Beilage zu Nr. 59 der „Fuldaer Zeitung
Sonntag, den 12. März 1893.
Etwas über Maul- und Klauenseuche.
(Bon einem erfahrenen Landwirthe.)
* Die Maul- und Klauenseuche ist dar Schreckgespenst, dar von Zeit zu Zeit umgeht. Dieselbe tritt allenthalben, bald da, bald dort auf, oft durch Ansteckung, oft aber auch kommt sie ohne Ansteckung. Er liegt dies in den Jahren, wahrscheinlich am Futter. Der betreffende Landwirch hat sie schon drei Mal in seinem Biehstande gehabt, ohne daß ein fremder Stück Bieh oder ein fremder Mensch in seinen Stall kam. Sie besteht in sehr schmerzhaften Blasen, welche sich auf der Zunge und am Maul bilden. Diese gehen nach mehreren Tagen auf, die Haut geht weg, so daß dar Fleisch bloß liegt, dadurch können die Thiere nicht freffen Solche Blasen bilden sich auch an den Klauen und oft auch an dem Euter. Diese Krankheit kann recht gefährlich werden, wie er diesen Winter in einem Ort bei Mainz (Ober-Olm vorkam, wodurch ungefähr 30 Stück Bieh gefallen sind. Einem Mann sind von 7 Stück 4 gefallen. Wenn nichts gethan wird, oder die rechten Mittel nicht angewendet werden. Ganz ungefährlich ist sie, wenn man dar einfache Verfahren des betreffenden Land wirthS anwendet, welcher schon ost erprobt ist.
Sobald man nämlich merkt, daß diese Krankheit auSgebrochen ist und die Thiere das Futter verschmähen, muß man ihnen sogleich kühlende Nahrung beidringen, aber gleich, nicht erst einige Tage dar Vieh hungern lassen. In der Zeit, wo eS gelbe Rüben, Zuckerrüben oder Dickwurzeln gibt, nimmt man solche und spaltet sie zu langm schmalen Riemen, nicht Scheiben — Scheiben deshalb nicht, weil die Thiere die Zunge nicht so gebrauchen können wie im gesundm Zustand und daher leicht ein Stück im Hals stecken bleiben könnte, — steckt sie dem kranken Thier seitwärts in das Maul, so weit hinten als man kann und das drei Mal den Tag in ziemlich großen Portionen (einen Korb voll jedes Mal). Wenn die Thiere eS einmal wissen, nehmen sie die Nahrung sehr gierig, denn die Thiere haben Hunger, können aber absolut nichts nehmen. wenn sie von der Krankheit stark befallen sind. Die Blasen sind auch nur vorn im Maul, nicht hinten. Wenn die Thiere 3 bis 4 Tage nichts fressen können, dann kann die Krankheit gefährlich werden und sie können krepiren, im besten Fall kommen sie am Fleisch und an der Milch sehr zurück. Wenn man aber den Thieren auf oben angegebene Weise Nahrung beibringt, besonders gelbe Rüben oder Zuckerrüben, weil diese mehr Gehalt haben als Dickwurzeln, so wird man den Thieren die Folgen der Krankheit gar nicht ansehen, wenn sie vorbei ist, und selbst an der Milch wird man eS nicht viel merken, daß sie viel weniger geben oder daß sie schlecht wäre. Im Sommer, wenn man keine Wurzelgewächse hat, muß man bett Thieren andere kühlende Nahrung beibringen, weiche Welschkornstengel oder kühlende Tränke. In den allerschlimmsten Fällen dauerte eS 4 Tage, daß so gefüttert werden mußte, dann war eS vorbei und man sah eS den Thieren nicht an.
Wenn eS an den Klauen stark auftritt, so ist gut, dieselben mit lauem Wasser abzuwaschen. Wenn eS am Euter, namentlich an den Strichen, vorkommt, so schmiert der betreffende Landwirth dieselben mit einer Salbe auS 2 Theilen frischer Butter, 1 Theil gelbes Wachs und 1 Theil gelbes Pech, zusammengekochl, ein, aber Schmalz oder Butter thut's wahrscheinlich auch.
Wenn man so verfährt, so wird diese Krankheit außer der Mühe und Arbeit, welche man damit hat, sonst wenig Nachtheil verursachen.
Verbannt.
Nach dem Englischen von I. RüttgerS.
(27. Fortsetzung.)
Der verstorbene Lord Darkwood gestattete gern Jedem freien Zutritt, welcher ihn darum ersuchte. Unter dem neuen Besitzer war eS fteilich anders geworden; er hatte seinen Bedienten Weisung gegeben, keinen Touristen oder Reisenden mehr inS Innere des altert Gebäudes zuzulassen, dessen Thüren er hatte schließen und dessen verfallene Fenster wieder Herstellen lasten.
„Aber wie werden wir in's Innere gelangen," meinte Gwendoline, da alleThüren verschlossen sind?"
„Oh, ich weiß, wo sich die Schlüssel befinden, ich habe sie neulich in daS Zimmer meines Vaters gebracht."
„Wir werden Lord Darkwood um seine Erlaubniß bttten müssen, sie zu nehmen," meinte Miß Myner.
„O, dies ist nicht nöthig," versetzte Georgina, indem sie schon davon eilte. „Weil Du es aber willst. . ."
Einige Minuten später kam sie zurück, einen Schlüstel- buvd in der Hand schwingend, legte dann eiligst Hut und Mantel an, und Beide entfernten sich. Man konnte von verschiedenen Punkten au8 zu den Ruinen
gelangen. Da sie indesten nicht durch den Haupteingang dieselben betreten wollten, so wollten sie eine kleine, eiserne Thür benutzen, welche in einem Stein- partal angebracht war. Lady Georgina versuchte mehrere Schlüstel und fand endlich einen solchen, welcher paßte. , ,
„Sonderbar," sagte sie, „diese Thüre verursacht kein Geräusch; man sollte glauben sie wäre eingeölt."
Sie betraten den Hof und mehrere Zimmer, deren Thüren fest verschlossen waren. ES gelang Georgina mittels der Schlüssel, welche sie bei sich hatte, dieselben S öffnen, und alle Räumlichkeiten wurden in Augen- ein genommen.
„Bis jetzt," meinte Lady Georgina, „haben wtr noch keine Spur von etwas Uebernatürlichern wahrgenommen."
„Sehr einfach", antwortete Gwendoline, „denn tm neunzehnten Jahrhundert gehen keine Gespenster mehr um. Jetzt, wo wir daS Erdgeschoß und die einzelnen Etagen gesehen haben, könnten wir wohl auch einmal in jene düsteren Keller hinabsteigen, in welchen man ehemals in Kriegszeiten die Gefangenen einschloß".
Georgina schien einigermaßen unschlüssig zu sem.
„Wmn Du keine Furcht hast", sagte sie, „dann will ich versuchen, ebenso viel Muth zu zeigen, als Du".
„Aber wir werden Licht haben müssen", meinte Gwendoline; „und wie sollten wir unS solcher ver- schaffe«?" „ „ v t
Ich habe in der Küche eine Laterne und daneben eine Büchse mit Zündhölzern gesehen; ich will nachsehen, ob die Laterne noch mit Oel versehen ist.
Sie kam bald mit einem Lichte zurück, welches Gwendoline dann in die Hand nahm. Alsdann stiegen sie die breite Steintreppe hinab und befanden sich in einer Art Flur, auf welchem mehrere eiserne Thüren ausmündeten. , .
„Man sollte meinen, wir befänden unS m einem Grabgewölbe", sagte die Tochter Lord Darkwood'S mit leiser Stimme.
Sie durchschritten die langen Gänge weiter, wobei sie hier und da eine Thür öffneten und alle Ecken und Winkel durchstöberten. Miß Myner meinte endlich, daß es Zeit sei zurückzukehrrn, da. sie sich sonst vielleicht in diesem A'dlosen Gewirr von Höhlen verirren möchten. In diesem Augenblicke hüpfte eine Ratte Georgina über die Füße. Erschrocken stieß sie einen durchdringenden Schrei aus, dessen Echo von allen Seiten an den büfteren Gewölben wieder- hallte.
„Es ist nichts weiter als eine Ratte", sagte Gwendo- line, „fürchte also nichts".
Die Gouvernante hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als etwas wie eine erstickte Stimme sie ver- nehmen ließ; eS klang fast wie ein schmerzlicher Seufzer oder wie ein leiser Todesröcheln.
Als Georgina diesen Schrei der anscheinend von einem menschlichen Wesen her kam, mitten in der tiefen Einsamkeit hörte, erzitterte sie an allen Gliedern und erbleichte wie eine Todte. Auch Gwendoline, welche sonst muthig war, konnte sich eines leisen Schauderns nicht erwehren. ,x
„O, dies wird sein Tod fein", murmelte die Tochter Lord DarkwoodS. „Weshalb sind wir auch nur hierhin gegangen? Schnell weg von hier, Marianne, schnell!"
Die Gouvernante antwortete nicht, sondern gab Georgina ein Zeichen zu schweigen; dann rief sie mit klarer vernehmlicher Stimme aus: „Wer ist da? Wer hat uns gerufen?"
Ein seltsames, anhaltendes Seufzen war die Antwort auf diesen Ruf.
Die beiden jungen Mädchen lehnten sich einer Ohnmächte nahe, wieder die feuchte Mauer; die Laterne war der Hand der Gouvernante bereits feit einigen Augenblicken entsunken. „Erschrecken wir nicht", sagte ' Gwendoline, indem sie sich Muth zu machen suchte, „ich bin überzeugt, daß daS, was wir gehört haben, nichts weiter ist, als der Ruf einer Eule."
Abermals rief sie wie vorhin, und abermals antwortete ein halb unterdrückter Schrei, welcher tief aus einem Grabe hervorzukommen schien.
„Bleibst Du auch jetzt noch bei Deiner Behauptung, daß eS nichts weiter als eine Eule ist?" frug Geor- gina.
„Steigen wir schnell hinauf, ich sterbe vor Angst und Schrecken." , . _
Die Gouvernante erfaßte Georgina beim Arme und zog sie hastig vorwärts. Während sie davon eilten, ertönte die Grabesstimme abermals. Unterdessen waren die beiden jungen Mädchen nach einigen Kreuz- und Querzügen wieder glücklich am Fuße der Steintreppe angelangt, welche sie mit Windeseile erstiegen.
AthemloS langten sie im Erdgeschosse an, imd Georgina ließ sich in der Küche mehr tobt als lebenbig auf einen alten Holzstuhl niederfallen. Gwendoline
suchte sie zu beruhigen und begann zu lachen, während sie sagte: „Wir sind doch wirllich große Kinder, daß wir unS so sehr durch daS Geschrei eines NachtSvogelS erschrecken lassen! . . . denn es war sicherlich nichts als eine Eule, welche wir aus ihrer Ruhr anfgestört haben!"
Du wirst eS mir nie auSreden, Marianne, daß eS im Segentheil ein Wesen Übernatürlicher Art war. Aber, allmächtiger Himmel, war höre ich da abermals?"
In der Thal hallte in dem Flur ein Tritt wieder und gleich darauf erschien Lord Darkwood unter der Thüre. Er schien sich in gewaltiger Aufregung zu befinden und seine kleinen grauen Augen funkelten in unheimlichem Glanze. .
„Was soll Eure Anwesenheit hier tn diesen Rinnen bedeuten? rief Lord Darkwood hastig auS. „Was habt ihr Beide hier zu schaffen? Wer hat die Schlüssel in meinem Kabinet genommen?"
„Wir haben die Ruinen besehen wollen, Mylord , sagte Gwendoline sanft, „und Georgina hat die Schlüssel genommen". ~ „
„Ja, ich bin eS", antwortete Georgma, „Dn warst nicht anwesend und so glaubte ich diesäben ohne Deme Erlaubniß nehmen zu dürfen, um fo mehr, weil sonst alle Fremden, welche hierhin kommen, ohne Weiterer zugelastm wurden. Aber wie find wir erschreckt wordm! Wir haben den Schrei der Gespenster gehört, vvn dem unS die Mägde so oft erzählt haben."
„WaS sagst Du da?" rief Lord Darkwood auS, indem er sich wider die Mauer lehnte.
„Nun, wir sind in die Kellergewölbe hmabge- stiegen und dort haben wir ein felisameS Rufen ver- nommen. KMxxgewölbe!" wiederholte Lord Dark- wood mit dumpfer Stimme.
„Ja, und nahe bei der Stelle, wo w»r uns befanden, hat Jemand einen tiefen Seufzer mehrmals auSgesioßen; Miß Myner meint, eS fei em Nachtvogel gewesen, ich aber behaupte das Gegmtheil.
Der Marquis befand sich glücklicher Werfe tm Schatten, sonst hätten die beiden jungen Mädchen bemerken müssen; wie eine tödtliche Blässe sich auf fei-
„3?iT Myner hatte jedenfalls Recht," sc-ote er bann, inbem er den Ton seiner Stimme möglichst fest zu machen suckte; „eS ist ohne Zweifel em Nachtvoge, vielleicht eine Eule gewesen, welche ,hr gehört habt. Die Ruinen sind von vielen solchm Vögeln bewohnt, wegen der Bäume, welche in der Nähe stehen. Jetzt kehre zum Schlosse zurück, meine Tochter, und denke daran, daß ich Dir aus's Strengste untersage, lemalS Deinen Fuß wieder hierhin zu setzm, ohne daß ich Dich begleite. Ich bitte Sie Miß Myner, darüber wachen zu wollen, daß meine Tochter meiner Weisung nachkommt." . ... « ,
Damit verließ der MarquiS mit seinen Begleiterinnen das Schloß.
(Fort), folgt.)
Vermischtes.
* So nachtheilig, wie gegen die schon grünenden Pflanzen, sind die Frühjahrsostwinde auch st>: d« menschlichm Athrnungsorgane theilS durch dm Unter- schied ihrer Kältegrade zu der bei unS bereits zur Herrschaft gelangten Frühlingsluft, thnlS durch ihre Trockenheit, weil sie aus den Gegmdm tommen, wo .letztere in fo bedeutendem Maße vorherrscht, daß sie verderbliche Mißerntm verursachte. Diese Ostwmde erkennt man schon beim Hmaustreten aus der Thur ohne nach der Wetterfahne sehen zu müssen, wenn man es beachtet, an dem Gefühl des Unbehagens, das sie im Körper Hervorrufen, der Vertrocknung rm Hals und bei dazu geeigneten Personen Rerz zum Hüsteln. Bei Lungenkranken sind sie aber die gefährlichste Zett, denn sie haben fchon manchem beit Tob geM . ^ur die Aerzte sind sie die Zeit der größten Beschäftigung und für alle Menschen die Periode, in welcher Vorsicht am nölhigstm ist. DaS Erste ist natürlich wamw Kleidung, aber Vermeidung von Schweiß, waS w zu beachten hat, außerdem möglichstes Schließen d^ Mundes und Schutz desselben durch ein Tuch beun Wandern gegen dm Wind. Zu vermeiden J f^« der Reiz durch Rauchen, auch
Alkohol. Wer an den regelmäßigen Genuß des letzteren gewöhnt ist, dem ist Rothwem zu empfthkn statt kalten Bieres. Sehr gute Dienste leistet Milch des MorgmS warm statt des üblichen Kaffee S genossen, am besten mit Selterswasser. Denn wer stets semm Körper beobachtet und zeittg bewahrt, wehrt den Krankheiten den Eingang, und daS ist besonders bei dm auch dieses Jahr sicherlich einttetenben FrühiahrSost- winden zu beadjten. 1
* Eine Tunnel-Verbindung'zwischen den Schwesterstädten Rewyork und Broklin plant die Long-Jsland Rmlroad- Company. Dieselbe will einen Tunnel unter dem East - Rwer