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Sonntag, den 12. März 1893. 20. Jahrgang

iildilkrWZkitiiiig

Erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abounemeut-prei - ohne Bringerlohn und Bestellgell» mit der belletristischen Lonntmsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

fV* Hierzu eine Beilage. **3P1

Dilgerfahrt nach Kam.

Sowohl die Direktion der Kgl. bayerichen Staats­bahn als die der österreichischen Südbahn, wie auch die -er italienischen Mediterania haben dem Komitee sür -en deutschen Pilgerzug die gleichen Preisermäßigungen wie in 1888 für den Fall zugesagt, daß, wie damals, durch Bayern und Oesterreich mindestens 200, durch Italien 250 Reisende gemeinsam die Hinreise machen. Da eS norhwendig ist, die definitive Zahl der Pilger baldigst zu wisien, wird hiermit gebeten, die Anmeldun­gen möglichst bald bei der unterzeichneten Stille zu -ewirken.

Auch diejenigen Pilger, welche sich erst in Rom ^schließen wollen, können dies nur dann, wenn sie eine von der unterzeichneten Stelle ausgefertigte Pilger­karte erhalten haben.

Ein geschloffener Pilgerzug über Chiasio findet nicht statt; die über Cyiasio Reisendm können sich dem ge­meinsamen Pilgerzuge in Bologna nur dann anschließen, -wenn sie daS so rechtzeitig anmeldm, daß sie, falls 250 Pilger zusammenkommen, alsdann mit den gestellt werdenden Extrazügen mitreisen können. Tine eventuelle Preisermäßigung für sie ist nachgesuckt.

Denjmigen Pilgern, welche sich in Rom dem Pilger- zuge anschließen und über Cniasio reisen wollen, wird empfohlen, sich an Herrn F. Rory in Köln zu wmden, durch dessen Vermittelung sowohl billiger berechnete RetourbilletS auf kürzester Linie nach Rom, als auch daS um die Besuche in Florenz und Turin verkürzte und um die betreffenden Kosten billiger gestellte Rund- reisebillet Rr. 27 mit Einschluß von Loreto und Assisi erworben werden kann.

Gleichzeitig werden die Anmeldestellen ersucht, die bei ihnen emgelaufenen Anmeldungen möglichst um- gehend nach deren Eingang hierher einzusenden, damit sowohl wegen brr Wohnungen in Rom als auch wegen der BillripreiSreduktionen daS Rölhige rechtzeitig ver­anlaßt werden kann.

Frankfurt a. M.. den 7. März 1893.

Die Centralftelle für den deutschen Pilgerzug nach Rom: Dr. o. Strinle.

* Die vierten Bataillone.

Dieses eigenthümliche Gebilde der Militärvorlage, da» zuerst fast überall der größten Geringschätzung be­gegnet, findet neuerdings lebhaften Anklang. Die Kon- servativen. die früher über die „Schwammbataillone" nicht genug spottm konnten, find jetzt Feuer und Flamme ^ür sie und bezeichnen sie als dm Grund- und Eckstein, ohne dm sich ein erträgliches System mit zweijäh­jähriger Dienstzeit gar nicht aufbauen lasse. Hinze, der militärische Fachmann der freisinnigm Partei, hat sich wenigstens so weit bekehrm lcssen, daß er die viertm Bataillone, wmn sie auch im Frieden mtbebrlich seien, doch für nothwmdig zur Erleichterung der Mobilmachung erachtet, weil man bei der Bildung der Reserve- und Ersatzbataillone sich auf daS vierte Bataillon stützen könne. Doch hat Hinze ausdrücklich sich gegen die Absicht verwahrt, den werten Bataillonen zu Liebe über die gegenwärtige Präsenzstärke hinauS- gehm zu wollen. DaS vierte Bataillon dient nämlich nicht bloß zur Ausbildung deS NachersatzeS und zur Erlösung der Bollbataillone von störenden Neberrge- schäftrn, sondern eS stellt sich auch als ein Mittel zur weiteren Verstärkung deS Rekruteu-KontingmtS, zur systematischen Durchführung der allgemeinen Dienst­pflicht. In dem vierten Bataillon mit vorläufig 195 Mann ist noch Platz in Menge für viele andere Wehr­pflichtige. Im letzten Grunde kommt eS weniger auf diese oder jene Einzelheit des RegierungS-PlaneS an, als vielmehr darauf, ob der Reichstag durch Festhalten an der jetzigen Präsenzstärke dem Prinzip der all­gemeinen Dienstpflicht einen starken Riegel vorichrebt oder ob er sich auf die abschüisige Bahn einer Mehr- bewilligung verlocken läßt.

In Anbetracht der Wichtigkeit der viertm Bataillone geben wir nachstehend dm wesentlichen Theil der Aus­führungen deS Majors Wachs wieder: Wenn ihm die Verhältmsse bei dm vierten Bataillonen näher bekannt geworden sein werden, wird sich auch der Abg. Dr. Lieber der Ansicht nicht verschließen, daß bei den­selben von dem ewigen Einerlei der Rekrutenausbild -

ung durchaus keine Rede sein kann. Die Frage, wie man zu den für die vierten Bataillone in Aussicht ge­nommenen Etat von 195 Unteroffizieren und Gemeinen gekommen sei, beantwortet sich aus der sür diese Ba­taillone vorgesehmen Zw.ckb.stimmung, die in der Be­gründung zu ersehen ist. Sollen die vierten Ba­taillone darnach in Fragen die Durchführ­ung der zweijährigen Dienstzeit durch Ent­lastung der Feldbataillone und durch Aus­bildung sämmtlicher Diensttauglichen er­möglichen, so liegt ihum im MobtlmachungSfalle die Erleichterung der Aufstellung der Reu- und Reserve­formationen ob, benen sie vor allem einen festem Halt geben und in Wechselwirkung hiermit gleichzeitig die Feldbataillone von Abgabm mtlastm sollm. Die viertm Bataillone sollen nicht etwa die erste AnSbiid- ung aller Diensttauglichen übernehmm, sondern nur daS Mehr an Diensttauglichen in sich auf- nehmm beziehungsweise ausbilden, daS bei den übrigen Bataillonen einzustellen sich verbietet. Um im einzelnm die Stärke der viertm Bataillone zu begründm, wird eS am bestm fein, Ihnen ein klares Bild über die Dienstverhältnisse, wie sie sich bei diesm Bataillonm gestalten werden, in Verbindung mit einem kurzm Abriß deS Verlaufs eines Dienstjahres zu gebm. Für dm Dienstbetrieb der vierten Bataillone kommen zwei HauptgefichtSpunkte in Betracht, nämlich die Ent- lastung der übrigen Bataillone und die Ermöglichung der Ausbildung aller Diensttauglichen, denen sich als dritter Faktor die Jnteresien für die eigene Ausbildung anschließen.

Die Entlastung der bestehmden Bataillone würde in Erscheinung treten in der Uebernahme eines TheilS der außerhalb der Truppe Kowmandirtm — der Natur des Kommandos und dm an gestellten Ermittelungen nach bis zu etwa 8 Unterosfizierm, 42 Marrn —, in der Ausbildung deS Nachersatzes beziehungsweise eine» IHeilS desselben, desgleichen der besonderm Kategorien, als der BolkSschullehr-r, b- Mannschaften de» BezirkSkommandoS, der am 1. April eintreteiben Ein­jährig-Freiwilligen, der Oekonom-ehandwerker u. dergl. mehr, sowie in der Uebernahme der Hebungen des Beurlaubtenstandes. Der letztere Punkt ist ohne Zweifel der wichtigste. ES handelt sich um rnnd 120,000 Mann, und wer einmal einen Einblick in daS Getriebe deS nie still stehenden Dienstes gethan hat, der wird dec Militärverwaltung Recht geben, wmn sie in dieser Maßnahme eine der vornehmlichsten Bedingungen er« k-lickc, ohne welche unter dm neuen Verhältnissen die Erhaltung der wichtigsten Waffe deS Heeres — der Infanterie — in ihrer bisherigen Tüchtigkeit nicht gewährleistet erscheint. In Bezug auf die Ausbildung der Einjährig-Freiwilligen wird nichts ge­ändert. Nur die erste Ausbildung, um mich eines technischen Ausdrucks zu bedienen, die RekrutmauS- bildmig werden die am 1. April Eintretenden bei den viertm Bataillonm erhaltm, nach derselben aber sofort zu ihren Kompagniem zurücktreten. Mit der Bemdigung der Rekrutenausbildung wachsen dm Kowpagnieen je 40 Mann hinzu, so daß sie in der Stärke von je 10 Unteroffizieren und rund 50 Mann zu einer Kompagnie vereinigt mit Erfolg in daS Kompagnie-Exerzirm ein­treten könnm. Da die Chargen zchlreicy vorhandm sind, so kann nebmbei dar vierte Bataillon ohne Be­einträchtigung seiner eigenen Zwecke Abkommandirungm ju weitern den Feldbataillonm zu Gute kornrnmdm Entlastungszweckm (Ausbildung der am 1. April ein» zustellenden Einjährig-Freiwilligen u. s. w.) eintreten lassen. Mit Bemdigung der Kompagnie-Ex er- zirenS rückt die Zeit der Uebungen deS Beur­laubtenstandes heran. Dieselben geben nicht nur durch deren volle Uebernahme auf daS vierte Bataillon dm Feld bataillonen für die wichtige Sommer Periode mit ihrer Ausbildung im Felddienst, im Schüßen in größeren Verbänden, dm Uebungen mit andern Wissen auf den großen Truppenübungsplätzen u. f. w. völlig freie Hand zur eigenen Ausbildung, sondern sie bieten auch die erwünschte Gelegenheit, die vierten Bataillone in dieser Zeit zu dm verschiedenen Ausbildungszwrcken entsprechend zu verstärken eventuell in dieser Formation auch mit zu dm Herbstübungen zu nehmen. Auf diese I Weise gewinnen die Uebungen des Beurlaubtenstandes - nicht nur an Werth, sondern eS wird auch, indem d,e i Jnteresien her vierten Bataillone mit denen, bte die U'bungen des BeurlaubtenstandeS verfolgen, zusammen- : fallen, die Last beseitigt, die bisher diese Uebungen für I Pie Truppe waren. Anlangend die Verwendung der

vierten Bataillone im MobilrnachnngSfall, so ist kein Uebelstand bei den jährlichen Mobilmachungsvorarbeiten mehr hervorgetretm, als der, daß nnS für die Massen- Reuformationen, welche die Infanterie natur­gemäß im Kriege aufstellen muß, jeder Stamm fehlt. Alle, die mit solchen Sachen zu thun haben, empfinden dieses in jedem Jahre von 9teuem als eine । der bedenklichsten Lücken in unserer zeitigen Organi­sation, und Jeder, der im Kriege solchen Formationen angehört hat, wi'd am beften den Werth zu würdigm wissen, welchen ein schon im Frieden bestehen­der Rahmen für Neuformationen obgibt, die ! vielleicht zugleich mit den Linientruppentheileu berufen find, dem Feinde enigegmzutretm.

Deutsches Keich.

Berlin, 10. März.

• Auf dernfelben Fleck bleibt die Militär-B klage stehm. Die Kommission bemühte sich, aus der Re­gierung eine Erklärung herauszubringen, ob und in welchen Punkten sie etwa nachzngebm geneigt wäre, was sie für das Wichtigste, war für minder wichtig ansehe. Die Antwort des Reichskanzlers wird von der ,Rordd. Allgem. Ztg/ rnitgetheilt. Danach ist man genau so weit, wie man vor Beginn der KommissionS- Berathung war. Der Reichskanzler wiederholte, daß die Vorlage ein durchdachtes Ganze bilde und die Ver­treter der verbündeten ^Regierungen schon formell gar keine Berechtigung hätten, davon etwas aufzugebm. Bisher habe außer dem RegiernngS-Borschlage als be­stimmte Ansicht nur die der Freisinnigen und des Cen- trnrnS Vorgelegen, daß die gegenwärtige FriedenS-Prä- fmzstärke nicht überschritten werden solle. Diesm Vor­schlag habe er aber schon wiederholt als unannehmbar bezeichnet. Andere Vorschläge (z. B. der Betmigsen'sche) seien nicht zu einer präziseren Formulirung gediehen. Die Regierungen könnten nicht darauf eiugehm, daß die Sicherung der Zukunft DmtschlandS an den Min­destfordernden Derbungen werde, sie glaubten sich zu dem Wunsche berechtigt, daß ihre Boi läge im Einzelnen durchberarhm werde. — Danach beabsichtigt die Regie­rung also offenbar nicht, irgend einen Vorschlag zur Verständigung zu machm. Vielmehr scheint sie daraus zu rechne», daß solche von den Parteien gemacht »er­ben, woraus bann wohl spekulirt wirb, ben Reichstag mübe und mürbe zu machen. Die Hoffnungen ber Re­gierung können sich aber nicht erfüllen. Die künstlicym unb dürftigen Kundgebungen im Lande für die Mili­tär-Vorlage werden die Regierung kaum über die Sage täufchm. Die Nationalliberalen fühlm auch sehr wohl, daß die Wähler nicht hinter den Nachgiebigen stehen. Sie möchten deshalb die Entscheidung über die Mili­tär. Vorlage verschoben toiffen, bis die preußischen und bayerischen Landtagswahlen vorüber find. Die.Nordd. Allgem. Ztg/ erklärt indeß, daß dieser Wunsch nicht erfüllt werben könne. Da daS Centrum über fein als unannehmbar bezeichnetes Angebot nicht hinauSgehm will, haben unter den obwaltendm Umständm die Kom- misfionS-Berathungen keinen rechten Sinn mehr.

♦ In der heutigen Sitzung (Freitag) hat die Militärkommisfio« bei Reichstages die erste Lesung beendigt und zwar mit vollständig negativen Erfolg. Die Kommission stimmte zuerst über § 2 ab, der die neuen Formattonen, daS heißt also die neue Zahl der Bataillone, Eskadrone und Batterien auszählt. Die Infanterie-Bataillone wurden mit allen Stimmen gegen 9 konservative, sreikonservattve und nationalliberale Stimmen abgelehnt, die übrigen Formationen gegen 6 konservative und sreikonservattve Stimmen. Die National- liberalen erklärten daraus, daß sie sich ihre endgilttge Stellungnahme Vorbehalten. Bei der Berathung über Paragraph 1 erklärte Lieber, dar Gentium stimme zu- nächst gegen die verlangte Präsenzstärke unb gegen Bennigsm's Antrag, der noch zu hoch sei. Ser die zweijährige Dienstzeit mit bet jetzigen Präsenzstärke nicht zu erreichen, io verzichte ba8 Centrum hebet auf d.e- selbe, ben» sie sei zu theuer erkauft. Der § 1, bte Präsenzstärke enthaltend, wurde mit allen gegen b konservative Stimmen, der freisinnige Antrag, die jetzige Piäienz bis 1895 festzulegen, mit allen gegen 5 St. abgetebnt. Diesen Antrag hatte Caprivi für unannehm- bar erklärt; andere billige Borfchläge fei er bereit zu prüfen. — Die erste Ablehnung der Militärvorlage ,st somit erfolgt. Die zweite Lesung beginnt am nächsten ! Donnerstag.