheit er­regen und gegen Vorgesetzte Hetzen in den Staatswerk­stätten nicht dulden können. Die beiben Etats wurden angenommen. Auf die morgige Tagesordnung ist der gesummte Rest des Reichshaushaltsetats gesetzt.

* Saarbrücken, 11. März. Das hiesige Schwur­gericht verurtheilte heute sechs Berglmte wegen Land- friedmLbrnchS bei dem letzten Ausstande zu sechs bis achtzehn Monaten Gefängniß.

♦ Der badische Ministerwechsel ist ohne poliüsche Bedeutung. Die ,Bad. Landesztg.' beeilt sich, zu versichern, daß „die recht bedeutsame Veränderung im badischen Ministerium, wie schon durch das Berbleibm der Herren Eismlohr und Nokk in ihren jetzigm Aemtem bewiesm wird, ausschließlich der Person gelte und keinen irgmdwie gearteten Systemwechsel in der Leitung der Regierungsgeschäfte bedeute." Das mag im Augen* blick richtig sein; ein Unterschied besteht aber doch: DaS alte Ministerium verfügte noch über eine national» liberale Kammer Mehrheit, daS neue Ministerium ver­fügt über eine solche nicht. Und diesen Umstand wird eS wohl ober übet in Berechnung ziehen müssen.

Ausland.

* Pari«, 13. März. AveS-Gnyot, als Zeuge vorgeladm. verweigert fein Erscheinen. Er erklärt in einem Briefe an dm Präsidenten der Schwurgerichts, er könne über die in der Depofition deS Deputtrim Galis enthaltenen Behauptungen, betreffend die an BestMmm, nicht cmS- fagen, da sie Berathnngm des MinisterrathS betreffen.

* Rom, 10. März. Dm Gegnern deS hl. Stichle- habm die dem hl. Vater aus Anlaß feines goldmm Bischofsjubiläums von der ganzen Welt, vou Fürstm und Söllern, von Katholiken und Richtkatho» likm und sogar von Nichtchristm dargebrachtm Ehrm» bezmgnngm großen Berger bereitet. Hier hatten in Folg, dessen einige in Veranstaltung von liberalen Straßmkwbgebungm erfahrene Individuen eine Zu­sammenkunft von Vertretern aller antipäpstlichen Vereine veranlaßt, in welcher beschlossm wurde, zur Ehre der einigen Italiens und als Protest gegen die Pilgerzüge und die dem Papste erwiesmm Ehrenbezeugungen einen großartigen Umzug beim Klang der Revolutionsgesänge und mit Fahnm mtb Inschriften zu halten. Sm Ausschuß wurde an dm Bürgermeister gesandt, um von diesem für dm geplanten Umzug die offizielle Beteiligung deS Magistrats mit ben Standarten der Stadtviertel, den Feuerwehrmann, schäften in Galauniform und der Stadtmusik zu er­langen. DaS Stadtoberhaupt gab dm Leuten eine unbestimmte Antwort, seine Fürsprache beim Magistrat zusägmd, wen» die Vereine hinsichtlich des Umzüge-

um einen Blick auf das prächtige Schloß zu werf«, welche- unter ben Bäumen hervorlugte.

Kaum hatten sie bm Haupteingang passirt, al- em eiserne- Thor sich öffnete und eine Dame zu Pferde in Begleitung zweier Dimer erschim. Da- Pferd, welcher Gwmdoline ritt, erschrack bei dieser plötzlichen Erscheinung, bäumte sich, warf Gwendoline ab unb rannte dann in vollem Galopp bavon. Diejenige, welche die unfreiwillige Ursache diese- Unfalles war, flieg rasch vom Pferde, eilte auf Gwmdoline zu and sah, daß sie ohnmächttg da lag.

Die Dame gab bann ihren Bedienten ein Zeichen, worauf sie herbeieiltm. .

RUlon." sagte sie dann zu einem derseldm, „eue schnell nach Dunholm einen Arzt Holm, und Du, fuhr sie, indem sie sich zum zweiten wandte, fort, bringe diese Dame in- Schloß. .

Dann trat sie ans dm Dimer Lady Georgina « zu unb sagte zu ihm: „Ich sehe an Ihrer Livree, daß Sie vom Schlosse Dunholm finb; gehm Sie zurück und bringen Sie Herrn Darkwood die Nachricht von dem Unfälle, wobei Sie ihm zugleich mittheilm möge«, daß Miß Normy sich der beiben Damm annehmm wirb."

Air der Marquis biese Nachricht vernahm, war er